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Die Bauentwurfslehre von Neufert

Konstruktionen für die Wirklichkeit oder Konstruktion einer Wirklichkeit?

Title: Die Bauentwurfslehre von Neufert

Term Paper , 2006 , 12 Pages , Grade: 1,9

Autor:in: Silvio Schwartz (Author)

Gender Studies
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„Nach der Bauentwurfslehre von Neufert baut die ganze Welt.“ So steht es selbstbewusst auf der letzten Seite der Ausgabe der „Bauentwurfslehre“ von 2000. Es handelt sich dabei um die 36. Auflage eines Handbuchs, das für Baufachpersonen, Lehrende und Lernende gedacht ist und das mit der 38. Auflage in 17 Sprachen übersetzt worden ist. Auf den 650 Seiten zeigen vor allem die mehr als 6400 Abbildungen und Tabellen Baumöglichkeiten und Standards auf und sollen „Anregungen für [die] eigene Phantasie“ geben. Dass die vorgestellten „Grundrisse, Schnitte, Formen und Arten [...] Beispiele und lediglich Zahlenträger“ seien, das ist einer der wenigen Hinweise auf die Zeichnungen im eigenen Werk und das macht sie interessant: Welche Beispiele wählt das Standardwerk, das mit einer Gesamtauflage von 300.000 Exemplaren in Deutschland verbreitet ist, um damit Konstruktionen zu veranschaulichen? Welche Aussagen werden mit ihnen getroffen – und welche Wirklichkeit geschaffen?
Diese Arbeit wird einen Schwerpunkt darauf legen, welche Rolle dabei das Geschlecht spielt und wird schließlich anhand des Bildmaterials das zugrundeliegende Menschenbild rekonstruieren. Dabei geht es nicht um den architektonischen Anspruch des Werks, sondern ausschließlich um die Herausarbeitung eines kritischen Blicks auf die Darstellungen.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Geschlechter

2.1 Die Geschlechterbilder in der Bauentwurfslehre

2.2 Die Geschlechter in der Wirklichkeit

3. „Der Mensch als Maß und Ziel“

3.1 Wer ist das Maß?

3.2. Wer ist das Ziel?

4. Schluss

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht kritisch das in Ernst Neuferts „Bauentwurfslehre“ vermittelte Menschen- und Geschlechterbild. Das primäre Ziel ist es, die Diskrepanz zwischen dem behaupteten neutralen Anspruch des Standardwerks und den tatsächlich transportierten, normativen Rollenmodellen und gesellschaftlichen Vorurteilen im Bild- und Textmaterial aufzudecken.

  • Kritische Analyse von Geschlechterstereotypen in architektonischen Illustrationen
  • Rekonstruktion des „Neufert-Menschen“ als normatives Konstrukt
  • Gegenüberstellung des theoretischen Anspruchs und der gelebten sozialen Wirklichkeit
  • Untersuchung der Machtstrukturen hinter vermeintlich neutralen Baunormen

Auszug aus dem Buch

2.1 DIE GESCHLECHTERBILDER IN DER BAUENTWURFSLEHRE

In der Bauentwurfslehre werden den Lesenden Geschlechterbilder geboten und das im doppelten Sinne: Zum überwiegenden Teil dienen Illustrationen zur Veranschaulichung von Bauvorschriften und gebräuchlichen Maßen; kommen darin Menschen zum Einsatz, kann man diese meist eindeutig einem Geschlecht zuordnen. Dies steht im Gegensatz zum Text, der grundsätzlich nur vom Menschen redet. Zudem handelt es sich um eine geschlechtsspezifische Sichtweise, die „Frauen in bestimmte Funktionen und damit bestimmte Räume verweist“, wie Kerstin Dörhöfer feststellt. Ein Großteil der bei ihr aus der Ausgabe von 1966 zitierten Abbildungen sind auch im Jahr 2000 enthalten – immer noch werden beispielsweise bei Putztätigkeiten und in der Küche ausschließlich Frauen abgebildet. Für Dörhöfer wird durch Darstellung und Wortwahl die Arbeit im Wirtschaftsraum als „unwert“ angesehen, andererseits ist dies der einzige Ort, an dem explizit Wert auf eine „gesunde Handhabung“ gelegt wird und das schon seit der ersten Auflage. Die Küche ist laut Bauentwurfslehre 2000 „Aufenthaltsraum für die Hausfrau für viele Stunden“, 1936 war sie immerhin die „Werkstatt der Hausfrau“ und offenbar half eine männliche Person in der Küche.

