Fachsprache im schulischen Kontext

Schulbuchanalyse im Hinblick auf fachsprachliche Besonderheiten exemplarisch anhand eines Biologiebuches


Seminararbeit, 2009

21 Seiten


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung
1.1 ZielderArbeit

2 Theoretische Grundlagen
2.1 Eingrenzung des Begriffs Fachsprache
2.2 Funktionale Merkmale von Wissenschaftssprache
2.3 Lexikalische Eigenschaften von Wissenschaftssprache
2.3.1 Merkmalevon Fachwörtern
2.3.2 Metaphern in wissenschaftlichen Texten
2.4 Grammatische Eigenschaften von Wissenschaftssprache
2.5 Eigenschaften auf der Textebene derWissenschaftssprache
2.6 Parasprachliche Darstellungen

3 Schulbuchanalyse
3.1 Aufbau desBiologiebuches
3.2 Grammatische Eigenschaften des Biologiebuches
3.3 Lexikalische Eigenschaften des Biologiebuches
3.4 Eigenschaften auf der Textebene des Biologiebuches
3.5 Bild-Text-Beziehung

4 Fazit
4.1 Ausblick

5 Quellenverzeichnis

1 Einleitung

1.1 Ziel der Arbeit

Im Verlauf dieser Arbeit soll ein Analyse der fachsprachlichen Auffälligkeiten und ihrer didaktischen Auswirkungen auf ein Lehrbuch untersucht werden, denn in der Schule wird bereits ein wichtiger Beitrag für das Verständnis von Fachsprachen und deren spätere Nutzung gelegt. Für die Schulbuchuntersuchung wurde das Biologiebuch: „Biologie heute entdecken 1" vom Schroedel Verlag ausgewählt, da dessen Einsatz im Unterricht während der obligatorischen Schulpraktika beobachtet werden konnte. Der Fokus der Untersuchung liegt nicht auf der didaktischen Vermittlung der Inhalte, sondern darauf, inwiefern die genutzte Fachsprache zur Vermittlung des Wissens beiträgt oder auch nicht.

Hierfür wird zunächst ein kurzer Abriss über die wichtigsten theoretischen Grundlagen von Fachsprache gegeben. Dieser Abriss stellt allerdings keinen Anspruch auf Vollständigkeit, sondern soll lediglich die für diese Arbeit wichtigsten Grundlagen nochmals kurz aufzeigen. Im Anschluss erfolgt dann die Analyse des Schulbuchs anhand eines ausgewählten Kapitels, welches im Hinblick auf seine Fachsprache hin untersucht werden soll. Das Kapitel der Atmung wurde bewusst ausgewählt, da die Schüler in der Klassenstufe 5 bereits aus der Grundschule und aus ihrem Alltag Wissen über diesen elementaren Vorgang haben, dieses jedoch nicht beziehungsweise nicht bewusst mit Fachbegriffen angereichert ist. In diesem Kapitel wird deshalb ein zumindest teilweise bekannter Vorgang detaillierter und nun auf wissenschaftlicher Basis dargestellt und die Schüler können Verbindungen zwischen ihrem bisherigen Wissen und den neuen Fachausdrücken knüpfen. In diesem Sinne müssten die dort genutzten fachsprachlichen Elemente auch durch eine altersgerechte Erklärung eingeführt werden.1 auch die Fachsprache besteht wiederum aus vielen Subbereichen. Somit steht fest, dass der im Alltag genutzte Begriff der Fachsprache als Überbegriff für alle „Äußerungen mit denen fachliche Kommunikation vollzogen wird"2 3 gelten kann.

Fachsprache wird im Rahmen nach L. Hoffmann wie folgt verstanden: Als „die Gesamtheit aller sprachlichen Mittel, die in einem fachlich begrenzbaren Kommunikationsbereich verwendet werden, um die Verständigung zwischen den in diesem Bereich tätigen Menschen zu gewährleisten."2 Allerdings weist diese Definition zirkelhafte Züge auf4, da kein grundlegendes Konzept von der Fachlichkeit an sich vermittelt wird. Leider gibt es keine „außerlinguistische Fach-Theorie, mit deren Hilfe der definitorische Zirkel (Fachsprache = Sprache im Fach) durchbrochen werden könnte"5.

