Seit ihrer Entwicklung Anfang der 90er Jahre durch Kaplan und Norton hat die Balanced Scorecard1 als Steuerungsinstrument in vielen Unternehmen Einzug gefunden. 2 Eine Begründung für den Erfolg der BSC könnte darin liegen, dass sich mit ihrer Hilfe die wichtigsten Faktoren für den Unternehmenserfolg transparent darstellen lassen. Neben der BSC für das Gesamtunternehmen lässt sich die BSC ebenso für Unternehmensteilbereiche verwenden. Aufgrund der zunehmenden Bedeutung der Beschaffung ist es mithin für viele Unternehmen sinnvoll, eine Beschaffungs-Balanced Scorecard3 zu entwickeln. 4 Ziel dieser Arbeit ist die Entwicklung einer derartigen Scorecard für die Beschaffung.
Die Arbeit ist so aufgebaut, dass in Kapitel zwei zunächst eine allgemeine Unternehmens Scorecard beschrieben wird. Es wird dabei eine Unterteilung vorgenommen zwischen der Funktion der BSC als reines Kennzahlensystem und der Möglichkeit die BSC als Managementsystem einzusetzen. Kapitel drei stellt die Aufgaben des Beschaffungsbereichs dar, wobei hier insbesondere die prozessorientierte Sicht betont wird. Die Entwicklung der B-BSC ist der Hauptteil dieser Arbeit. Nachdem zunächst die Einsatzvoraussetzungen geklärt werden, wird eine Beschaffungsstrategie und im weiteren Ziele und Kennzahlen für die einzelnen Perspektiven entwickelt. Daran anschließend folgt eine kritische Betrachtung der Einsatzmöglichkeiten. Die Arbeit endet mit einer Zusammenfassung der Ergebnisse.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Das Konzept der Balanced Scorecard
2.1. Das Kennzahlensystem
2.2. Das Managementsystem
3. Die Beschaffung in Unternehmen
3.1. Bedeutung und Aufgaben des Funktionsbereiches Beschaffung
3.2. Bedeutung und Aufgabe der Beschaffung als Teil der Wertschöpfungskette
4. Entwicklung einer Balanced Scorecard für die Beschaffung
4.1. Nutzen der Balanced Scorecard in der Beschaffung
4.2. Entwicklung einer Beschaffungsstrategie
4.3. Die Perspektiven einer Beschaffungs - Balanced Scorecard
4.3.1. Die finanzielle Perspektive in der Beschaffung
4.3.2. Die Kundenperspektive in der Beschaffung
4.3.3. Die interne Prozessperspektive in der Beschaffung
4.3.4. Die Lern- und Entwicklungsperspektive in der Beschaffung
4.3.5. Die Lieferantenperspektive in der Beschaffung
4.4. Beispiel einer Beschaffungs – Balanced Scorecard
4.5. Kritische Betrachtung einer Beschaffungs – Balanced Scorecard
5. Schlussbetrachtungen
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit zielt auf die Entwicklung einer spezifischen Balanced Scorecard (B-BSC) für den Beschaffungsbereich ab, um diesen als prozessorientierten Teil der Wertschöpfungskette effektiv steuerbar zu machen. Dabei wird untersucht, wie eine Unternehmensstrategie auf die Beschaffung heruntergebrochen werden kann, um eine ganzheitliche Zielerreichung unter Berücksichtigung von Kosten, Lieferantenbeziehungen und internen Prozessoptimierungen zu gewährleisten.
- Grundlagen des Balanced Scorecard-Konzepts (Kennzahlensystem vs. Managementsystem)
- Analyse der Beschaffung innerhalb der betrieblichen Wertschöpfungskette
- Operationalisierung der Beschaffungsstrategie durch spezifische Perspektiven (Finanzen, Kunden, Prozesse, Mitarbeiter, Lieferanten)
- Kritische Würdigung der Implementierung und der Anreizstrukturen bei der Anwendung
Auszug aus dem Buch
4.3.1. Die finanzielle Perspektive in der Beschaffung
Wie schon bei der Unternehmensscorecard nimmt auch bei der B-BSC die finanzielle Perspektive eine besondere Stellung ein, da die Ziele der finanziellen Perspektive gleichzeitig Ziele für die anderen Perspektiven darstellen. Zu beachten ist jedoch, dass in der Beschaffung kein Umsatz generiert wird, sondern Geld eingespart wird. Demnach muss es Ziel sein, sowohl die direkten Materialkosten als auch die indirekten Kosten- welche durch Entscheidungen des Beschaffungsbereichs in anderen Unternehmensbereichen entlang der Wertschöpfungskette anfallen- gering zu halten.
