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Neurodidaktisch fundierte Grammatikvermittlung für Lernende mit ADHS und Autismus

Eine wissenschaftliche Betrachtung am Beispiel des Verbs "heißen"

Titel: Neurodidaktisch fundierte Grammatikvermittlung für Lernende mit ADHS und Autismus

Studienarbeit , 2026 , 19 Seiten , Note: 1,0

Autor:in: Tai-An Großmann (Autor:in)

Didaktik für das Fach Deutsch - Sonstiges
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Zusammenfassung Leseprobe Details

Diese mit der Note 1,0 (sehr gut) ausgezeichnete wissenschaftliche Arbeit aus dem Kontaktstudium DaF/DaZ an der Universität Mannheim wurde von einer wissenschaftlichen Mitarbeiterin der Universität Mainz und Leiterin des Masterstudiengangs "Deutsch als Zweitsprache" (CTB) bewertet. Sie widmet sich der gehirngerechten und inklusiven Vermittlung von Grammatik an neurodivergente Lernende mit ADHS und Autismus.

Am Beispiel des Verbs "heißen" entwickelt die Arbeit ein neurodidaktisch fundiertes Unterrichtskonzept, das aktuelle Forschungsergebnisse aus der Neurolinguistik (Prof. Dr. Marion Grein) und der Erforschung exekutiver Funktionen (Sara A. Lee) mit praxistauglichen Methoden verbindet. Im Zentrum steht die Kritik an der verbreiteten "Tabellensucht" – vollständige Konjugationstabellen überfordern das Arbeitsgedächtnis, blockieren die Amygdala und verhindern nachhaltige Automatisierung. Besonders für Lernende mit ADHS und Autismus ist dies kontraproduktiv.

Als Alternative wird das Konzept der "wachsenden Tabelle" vorgestellt. Über vier Unterrichtseinheiten wird die Konjugation Schritt für Schritt aufgebaut – beginnend mit zwei Formen ("ich heiße", "Sie heißen"), über "du heißt" und "er/sie heißt" bis hin zu den Pluralformen "wir" und "ihr". Diese Progression respektiert die Kapazität des Arbeitsgedächtnisses, gibt Sicherheit durch Vorhersagbarkeit und ermöglicht eine schrittweise Automatisierung.

Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der multisensorischen Silbenarbeit. Durch rhythmisches Klatschen wird die phonologische Schleife aktiviert und die Aussprache der einsilbigen Form "heißt" trainiert. Diese Methode bietet Lernenden mit ADHS eine willkommene Bewegungspause, während sie Lernenden mit Autismus durch rhythmische Struktur Sicherheit gibt.

Ein detaillierter Unterrichtsverlaufsplan über vier Einheiten (A1.1) mit Materialien, Übungen, Tafelbildern und Differenzierungsmöglichkeiten macht die Inhalte direkt umsetzbar. Die Gutachterin bescheinigt der Arbeit, dass sie "wissenschaftliche Fundierung, eigenständige Reflexion und praktische Umsetzbarkeit auf sehr hohem Niveau" verbindet.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Neurobiologische Grundlagen: Exekutive Funktionen und Sprachverarbeitung

2.1 Exekutive Funktionen nach Sara A. Lee

2.2 Neurolinguistische Grundlagen nach Marion Grein

3. Das Problem der "Tabellensucht" im Grammatikunterricht

4. Die wachsende Tabelle als neurodidaktische Lösung

5. Silbenarbeit als multisensorische Unterstützung

6. Die E-E-A Methode im neurodidaktischen Kontext

7. Binnendifferenzierung für ADHS und Autismus

8. Kritische Reflexion

9. Fazit

Zielsetzung und thematische Schwerpunkte

Diese wissenschaftliche Arbeit untersucht, wie eine neurodidaktisch fundierte Grammatikvermittlung, demonstriert am Beispiel der Konjugation des Verbs "heißen", die Lernprozesse von Integrationskursteilnehmern mit ADHS und Autismus unterstützen und optimieren kann. Die Forschungsfrage fokussiert dabei auf die Überwindung kognitiver Überlastung durch alternative methodische Ansätze.

