Wenn Adorno und Horkheimer von Aufklärung sprechen, meinen sie weder die Epoche der Aufklärung noch die bloße Geistesgeschichte, sondern Aufklärung als realen Prozess, der die Verbürgerlichung der Welt beschreibt. Sie erläutern in ihrem Buch, dass die ersten zivilisatorischen Regungen der Menschen schon einen Herrschafts- und Gewaltakt in sich bergen. Im Zentrum der Aufklärung stecke schon ein autoritärer Charakter.
Ausgehend von diesem hypothetischen Urbild der Individuation erläutern die beiden Autoren die verschiedenen Stadien der Menschheitsgeschichte, in denen sich der Versuch des Menschen, sich aus seinen widrigen Lebensumständen zu befreien, widerspiegelt und wiederholt. Auf den Spuren der Zivilisation entschlüsseln Horkeimer und Adorno den Homer‘ischen Epos der Odyssee als eines der ersten Zeitdokumente bürgerlicher Selbstkonstitution. Im Folgenden wird der Vorgang der Individuation und das daraus folgende System der Naturbeherrschung erläutert. Der Mensch versucht sich von der Natur zu distanzieren, um sich ihrer Herrschaft zu entziehen und sie sich zu unterwerfen. Er entfremdet sich. Im Zuge dessen wird auf den ersten Exkurs ‚Odysseus und Mythos und Aufklärung‘ der Dialektik der Aufklärung eingegangen, indem das System der Naturbeherrschung auf den Epos der Odyssee übertragen wird. Anschließend soll der Kunstbegriff in das System der Dialektik von Mythos und Aufklärung eingeordnet werden. Auf seinen Abenteuern begegnen Odysseus und seine Gefolgschaft mythische Gestalten, die versuchen, sie mit ihrem Gesang zu verführen. Auf der Basis dieser Begegnung wird erläutert, welchen Stellenwert die Kunst für das Erfahren von Wirklichkeit hat. Kann die Kunst das Individuum aus der Qual der Entfremdung, als Folge des Zivilisationsprozesses, befreien?
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- Hannah Reith (Autor:in), 2023, Der Kunstgenuss in der Dialektik der Aufklärung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1737117