Das Mediensystem im Wandel

Bleibt der Qualitätsjournalismus auf der Strecke?


Seminararbeit, 2010

16 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Definitionen
2.1 Informationsparadoxon
2.1 Qualität

3 Aufgabe der Medien
3.1 Informationsfunktion (Nachrichtenvermittlung)
3.2 Korrelationsfunktion (Meinungsbildung)
3.3 Kritik- und Kontrollfunktion
3.4 Qualitätsüberprüfung und Richtlinien

4 Kriterien der Qualitätsbeurteilung
4.1 Wer bewertet Qualität?
4.1.1 Medienwirtschaft
4.1.2 Rezipienten
4.1.3 Medienschaffende
4.1.4 Gesellschaft
4.2 Qualität und ethische Verantwortung
4.2.1 Aufgaben der Medienethik
4.2.2 Funktionen der Medienethik
4.2.3 Medienethik im sich wandelnden Mediensystem

5 Qualitätsverlust
5.1 Folgen des Qualitätsverlusts
5.2 Gründe für den Qualitätsverlust
5.2.1 Journalismus versus Wirtschaft
5.2.2 Kommerzialisierung
5.2.3 Fehlende Zahlungsbereitschaft
5.2.4 Entertainisierung
5.2.5 Informantenabhängigkeit
5.2.6 Alleskönner?!
5.2.7 Der „zahnlose Tiger“
5.2.8 Hürde: Politik

6 Gefahr: Blogs und „Bürgerjournalismus“?!

7 Fazit und Ausblick

8 Literaturliste

1 Einleitung

Im Zeitalter der Digitalisierung ist es möglich Angebote zu vervielfältigen, sowie Bild- und Tonfolgen in besserer Qualität herzustellen, zu übertragen und zu empfangen.1 Die Medien­landschaft wurde und wird stark vom Internet geprägt. Ein Großteil der Medienmanager und Journalisten haben sich schon an diesen Gedanken gewöhnt. Das World Wide Web ist ein Massenmedium, das Interaktivität fördert. Jeder kann seine Meinung beispielsweise in Blogs veröffentlichen. Werden in einer Gesellschaft, in der eine Fülle an Informationen bereitgestellt wird und tendenziell fastjeder Zugang dazu hat, Journalisten überflüssig?2 Für die Nutzer hat das World Wide Web sehr viele Vorteile gebracht, die Hand in Hand mit den Nachteilen für die Medienschaffenden gehen. Denn die Rechnung, dass man mit gutem Journalismus gutes Geld verdienen kann, funktioniert durch die überwiegend kostenlosen Informationsangebote im Internet nicht mehr.3 Das Mediensystem befindet sich im Wandel. Es findet eine Transmedialisierung statt bei der gleiche oder leicht veränderte Inhalte über verschiedene Medien kommuniziert werden. Durch Kostendruck und Synergiezwänge entwickeln sich in immer mehr Medienhäusern neue Formen des Journalismus. So gibt es beispielsweise den sogenannten Backpack-Journalismus bei dem die Reporter ihre komplette trimediale Ausrüstung im Rucksack mit sich führen. Alle Journalisten sollen alles machen können. Qualität betrifft ethische Aspekte, aber auch Forderungen nach verständlichem Stil, ansprechender, attraktiver Aufmachung. Der Beruf des Journalisten ist nicht geschützt. Jeder kann sich als Journalist bezeichnen. Dennoch gibt es Kriterien, an die sich ein praktizierender Journalist halten sollte. Eine andere neue Form des Journalismus sind die freien Blogger, die teilweise bezahlte Redakteure ersetzen. Kann der von Laien betriebene Bürgerjournalismus in Form von Vor- und Scheinformen von Journalismus in sozialen Netzwerken und Webblogs die klassische redaktionelle Arbeit bedrohen? Doch wo bleibt dann die journalistische Qualität? Was ist Qualität überhaupt und wer bewertet sie?4 Der Kommunikations­wissenschaftler Prof. Stephan Ruß-Mohl stellte fest: „Qualität im Journalismus definieren zu wollen, gleicht dem Versuch, einen Pudding an die Wand zu nageln.“ Trotzdem oder gerade deswegen reißen Qualitätsdiskussionen im Journalismus nicht ab. Durch Redaktions­zusammenlegungen und Stellenstreichungen, vor allem in den Printmedien, und täglich wachsender Informationsfülle im Internet, sehen journalistische Berufsverbände und zahlreiche Medienmacher die Gefahr, dass diejournalistische Qualität derzeit täglich abnimmt.5