Neben eindeutig gezeichneten Geschlechtern finden sich auch alternative Darstellungsformen: Während der Querschnitt für einen Aktsaal ein weibliches Modell und männliche Zeichner darstellt, sind die übrigen Hörsäle mit geschlechtslosen Strichmännchen besetzt und in weiteren Bildern sind nur Augenhöhen und Hörerkurven zu sehen. Einige Zeichnungen kommen ohne Beispiel-Personen aus – so auch Teile des Abschnitts über Küchen; bei Draufsichten werden selten Personen abgebildet. Dass dieses Vorgehen nicht vor geschlechtlicher Zuschreibung schützt, zeigen die Grundrisse der Schlafzimmer: Eine Abbildung eines „üblichen“ Schlafzimmers enthält ein Doppelbett und steht neben einer weiteren Darstellung, in der „mehr Platz für Schminkplatz“ geboten wird.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Einleitung führt in das Werk von Ernst Neufert ein, beleuchtet dessen globalen Einfluss und definiert das Ziel der Arbeit: eine kritische Hinterfragung der zugrundeliegenden Menschen- und Geschlechterbilder.

2. Geschlechter: Dieses Kapitel analysiert die stereotypen Geschlechterdarstellungen in den Illustrationen der Bauentwurfslehre und setzt diese in Bezug zur soziologischen Realität sowie der Veränderung von Frauenrollen in der Gesellschaft.

3. „Der Mensch als Maß und Ziel“: Die Untersuchung legt dar, dass der „Mensch“ bei Neufert eine spezifische, normierte männliche Identität verkörpert, die den „Anderen“ – wie Frauen, Menschen mit Behinderung oder nicht-westliche Kulturen – systematisch ausgrenzt.

4. Schluss: Das Fazit fasst zusammen, dass die Bauentwurfslehre durch ihre Reduktion auf ein starres Ideal einen Absolutheitsanspruch erhebt, der die notwendige Auseinandersetzung mit der heutigen, vielfältigen Realität vermissen lässt.

Schlüsselwörter

Bauentwurfslehre, Ernst Neufert, Geschlechterrollen, Architekturtheorie, Normung, Standardwerk, Menschenbild, soziale Konstruktion, Gender-Datenreport, Hausarbeit, Barrierefreiheit, architektonische Raumplanung, Klischees, Idealtyp, Identität.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundlegend?

Die Arbeit analysiert die „Bauentwurfslehre“ von Ernst Neufert kritisch hinsichtlich ihrer bildlichen und textlichen Darstellung von Menschen, insbesondere unter dem Aspekt der Geschlechterrollen und gesellschaftlicher Normierungen.

Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?

Zu den Schwerpunkten zählen die Darstellung von Geschlechterbildern, die Definition des „Menschen“ als architektonisches Maß, die Abgrenzung von „Zivilisierten“ gegenüber „Primitiven“ sowie die kritische Reflexion des normativen Anspruchs des Buches.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist die Herausarbeitung eines kritischen Blicks auf die im Standardwerk „Bauentwurfslehre“ getroffenen Aussagen über den Menschen und die daraus abgeleitete architektonische Wirklichkeit.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Autorin/der Autor nutzt eine bildanalytische und diskurskritische Methode, um die Illustrationen und Texte des Handbuchs auf ihre zugrundeliegenden ideologischen Annahmen zu untersuchen.

Was steht im Hauptteil der Arbeit im Fokus?

Der Hauptteil befasst sich detailliert mit der Analyse der Geschlechterdarstellungen, der Konstruktion des „Menschen“ als weißem, nicht-behindertem Mann und der Zielgruppe des Werks.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Untersuchung?

Die Arbeit lässt sich am besten durch Begriffe wie Bauentwurfslehre, Geschlechterrollen, Architekturtheorie, Normung und Menschenbild beschreiben.

Welche Rolle spielt das Konzept der „Küche“ in der Analyse?

Die Küche dient als Fallbeispiel, um aufzuzeigen, wie durch eine spezifische Wortwahl und Abbildungspraxis Frauen auf häusliche Tätigkeiten festgelegt und ein traditionelles Familienbild zementiert wird.

Wie steht die Autorin/der Autor zum „Absolutheitsanspruch“ des Werks?

Es wird kritisiert, dass durch die Reduktion des Lebens auf wenige, genormte Beispiele ein Absolutheitsanspruch entsteht, der eine differenzierte Wahrnehmung der heutigen, vielfältigen Lebensrealitäten behindert.

Was wird über die Zielgruppe der Bauentwurfslehre ausgesagt?

Die Zielgruppe wird als eine soziale Schicht identifiziert, die von der Realität der Nutzerinnen und Nutzer abweichen kann und deren eigene Vielfalt im Begriff „der Mensch“ verschleiert wird.

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Details

Title
Die Bauentwurfslehre von Neufert
Subtitle
Konstruktionen für die Wirklichkeit oder Konstruktion einer Wirklichkeit?
College
Humboldt-University of Berlin  (Institut für Kulturwissenschaft)
Course
Vom Alex bis zum Potsdamer Platz: Mit den Gender Studies durch Berlin
Grade
1,9
Author
Silvio Schwartz (Author)
Publication Year
2006
Pages
12
Catalog Number
V173798
ISBN (eBook)
9783640942053
ISBN (Book)
9783640941964
Language
German
Tags
architektur gender geschlecht entwurf normierung
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Silvio Schwartz (Author), 2006, Die Bauentwurfslehre von Neufert, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/173798
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