Die Konzeption des Cyborg und seine Bedeutung für den Film "I'm a Cyborg, but That's OK"

Filmanalyse


Seminararbeit, 2009

18 Seiten, Note: 2,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung: Der Weg zum Rationalismus

2. Filmanalyse und Interpretation
2.1 Narration und Inszenierungsweise
2.2 Thesenprüfung und Konstituierung des Cyborg

3. Sozialstruktur und Psyche der Protagonistin

4. Argumentation und Klärung der Leitfrage

5. Reflektion und Vergleich

6. Quellenverzeichnis

1. Einleitung: Der Weg zum Rationalismus

Vielerorts erleichtert der Fortschritt der Technik den Umgang mit den Problemen und Fragestellungen des alltäglichen Lebens. So ermöglicht es die Etablierung neuer Leitmedien, wie beispielsweise Fernsehen und Internet, öffentliche Angelegenheiten an einem Ort der Privatheit zu verwalten und zu verarbeiten. Es ist eine Selbstverständlichkeit geworden Wissenschaft und Technik in unser Denken mit einzubeziehen und sie zu unserem Vorteil zu nutzen. Doch die Übermäßige Computerisierung und Digitalisierung kann schnell in ein Abhängigkeitsverhältnis und somit zu Rückzug und Isolation führen. Programmiersprachen, Algorithmen und Schaltmuster verändern die Denkstrukturen, ähnlich wie bei der Scholastik oder dem Rationalismus, nur viel komplexer. Subjektivität wird sekundär und lediglich das objektiv Wahrnehmbare soll erfasst werden. Grundlegende menschliche Emotionen wie Mitgefühl, Sehnsucht oder Traurigkeit haben keine Existenzberechtigung und werden ausgeblendet um sich auf ein wesentliches Ziel fokussieren zu können. Das Ziel ist die Effizienz; ohne Berücksichtigung humaner bzw. moralischer Normen. Dieses Extrem der Denkstrukturabstraktion kann soweit fortgeführt werden, dass sich durch die Symbiose eines Individuums mit einer Maschine, bzw. durch die Entwicklung zu einem kybernetischen Organismus (im Folgenden „Cyborg“ genannt), zwischen den rationalen Entscheidungen, die eine Maschine treffen würde, und den emotional, moralisch geprägten Denkweisen eines Menschen ein Ungleichgewicht entsteht und das maschinelle Denken überhand nimmt. In vielen Werken der Literatur, des modernen, sowie klassischen

Films sowie in Computerspielen wird dieses Thema aufgegriffen und thematisiert. So beispielsweise in „Halo“[1]. Hier verkörpert der Protagonist Master Chief Spartan

117 einen genetisch und technisch modifizierten Über-Menschen und Supersoldaten, der in der Lage ist ohne Bedenken hunderte Leben auszulöschen. Ebenso sind die Borg, aus der „Stark Trek“[2] – Reihe, kaltblütige Hybridorganismen mit dem Ziel der rücksichtslosen Expansion im gesamten Weltraum. Cyborgs sind demnach in unserem kulturellen Wissen häufig negativ konnotierte, aber dennoch

mächtige Figuren, die ohne Mitgefühl ein bestimmtes Ziel verfolgen. Warum also sollte ein menschliches Wesen es sich wünschen zu so einem Organismus zu werden und vor allem, ist die Flucht in ein Leben in dem es keine moralischen Emotionen und keine Werte gibt sinnvoll bzw. überhaupt möglich? Diese Fragen sollen im Folgenden ausgelegt und anhand des Filmbeispiels „I’m a Cyborg, But That’s OK“, ein Film des koreanischen Drehbuchautors und Regisseurs Chan-wook Park, thematisiert werden. Es wird desweiteren die Konzeption des Cyborg und seine Bedeutung für den Film dargelegt und insbesondere der Zusammenhang der Psyche der Protagonistin mit der narrativen Struktur untersucht, um systematisch zu einem Ergebnis für die Leitfragen zu gelangen.