2 Definitionen

2.1 Informationsparadoxon

Bei Medienprodukten tritt bei der Bewertung ein Bewertungsparadoxon auf. Das bedeutet, dass das Produkt erst dann bewertet werden kann, wenn es bekannt ist. Weiß man allerdings um den Inhalt, fällt der Anreiz weg, für den Erwerb eine Gegenleistung zu erbringen. Deshalb basieren Informationslieferungen in den Medien vor allem auf einer Vertrauensbeziehung und speziellen Vertragsmechanismen wie Abonnements.6 Medienprodukte sind also Vertrauens7 - und Erfahrungsgüter8, was durch dieses Informationsparadoxon zu einem Problem in der Qualitätsbeurteilung in der Medienwirtschaft führen kann.

2.1 Qualität

Der Begriff „Qualität“ wird in der Literatur verschieden definiert. Der Duden bezeichnet „Qualität“ als eine Eigenschaft, die einer Einheit inhärent ist. Zum einen gibt es die Qualitätseigenschaft der Beschaffenheit (Gesamtheit aller Qualitätsmerkmale gemessen an festgelegten Qualitäts­anforderungen), zum anderen die der Güte (bezieht sich wertend auf einen zu erfüllenden Zweck).9 Meist wird Qualität als Grad der Übereinstimmung zwischen Ansprüchen bzw. Erwartungen (Soll) an ein Produkt und dessen Eigenschaften (Ist) erklärt. So bezeichnet die DIN EN ISO 8402 Qualität als „die Gesamtheit von Merkmalen einer Einheit bezüglich ihrer Eignung, festgelegte und vorausgesetzte Erfordernisse zu erfüllen“. Entspricht bei einem Soll-Ist-Verglein Produkt nicht allen Merkmalen der Erwartungen, wird es als fehlerhaft angesehen. Die neue Qualitätsnorm DIN EN ISO 9000 erweitert die Definition von Qualität um den Aspekt von Kunden und interessierten Parteien: „Vermögen einer Gesamtheit inhärenter (lat. innewohnend) Merkmale eines Produkts, eines Systems oder eines Prozesses zur Erfüllung von Forderungen von Kunden und anderen interessierten Parteien.“10 Bei der zweiten Definition fallt auf wie komplex und schwierig die Qualitätsbewertung werden kann, da Medien aus verschiedenen Blickwinkeln bewertet werden (vgl. Kapitel 4.1 Wer bewertet Medien?). Auch bei Qualitätsansprüchen für Medienunternehmen wird dies deutlich. Für sie bedeutet Qualität nicht nur ein technisch fehlerfreies Produkt, sondern auch die Erwartungen der Kunden zu berücksichtigen. Gleichzeitig gilt es, ein Qualitätsverständnis bei den Mitarbeitern zu fördern und zu fordern. Zudem müssen Kosten, Zeit, Qualität und Quantität in ein ausgewogenes Verhältnis für den Medienunternehmer und Rezipienten gebracht werden.11 Es lassen sich fünf Teilqualitäten nennen: der absolute Qualitätsbegriff, der sich bezüglich Qualität im Journalismus auf Güte bzw. Dienstleistung bezieht. Der produktorientierte Qualitätsbegriff, der das Medienprodukt an sich meint. Der kundenorientierte Qualitätsbegriff, der Rezipienten oder Anzeigenkunden berücksichtigt. Der herstellerorientierte Qualitätsbegriff, der sich an Medienunternehmen und Journalisten wendet, sowie der wertorientierten Qualitätsbegriff, der die relative Preis-Leistungs-Größe beschreibt.12