In dieser Arbeit soll deshalb für den Begriff Fachsprache ein neuer Begriff, der der Wissenschaftssprache eingeführt werden. Denn der Begriff Wissenschaft kann außerhalb der Linguistik historisch, philosophisch und soziolinguistisch definiert werden.6 Als ein wichtiges Kriterium für eine Wissenschaftssprache wird hierbei deren institutionelle Selbstständigkeit angesehen, denn nur in diesem Falle werden auch Forschungsergebnisse publiziert und ermöglichen einen wissenschaftlichen Diskurs. Somit wird offensichtlich, dass der Begriff Wissenschaftssprache nicht alle exsistierenden Fachsprachen abdeckt.

Demnach wird im Folgenden, wenn von Fachsprache gesprochen wird, der präzisere Begriff Wissenschaftssprache, als die Gesamtheit der sprachlichen Mittel, die zur wissenschaftlichen Kommunikation im jeweiligen begrenzten wissenschaftlichen Kontext (zum Beispiel Forschung, Lehre, Wissensvermittlung, diese genannten Kontexte können zudem wiederum in die einzelnen wissenschaftlichen Disziplinen aufgegliedert werden) genutzt werden.

2.2 Funktionale Merkmale von Wissenschaftssprache

Das Ziel von Wissenschaftssprache ist „eine möglichst fehlerfreie Vermittlung fachlicher Kenntnisse"7. Betrachtet man allein das Ziel von Wissenschaftssprache, erkennt man direkt, wie passend sie auf den Schulunterricht und das Schulbuch übertragen werden kann. Wobei der methodische Aspekt sowie die Kompetenzvermittlung nun bewusst außen vor gelassen werden, denn noch vor einigen Jahrzenten war der Schulunterricht nur auf die bloße Wissensvermittlung ausgelegt.

Um eben dieses Ziel zu erreichen muss Wissenschaftssprache einige grundlegende funktionelle Eigenschaften erfüllen: Als die zentralste Eigenschaft gilt hierbei die Deutlichkeit, gefolgt von der Verständlichkeit8. Von Wissenschaftssprache wird erwartet, dass durch sie ein möglichst adäquater Bezug zu fachlichen Gegenständen und Sachverhalten hergestellt werden kann. Bei der Verständlichkeit gestaltet es sich ein wenig schwieriger, zwar sollte beziehungsweise muss ein Fachtext und die diesem zu Grunde liegende Sprache verständlich sein, diese Verständlichkeit wird jedoch durch den jeweiligen Kenntnisstand der Rezipienten limitiert, so dass man im Bezug auf Fachtexte nicht allgemein von ,der Verständlichkeit' ausgehen kann.9 Ein Fachtext kann also nie für alle gleich verständlich sein, es kann aber wohl mit Hilfe geeigneter sprachlicher Mittel, lexikalischer und syntaktischer Art, für einen hohen Verständlichkeitsgrad gesorgt werden. Besonders im Bezug auf diese Arbeit ist die Verständlichkeit des Textes jedoch essenziell, da es sich bei den zu analysierenden Texten um Texte mit wissensvermittelnder Funktion, Lehrtexte, handelt. Auch ist anzumerken, dass gemäß der bereits dargestellten Gliederungsmöglichkeiten von Wissenschaftssprache ein wissenschaftlicher Text nicht immer den gleichen Fachlichkeitsgrad aufweisen muss, hier gibt es Abstufungen je nachdem für welche Rezipientengruppe der Text verfasst wurde. Trotzdem bleibt ein genereller Konflikt in wissenschaftlichen Texten: Dass fachlich vermittelte Inhalte der Sachangemessenheit eines Textes als wissenschaftlichem Text dienen, aber meist von geringer Verständlichkeit sind. Dies wird wiederum durch allgemeinsprachliche Passagen erreicht, die somit adressatenorientiert sind, jedoch den Fachlichkeitsgrad eines solchen Textes mindern10. Adressatenorientierung und Sachangemessenheit bedingen also den jeweiligen Fachlichkeitsgrad eines wissenschaftlichen Textes und sind jeweils auf eine bestimmte Rezipientengruppe ausgerichtet11.

