Der gesetzliche Mindestlohn in Deutschland

Pro und Contra im EU Vergleich


Hausarbeit, 2011
15 Seiten

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die Ziele, die Normen und die Historie eines Mindestlohns per Gesetz

3. Das Pro eines gesetzlichen Mindestlohns
3.1 Der zunehmende Niedriglohnsektor und die abnehmende tarifliche Bindungen
3.2 Die Beschäftigungseffekte der gesetzlichen Mindestlöhne
3.3 Die bejahenden Mindestloheffekte

4. Die internationalen Erkenntnisse durch die gesetzliche Einführung eines Mindestlohns
4.1 Die Erkenntnisse mit dem „National Minimum Wage“ in Großbritannien
4.1.1 Die Einführung und die institutionelle Verankerung
4.1.2 Der Effekt des Mindestlohns in Großbritannien

5. Die Höhe des gesetzlichen Mindestlohns
5.1 Die internationalen Mindestlöhne
5.2 Welche Höhe sollte der deutsche Mindestlohn haben?

6. Abschließende Zusammenfassung

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

In dieser Hausarbeit beschäftige ich mich mit dem Thema: „Der gesetzliche Mindestlohn in Deutschland“.

In Deutschland befürworten zurzeit ca. 79% der Bevölkerung die Einführung eines gesetzlichen Mindestlohns in Deutschland bzw. sogar in der ganzen EU.[1]

Dies ist nicht überraschend vor dem Hintergrund sinkender Löhne und wachsender Einkommensungleichheit.[2]

Leider ist eine Zunahme von Armut und sozialer Ausgrenzung zu verzeichnen.[3]

Festzustellen ist das die Kluft zwischen Arm und Reich immer großer wird[4], während sich Niedrig- und Niedrigstlöhne in Deutschland immer weiter ausbreiten.[5]

Die Diskussionen um eine Einführung des gesetzlichen Mindestlohns als Gegenstrategie wird immer lauter. Die Gewerkschaften fordern die Einführung eines gesetzlichen Bruttolohns von 7,50€ pro Arbeitsstunde. Seitens der Arbeitgeberverbänden und der Wirtschaftsforschungsinstituten wird dies eher skeptisch betrachtet. Sie haben die Sorge, dass durch die Einführung eines gesetzlichen Mindestlohns Arbeitsplätze abgebaut werden.[6]

Hans Werner Sinn, der Leiter des Ifo Institutes lehnt die Einführung strikt ab und unterstreicht dies mit einem Kommentar in der Zeit: „ Der gesetzliche Mindestlohn ist ein Spiel mit dem Feuer!“.[7]

Es wird heftig und kontrovers diskutiert, ob wir in Deutschland den gesetzlichen Mindestlohn brauchen oder nicht. Dieses Thema polarisiert und wirft natürlich viele Fragen auf. Würde die Einführung eines Mindestlohns für ganz Deutschland wirklich Arbeitsplätze vernichten? Welche negativen bzw. positiven Folgen würde die Einführung des flächendeckenden Mindestlohns bringen? Außerdem, welche Höhe müsste dieser haben?

In meiner Hausarbeit beschäftige ich mich als erstes mit der Historie des gesetzlichen Mindestlohns. Dann folgen die Ziele und Normen.

Ich werde in der Arbeit immer wieder auf die vorausgegangenen Fragen eingehen.

Des Weiteren werde ich auf die ökonomischen und sozialen Hintergründe eingehen, die für eine Einführung des gesetzlichen Mindestlohns sprechen.

Darauffolgend werde ich mich den Auswirkungen des Mindestlohns auf die Beschäftigungssituation beschäftigen und Mindestlohneffekte untersucht.

Im letzten Abschnitt der Arbeit werde ich mich mit den Erfahrungen anderer EU Staaten befassen, Mindestlöhne für Deutschland beschreiben und meine Ergebnisse kurz zusammenfassen.

2. Die Ziele, die Normen und die Historie eines Mindestlohns per Gesetz

Zwei Hauptziele stehen im Mittelpunkt der Einführung eines gesetzlichen Mindestlohns.

1. Schutz der Arbeitnehmer vor Ausbeutung durch den Arbeitgeber
2. Armutsbekämpfung und Ermöglichung eines menschenwürdigen Lebensstandart[8]

In Großbritannien wurde 1999 der gesetzliche Mindestlohn wieder eingeführt. Die damalige Regierung fügte den beiden Hauptzielen noch ein weiteres hinzu:

3. Unternehmer vor unlauterem Wettbewerb schützen.

Der Mindestlohn ist eines der ältesten Anliegen[9] und Diskussionsbestandteil sozialer Gruppierungen.[10] Im 19. Jahrhundert wurden die ersten Normen, die gesetzliche Mindestlöhne ermöglichen und somit auch einen angemessenen Lebensstandart sichern sollten, entwickelt.[11] In England wurde im Jahre 1891 die Fair Wages Resolution verabschiedet. Diese beinhaltete, dass die öffentlichen Aufträge an einen Mindestlohn gebunden wurden. Damit wollten die Politiker sozialen Unruhen entgegen wirken.

Weitere Normvorlagen sind:

- Konvention der International Labour Organisation (1928, 1949, 1970)
- Europäische Sozialcharta des Europarates (1961)
- EU Sozialcharta (1989)
- Sicherstellung von Mindestlöhnen durch EU-Kommission & EU Parlament (1993).

