Vielerorts erleichtert der Fortschritt der Technik den Umgang mit den Problemen
und Fragestellungen des alltäglichen Lebens. So ermöglicht es die Etablierung neuer
Leitmedien, wie beispielsweise Fernsehen und Internet, öffentliche
Angelegenheiten an einem Ort der Privatheit zu verwalten und zu verarbeiten. Es ist
eine Selbstverständlichkeit geworden Wissenschaft und Technik in unser Denken
mit einzubeziehen und sie zu unserem Vorteil zu nutzen. Doch die Übermäßige
Computerisierung und Digitalisierung kann schnell in ein Abhängigkeitsverhältnis
und somit zu Rückzug und Isolation führen. Programmiersprachen, Algorithmen und
Schaltmuster verändern die Denkstrukturen, ähnlich wie bei der Scholastik oder
dem Rationalismus, nur viel komplexer. Subjektivität wird sekundär und lediglich
das objektiv Wahrnehmbare soll erfasst werden. Grundlegende menschliche
Emotionen wie Mitgefühl, Sehnsucht oder Traurigkeit haben keine
Existenzberechtigung und werden ausgeblendet um sich auf ein wesentliches Ziel
fokussieren zu können. Das Ziel ist die Effizienz; ohne Berücksichtigung humaner
bzw. moralischer Normen. Dieses Extrem der Denkstrukturabstraktion kann soweit
fortgeführt werden, dass sich durch die Symbiose eines Individuums mit einer
Maschine, bzw. durch die Entwicklung zu einem kybernetischen Organismus (im
Folgenden „Cyborg“ genannt), zwischen den rationalen Entscheidungen, die eine
Maschine treffen würde, und den emotional, moralisch geprägten Denkweisen
eines Menschen ein Ungleichgewicht entsteht und das maschinelle Denken
überhand nimmt. In vielen Werken der Literatur, des modernen, sowie klassischen
Films sowie in Computerspielen wird dieses Thema aufgegriffen und thematisiert.
So beispielsweise in „Halo“. Hier verkörpert der Protagonist Master Chief Spartan
117 einen genetisch und technisch modifizierten Über-Menschen und
Supersoldaten, der in der Lage ist ohne Bedenken hunderte Leben auszulöschen.
Ebenso sind die Borg, aus der „Stark Trek“ – Reihe, kaltblütige Hybridorganismen
mit dem Ziel der rücksichtslosen Expansion im gesamten Weltraum. [...] Diese Fragen
sollen im Folgenden ausgelegt und anhand des Filmbeispiels „I’m a Cyborg, But
That’s OK“, ein Film des koreanischen Drehbuchautors und Regisseurs Chan-wook
Park, thematisiert werden.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung: Der Weg zum Rationalismus
2. Filmanalyse und Interpretation
2.1 Narration und Inszenierungsweise
2.2 Thesenprüfung und Konstituierung des Cyborg
3. Sozialstruktur und Psyche der Protagonistin
4. Argumentation und Klärung der Leitfrage
5. Reflektion und Vergleich
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die filmische Darstellung des Cyborg-Begriffs in "I’m a Cyborg, but That’s OK" und analysiert, wie die psychische Störung der Protagonistin sowie deren narrative Struktur zur Klärung der Existenzfrage beitragen.
- Konzeption und Definition des Cyborg im filmischen Kontext
- Einfluss der familiären Sozialstruktur auf die Psyche der Protagonistin
- Zusammenhang zwischen Wahnvorstellungen und narrativer Struktur
- Die Rolle der Liebe als Gegenentwurf zur emotionalen Unterdrückung
- Semiotische Untersuchung bedeutungstragender Elemente wie der Standuhr
Auszug aus dem Buch
2.1 Narration und Inszenierungsweise
Die primäre Handlungsebene des Textes ist im Süden Koreas im 21. Jahrhundert konstituiert. Young-goon Cha, die Protagonistin, wächst bei ihrer Mutter in bürgerlichen Verhältnissen auf. Da diese allerdings durch ihren Beruf als Gastronomin ihrem Kind kaum Aufmerksamkeit schenken kann, verbringt Young-goon die meiste Zeit mit ihrer Großmutter, die ,durch eine psychische Störung, fester Überzeugung ist, sie sei eine Maus und müsse sich einzig von Rettich ernähren. Young-goon beeinflusst dieses Verhalten sehr, aber nicht in dem Sinne, dass sie über ihre Großmutter urteilt. Im Gegenteil; sie nimmt Partei für sie ein und glaubt ihr sogar. Trotz allem weist die Mutter Young-goons Großmutter in ein Pflegeheim für Alzheimerpatienten ein.
