Konvergenz oder Divergenz der Institutionen in der Moderne?

Ein Vergleich der Modellprognosen


Seminararbeit, 2009

8 Seiten, Note: 1,0


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Inhalt

Einleitung

Die Neue Institutionenökonomik bei North

Der Neue Institutionalismus als alternativer Ansatz

Prognosen für die Zukunft - Vergleich der Modelle

Literatur

Einleitung

Institutionen sind das Produkt menschlichen Handelns und somit auch ein kulturelles Produkt. Dennoch sind diese „Spielregeln der Gesellschaft“ keineswegs einfach zu begreifen. Dies liegt auch daran, dass Institutionen nur zum Teil bewusste Schöpfungen menschlichen Schaffens sind und die Verbindlichkeit, d.h. der Grad der Handlungsorientierung an institutionellen Vorgaben, unterschiedlich stark ist.

Institutionentheorien versuchen, diesen Schwierigkeiten in ihren Darlegungen zu begegnen und uns begreifbar zu machen, wie Institutionen wirken und wie groß der Einfluss der Akteure auf den Wandel von Institutionen ist. Dazu wird praktischerweise die institutionelle Ebene getrennt von der organisationalen (Handlungs-)Ebene analysiert und die Wechselbeziehungen benannt.

Neben der Frage wie institutioneller Wandel abläuft muss ebenso geklärt werden, ob in der Moderne eine Konvergenz der Institutionen zu beobachten sein wird oder aber die Institutionen in verschiedenen Gesellschaften divergieren. Naturgemäß fallen je nach theoretischem Blickwinkel die Prognosen anders aus, und so soll im Folgenden ein Vergleich der neuen Institutionenökonomik mit dem Neuen Institutionalismus in der Soziologie klären, warum beide Programme zu unterschiedlichen Ergebnissen kommen.

Die Neue Institutionenökonomik bei North

Eine wichtige Frage für jede Institutionentheorie ist diejenige, wie es zu Veränderungen der formgebundenen wie formlosen Regeln der Institution kommt. Der Ausgangspunkt bei North lässt sich dabei als einer dem methodologischem Individualismus nahestehendes Modell beschreiben: Den Akteuren haften subjektive Präferenzen an, aus denen heraus sie Interessen für oder gegen die Umgestaltung einer Institution entwickeln. Dieses Hinterfragen der Regeln nach Zweckmäßigkeitsaspekten kommt einer Abwägung zwischen dem eigenen Nutzen des veränderten institutionellen Rahmens und den Informations- und Transaktionskosten, welche durch den Wandlungsprozess anfallen, gleich. In Anlehnung an den frühen Ökonomen Pareto geht North von einem Institutionellen Gleichgewicht aus, welches er als „Situation, in der […] kein Spieler es vorteilhaft fände, Mittel auf die Neuformulierung der Vereinbarungen aufzuwenden“ (North 1992: 101f.) beschreibt. Dabei ist dies kein Zustand universaler Glückseligkeit, sondern geht es hier um das Ertragen gegenwärtiger Restriktionen, da die Transaktionskosten einen Wandel unattraktiv machen.

Unterscheidet man die organisationale Ebene (hier als Akteursebene) und die sie verfassende institutionelle Ebene voneinander, lassen sich zwei Wirkrichtungen unterscheiden: Zum einen die Wirkung eingrenzender formaler Regelungen seitens der Institutionen, welche die Unternehmer in die Pflicht nimmt, im Gegensatz dazu aber zu einer allgemeinen Wohlfahrtssteigerung (von der alle profitieren) beitragen sollen. So lässt sich annehmen, dass sich durch das eben beschriebene Gleichgewicht eine Situation rien ne va plus ergibt und keine Veränderung mehr nötig ist.

Selbstverständlich ist dem nicht so, denn es verändern sich relative Preise und Präferenzen der Marktteilnehmer. In dieser Situation greift der ökonomische Grundsatz, wonach Akteure auf Anreize reagieren - so auch die Organisationen. Mit der Essenz der Organisation (als Vereinigung von Personen zur Erreichung eines gemeinsamen Zwecks) gibt sie laut North notwendig die Ursache und Richtung institutionellen Wandels vor. Veränderte Bedingungen der organisationalen Umwelt führen zu einer neuen Deutung der Situation bezüglich der Maximierung des Organisationszieles und der Analyse der eigenen Mittelwahl und der bisherigen institutionellen Einschränkungen. Sofern Letztere sich als ein Hindernis der Ersteren herausstellt, „mag die Partei, die eine Verbesserung ihrer Handlungsposition erwarten kann, ohne weiteres versuchen, Mittel auf die Umgestaltung der Regeln einer höheren Stufe zu verwenden“ (a.a.O.: 102). Dies ist die andere Wirkrichtung, die der Organisationen, die aufgrund ihrer Beschaffenheit auf einen kontinuierlichen institutionellen Wandel drängen um so den neuen Gegebenheiten gerecht zu werden.

Der North‘sche Ansatz möchte mitnichten behaupten, dass es permanente Entwicklungen gäbe, die die Institutionen immer effizienter machen - im Gegenteil können frühere Entscheidungen zugunsten der einen (technologischen) Innovation in der Gegenwart zu ineffizienten Resultaten führen. Dabei kann es durchaus effizientere Alternativen geben, doch je früher die Entscheidung getroffen wurde, desto wahrscheinlicher ist es, dass die Akteure diesen Weg eingeschlagen haben; die Transaktionskosten eines Wechsels hin zu effizienteren Optionen steigen mit dem Grad der Pfadabhängigkeit.

Wie bereits erwähnt, bedingen auch die subjektiven Modelle der Akteure den Entwicklungsverlauf. Diese Modelle sind deshalb subjektiv, weil zum einen unvollkommene Märkte zu unterschiedlich hohen Transaktionskosten und mangelnderund ungleichmäßiger Allokation von Informationen führen, zum anderen diese Modelleideologisch unterschiedlich eingefärbt sind.

8 von 8 Seiten

Details

Titel
Konvergenz oder Divergenz der Institutionen in der Moderne?
Untertitel
Ein Vergleich der Modellprognosen
Hochschule
Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg  (Institut für Soziologie)
Veranstaltung
Interdisziplinäre Institutuionenanalyse
Note
1,0
Autor
Jahr
2009
Seiten
8
Katalognummer
V173867
Dateigröße
729 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Institutionen, Neue Institutionenökonomik, Neuer soziologischer Institutionalismus, Douglass C. North, Paul J. DiMaggio, Soziologie, Transaktionskosten, Isomorphismus
Arbeit zitieren
Daniel Belling (Autor), 2009, Konvergenz oder Divergenz der Institutionen in der Moderne?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/173867

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