Die EU Sozialcharta enthält dabei, tatsächliche Bestimmungen zur Regelung eines gerechten Entgeltes. Sie besagt laut Art. 4 Abs. 1, dass ein faires Entgelt mindestens 60% des durchschnittlichen Nettolohns des Landes entspricht. Die tatsächliche Entlohnung muss einem Arbeitnehmer ausreiche seiner Familie einen angemessenen Lebensstandart zu sichern.[12] Als inakzeptabel gelten die Entgelte, die unter 60% liegen. Die Bundesregierung muss alle zwei Jahre dem Europarat solche Verstöße melden. Bis zum heutigen Tag, konnte keine deutsche Regierung einen solchen Verstoß dem Europarat melden.[13] Schäfer bescheinigt den Regierungen mangelndes Problembewusstsein.

3. Das Pro eines gesetzlichen Mindestlohns

3.1 Der zunehmende Niedriglohnsektor und die abnehmende tarifliche Bindungen

Der zunehmende Niedriglohnsektor und die abnehmende tarifliche Bindungen sind der Hauptfaktor für die Forderung nach gesetzlichen Mindestlöhnen.[14] Die wachsende Aufteilung von „unten nach oben“ bedingt diese Forderung. Die gleichwertige Verteilung zwischen Arbeitnehmern und Arbeitgebern (Firmen) findet nicht statt, sondern die Umlage erfolgt zu Gunsten der Kapitaleinkommen.[15] Nicht die Globalisierungszwänge sind hierfür verantwortlich, sondern die nationale Politik. Diese möchte hiermit der Arbeitslosigkeit, dem niedrigen Wachstum und den öffentlichen Einnahmedefiziten entgegen wirken, stellte Schäfer fest. Man hat versucht vieles umzuverteilen (Steuerentlastungen / Hartz-Reformen / Zurückhaltung bei Tarifrunden /…), dies hat aber auch nicht den gewünschten Erfolg gebracht sondern sie noch verstärkt. Die Quote der Menschen die in Lohn und Brot stehen ist in den letzten Jahren zurückgegangen, dadurch wurde die Kaufkraft geschwächt. Die Armutsquote nahm deshalb stetig zu.[16] Der Niedriglohnsektor lag im Jahr 2000 bei 15,7% über dem europäischen Durchschnitt.[17] Zweiunddreißig Prozent der Vollzeitbeschäftigten besaßen im Jahr 2004 einen geringfügigen Job. Hiervon mussten auch noch 50% mit einem Entlohn von unter 50% des Durchschnittentgeltes auskommen.[18] Ein geringes Entgelt ist bei den meisten nicht gerechtfertigt, da die Bezugsberechtigten nicht unerfahren oder sogar unqualifiziert sind. Die Gewerkschaften haben immer weniger Verhandlungspotential. Deshalb gibt es auch immer mehr Tarif unabhängige Branchen.[19] Die noch verbliebenen Branchen mit Tarifverträgen haben sehr niedrige Tarifentgelte.[20] In Betrieben, die an keinen Tarifvertrag gebunden sind, arbeiteten rund 36 Prozent der westdeutschen und 49 Prozent der ostdeutschen Beschäftigten. Heutzutage treten immer mehr Arbeitnehmer aus den Tarifgemeinschaften aus.[21] Aufgrund dieses Wandels ist es von Nöten einen gesetzlichen Mindestlohn einzuführen.[22]

[...]


[1] Vgl. Infratest Dimap: online

[2] Vgl. Andreß / Kronauer, 2006, S.38-44

[3] Vgl. Ludwig / Dietz, 2007, S.6-16

[4] Vgl. Andreß / Kronauer, 2006, S.42-44

[5] Vgl. Schäfer, 2006, S.45

[6] Vgl. Bosch / Weinkopf, Oktober 2006

[7] Vgl. Faigle, Phillip, 2008, Zeit online

[8] Vgl. Patzschke, 2001, S.3

[9] Vgl. Bosch / Weinkopf, 2009, S.34

[10] Vgl. Schäfer, 2006, S.47

[11] Vgl. Patzschke, 2001

[12] Vgl. Lörcher, 2006, S.222ff

[13] Vgl. Schäfer, 2006, S.48

[14] Vgl. Sterkel, 2006, S.23

[15] Vgl. Mönig-Raane, 2006, S.17

[16] Vgl. Schäfer, 2006, S.35 und 36

[17] Vgl. Weinkopf, 2006, S.89

[18] Vgl. Mönig-Raane, 2006, S.11

[19] Vgl. Becker, 2006, S.61

[20] Vgl. Sterkel, 2006, S.23

[21] Vgl. Mönig-Raane, 2006, S.14

[22] Vgl. Schäfer, 2006, S.47

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Der gesetzliche Mindestlohn in Deutschland
Untertitel
Pro und Contra im EU Vergleich
Hochschule
Hochschule Koblenz (ehem. FH Koblenz)
Autor
Jahr
2011
Seiten
15
Katalognummer
V173685
ISBN (eBook)
9783640939459
ISBN (Buch)
9783640939152
Dateigröße
556 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
mindestlohn, deutschland, contra, vergleich
Arbeit zitieren
Simon Mönikes (Autor), 2011, Der gesetzliche Mindestlohn in Deutschland, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/173685

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