  • Analyse neurobiologischer Lernvoraussetzungen bei ADHS und Autismus.
  • Kritische Untersuchung konventioneller Grammatikvermittlung ("Tabellensucht").
  • Einführung neurodidaktischer Lösungsansätze wie die "wachsende Tabelle".
  • Integration multisensorischer Silbenarbeit zur Sprachverarbeitung.
  • Methodische Konzeption des E-E-A Ansatzes für neurodiverse Lernende.

Auszug aus dem Buch

4. Die wachsende Tabelle als neurodidaktische Lösung

Eine Alternative zur vollständigen Tabelle ist die "wachsende Tabelle", die über mehrere Unterrichtseinheiten Schritt für Schritt aufgebaut wird (Grein 2021). Am Beispiel des Verbs "heißen" lässt sich dies wie folgt umsetzen:

In der ersten Einheit werden nur die Formen für "ich" und "Sie" eingeführt. Die Tafel zeigt lediglich zwei Zeilen, alle anderen bleiben leer. Dies entlastet das Arbeitsgedächtnis und gibt Sicherheit (vgl. Baddeley 2003). Die Lernenden können sich ganz auf diese beiden Formen konzentrieren und sie durch vielfältige Übungen verinnerlichen (Lee 2024).

In der zweiten Einheit kommt die Form für "du" hinzu. Die Tabelle wird um eine Zeile erweitert, die bereits bekannten Formen bleiben sichtbar. Dies ermöglicht Mustererkennung und Kontrastierung ("Sie heißen" - zwei Silben, "du heißt" - eine Silbe). Die schrittweise Erweiterung respektiert die Kapazität des Arbeitsgedächtnisses und gibt der Amygdala Sicherheit durch Vorhersagbarkeit (Grein 2021).

In der dritten Einheit folgen "er" und "sie" - weitere einsilbige Formen, die das bereits bekannte Muster bestätigen. Die Lernenden erleben ein "Aha-Erlebnis", wenn sie erkennen, dass "er heißt" und "sie heißt" genauso gebildet werden wie "du heißt". Dieses Erfolgserlebnis aktiviert die Amygdala positiv und öffnet die Lernkanäle (Grein 2013).

Erst in der vierten Einheit werden die Pluralformen "wir" und "ihr" eingeführt und die Tabelle komplettiert. Jetzt, nach intensiver Übung und Automatisierung der Einzelformen, kann die vollständige Tabelle als Zusammenfassung des bereits Gelernten präsentiert werden - nicht als Lernmedium, sondern als Dokumentation des Lernfortschritts (Grein 2021).

Diese wachsende Tabelle respektiert die Kapazität des Arbeitsgedächtnisses, gibt der Amygdala Sicherheit durch Vorhersagbarkeit, ermöglicht den Basalganglien schrittweise Automatisierung (vgl. Ullman 2015) und erlaubt durch die leeren Zeilen einen motivierenden Blick auf das, was noch kommt (Lee 2024).

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Darstellung der Problematik bei der Grammatikvermittlung im Kontext von Integrationskursen mit neurodivergenten Lernenden.

2. Neurobiologische Grundlagen: Exekutive Funktionen und Sprachverarbeitung: Erläuterung der kognitiven Lernvoraussetzungen von Menschen mit ADHS und Autismus sowie neurolinguistischer Prinzipien nach Marion Grein.

3. Das Problem der "Tabellensucht" im Grammatikunterricht: Kritische Analyse der negativen Auswirkungen von üblichen Konjugationstabellen auf das überlastete Arbeitsgedächtnis.

4. Die wachsende Tabelle als neurodidaktische Lösung: Vorstellung eines schrittweisen Konzepts zur Konjugationsvermittlung, das Sicherheit und Vorhersagbarkeit bietet.

5. Silbenarbeit als multisensorische Unterstützung: Beschreibung der Methode des rhythmischen Klatschens zur Unterstützung der phonologischen Verarbeitung und Verankerung von Verbformen.

6. Die E-E-A Methode im neurodidaktischen Kontext: Anwendung des Einstiegs-Erarbeitungs-Anwendungs-Schemas unter Berücksichtigung neurobiologischer Erkenntnisse.