Bereits in der temporal diskontinuierlichen Establishing-Scene wird klar, das Young-goon selbst unter einer Psychose leidet. An Young-goons Arbeitsplatz, einer Elektrotechnikmanufaktur, erhält sie durch Stimmen in ihrem Kopf die Anweisung sich selbst die Pulsadern aufzuschneiden und sich an das Stromnetz anzuschließen. Jedoch nicht um sich das Leben zu nehmen, sondern um ihre Batterien aufzuladen, denn Young-goon ist der festen Überzeugung sie sei ein Cyborg.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Der Weg zum Rationalismus: Die Einleitung beleuchtet die zunehmende Technisierung und deren Einfluss auf menschliche Denkstrukturen sowie die Zielsetzung der Arbeit, diese anhand des Films zu untersuchen.
2. Filmanalyse und Interpretation: In diesem Kapitel werden die narrativen Strukturen sowie die spezifische Konzeption des Cyborgs und dessen Eigenschaften innerhalb des Films geprüft.
3. Sozialstruktur und Psyche der Protagonistin: Dieser Abschnitt analysiert den Einfluss des familiären Umfelds auf die Entwicklung der Psychose und die Strategien der Protagonistin zur emotionalen Unterdrückung.
4. Argumentation und Klärung der Leitfrage: Hier erfolgt eine semiotische Untersuchung von Schlüsselsymbolen und die Zusammenführung der Erkenntnisse zur Beantwortung der zentralen Fragestellung.
5. Reflektion und Vergleich: Das abschließende Kapitel ordnet den Film als Gesamtkunstwerk ein und reflektiert über die filmische Vielschichtigkeit jenseits klassischer Genre-Zuordnungen.
Schlüsselwörter
Cyborg, I’m a Cyborg but That’s OK, Psychose, Schizophrenie, Chan-wook Park, Filmtheorie, Narration, Sozialstruktur, Identität, Emotionen, Existenzialismus, Semiotik, Wahnsinn, Mensch-Maschine, Liebe
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit?
Die Arbeit analysiert das filmische Werk "I’m a Cyborg, but That’s OK" unter Berücksichtigung der Cyborg-Konzeption, der psychischen Verfassung der Hauptfigur und deren narrativer Einbettung.
Welche Themenfelder stehen im Mittelpunkt der Untersuchung?
Zentrale Themen sind die menschliche Identität zwischen Technik und Emotion, die psychologische Prägung durch die Sozialstruktur sowie die filmische Semiotik.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, zu ergründen, warum die Protagonistin die Identität eines Cyborgs wählt und wie sich dieser Wunsch sowie die zugrunde liegende Psychose auf die narrative Struktur des Films auswirken.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt Methoden der Filmanalyse, der Interpretation und der semiotischen Untersuchung, um Symbole und Inszenierungsweisen zu deuten.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine detaillierte Filmanalyse, eine Untersuchung der familiären Sozialstruktur und der Psyche der Protagonistin sowie eine argumentative Klärung der Leitfrage.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe umfassen Cyborg, Psychose, Identität, narrative Struktur, Emotionen und Existenzialismus.
Welche Rolle spielt die Großmutter für die Entwicklung der Protagonistin?
Die Großmutter fungiert als prägende Bezugsperson, deren eigene psychische Störung den Nährboden für Young-goons Weltbild und deren Entwicklung hin zur psychotischen Wahrnehmung bildet.
Warum wird die Liebe als zentrales Element der Problemlösung betrachtet?
Die Liebe zu ihrem Mitpatienten Il-sun dient im Film als stärkstes menschliches Gegengewicht zur beabsichtigten emotionalen Abschottung und ermöglicht der Protagonistin einen Weg aus der reinen Fiktion zurück zur Realität.
Wie werden die "sieben Todsünden" von der Protagonistin interpretiert?
Young-goon abstrahiert menschliche Emotionen wie Mitgefühl oder Sehnsucht in ein persönliches Regelwerk der Todsünden, um sich selbst emotional abzuhärten und ihre Existenz als vermeintlicher Cyborg zu rechtfertigen.
Welche Funktion hat die Standuhr als Symbol im Film?
Die Standuhr dient als ambivalentes Symbol: Sie steht einerseits für Schutz und Flucht vor der Außenwelt, andererseits für Vergänglichkeit und den Tod, wodurch die Aussichtslosigkeit der Flucht in die Technik verdeutlicht wird.
- Quote paper
- Bachelor of Arts Niklas Weith (Author), 2009, Die Konzeption des Cyborg und seine Bedeutung für den Film "I'm a Cyborg, but That's OK", Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/173829