Das Ziel einer Materialkostensenkung kann mit unterschiedlichen Maßnahmen erreicht werden. Beispielsweise durch Neuverhandlungen mit den Lieferanten. Eine zu verwendende Kennzahl wäre hier die Materialpreisveränderung gegenüber dem Vorjahr gemessen im Verhältnis zur allgemeinen Marktentwicklung. Allerdings sollte vermieden werden, dass es durch die in den Verhandlungen durchgesetzten Preisnachlässe zu einem Nachlassen der Innovationsfähigkeit auf Seite der Lieferanten kommt. Anzustreben wäre in den Verhandlungen viel mehr, eine Optimierung des Beschaffungsprozesses mit dem Ziel der beiderseitigen Kosteneinsparung. Eine Möglichkeit, die Kosten für das Unternehmen insgesamt zu senken, ist die Auslagerung von Geschäftsbereichen. Wie schon beschrieben ist es nicht möglich die gestiegenen Kundenanforderungen, ohne die Zusammenarbeit mit leistungsstarken Partnern zu erfüllen, woraus eine Verringerung der Fertigungstiefe folgt. Eine zu verwendende Kennzahl wäre demnach die Fertigungstiefe im Vergleich zu anderen Unternehmen der gleichen Branche.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Vorstellung des Themas, des Ziels der Arbeit und des gewählten methodischen Aufbaus.
2. Das Konzept der Balanced Scorecard: Erläuterung der BSC als Kennzahlensystem und als ganzheitliches Managementsystem.
3. Die Beschaffung in Unternehmen: Analyse der Bedeutung und Aufgaben der Beschaffung sowie deren Einbettung in die Wertschöpfungskette.
4. Entwicklung einer Balanced Scorecard für die Beschaffung: Hauptteil zur strategischen Ausrichtung und Definition der fünf Perspektiven der B-BSC.
5. Schlussbetrachtungen: Zusammenfassung der Kernergebnisse und Anforderungen für eine erfolgreiche Einführung einer B-BSC.
Schlüsselwörter
Balanced Scorecard, Beschaffungsmanagement, Kennzahlensystem, Wertschöpfungskette, Materialkostensenkung, Lieferantenbewertung, Prozessorientierung, Strategieimplementierung, Benchmarking, Leistungsindikatoren, Beschaffungsstrategie, Systemlieferant, Fertigungstiefe, Unternehmenskultur.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der Anpassung und Anwendung des Balanced Scorecard-Konzepts auf den Bereich der betrieblichen Beschaffung.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zu den zentralen Themen gehören die strategische Steuerung der Beschaffung, das Prozessmanagement, die Lieferantenbeziehungen sowie die Entwicklung von spezifischen Ziel- und Kennzahlensystemen.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Ziel ist die Entwicklung einer Beschaffungs-Balanced Scorecard, um den Einkauf von einer funktionalen Einheit zu einem prozessorientierten Teil der Wertschöpfungskette zu transformieren.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine theoretische Fundierung durch Literaturanalyse vorgenommen, ergänzt durch die Ableitung eines praktischen Modellrahmens für Kennzahlen und Zielgrößen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Bestimmung der Einsatzvoraussetzungen, die Entwicklung einer Beschaffungsstrategie sowie die detaillierte Ausarbeitung der fünf Perspektiven (Finanzen, Kunden, interne Prozesse, Mitarbeiter, Lieferanten).
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich primär durch Begriffe wie Balanced Scorecard, Beschaffungsstrategie, Lieferantenmanagement und Prozessorientierung beschreiben.
Wie wird in der Arbeit mit dem Zielkonflikt zwischen Preisnachlässen und Lieferanteninnovation umgegangen?
Die Arbeit empfiehlt, den Fokus weg von reiner kurzfristiger Preissenkung hin zu einer beiderseitigen Kosteneinsparung durch Prozessoptimierung und langfristige Partnerschaften zu lenken, um die Innovationsfähigkeit der Lieferanten nicht zu gefährden.
Welche Rolle spielt die Unternehmenskultur für den Erfolg der Balanced Scorecard?
Eine vertrauensbasierte Unternehmenskultur ist laut Arbeit essentiell, da nur durch einen offenen Umgang mit Fehlern und eine motivierende Kommunikation sichergestellt werden kann, dass die BSC als Managementinstrument lebendig bleibt und nicht rein theoretisch auf dem Papier existiert.
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- Alexander Wichmann (Author), 2003, Die Balanced Scorecard in der Beschaffung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/17378