Kohärenz und Kohäsion

Der Prozess des Textverstehens und wie Kohärenz und Kohäsion ihn beeinflussen


Hausarbeit, 2011

15 Seiten, Note: 12


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Hauptteil
2.1 Kohäsion
2.2 Kohärenz
2.3 Textverstehen
2.3.1 Wie läuft Textverstehen ab?
2.3.2 Welche Faktoren können das Textverstehen beeinflussen?
2.3.3 Welche besondere Rolle spielen Kohärenz und Kohäsion dabei?

3. Fazit

4. Literaturverzeichnis

Erklärung

1. Einleitung

In der Textlinguistik gibt es zurzeit keine vollkommen einheitliche Definition von Kohärenz und Kohäsion. Einige Sprachwissenschaftler wie z.B. Klaus Brinker unterscheiden sogar gar nicht zwischen diesen beiden, sondern nutzen nur den Begriff der Kohärenz. In dieser Arbeit soll jedoch zwischen beiden differenziert und dargestellt werden, wo genau die Unterschiede liegen. Außerdem wird der Zusammenhang zwischen Kohäsion, Kohärenz und dem Textverstehen untersucht.

In Kapitel 2.1. wird der Begriff der Kohäsion definiert und unter anderem dargestellt, mit welchen Mitteln Kohäsion in einem Text erzeugt werden kann.

Im Anschluss daran wird in Kapitel 2.2. der Begriff der Kohärenz definiert und die Entwicklung eines Textsinns mithilfe der Kohärenz aufgezeigt.

Kapitel 2.3. umfasst den Themenbereich des Textverstehens. Der Ablauf des Verstehensprozess wird genauer in Kapitel 2.3.1 geschildert. In Kapitel 2.3.2 wird anschließend kurz angerissen, welche Faktoren ebendiesen Prozess beeinflussen und in Kapitel 2.3.3 soll im Besonderen darauf eingegangen werden, welche Rolle Kohärenz und Kohäsion innerhalb eines Textes bei dem Prozess des Textverstehens haben.

Die Arbeit endet in Kapitel 3 mit einer Stellungnahme und einem Fazit der Autorin. Desweiteren folgt das Verzeichnis der zugrundeliegenden Literatur.

2. Hauptteil

2.1 Kohäsion

Sowohl Kohäsion als auch Kohärenz (Kap. 2.2) gehören zu den mittlerweile klassischen Kriterien der Textualität (vgl. Janich, 2008, S. 18; Beaugrande & Dressler, 1981, S. 3ff.). Laut Beaugrande & Dressler betrifft die Kohäsion die Textoberfläche. Sie beruht somit auf grammatischen Abhängigkeiten. Diese grammatischen Abhängigkeiten sind ganz entscheidend für das Verständnis eines Textes. Darauf wird in Kap. 2.3.3 vertiefend eingegangen.

„Unser Originalbeispiel
(1) LANGSAM
SPIELENDE KINDER
könnte in verschiedene Abhängigkeiten zerlegt werden.“ (Beaugrande & Dressler, 1981, S. 4)

Bei diesem Beispiel von Beaugrande & Dressler handelt es sich ursprünglich um ein Verkehrsschild. Die Mehrheit aller Verkehrsteilnehmer, die dieses Schild erblicken, würden den Text wohl in die Teile langsam und spielende Kinder segmentieren und annehmen, dass sie aufgefordert werden, langsam zu fahren, da sich spielende Kinder in der Nähe befinden könnten. Ebenso denkbar wäre jedoch, dass ein Autofahrer das Schild als eine Aussage über Kinder, die beim Spielen sehr langsam sind, auffasst (vgl. Beaugrande & Dressler, 1981, S. 4). Dieses Beispiel soll deutlich machen, dass Kohäsion alleine noch kein Textverstehen evoziert. Dazu ist ein Wechselspiel zwischen verschiedenen Faktoren notwendig. Wie das Textverstehen genau abläuft wird in Kap. 2.3. näher erläutert. Bei fehlender Kohäsion kann Kohärenz einspringen, um den Mangel auszugleichen und dem Leser trotzdem ein gewisses Verständnis zu ermöglichen (Kap. 2.3.3). Es ist allerdings nicht garantiert, dass ein Text der kohäsiv ist, gleichzeitig auch mit Sicherheit kohärent ist.

„(4-1) Gestern besuchte mich ein alter Freund aus München. Zu diesem Zeitpunkt saß er in der Bibliothek. Deshalb besuchen diese Bibliothek einige Menschen. Solche Menschen essen oft Weißwürste.“ (Janich, 2008, S. 86)

In diesem Beispiel ist auf der Ausdrucksebene zwar ein Zusammenhang zwischen den Sätzen gegeben, der Zusammenhang auf der Inhaltsebene fehlt jedoch.