Dies alles macht eine universelle Qualitätsdefinition für Journalismus und Medien sehr schwierig, wenn nicht sogar unmöglich. Auch Hannes Haas und Klaus Lojka beschreiben die Versuche der Qualitätsdefinition in der Kommunikationsforschung wie folgt:

Es fehlt eine einheitliche und allgemein akzeptierte Definition. Einigkeit besteht nur in der Diagnose der Komplexität des Problems: „Was ist überhaupt journalistische Qualität?“13

Betrachtet man die einzelnen Gruppen, die zur Qualität und Qualitätsbewertung einen Beitrag leisten, lassen sich zumindest teilweise normative Ansprüche oder Bewertungskriterien formulieren (vgl. Kapitel 4.1 Wer bewertet Medien?).

3 Aufgabe der Medien

Um die Qualität von journalistischen Produkten zu bewerten, ist es wichtig zu wissen, welche Maßstäbe und Aufgaben den Medien zugeschrieben werden. Sie tragen eine Verantwortung als Vorbildfunktion mit Aufklärungs-, Sozialisations-, Integrations- und Bildungsauftrag. Gleichzeitig gilt es für sie einen angemessenen Umgang mit Information und Unterhaltung zu bewerkstelligen. Außerdem wird ihnen die Artikulationsfunktion für alle gesellschaftlichen Kräfte zugeschrieben.14

3.1 Informationsfunktion (Nachrichtenvermittlung)

Der Rezipient soll über aktuell interessierende Ereignisse und Vorgänge in Politik, Gesellschaft, Kultur und Sport möglichst vollständig, sachlich und verständlich informiert werden.15 Dies soll ihm ermöglichen das öffentliche Geschehen zu verfolgen, Zusammenhänge aus Wirtschaft, Politik und Gesellschaft zu erkennen und sich ein Bild über die Ansichten und Absichten von Personen des öffentlichen Geschehens machen zu können. Medien schaffen so eine Grundlage für den kommunikativen Austausch der Bürger.16 Sie stellen relevante Themen für den öffentlichen Diskurs bereit.17

3.2 Korrelationsfunktion (Meinungsbildung)

Die Medien spielen zum einen bei der individuellen Meinungsbildung eine wichtige Rolle, zum anderen auch bei der öffentlichen Meinung auf gesellschaftlicher Ebene.18 In einer demokratischen Gesellschaft sollten Fragen von öffentlichem Interesse in freier und offener Diskussion erörtert werden19, um die Willens- und Entscheidungsbildung als Bestandteil der Demokratie für eine kritische Öffentlichkeit zu ermöglichen.20

3.3 Kritik- und Kontrollfunktion

Die Kritik und Kontrollfunktion der Medien spielt besonders in Bezug auf die Politik und Wirtschaft eine wichtige Rolle. Daher wurde die Bezeichnung der Medien als „vierte Gewalt“21 im Staat geprägt. Mit Hilfe von Medien konnten in der Vergangenheit verschiedene politische Skandale, wie beispielsweise die Barschelaffäre oder der CDU-Spedenskandal, aufgedeckt werden. Investigativer Journalismus ist deshalb unabdingbar für Qualität im Journalismus. Anhand von Bildblog.de wird deutlich, dass Medien sich aber auch gegenseitig kontrollieren. Als eines der populärsten Beispiele für intermediale Kontrolle ist die Aufdeckung der gefälschten Hitlertagebücher zu nennen.22

[...]


1 Vgl. Goderbauer-Marchner, Gabriele/MedienCampus Bayern e.V. (Hrsg.): Qualität-Ethik - Talentmanagement: Trends undKontinuität in derMedienaus- und Weiterbildung, In: Medienbildung aktuell Band 5, o.O. 2009. S. 13.

2 Vgl. ebd. S. 14.

3 Vgl. o.A.: Journalistische Qualität: Die Neue Unübersichtlichkeit, o.O. 2010 In: http://www.kommunikationsblog.de/medien/journalistische-qualitat-die-neue-unubersichtlichkeit/

4 Vgl. Kenntemich, Wolfgang: Content first. Der transmediale Prozess und diejournalistische Qualität, In: Medien Digital der Friedrich Ebert Stiftung, Bonn 2008. S. 18-19.

