„Medienpädagogen sind eine Art eierlegende Wollmilchsau. Sie sind für alles zuständig.“ In diesem Zitat aus einem Vortrag von Thorsten Lorenz wird bereits deutlich, dass der Beruf des Medienpädagogen in der Praxis kein eindeutig abgrenzbares Berufsbild darstellt. Vielmehr zeigt sich auch in der Theorie, dass die Medienpädagogik einen umfassenden Anspruch an ihre Disziplin erhebt. Dieser ergibt sich aus einer engen Verflechtung der Wissenschaftsfelder der Pädagogik, Kommunikations- und Medienwissenschaft sowie Psychologie. Eine eindeutige Trennung voneinander erweist sich in der Betrachtung als schwer.
Im Folgenden soll die Aussage von Thorsten Lorenz, die auf die Komplexität der medienpädagogischen Disziplin hinweist, genauer analysiert und hinsichtlich ihrer saloppen Aussage revidiert werden. Doch wird der Schwerpunkt dieser Arbeit nicht allein auf der Analyse der Medienpädagogik liegen. Insbesondere wird die Frage zu behandeln sein, inwiefern sich die Beziehung zwischen der Medienpädagogik, Medienkompetenz und Medienbildung gestaltet.
Im ersten Kapitel werden die einzelnen Termini als Grundbausteine der medienpädagogischen Disziplin dargestellt. Zunächst sollen diese unter Einbezug von einschlägigen Werken der Medienpädagogik kurz definiert werden. Dabei wird insbesondere auf die spezifischen Eigenheiten und die Umsetzung in der Praxis einzugehen sein.
Im zweiten Kapitel gilt es zu untersuchen, ob diese Termini in einer bedingenden Beziehung zueinander stehen oder ob eine klare Abgrenzung voneinander vorgenommen werden kann. Zudem wirft sich die Frage auf, ob eine Abgrenzung von nur jeweils zwei Begriffen, bspw. der Medienpädagogik und Medienbildung, oder auch in einem größeren Rahmen möglich ist. Deshalb erscheint interessant es in diesem Zusammenhang zu analysieren, ob gar von einem Dreiecksverhältnis zwischen der Medienpädagogik, -kompetenz und -bildung gesprochen werden kann und inwiefern sich dieses gestaltet.
Diese Analyse soll klar auf der Gegenüberstellung von Ansichten verschiedener Autoren aufbauen, die sich zu den Verhältnissen in der Medienpädagogik geäußert haben.
In der Gesamtheit soll die Analyse einen differenzierten Standpunkt zur Thematik ermöglichen und u.a. exemplarisch darstellen, welcher großen Bedeutsamkeit der eindeutige Definitionsansatz einer wissenschaftlichen Disziplin widerfährt. Ein weiteres Ziel dieser Arbeit wird der Ansatz sein, eine eigene Hierarchie aufzustellen und diese in ihrem komplexen Aufbau zu begründen.
Inhaltsverzeichnis
0 EINLEITUNG
1 DEFINITIONSANSÄTZE ALS GRUNDBAUSTEINE DER MEDIENPÄDAGOGISCHEN DISZIPLIN
1.1 Medienpädagogik
1.2 Medienkompetenz
1.3 Medienbildung
2 ABHÄNGIGKEITS- UND ABGRENZUNGSVERHÄLTNISSE
2.1 Beziehung von Medienpädagogik und Medienkompetenz
2.2 Beziehung von Medienkompetenz und Medienbildung
2.3 Beziehung von Medienpädagogik und Medienbildung
2.4 Dreiecksverhältnis
3 SYNTHESE
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit analysiert die theoretischen Abhängigkeits- und Abgrenzungsverhältnisse der drei zentralen medienpädagogischen Begriffe Medienpädagogik, Medienkompetenz und Medienbildung, um deren begriffliche Hierarchie und Bedeutung für die Fachdisziplin zu klären.
- Analyse der Definitionsansätze von Medienpädagogik, Medienkompetenz und Medienbildung.
- Untersuchung der wechselseitigen Abhängigkeiten und Abgrenzungspotenziale zwischen den Termini.
- Diskussion der Konstellation eines Dreiecksverhältnisses der drei Begriffe.
- Kritische Einordnung der Begriffe im aktuellen medienpädagogischen Diskurs.
- Begründung einer theoretischen Hierarchie innerhalb der Disziplin.
Auszug aus dem Buch
1.2 Medienkompetenz
Bernd Schorb definiert den Begriff der Medienkompetenz als „die Fähigkeit, sich Medien auf [der] Basis strukturierten zusammenschauenden Wissens und einer ethisch fundierten Bewertung der medialen Erscheinungsformen und Inhalte anzueignen“.
