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Die Interpretation der Hortforderung unter dem triuwe-Gesichtspunkt der Antagonisten Kriemhild und Hagen

Title: Die Interpretation der Hortforderung unter dem triuwe-Gesichtspunkt der Antagonisten Kriemhild und Hagen

Seminar Paper , 2003 , 17 Pages , Grade: 2

Autor:in: Albertine Selunka (Author)

German Studies - Older German Literature, Medieval Studies
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Summary Excerpt Details

Hortraub und Hortforderungsszene beschäftigen die Nibelungenlied (NL)-Rezeption seit
Anbeginn. Während über den Hortraub eine Art „stillschweigender Konsens“1 besteht, hat die
Hortforderungsszene die Forschung vor einige unbewältigte Fragen gestellt2, die an späterer
Stelle noch genauer beleuchtet werden sollen. Da die Hortforderungsszene der Moment ist, in
dem die unterschiedlichen triuwe-Konzepte aufeinanderprallen und im unausweichlichen
Desaster enden, soll die Wertigkeit und Definition von eben diesem triuwe-Begriff im
folgenden untersucht werden.
Marie-Luise Bernreuther macht ihre Interpretation unter anderem an diesem mittelalterlichen
triuwe-Prinzip fest:
„ ...inwieweit im „Nibelungenlied“ die Abweichungen einzelner Protagonisten von (...)
normativen Regeln zur Katastrophe führen oder ob nicht gerade die konsequente Erfüllung der
geforderten Verhaltensschemata ( triuwe zum Herrschaftsverband; triuwe zum einzigartigen
Minnepartner) zu der unheilvollen Konfrontation gleich werthafter, aber antagonistischer
Bestrebungen führt...“3
Desweiteren werden die unterschiedlichen Loyalitäten Hagens und Kriemhilds betrachtet und
deren Aufeinandertreffen ausgewertet. Die Arbeit schließt mit den Beobachtungen zur
Rezeption der Interpretation der Hortforderung durch die Autorin.

1 Marie-Luise Bernreuther: Motivationsstruktur und Erzählstruktur im „Nibelungenlied“ und in der „Klage“.
Greifswald 1994, S.59
2 Ebd., S. 109
3 Ebd., S. 10

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Klärung des triuwe-Begriffs/ Wertigkeit in der nibelungischen Gesellschaft

3 Loyalitäten

3.1 Hagen

3.2 Kriemhild

3.3 Aufeinanderprallen dieser Loyalitäten

4 Interpretation

4.1 Interpretation der Hortforderung durch die Forschung

4.2 Interpretation durch die Autorin

5 Fazit und Schluß

Zielsetzung und Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht die zentrale Bedeutung und Definition des mittelalterlichen Konzepts „triuwe“ im Nibelungenlied, insbesondere im Kontext der Hortforderungsszene. Das primäre Ziel ist es, die unterschiedlichen Loyalitätskonzepte der Protagonisten Kriemhild und Hagen zu analysieren und aufzuzeigen, wie deren Aufeinanderprallen unvermeidlich in das narrative und moralische Desaster führt.

  • Analyse des Begriffs „triuwe“ und dessen Wertigkeit in der nibelungischen Gesellschaft.
  • Gegenüberstellung der Loyalitäten von Hagen und Kriemhild.
  • Untersuchung der Hortforderungsszene als Kulminationspunkt divergierender Wertvorstellungen.
  • Diskussion verschiedener Forschungsansätze zur Interpretation der Hortforderung.
  • Reflexion über die Rolle der Protagonisten als konsequente Vertreter ihrer jeweiligen Ideale.

Auszug aus dem Buch

3.2 Kriemhild

Die zweite Strophe des Nibelungenliedes eröffnet mit der Vorstellung Kriemhilds als „vil édel magedîn“(2,2) und beschließt in einer der letzten Strophen ( 2371,4) mit der Bezeichnung Kriemhilds als „vâlandinne“ durch Hagen.

Der Weg zwischen diesen beiden Charakterisierungspolen ist nur möglich durch die fatalistische Konsequenz, mit der Kriemhild ihr eigenes triuwe- Konzept lebt.. Diese triuwe gilt am Anfang dem Herrschaftsbund des Wormser Könighauses – ihren Brüdern. Nach ihrer Hochzeit ist sie bis zum Tode Siegfrieds, sowohl Sippe als auch Gatten, in triuwe – Bindung zugetan. Dies jedoch nur bis zu dem Moment als sie sich durch ihre Brüder und Hagen um ihren lieben „vriedel“( , ) gebracht sieht. Danach ist die alleinige Gatten-triuwe über den Tod hinaus ihr Motivationsantrieb.