7. Binnendifferenzierung für ADHS und Autismus: Ableitung spezifischer didaktischer Strategien für die heterogene Lerngruppe, um individuellen Bedürfnissen gerecht zu werden.

8. Kritische Reflexion: Auseinandersetzung mit Herausforderungen des Konzepts im Kontext von Lehrwerkvorgaben und der Heterogenität in Integrationskursen.

9. Fazit: Zusammenfassende Bewertung der Vorteile des neurodidaktischen Ansatzes für nachhaltigen Lernerfolg.

Schlüsselwörter

Neurodidaktik, Grammatikvermittlung, ADHS, Autismus, Exekutive Funktionen, Arbeitsgedächtnis, Tabellensucht, wachsende Tabelle, Silbenarbeit, E-E-A Methode, Sprachverarbeitung, Integrationskurs, Binnendifferenzierung, Neurodiversität, Konjugation.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit befasst sich mit der Optimierung des Grammatikunterrichts für Menschen mit ADHS und Autismus, indem neurobiologische Erkenntnisse auf die Vermittlung der deutschen Verbkonjugation angewendet werden.

Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?

Die zentralen Themenfelder sind die neurobiologischen Lernvoraussetzungen neurodivergenter Lernender, die Kritik an klassischen Lehrmethoden sowie die Entwicklung gehirngerechter, schrittweiser Lernkonzepte.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist es, Methoden zu finden, die die kognitive Belastung reduzieren und durch schrittweise Automatisierung einen nachhaltigen Lernerfolg in der Verbkonjugation ermöglichen.

Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?

Die Arbeit basiert auf einer theoretischen Fundierung durch neurolinguistische Prinzipien (nach Grein) und Forschungsergebnisse zu exekutiven Funktionen (nach Lee), die in ein praktisches Konzept (wachsende Tabelle/Silbenarbeit) überführt wurden.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil analysiert die Schwächen konventioneller Tabellen, führt die "wachsende Tabelle" als Alternative ein, erläutert die multisensorische Silbenarbeit und zeigt die didaktische Einbettung in die E-E-A Methode sowie Binnendifferenzierungsstrategien auf.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit wird maßgeblich durch die Begriffe Neurodidaktik, Exekutive Funktionen, Arbeitsgedächtnis, wachsende Tabelle und Neurodiversität charakterisiert.

Warum ist das Arbeitsgedächtnis bei ADHS und Autismus besonders relevant?

Bei Lernenden mit ADHS oder Autismus ist die Kapazität des Arbeitsgedächtnisses häufig limitiert oder durch Reizverarbeitung belastet; eine Überforderung führt hier schneller zu Frustration oder zum Abbruch des Lernprozesses.

Wie unterstützt die "wachsende Tabelle" die Automatisierung?

Durch die schrittweise Einführung einzelner Verbformen in leeren Tabellenfeldern wird das Gehirn nicht überlastet, während die visuelle Präsenz der bekannten Zeilen Sicherheit und Vorhersagbarkeit schafft, was die Basalganglien bei der Automatisierung unterstützt.

Welche Rolle spielt die Amygdala in diesem didaktischen Konzept?

Die Amygdala als emotionales Lernzentrum soll durch positive Erfolgserlebnisse und den bewussten Verzicht auf Überforderung geschützt und für die Lernaufnahme geöffnet werden.

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Details

Titel
Neurodidaktisch fundierte Grammatikvermittlung für Lernende mit ADHS und Autismus
Untertitel
Eine wissenschaftliche Betrachtung am Beispiel des Verbs "heißen"
Hochschule
Universität Mannheim  (Kontaktstudium DaF/DaZ)
Note
1,0
Autor
Tai-An Großmann (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2026
Seiten
19
Katalognummer
V1737415
ISBN (PDF)
9783389196960
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Neurodidaktik Sprachvermittlung Autismus ADHS Grammatikvermittlung
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Tai-An Großmann (Autor:in), 2026, Neurodidaktisch fundierte Grammatikvermittlung für Lernende mit ADHS und Autismus, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1737415
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Leseprobe aus  19  Seiten
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