Bereits an diesem Defintionsansatz Schorbs wird deutlich, dass in der Medienkompetenz insbesondere die mediale Wissensaneignung und deren reflexiv-kritische Bewertung oberste Priorität erfährt. Diese Kritikfähigkeit gegenüber den Medien schließt sowohl ein, mediale Erscheinungsformen genussvoll und zugleich begründet zu rezipieren oder sie eben auch bewusst kritisch abzulehnen.
An dieser Stelle soll insbesondere Schorbs bewährtes Medienkompetenzmodell, welches die Medienkompetenz als eine Basisqualifikation beschreibt, zur weiterführenden Definitionsanalyse herangezogen werden.
Schorb nimmt eine Dreiteilung des Medienkompetenzbegriffes in die Bereiche Wissen, Bewerten und Handeln vor. Im Idealfall werden diese drei Fähigkeiten miteinander vereint. Dieses Modell legt den Schwerpunkt speziell auf das Medienhandeln, welches „ja eigentlich eine zentrale pädagogische Dimension“ sei.
Zusammenfassung der Kapitel
0 EINLEITUNG: Die Einleitung beleuchtet die Komplexität des Berufsfeldes und die Notwendigkeit, die zentralen Begriffe der Disziplin in ihrem Verhältnis zueinander zu analysieren.
1 DEFINITIONSANSÄTZE ALS GRUNDBAUSTEINE DER MEDIENPÄDAGOGISCHEN DISZIPLIN: Dieses Kapitel liefert eine kompakte definitorische Grundlage der drei Hauptbegriffe unter Einbezug relevanter Autoren und Theorien.
2 ABHÄNGIGKEITS- UND ABGRENZUNGSVERHÄLTNISSE: Hier werden die Begriffsbeziehungen paarweise untersucht sowie das Modell eines Dreiecksverhältnisses diskutiert, um bestehende Abhängigkeiten aufzudecken.
3 SYNTHESE: Die Arbeit fasst die Ergebnisse zusammen, bestätigt das Dreiecksmodell und ordnet die Medienpädagogik als übergeordneten Rahmen ein, in dem die Medienkompetenz als Ziel und die Medienbildung als Handlungsaspekt fungieren.
Schlüsselwörter
Medienpädagogik, Medienkompetenz, Medienbildung, Definitionsansätze, Abhängigkeitsverhältnisse, Abgrenzung, Dreiecksverhältnis, Theoriebildung, pädagogische Disziplin, Medienhandeln, Wissensvermittlung, Bildungsraum, Handlungsorientierung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der theoretischen Klärung und systematischen Einordnung der drei zentralen Begriffe der Medienpädagogik: Medienpädagogik, Medienkompetenz und Medienbildung.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Im Zentrum stehen die Definitionsversuche der Begriffe sowie die Analyse ihrer wechselseitigen Beeinflussung, Abgrenzung und ihres Zusammenspiels innerhalb der Erziehungswissenschaft.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage der Arbeit?
Das Ziel ist es, eine differenzierte Hierarchie der Begriffe aufzustellen und zu klären, inwieweit von einem aufbauenden Dreiecksverhältnis zwischen ihnen gesprochen werden kann.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine analytische Arbeit, die auf der Gegenüberstellung und dem kritischen Diskurs verschiedener renommierter Autoren und theoretischer Ansätze basiert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die definitorische Herleitung der Begriffe sowie die systematische Untersuchung der jeweiligen Zweierbeziehungen und des komplexen Gesamtdreiecks.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Medienpädagogik, Medienkompetenz, Medienbildung und das Konzept des Dreiecksverhältnisses sowie theoretische Diskurse geprägt.
Wie ist das Verhältnis zwischen Medienpädagogik und Medienkompetenz zu bewerten?
Die Medienpädagogik stellt die übergeordnete Disziplin dar, während die Medienkompetenz als ein unverzichtbares Mittel bzw. eine Basisqualifikation zur Erreichung pädagogischer Ziele verstanden wird.
Welche Bedeutung kommt der Medienbildung im Vergleich zur Medienkompetenz zu?
Die Medienbildung wird als umfassenderer Prozess verstanden, der über das funktionale Verfügungswissen der Medienkompetenz hinausgeht und auf Persönlichkeitsbildung und kritische Distanz abzielt.
- Arbeit zitieren
- Christian Roos (Autor:in), 2011, Medienpädagogik, Medienkompetenz, Medienbildung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/173880