2. Filmanalyse und Interpretation

Um genauer auf die Paradigmen der Sozialstruktur, der Psyche und die Konzeption der Protagonistin einzugehen, ist es vorerst notwendig den Film im Fokus seiner bedeutungstragenden Elemente sowie die Inszenierungsweise der Diegese zu betrachten.

2.1 Narration und Inszenierungsweise

Die primäre Handlungsebene des Textes ist im Süden Koreas im 21. Jahrhundert konstituiert. Young-goon Cha, die Protagonistin, wächst bei ihrer Mutter in bürgerlichen Verhältnissen auf. Da diese allerdings durch ihren Beruf als Gastronomin ihrem Kind kaum Aufmerksamkeit schenken kann, verbringt Young- goon die meiste Zeit mit ihrer Großmutter, die ,durch eine psychische Störung, fester Überzeugung ist, sie sei eine Maus und müsse sich einzig von Rettich ernähren. Young-goon beeinflusst dieses Verhalten sehr, aber nicht in dem Sinne, dass sie über ihre Großmutter urteilt. Im Gegenteil; sie nimmt Partei für sie ein und glaubt ihr sogar[3]. Trotz allem weist die Mutter Young-goons Großmutter in ein

Pflegeheim für Alzheimerpatienten ein[4].

Bereits in der temporal diskontinuierlichen Establishing-Scene[5] wird klar, das Young- goon selbst unter einer Psychose leidet. An Young-goons Arbeitsplatz, einer Elektrotechnikmanufaktur, erhält sie durch Stimmen in ihrem Kopf die Anweisung sich selbst die Pulsadern aufzuschneiden und sich an das Stromnetz anzuschließen[6]. Jedoch nicht um sich das Leben zu nehmen, sondern um ihre Batterien aufzuladen, denn Young-goon ist der festen Überzeugung sie sei ein Cyborg. An dieser Stelle wird eine Parallelmontage genutzt, wobei die Szene in der Manufaktur mit dem, chronologisch betrachtet, späteren Besuch der Mutter in einer Psychiatrie, in die sie Young-goon eingewiesen wird, verknüpft wird. Im Wechsel begleiten die Stimmen von Young-goon, der Mutter, der Psychiaterin und die Anweisungen gebende Stimme in Young-goons Kopf auditiv den visuellen Rahmen des jeweils Anderen und werden teilweise übereinander gelegt. Am Beispiel des Ausschnitts 00:02:07 bis 00:02:53 ist diese komplizierte Montagetechnik gut zu erläutern:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Nach der Einweisung in die Psychiatrie beginnt nun die eigentliche Narration, welche mit dem Aufwachen von Young-goon in einem Bett der Klinik einsetzt.

[...]


[1] Xbox Ego-Shooter entwickelt von den Bungie Studios, Publikation 2002

[2] Science-Fiction Fernsehserie, basierend auf der Fernsehserie Raumschiff Enterprise von Gene Roddenberry

[3] Siehe: 00:16:08 – 00:16:13

[4] Siehe: 00:15:46 – 00:16:00

[5] Siehe: 00:01:43 – 00:07:07

[6] Siehe: 00:05:35 – 00:06:25

Ende der Leseprobe aus 18 Seiten

Details

Titel
Die Konzeption des Cyborg und seine Bedeutung für den Film "I'm a Cyborg, but That's OK"
Untertitel
Filmanalyse
Hochschule
Universität Passau  (Philosophische Fakultät)
Veranstaltung
Mensch/Maschine/Medium
Note
2,7
Autor
Jahr
2009
Seiten
18
Katalognummer
V173829
ISBN (eBook)
9783640942473
ISBN (Buch)
9783640942510
Dateigröße
1067 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Filmanalyse, Maschine, Medien, Cyborg, Paradigma
Arbeit zitieren
Bachelor of Arts Niklas Weith (Autor), 2009, Die Konzeption des Cyborg und seine Bedeutung für den Film "I'm a Cyborg, but That's OK", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/173829

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