Die Hausarbeit untersucht das Saarbrücker Diktum, nach dem rhetorische Kommunikation stets an sektoral spezifische Kommunikationsaufgaben gebunden ist und allgemeine Rhetorik nur als Theorie existiert, und entfaltet daraus eine methodische Staffelung von allgemeiner und sektoraler Rhetorik. Im ersten Teil werden allgemeine rhetorische Kategorien als theoretischer Bezugsrahmen profiliert und am Beispiel einer internen Videobotschaft aus der Unternehmenskommunikation organisations- und medienrhetorisch konkretisiert. Im zweiten Teil überträgt die Arbeit diesen Bezugsrahmen auf die Analyse eines als suboptimal erlebten Mitarbeitergesprächs, das mithilfe des Sprechsituationsmodells nach Gutenberg systematisch rekonstruiert wird.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Allgemeine und Sektorale Rhetorik
2.1 Allgemeine Rhetorik
2.2 Sektorale Rhetorik
2.3 Beispiel: Medien- und Organisationsrhetorik (Interne Videobotschaft)
2.4 Diskussion
3. Analyse eines Mitarbeitergesprächs
3.1 Kontext und Beschreibung der Gesprächssituation
3.2 Einordnung der Gesprächssituation
3.3 Analyse des Mitarbeitergesprächs anhand des Sprechsituationsmodells
3.3.1 Wer / Mit wem (Rollen- und Beziehungsbeschreibung)
3.3.2 Worüber (Thema / Gegenstand)
3.3.3 Warum (Anlassbeschreibung)
3.3.4 Wozu (Zielbeschreibung)
3.3.5 Wo / Wann (Kontext- und Rahmenbeschreibung)
3.3.6 Wie (Prozess- und Strukturbeschreibung)
3.3.7 Zusammenfassung
3.4 Möglichkeiten gelingender Kommunikation
3.4.1 Explizite Ziel- und Ablaufklärung
3.4.2 Kooperative Gesprächsarchitektur
3.4.3 Konkretisierung von Sachverhalten
3.4.4 Strukturierung, Ergebnissicherung und Anschlussvereinbarungen
4. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht das Verhältnis von allgemeiner Rhetorik als theoretischem Rahmen und sektoraler Rhetorik als praxisorientierter Anwendung im organisationalen Kontext. Ziel ist es, anhand der praktischen Analyse eines Mitarbeitergesprächs aufzuzeigen, wie rhetorische Kompetenzen unter spezifischen institutionellen Rahmenbedingungen konstruktiv eingesetzt werden können.
- Theoretische Fundierung von allgemeiner und sektoraler Rhetorik
- Analyse von Organisationskommunikation am Beispiel von Videobotschaften
- Praktische Fallanalyse eines Mitarbeitergesprächs mittels des Sprechsituationsmodells
- Identifikation von Gelingensbedingungen für professionelle Gesprächsführung
Auszug aus dem Buch
3.3.1 Wer / Mit wem (Rollen- und Beziehungsbeschreibung)
In der vorliegenden Sprechsituation nahm die direkte Führungskraft die Rolle des Sprechers als vorgesetzte Instanz ein, während der Mitarbeiter in der Rolle des Hörers adressiert wurde. Die Interaktion war deutlich hierarchisch gerahmt, da die Führungskraft den Termin ansetzte, den organisatorischen Rahmen festlegte und die inhaltlichen Bewertungen weitgehend einseitig vorgab. Dadurch ergab sich eine Kommunikationsdynamik, in der Mitarbeiter primär reagierend und rechtfertigend agierte und nur begrenzten Einfluss auf Themenwahl und Gesprächsverlauf hatte. Damit wird sichtbar, dass die im ersten Teil theoretisch herausgearbeitete Bindung rhetorischer Kommunikation an sektorale Aufgabenprofile sich hier in einer asymmetrischen Rollenverteilung konkretisiert: Die allgemeine Möglichkeit eines dialogisch ausgerichteten Mitarbeitergesprächs wird durch die organisationale Rollenkonstellation und deren praktischen Vollzug spürbar eingeschränkt.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Einführung in das Saarbücker Diktum und die Zielsetzung der Untersuchung des Verhältnisses von allgemeiner und sektoraler Rhetorik.
2. Allgemeine und Sektorale Rhetorik: Theoretische Herleitung und Differenzierung der Begriffe sowie Erläuterung anhand von Beispielen aus der Organisationskommunikation.
3. Analyse eines Mitarbeitergesprächs: Praktische Untersuchung einer konkreten, als suboptimal empfundenen Gesprächssituation unter Anwendung des Sprechsituationsmodells.
4. Fazit: Zusammenfassende Erkenntnis, dass allgemeine und sektorale Rhetorik als komplementäre Perspektiven zur Analyse und Optimierung organisationaler Kommunikation dienen.
Schlüsselwörter
Allgemeine Rhetorik, Sektorale Rhetorik, Organisationskommunikation, Mitarbeitergespräch, Sprechsituationsmodell, Rhetorische Kommunikation, Kommunikationsanalyse, Führungskommunikation, Gesprächsführung, Professionelle Rhetorik, Interaktion, Institutionelle Kommunikation, Gesprächsarchitektur, Rollenkonstellation.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert das Zusammenspiel von allgemeiner Rhetoriktheorie und sektoraler, praxisbezogener Anwendung im Kontext von Organisationen.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Die Themen umfassen die rhetorische Theoriebildung, die Besonderheiten der Organisationskommunikation sowie die praktische Analyse von Mitarbeitergesprächen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist die Erprobung und Validierung theoretischer rhetorischer Kategorien in einer realen, komplexen Arbeitssituation zur Ableitung von Gelingensbedingungen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird das Sprechsituationsmodell nach Gutenberg genutzt, um eine konkrete Gesprächssituation systematisch zu erfassen und rhetorisch auszuwerten.
Was behandelt der Hauptteil der Arbeit?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Erörterung der Rhetorikbegriffe und die detaillierte fallbasierte Analyse eines Mitarbeitergesprächs.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind unter anderem Organisationale Rhetorik, Sprechsituationsmodell, Führungskommunikation und professionelle Gesprächsführung.
Warum wird das Sprechsituationsmodell für das Mitarbeitergespräch gewählt?
Das Modell ermöglicht es, auch die nicht-sprachlichen, institutionellen und strukturellen Rahmenbedingungen (wie Rollenverteilung und Setting) in die rhetorische Analyse einzubeziehen.
Welche Rolle spielt die asymmetrische Hierarchie im analysierten Fall?
Die hierarchische Rollenkonstellation begrenzt die dialogische Qualität des Gesprächs, was die Relevanz der theoretischen Erkenntnisse für die Praxis verdeutlicht.
- Arbeit zitieren
- Daniel Claus Schäfer (Autor:in), 2026, Allgemeine und sektorale Rhetorik in Organisationen. Beispiel eines Mitarbeitergesprächs, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1736797