Diese triuwe Kriemhilts ist insofern besonders bzw. ambivalent, da sie durch ihre starke Individualisierung die anderen triuwe-Bindungen bedroht und zerstört. Sie schaltet nacheinander alle konkurrierenden triuwe-Bindungen aus. Zuerst Siegfrieds Familie, die sie an der Rache hindert, nach Hause sendet ( 18. Aventiure) und damit diesen triuwe-Verbund kappt. Die triuwe-Bindung zu ihren Geschwistern wird nach dem Tode Siegfrieds zwar durch symbolische Handlungen erneuert, jedoch nutzt sie die soziale Absicherung dieses triuwe- Verbandes nur solange, bis sie sich Etzels Werbung und Verbindung sicher ist. Danach verabschiedet sie sich auch aus diesem triuwe-Verband.

Zusammenfassung der Kapitel

1 Einleitung: Vorstellung der Forschungsfrage bezüglich der Hortforderung und des triuwe-Begriffs als entscheidende Triebkraft des Nibelungenlied-Desasters.

2 Klärung des triuwe-Begriffs/ Wertigkeit in der nibelungischen Gesellschaft: Definition des Begriffs und Erläuterung der Bedeutung von Loyalitätsbindungen als Strukturmerkmal der mittelalterlichen Gesellschaft.

3 Loyalitäten: Detaillierte Untersuchung der gegensätzlichen Handlungsmaximen von Hagen und Kriemhild sowie deren Unvereinbarkeit.

4 Interpretation: kritische Auseinandersetzung mit der Forschungsliteratur zur Hortforderungsszene und eigene Deutung der Autorin.

5 Fazit und Schluß: Zusammenfassung der Ergebnisse, wonach das Scheitern der Protagonisten aus der Kollision ihrer jeweiligen, konsequent verfolgten triuwe-Konzepte resultiert.

Schlüsselwörter

Nibelungenlied, triuwe, Loyalität, Hagen von Tronje, Kriemhild, Hortforderung, Rache, êre, ordo, Mittelalter, Heldenepik, Siegfried, Vasallität, Geschwisterbindung, Untergang.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert die Interaktion der Protagonisten Kriemhild und Hagen im Nibelungenlied unter dem Aspekt des mittelalterlichen Loyalitätsbegriffs „triuwe“.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die thematischen Schwerpunkte liegen auf der Definition von Treuebeziehungen, dem Loyalitätskonflikt zwischen Sippe und Herrschaftsverband sowie der Motivation zur Rache.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist es, das Handeln der Hauptfiguren nicht als bloße Goldgier oder einfache Bosheit, sondern als Konsequenz ihrer jeweiligen, unvereinbaren triuwe-Konzepte zu verstehen.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es wird eine literaturwissenschaftliche Analyse durchgeführt, die zentrale Textstellen des Nibelungenliedes mit Forschungsliteratur und zeitgenössischen Begriffsdefinitionen in Beziehung setzt.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Klärung des Begriffs triuwe, die Analyse der Einzelloyalitäten von Hagen und Kriemhild sowie die Interpretation der Hortforderungsszene.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit lässt sich primär über die Begriffe triuwe, Nibelungenlied, Loyalität, Rache und êre definieren.

Inwiefern spielt der „Hort“ eine Rolle für die Interpretation?

Der Hort wird nicht als reiner materieller Wert betrachtet, sondern als machtpolitisches Instrument und Symbol für das letzte Bindeglied zwischen Kriemhild und ihrem verstorbenen Ehemann Siegfried.

Warum endet die Geschichte laut der Autorin in einer Katastrophe?

Die Katastrophe ist laut der Autorin die notwendige Folge, wenn extrem individualisierte Loyalitätsvorstellungen auf ein starres, höfisch-ordo-basiertes Gefüge treffen, wodurch der soziale Zusammenhalt zerstört wird.

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Details

Title
Die Interpretation der Hortforderung unter dem triuwe-Gesichtspunkt der Antagonisten Kriemhild und Hagen
College
Dresden Technical University  (Institut für germanistische Mediävistik)
Course
Das Nibelungenlied
Grade
2
Author
Albertine Selunka (Author)
Publication Year
2003
Pages
17
Catalog Number
V17380
ISBN (eBook)
9783638219679
Language
German
Tags
Interpretation Hortforderung Antagonisten Kriemhild Hagen Nibelungenlied
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Albertine Selunka (Author), 2003, Die Interpretation der Hortforderung unter dem triuwe-Gesichtspunkt der Antagonisten Kriemhild und Hagen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/17380
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