Im Falle des Schulbuchtextes ist davon auszugehen, dass eine hohe Ausprägung der Adressatenorientierung im Text zu finden sein wird, denn dieser ist für Schüler der Unterstufe konzipiert, und somit für Schüler. Hier werden die Schüler das erste Mal mit der Wissenschaftssprache konfrontiert, deren Gebrauch sich dann im Verlauf der gymnasialen Schulzeit ausweiten sollte, um die Schüler auf die Universität vorzubereiten.

Neben den beiden bereits vorgestellten funktionalen Eigenschaften der Wissenschaftssprache existieren noch drei weitere: Anonymität, Ökonomie und Identitätsstiftung.

Ähnlich wie bei der Verständlichkeit gibt es auch bei der Ökonomie keine allgemeingültigen Vorgaben. Es gilt nicht etwa maximale fachliche Darstellung bei einer sprachlich minimalen Darstellung. Es muss ein gesunder Mittelweg zwischen der fachlichen Darstellung und der sprachlichen Präzision gefunden werden, so dass weder Verständlichkeit noch Deutlichkeit darunter leiden, doch auch dies ist wiederum Rezipienten abhängig.

Die Anonymität als weitere funktionelle Eigenschaft ist nicht rezipientenabhängig sondern abhängig vom Schreibstil des Produzenten. Dieser sollte, um den Text möglichst objektiv zu gestalten, seine eigene Meinung außen vor lassen.

Gehen wir nun über zum letzten Merkmal: der Identitätsfindung. Hierbei wird Bezug auf folgende Eigenschaft von Sprache genommen: Sprache als Gruppen konstituierendes Phänomen. Einzelne Gruppen grenzen sich mit Hilfe ihrer Sprache von anderen Gruppen ab. Auch die einzelnen Wissenschaftssprachen werden meist von Außenstehenden, missverstanden, da viele Wörter eine andere Bedeutung als im Alltag inne haben. Dies wird am Beispiel des Wortes Biotop deutlich: Umgangssprachlich bezeichnet es einen natürlichen Teich oder ein kleines Gewässer. In der Biologie wird unter dem Begriff Biotop jedoch die Gesamtheit der abiotischen Ökofaktoren (unbeeinflussbare Umweltfaktoren) im Lebensraum12 verstanden. Ein Missverstehen der fachlichen Kommunikation durch Außenstehende ist hierdurch vorprogrammiert, im Hinblick auf die zu analysierenden Texte soll darauf geachtet werden, ob und wenn ja wie unbekannte Fachwörter eingeführt werden, oder ob hierdurch Kommunikationsbarrieren, die zum Nichtverstehen des Textes führen, aufgebaut werden.

2.3 Lexikalische Eigenschaften von Wissenschaftssprache

Die lexikalischen Eigenschaften von Wissenschaftssprache galten bis in die 70er Jahre des vergangenen Jahrhunderts als so bedeutend, dass sie als konstitutiv für Wissenschaftssprache angesehen wurden. In manchen Fällen wurde der Wortschatz mit der Wissenschaftssprache gleich gesetzt, dies scheint jedoch übertrieben. Der Wortschatz ist zwar ein wesentlicher Bestandteil der Wissenschaftssprache, allerdings nicht der einzige. Zur Abgrenzung des Wortschatzes von der Wissenschaftssprache gibt es viele verschiedene Ansätze: Den linguistischen, den systemlinguistischen und den pragmatischen. Sie alle definieren Fachwort und Fachwortschatz endsprechend ihrer jeweiligen Standpunkte mit anderen Schwerpunkten, schließen sich gegenseitig jedoch nicht aus, so dass man sie zu einer systematisch-pragmatischen Definition von Fachwort und Fachwortschatz verbinden kann.

Ein Fachwort ist hiernach die kleinste bedeutungstragende und zugleich frei verwendbare sprachliche Einheit eines fachlichen Sprachsystems, die innerhalb der Kommunikation eines bestimmten menschlichen Tätigkeitsbereichs im Rahmen geäußerter Texte gebraucht wird. Und ein Fachwortschatz ist die Menge solcher kleinster bedeutungstragender und zugleich frei verwendbarer sprachlicher Einheiten eines fachlichen Sprachsystems, die innerhalb der Kommunikation eines bestimmten Tätigkeitsbereichs im Rahmen geäußerterTexte gebraucht werden.13

