Textanalyse zu Mearsheimer, Keohane und Nye


Hausarbeit, 2009
4 Seiten, Note: 3,0

Leseprobe

Textanalyse

Texte: 1. Mearsheimer, John J., 1995: The False Promise of International Institutions, in: International Security 19, 3, .

2. Keohane, Robert O., und Joseph S. Nye, Jr., 1998: Power and Interdependence in the Information Age, in: Foreign Affairs 77, 5, .

3. Keohane, Robert O., und Joseph S. Nye, Jr., 2000: Globalization: What’s New? What’s Not? In: Foreign Policy 118,.

Hauptargumente aller drei Texte

Dass John Mearsheimer in dem von ihm vorliegenden Text den Realismus vertritt, lässt sich sehr schön an seiner vollkommen kontroversen Ansicht zu den Neoinstitutionalisten Keohane und Nye feststellen, da Mearsheimer den Institutionen eine wirklich tiefgreifende Bedeutung und Wichtigkeit sowie eine positive Zuträglichkeit für den internationalen Frieden und dessen Sicherheit komplett abspricht. Die Begründung für diese Annahmen sieht der Autor vor allem in den fehlerhaften Theorien des Institutionalismus, die noch dazu in der bisherigen Geschichte keine fundierte Untermauerung finden konnten, woraus er sogar die Schlussfolgerung zieht, dass ein zu starkes Vertrauen auf Institutionen und die Überzeugung, sie wären doch wichtig, gefährlich sein kann. Keohane und Nye legen auf den 15 Seiten der Lektüre „Power and Interdependence in the Information Age“ hingegen großen Wert auf die Aussage, dass sowohl die Informationsrevolution als auch die Globalisierung in gewisser Hinsicht das Machtgefüge in der Welt verändert haben. Dennoch bleiben, trotz vermehrter Kommunikation zwischen den Gesellschaften, Gewalt und Sicherheit die dominierenden Faktoren in der Außenpolitik der Länder. Ihr später verfasstes Werk „Globalization: What’s New? What’s Not?“ schließt ebenfalls an die Diskussion um Institutionen an und sagt im Kern aus, dass die Welt aus Gründen, wie z. B. der Globalisierung oder der Informationsrevolution, immer komplexere Züge angenommen hat und Institutionen von zentraler Bedeutung sind, um diese zunehmende Komplexität regeln zu können. Institutionen genießen also durch die fortschreitenden transnationalen Netzwerke eine verwaltende Hauptrolle, die sie durch Regeln in der internationalen Zusammenarbeit und der dadurch entstandenen stabilen Ordnung erlangt haben, eine These die im direkten Widerspruch zu Mearsheimer steht, wofür die Ursachen in der grundlegenden Tatsache zu suchen sind, dass sich Realismus und Institutionalismus in vielerlei Hinsichten einfach entgegenstehen.

Internationale Institutionen im Realismus laut Mearsheimer (1995)

Der Realismus geht von einem ständigen Egoismus von Staaten aus und einer daraus resultierenden Furcht vor anderen Staaten. Daraus ergibt sich die Schlussfolgerung, dass es keinen wirklich Frieden unter Staaten gibt, sondern lediglich verstärkte Kommunikation um die eigene Sicherheit zu garantieren. Dem hier angesprochenem Ausgleich von Macht unter den Staaten sind Institutionen untergeordnet. Von der Behauptung, dass Institutionen in diesem Gefüge Stabilität und Frieden sichern, distanziert sich der Realismus also, auch wenn er ihnen zugesteht, dass Staaten innerhalb und durch Institutionen handeln, denn auch diese Eigenschaft ist letztendlich dem subjektiven Willen der Staatsmacht unterworfen und spricht Institutionen somit alle unabhängigen Einflüsse auf Staatsmächte ab, da sie in der Regel auch nichts anderes vertreten als den Willen der Staatsmacht. Als Instrumente der Staatsmacht haben Institutionen demnach mehr eine nebensächliche Rolle bei der Schaffung oder der Beseitigung von Frieden und spiegeln lediglich die bestehenden Machtverhältnisse wieder, also wirken mehr als Arenen für den Machtkampf und das Durchspielen von Machtverhältnissen. Mearsheimer zieht, um dies zu verdeutlichen, als Beispiel die NATO heran, wobei er noch einmal deutlich aufzeigt, dass Institutionen und ihr Handeln von äußeren Gegebenheiten beeinflusst werden und in ihrer Form auch nur bestehen können, solange diese Bedingungen anhalten und sich nicht grundlegend ändern.

Kritik an den Institutionalisten bei Mearsheimer (1995)

