Die Bedeutung von Regeln für Kinder und deren Umsetzung im Schülerhort


Facharbeit (Schule), 2007

21 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

Kapitel 1: Theorie
1.1 Was sind Regeln
1.2 Theorien versch. Pädagogen zur Verbesserung des Regelverständnisses
1.3 Auswahl zur Übertragung auf den Schülerhort

Kapitel 2: Transfer in die Praxis Erprobung ausgewählter Theorien zum Thema
2.1 Im Alltag
2.2 In der Raumgestaltung
2.3 In gezielten Angeboten

Kapitel 3: Ergebnisse und Erfahrungen
3.1 Reaktionen der Kinder
3.2 Aktuelle Situation im Hort

Kapitel 4: Reflexion
4.1 Was habe ich mitgenommen
4.3 Was hat sich geändert
4.4 Schlusswort

Literatur- und

Quellenverzeichnis

Einleitung

„Kinder fordern uns heraus“

Das ist der Titel eines bekannten Buches von Rudolf Dreikurs.

Kinder fordern uns in der Tat heraus. Sie zu selbstbewussten, gemeinschaftsfähigen Erwachsenen zu erziehen ist eine enorme Herausforderung für jeden von uns. Als Erzieher, sei es in Krippe, Kindergarten, Hort oder Jugendzentrum, tragen wir einen großen Teil dieser Verantwortung und sind so ganz wesentlich an der Entwicklung der Kinder mitbeteiligt. Es liegt also auch in unseren Händen, diese Herausforderung anzunehmen und unser Bestes zu tun, um den Kindern die besten Möglichkeiten zu geben, ein Teil unserer Gesellschaft zu werden und gleichzeitig die Besonderheit jedes Einzelnen zu wahren.

Die Einrichtung, in der ich in diesem Jahr mein Praktikum absolviere, wird ausschließlich von Kindern mit Migrationshintergrund besucht. Sie kommen zum großen Teil aus sozial schwachen Familien, von denen einige auch vom Sozial- und Jugendamt unterstützt werden. Aus Gesprächen mit den Mitarbeitern des Kinderhauses sowie mit den Eltern der Kinder selbst habe ich den Eindruck gewonnen, dass viele der Familien mit der Erziehung überfordert und auf Hilfe angewiesen sind. Das Verhalten der Kinder im Hort lässt mich darauf schließen, dass viele von ihnen im Elternhaus wenig oder keine Erfahrung mit festen Regeln haben und daher unbedingt darauf angewiesen sind, diese Erfahrungen im Hort zu machen. Klare Regeln und konsequente Bezugspersonen geben den Kindern Halt und Sicherheit.

So soll es ihnen möglich werden auch später als Erwachsener in unserer Gesellschaft besser zurecht zu kommen. Aus diesem Grund habe ich mich für das Thema

„ Die Bedeutung von Regeln für Kinder und deren Umsetzung im Schülerhort“ entschieden.

Kapitel 1: Theorie

1.1 Was sind Regeln?

Die offizielle Erläuterung des deutschen Duden:

Regeln: „Aus best. Gesetzmäßigkeiten abgeleitete, aus Erfahrungen und Erkenntnissen gewonnene, in Übereinkunft festgelegte, für einen jeweiligen Bereich als verbindlich geltende Richtlinie“[1]

Der Duden erklärt hier, dass Regeln sich „aus Erfahrungen und Erkenntnissen“ ergeben. Das ist, nicht nur in der Pädagogik, ein wesentlicher Punkt. Regeln sollen also nicht aus der Luft gegriffen werden, sondern sich an gemachten Erfahrungen orientieren und so nachzuvollziehen sein. Nur so können Regeln sinnvoll eingesetzt und auch eingehalten werden. Im Duden ist auch von „Übereinkunft“ die Rede. Regeln sind also so angedacht, dass sie nicht von einer Einzelperson, sondern gemeinsam festgelegt werden. Regeln sollen „für einen jeweiligen Bereich“ gelten. Daraus lässt sich schließen, dass einmal beschlossene Regeln nicht in jedem Bereich Anwendung finden können, unterschiedliche Bereiche verlangen unterschiedliche Regeln.

Vor dem Hintergrund dieser Aussage werde ich verschiedene Theorien heranziehen, vergleichen und in der Praxis anwenden.

1.2 Theorien verschiedener Pädagogen zur Verbesserung des Regelverständnisses bei Kindern

1.2.1 Die Theorien von Rudolf Dreikurs

Rudolf Dreikurs hat verschiedene Theorien zum Thema Kindererziehung hervorgebracht. Ich habe drei davon ausgewählt, die ich für mein Thema am wichtigsten halte.