Ein Wissenschaftstext enthält notwendigerweise immer nichtfachliche wie fachliche Wörter, je nach Intention (eher Sachangemessen oder eher Adressatenorientiert) enthält der Text Metasprache gilt als eines der wichtigsten Merkmal von Wissenschaftssprache, denn mit ihrer Hilfe können (meist) sprachliche Aussagen über bestimmte sprachliche Einheiten getroffen werden. Zwar treten solche Aussagen auch außerhalb von Wissenschaftssprache auf, doch lässt sich innerhalb von Wissenschaftssprache ein vermehrtes Auftreten dieser

Aussagen finden. Sie dienen zur Festlegung von einzelnen Wörtern oder sprachlichen Einheiten. Die bereits erwähnten Aussagen werden im Wissenschafts- wie auch im Allgemeinsprachgebrauch auch als Definitionen bezeichnet und ihre Funktion ist die Festlegung einer Wortbedeutung.14

2.3.1 Merkmale von Fachwörtern

Die Exaktheit von Fachwörtern wird meist mit Hilfe von Definitionen hergestellt, es bleibt jedoch anzumerken, dass es sich bei der Exaktheit nicht um ein objektives, sondern um ein subjektives Merkmal, abhängig von der Meinung des Rezipienten, handelt. Die Exaktheit wird als Ideal der Wissenschaftssprachen propagiert, das keine Ausnahme in Form von Vagheit dulden darf. Allerdings entsteht genau diese durch die Assoziativität des menschlichen Denkens. Denn Definitionen als Festlegung von Wortbedeutungen können diese exakte Eindeutigkeit nur teilweise liefern. Präzisiert und somit verdeutlicht wird die Definition durch den sie umgebenden Kontext. In Fachtexten liegt deshalb immer eine relative Vagheit durch Definitionen kombiniert mit kontextueller Exaktheit vor.

Ein weiteres von der klassischen Fachsprachenforschung herausgestelltes Merkmal ist die Eineindeutigkeit von Fachwörtern, doch auch mit dieser verhält es sich ähnlich wie mit den zuvor angesprochenen Definitionen. Auch sie sind meist heteronym und werden erst durch die kontextuelle Nutzung mononym. Dementsprechend sollte im Zuge eines möglichst exakten Fachtextes auch auf Synonyme verzichtet werden. Doch auch dies lässt sich nicht immer umsetzten. Denn wie bereits zuvor aufgeführt ist es häufig so, dass Fachwörter im Alltagsgebrauch eine andere Bedeutung inne haben. Deshalb diesen Begriff nicht mehr verwenden zu dürfen, würde die Forschung vor schwerwiegende Probleme stellen. Das entscheidende für die Eindeutigkeit eines Fachtextes ist also auch hier der Kontext und nicht die Fachwörter.

[...]


1 Theoretische Grundlagen Eingrenzung des Begriffs Fachsprache Fachsprache gilt als eine funktionelle Varietät der deutschen Sprache. Genau wie bei der deutschen Sprache kann man aber nicht von der Fachsprache schlechthin sprechen, denn

2 Roelcke 2005, S. 16.

3 Vgl. Hoffmann 1987 S. 53.

4 Zur näheren Erläuterung siehe Kapitel 2.3.1

5 Kretzenbacher 1998, S. 133.

6 Vgl. ebd. S. 134.

7 Roelcke 2005, S.29.

8 Vgl ebd., S. 28.

9 Vgl. ebd. S. 29.

10 Vgl. Biere 1998 S.404f.

11 Ebd.

12 Vgl. Süßen 2006, S. 347.

13 Roelcke 2005, S.51f.

14 Vgl. Roelcke 2005, S. 54.

Ende der Leseprobe aus 21 Seiten

Details

Titel
Fachsprache im schulischen Kontext
Untertitel
Schulbuchanalyse im Hinblick auf fachsprachliche Besonderheiten exemplarisch anhand eines Biologiebuches
Hochschule
Universität Koblenz-Landau  (Institut für Germanistik)
Autor
Jahr
2009
Seiten
21
Katalognummer
V173734
ISBN (eBook)
9783640941469
ISBN (Buch)
9783640941575
Dateigröße
463 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
nawi, fach, fachsprache, eine, untersuchung, nawi-schulbuch, cornelsen, verlags, schulbücher, fächer, biologie, chemie, physik
Arbeit zitieren
Sonja Günther (Autor), 2009, Fachsprache im schulischen Kontext, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/173734

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