5 Vgl. o.A.: Journalistische Qualität: Die Neue Unübersichtlichkeit, o.O. 2010 In: http://www.kommunikationsblog.de/medien/journalistische-qualitat-die-neue-unubersichtlichkeit/

6 Vgl. Gabler Verlag (Hrsg.): Gabler Wirtschaftslexikon, Stichwort: Informationsparadoxon, o.O. 2010 In: http://wirtschaftslexikon.gabler.de/Archiv/11392/informationsparadoxon-v5.html

7 Definition: Ein Vertrauensgut ist in der Haushaltstheorie ein Gut, dessen Qualität selbst nach dem Kauf durch den Haushalt nicht sicher festgestellt werden kann (z.B. Medikamente, Therapien).

8 Definition „Erfahrungsgut“: Gut, dessen Qualität ein Haushalt erst nach vollzogenem Konsum feststellen kann. Der Konsum von Erfahrungsgütern zieht Lerneffekte nach sich, die das Nachfrageverhalten zukünftiger Perioden beeinflussen.

9 Vgl.Duden: Definition,Qualität“. 1997

10 Vgl. Kenline: Definition Qualität. o.O.: o. J. In: http://quality.kenline.de/seiten_d/qualitaet_definition.htm

11 Vgl. Dollinger, Katrin: Ganzheitliches Qualitätsmanagement in Medienunternehmen. Eine empirische Analyse von Zeitungs- undFernsehindustrie im deutschsprachigen Raum, Erlangen-Nürnberg: Friedrich-Alexander-Universität 2006. S. 84-85.

12 Vgl. Schmalzl, Bernhard/Schröder, Jakob: Managementkonzepte im Wettstreit. Total Quality Management vs. BusinessProcessReengeneering, München: C. H. Beck 1998. S.17-20.

13 Vgl. Dollinger, Katrin 2006. S. 97.

14 Vgl. Schicha, Christian: Medienethik und Medienqualität. In: Zeitschrift für Kommunikationsökologie 2/2003, S. 44-53.

15 Vgl. Schmidt, Christian: Die Qualität politischer Talkshows. Unterhaltung versus Information, Saarbrücken: Dr. Müller e.K. 2007. S. 5.

16 Vgl. Chill, Hanni/Meyn, Hermann: Funktionen derMassenmedien in derDemokratie. Massenmedien (Heft 260) Bonn: Bundeszentrale für politische Bildung 2000. In: http://www.bpb.de/publikationen/04309502558076112a983648580539468,1,0,Funktionen_der_Massenmedien_in_d er_Demokratie.html#art1

17 Vgl. Schicha, Christian 2/2003, S. 44-53.

18 Vgl. Schmidt, Christian2007. S. 6-8.

19 Vgl. Chill, Hanni/Meyn, Hermann 2000

20 Vgl. Schicha, Christian 2/2003, S. 44-53.

21 Vgl. u.a. Graevenitz, Gerhart von (Hrsg.): Vierte Gewalt? Medien und Medienkontrolle, UVK-Medien, Konstanz 1999.

22 Vgl. Schmidt, Christian 2007. S. 9.

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
Das Mediensystem im Wandel
Untertitel
Bleibt der Qualitätsjournalismus auf der Strecke?
Hochschule
Universität Passau  (Philosophische Fakultät)
Veranstaltung
Medienökonomie
Note
1,3
Autor
Jahr
2010
Seiten
16
Katalognummer
V173835
ISBN (eBook)
9783640946440
ISBN (Buch)
9783640946709
Dateigröße
453 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Informationsparadoxon, Qualität, Informationsfunktion, Korrelationsfunktion, Kritik- und Kontrollfunktion, Qualitätsüberprüfung, Kriterien der Qualitätsbeurteilung, Medienwirtschaft, Qualität und ethische Verantwortung, Medienethik, Qualitätsverlust, Blogs, „Bürgerjournalismus“
Arbeit zitieren
Hannah Späth (Autor), 2010, Das Mediensystem im Wandel, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/173835

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