Kohäsion (lt. cohaerēre >zusammenhängen<) Grammat. Verknüpfung der Komponenten eines Textes, d.h. der Wörter, Teilsätze, Sätze und Satzfolgen, wie sie in ihrer linearen Struktur dem Rezipienten unmittelbar zugängl. sind. Als kohäsiv gelten insbesondere auch Mittel der Textphorik, aber auch grammat. Erscheinungen wie Tempus, Konnexion und Thema-Rhema-Gliederung sowie die Intonation. Mit der Differenzierung zwischen K. und Kohärenz, die umstritten ist, wird der Versuch unternommen, die semant.-syntakt. Prozeduren und Mittel zur Konstituierung von Textbedeutungen, die im Blickfeld der Textgrammatik bzw. der Textlinguistik i.e.S. liegen, abzugrenzen von Prozessen der Erzeugung von Textsinn bei der Rezeption, die u.a. von der Hermeneutik und Literaturwiss., der Soziologie und der Psychologie untersucht werden.“ (Glück, 2010, S. 339)

Diese Definition zeigt, wie bereits in der Einleitung erwähnt, dass zum Teil noch Uneinigkeit bei der Definition der Begriffe Kohärenz und Kohäsion herrscht. Zum anderen unterstützt sie die vorangegangenen Erklärungen über das, was Kohäsion eigentlich ist und deutet bereits auf Kohäsionsmittel hin. Kohäsionsmittel sind sprachliche Elemente, die dazu dienen, auf grammatischer Ebene Beziehungen zwischen Sätzen herzustellen. Diese Kohäsionsmittel können, wie im Vorfeld bereits beschrieben, dazu beitragen, Kohärenz herzustellen (müssen dies aber nicht) (vgl. Janich, 2008, S. 277; Fritz, 1982, S. 50; Quathamer, 1998, S. 16). Fritz bezeichnet ein Kohäsionsmittel auch als „tie“, das dazu dient, zwei Sätze miteinander zu verknüpfen. Fritz unterscheidet folgende Kategorien von Kohäsionsmittel: „Referenz, Substitution und Ellipse, Konjunktion, lexikalische Kohäsion.“ (Fritz, 1982, S. 48)
Bei der Referenz handelt es sich um deiktische Ausdrücke, die Bezug auf Vorangegangenes nehmen, wie in Beispiel (1) dargestellt.

„(1) Unsere Geranien blühen schon. Dieses Jahr sind sie besonders schön.“ (ebd.)

Substitution bedeutet die Wiederaufnahme durch ein anderes Element, wie in Beispiel (2) zu erkennen, indem ein Verb durch ein anderes ersetzt wird.

„(2) He likes geraniums. So do I.“ (ebd.)

Eine Ellipse ist eine sogenannte Auslassung oder Tilgung, bei der Elemente ganz weggelassen werden. Dies wird deutlich an Beispiel (3). Das Verb fällt hier komplett weg.

„(3) Er bevorzugt Geranien. Ich Winden.(ebd.)

Bei einer Konjunktion handelt es sich um ein sogenanntes Bindewort, das dazu dient Satzteile und Sätze miteinander zu verbinden. Davon gibt es äußerst viele. Ein Beispiel dafür ist in Abschnitt (4) zu sehen.

„(4) Zuerst pflanzte er Geranien. Anschließend säte er die Winden.“ (ebd.)

Bei der lexikalischen Konjunktion handelt es sich um die Verwendung von Worten, die eine gemeinsame Assoziation hervorrufen. Dies soll mithilfe von Beispiel (5) deutlich werden.

„(5) Diese Geranie sieht nicht gut aus. Ich glaube, die Pflanze braucht Wasser.“ (ebd.)

Janich nennt als weitere Kohäsionsmittel noch „Tempus, Aspekt, Junktion, Satzperspektive, Pronominalisierung, Rekurrenz, Parallelismen […]“ (vgl. Janich, 2008, S. 21). DUDEN unterscheidet in Junktionen, Relativwörter, Adverbien, Abtönungspartikel u.v.m. Außerdem werden hier auch die Interpunktionszeichen zu den Kohäsionsmitteln gezählt (vgl. DUDEN, 2009, S. 1062ff.). Diese Kohäsionsmittel sollen im Folgenden nicht mehr einzeln an Beispielen erklärt werden, da an den Beispielen Fritz‘ deutlich wird, was Kohäsionsmittel sein können und dass diese in ganz unterschiedlichen Formen auftreten können.

[...]

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Details

Titel
Kohärenz und Kohäsion
Untertitel
Der Prozess des Textverstehens und wie Kohärenz und Kohäsion ihn beeinflussen
Hochschule
Justus-Liebig-Universität Gießen  (Germanistik)
Veranstaltung
Seminar: Grundlagen der Textlinguistik
Note
12
Autor
Jahr
2011
Seiten
15
Katalognummer
V173781
ISBN (eBook)
9783640939985
ISBN (Buch)
9783640940097
Dateigröße
425 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
kohärenz, kohäsion, prozess, textverstehens
Arbeit zitieren
Katharina Hock (Autor), 2011, Kohärenz und Kohäsion, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/173781

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