1.2.1.1 Die Ermutigung

Dreikurs sagt: „Ein unartiges Kind ist immer ein entmutigtes Kind.“[2]

Kinder müssen unbedingt ermutigt werden, damit sie sich entwickeln können und vertrauen bekommen, sich neuen Aufgaben zu stellen. Nur so können sie an sich wachsen und neue, positive Erfahrungen machen. In unserer Gesellschaft (das gilt heute noch genauso wie vor 40 Jahren) geben wir Kindern jedoch nicht oft genug die Chance, ermutigende Erfahrungen zu machen. Kinder sehen Erwachsene häufig als unfehlbare, große und überaus fähige Wesen an, was allein schon entmutigend wirken kann. Durch den kindlichen Mut kann das Kind sich jedoch dennoch großen Aufgaben stellen und gibt nicht auf, trotz der Tatsache, dass es scheinbar unterlegen ist. Unsere Aufgabe ist es, dem Kind so viel Mut wie möglich zuzusprechen und es viele Dinge ausprobieren zu lassen, auch wenn wir befürchten, dass Kind könne es nicht gleich beim ersten Mal schaffen. Wenn uns zum Beispiel ein Kind anbietet, beim Tisch decken zu helfen, sollten wir uns nicht nur darüber freuen, sondern dem Kind die Chance geben, diese Aufgabe zu meistern, auch wenn die Gefahr besteht, dass ein Teller zu Bruch geht. Wir müssen Vertrauen in das Kind zeigen. Sollte wirklich ein Teller zu Bruch gehen, ist es ganz wesentlich, dem Kind die Aufgabe nicht abzunehmen oder ihm gar Schuld zuzuschieben, sondern es auch weiterhin dazu zu ermutigen, sich dieser Aufgabe zu stellen, sodass das Kind nicht das Vertrauen in sich selbst verliert und sich entmutigt fühlt. Das Kind weiß in der Regel ohnehin, dass der Teller nicht herunterfallen sollte und ist daher schon von sich aus betrübt, wenn es passiert. Daher würden wir mit unseren Versuchen, dem Kind die Arbeit nun zu entziehen, nur noch Salz in die Wunde streuen und dem Kind zeigen, dass wir es für unfähig halten und ihm derartige Aufgaben nicht zutrauen.

1.2.1.2 Verständnis für das Kind

Bevor wir uns Konflikten und Problemen im Zusammenhang mit dem Kind zuwenden, müssen wir zuerst das Kind verstehen. Wir müssen uns damit beschäftigen, in welcher familiären und sozialen Lage es sich befindet und welche Wünsche und Bedürfnisse es hat. Als Grundbedürfnis jeden Kindes müssen wir verstehen, dass es Teil der Familie bzw. des Umfeldes sein will und grundsätzlich alles tun würde, um einen festen Platz im System zu haben. Wir müssen im Auge behalten, dass das Kind beachtet werden will und Zuneigung und Anerkennung sucht.

Um das Verhalten eines Kindes zu verstehen, müssen wir seine Motive kennen. Wir müssen herausfinden, was das Kind mit der jeweiligen Handlung bezwecken will. Um das herauszufinden, müssen wir zunächst die Folgen des kindlichen Verhaltens untersuchen (d.h. die Ziele, die das Kind erreichen will).

Nur indem wir die Folgen ändern, können wir auch das Verhalten ändern.[3] Dreikurs nennt sie „die irrtümlichen Ziele des Kindes“[4], da das Kind fälschlicherweise annimmt, mit dieser Verhaltensweise ans Ziel zu gelangen. Es ist wichtig, stets im Kopf zu behalten, dass das Kind dies unbewusst tut und selbst gar nicht weiß, warum es dieses Verhalten annimmt.

Er teilt sie in vier Ziele ein:

1. Aufmerksamkeit erringen

Ein entmutigtes Kind, das dieses Mittel einsetzt, hat das Gefühl, nur dann wertvoll zu sein, wenn es die volle Aufmerksamkeit erringt. Dem Kind fehlt Selbstvertrauen und Selbstbewusstsein, sodass es zu der Annahme kommt, nur wenn es im Mittelpunkt stehe, habe es Geltung und wäre ein vollständiger Teil des Systems.

Wenn die sozial verträglichen Mittel, Aufmerksamkeit zu bekommen, nicht oder nicht mehr die gewünschte Wirkung zeigen, wird das Kind zu störenden Mitteln greifen, um die Aufmerksamkeit wieder auf sich zu ziehen. Hier gibt es tausende von Methoden, unter denen schon Generationen von Eltern, Erziehern und Lehrern leiden mussten: Spielzeug herumwerfen, bei den Aufgaben trödeln, wimmern, schreien, weinen und unzählige mehr. Die betroffenen Erwachsenen reagieren hier oft mit Strafen, Streit, lautem Schimpfen, was die Kinder jedoch nicht dazu bringt, das entsprechende Verhalten abzulegen, ganz im Gegenteil. Denn auch so ist das Kind wenigstens sicher, die volle Aufmerksamkeit zu haben, und hat sein Ziel damit erreicht.

[...]


[1] Drosdowski, Günther: DUDEN Deutsches Universalwörterbuch A-Z, Mannheim 1989, 2.Auflage

[2] Dreikurs, Rudolf: Kinder fordern uns heraus, Stuttgart 1984, 15. Auflage, S. 42

[3] Vgl. Dreikurs: a.a.O. S. 18 ff.

[4] Dreikurs, a.a.O. S. 63

Ende der Leseprobe aus 21 Seiten

Details

Titel
Die Bedeutung von Regeln für Kinder und deren Umsetzung im Schülerhort
Note
2,0
Autor
Jahr
2007
Seiten
21
Katalognummer
V173740
ISBN (eBook)
9783640941476
ISBN (Buch)
9783640941551
Dateigröße
477 KB
Sprache
Deutsch
Arbeit zitieren
Katrin Hillenbrand (Autor), 2007, Die Bedeutung von Regeln für Kinder und deren Umsetzung im Schülerhort, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/173740

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