Die von den Institutionalisten präsentierten Theorien beschreiben die Welt nicht vollständig bzw. falsch, was zur Folge hat, dass eine Politik, die auf ihnen aufbaut, ebenfalls fehlschlagen muss. Es sind nicht nur enorme kausale Logiklücken festzustellen in den Theorien der Institutionalisten, ihnen fehlt es auch an historischer Untermauerung und Nachweisbarkeit. So ist der liberale Institutionalismus hauptsächlich auf politische Ökonomie ausgelegt, vernachlässigt dabei aber den zweiten Themenkomplex, nämlich die Frage der Sicherheit im System. Doch auch die Ökonomie selbst wird hier nur unter der Vernachlässigung der relativen Gewinne betrachtet, was dem natürlichem Denken von Staaten, aufgrund der Tatsache, dass sie von Menschen geleitet werden, vollkommen widerspricht, was der Realismus auch in der Theorie der kollektiven Sicherheit tut, bei dem von einem gegebenem Vertrauen ausgegangen wird, jedoch unbeachtet bleibt, wie sich diese Art des idealistischen, blinden Vertrauens zwischen den Staaten aufbauen und halten soll, ohne dabei von Sympathieverlagerungen, aufkommendem Misstrauen oder durch den Widerspruch der Ablehnung von Gewalt, die allerdings benötigt wird, um Widersacher dieser Theorie zu zerschlagen oder einzugliedern, wieder zerstört zu werden. Die kritische Theorie verlagert sich hingegen mehr auf den Eigennutz, doch ist auch sie so auf eine friedliche Umwelt angewiesen, sodass auch hier ein immenses Vertrauen zwischen den Staaten vorhanden sein müsste, welches aus bereits genannten Gründen nicht existiert. Aus diesen Gründen kann man dem Institutionalismus in gewissen Bereichen unrealistischen Idealismus vorwerfen.

Die inhaltlichen Positionen von Keohane und Nye (1998) und ihre Ansichten zur Machtverschiebung durch die Informationsrevolution

Keohane und Nye sprechen sich im vorliegenden Text stark gegen die Aussagen aus, dass die Informationsrevolution vorbei ist und die gesamte Welt nun in ein Kollektiv technisch-kommunikativer-Verbindung verwandelt hat, da es noch immer genug Menschen auf der Welt gibt, die kein Telefon oder einen Anschluss zum Internet haben. Darüber hinaus hat die Informationsrevolution keinen ausschließlich positiven Effekt, wie allgemein hin vertreten wird, denn Informationen und der mit ihnen verbundene Fortschritt hilft nicht nur denen, die Hilfe nötig haben, sie begünstigt in mancherlei Hinsicht auch jene, die sie nicht nötig hätten. Darüber hinaus hat die Informationsrevolution die Macht nicht unter den Staaten dezentralisiert, wie man sich vielleicht von ihr erhofft hatte.

Frei nach dem Sprichwort „Wissen ist Macht!“ erwarten die Autoren, dass Regierungen zwar vor allem wegen ihrer militärischen Stärke wichtig bleiben werden, sich ihre Rolle jedoch abschwächen wird, doch wenn nicht, dann werden Demokratien durch die Informationsverbreitung begünstigt, weil sie den Umgang mit Gratisinformationen gewohnt sind und Verwaltungsinstitutionen nicht bedrohen. Schnelligkeit, Kosten, Korrektheit und Aktualität heißen die neuen Zauberworte des Einflusses, denn wer die Aufmerksamkeit und das Geld besitzt, die neusten Informationen fehlerfrei als erster auf sich zu vereinen, hat über einen gewissen wenn auch oft nur minimalen Zeitraum, die Kontrolle über eben diese.

Interdependenz, Globalismus und Globalisierung bei Keohane und Nye (2000) und ihr Zusammenhang zu internationalen Beziehungen

Interdependenz bezeichnet eine angelegenheitsdomierte, wechselseitige

Abhängigkeit als Einzelverbindung zwischen Akteuren, ohne dass dabei eine Vernetzung vorliegen muss und somit einen Prozess den Globalismus zu steigern. Globalismus hingegen ist ein multidimensionaler Typ von Interdependenz in multikontinentaler Hinsicht und als ein Netz wechselseitiger Abhängigkeiten ausgebaut, welche dick oder dünn sein können, somit entsprechend viele Menschen ansprechen und abhängig sind von Region und Angelegenheitsbereich. Globalisierung hingegen bezeichnet den Rückgang von Abstand auf einer großen Skala, was den Abstand allerdings nicht irrelevant macht, wobei jedoch die Entstehung neuer Interdependenzen und die Dicke von Globalismus begünstigt werden kann, wonach Globalismus eine Ausweitung darstellt und Globalisierung bezeichnet wie schnell und dick die einzelnen Interdependenzen sind.

Die Informationsrevolution bildet einen wichtigen Kern der Globalisierung. Da hierdurch umso mehr wechselseitige Abhängigkeiten entstehen, bedarf es natürlich einer höheren Zahl an Institutionen, um dem gesteigerten Verwaltungsaufwand gerecht zu werden. Da Staaten durch die Informationsrevolution modernisiert werden, wachsen auch die Institutionen mit. Der letztendlich entstehende Globalismus begünstigt schließlich ihre Dicke und Schnelligkeit, wodurch sich jedoch auch Krisen einer Institution wie Krankheiten sehr schnell und s]tark auf andere Institutionen verbreiten können, wie am Beispiel der aktuellen Wirtschaftskrise zum Beispiel zu sehen ist.

[...]

Ende der Leseprobe aus 4 Seiten

Details

Titel
Textanalyse zu Mearsheimer, Keohane und Nye
Hochschule
Technische Universität Dresden  (Institut für Politikwissenschaft)
Veranstaltung
Einführung in das Studium der internationalen Beziehungen
Note
3,0
Autor
Jahr
2009
Seiten
4
Katalognummer
V173842
ISBN (eBook)
9783640941148
Dateigröße
385 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Mearsheimer, Keohane, Nye, Textanalyse, Politik, Politikwissenschaft
Arbeit zitieren
Jan Seichter (Autor), 2009, Textanalyse zu Mearsheimer, Keohane und Nye, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/173842

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