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Wachstum ohne Ende?

Zu den natürlichen und sozialen Grenzen des Wachstums - eine integrative Analyse

Titel: Wachstum ohne Ende?

Hausarbeit (Hauptseminar) , 2010 , 36 Seiten , Note: 1,3

Autor:in: Johannes Buhl (Autor:in)

Soziologie - Wirtschaft und Industrie
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Zusammenfassung Leseprobe Details

Ziel der vorliegenden Arbeit soll es sein, ein ökologisch-integratives Denkangebot im ökonomischen Feld bereit zu stellen. Die Geistes- und Sozialwissenschaften bedienen sich dabei außeruniversitärer Kriterien um als Diskursfeld naturwissenschaftlicher Problemstellungen geeignete Lösungskonzepte zu finden (Stehr 2007: 133, Schröder 1992: 66, Diekmann 2001: 14). In diesem Sinne wird das urökonomische Prinzip des Wachstums aufgegriffen und mithilfe soziologischer, ökologischer wie ethischer Kriterien analysiert. Es stellt sich letztendlich die Frage, ob zwischen Ökologie und Ökonomie ein vereinbarendes Konzept zu denken ist, oder ob sich beide Paradigmen unweigerlich ausschließen.
Neue Wohlstandsmodelle stellen grundsätzlich drei Wege dar, die einen Konsens statt jenem Dilemma zwischen Ökonomie und Ökologie betonen: Technische Effizienz oder das Besser, Konsistenz oder das Anders, Suffizienz oder das Weniger (von Winterfeld 2007: 47f).
Hier wird die ökonomisch-soziologische zur sozialphilosophischen Frage. Führt der Kampf um eine lebenswerte Zukunft letztendlich in eine postmaterielle Epoche des Rückzugs? Bedarf es einer neuen Wirtschaftsethik, einer „Moralisierung der Märkte“ (Stehr 2007)? Wachstum steht im Verdacht nicht nur vor ökologischen, sondern auch vor sozialen Grenzen zu stehen. Mit anderen Worten: Zur natürlich begrenzten Sinnhaftigkeit des Wachstums gesellt sich die sozial
begrenzte Sinnhaftigkeit. Am Anfang steht daher eine Kritik der neoklassischen Wachstumstheorie, um anschließend soziale Grenzen des Wachstums aufzeigen zu können. Die natürlichen und sozialen Grenzen von Wachstum machen eine grundlegende, ethische Neuerörterung des Wachstumsparadigmas nötig. Auf Grundlage dessen, werden alternative Wachstumskonzepte im Sinne einer ökosozialen Marktwirtschaft vorgestellt. Wie kann es also gelingen, der Natur einen Wert in der Gesellschaft zuzuweisen, um eine Zerstörung der natürlichen Lebensgrundlage zu verhindern? Welche Kriterien und Grundsätze sind notwendig zu implementieren, um ein neues Wachstumsparadigma zu schaffen?

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1. Zur Einführung: Im Spannungsfeld zwischen Ökonomie und Ökologie

2. Wachstumstheorie

2.1 Neoklassische Produktionsfunktion und ihre Grenzen

2.2 Grenzen der Geldschöpfung

2.3 Grenzen des Fortschritts

2.4 Lösungen ökologischer Marktwirtschaft

3. Soziale Grenzen des Wachstums

3.1 Konservative Wachstumskritik

3.2 Soziale Komponenten der Wachstumskritik

3.3 Relative Präferenzen individueller Wohlfahrt

3.4 Weil wir es wollen

3 Wachstumsethik

3.1 Wachstum und Verantwortung

3.2 Wachstum und Gerechtigkeit

3.3 Wachstum und Freiheit

3.4 Wachstumsbewusstsein

4. Zwischenfazit oder die Notwendigkeit alternativer Wachstumskonzepte

5. Qualitatives Wachstum

5.1 Konzept

5.2 Umsetzung

6. Nachhaltigkeit

6.1 Starke vs. schwache Nachhaltigkeit

6.2 Modifizierte starke Nachhaltigkeit

7. Alternative Wachstumsmessung

7.1 Bruttoinlandsprodukt

7.2 Umweltökonomische Gesamtrechnung

7.3 Genuine Progress Indicator, Human Development Index und Nationaler Wohlfahrtsindex

8. Für eine neue Lebenswelt

8.1 Corporate Social Responsibilty

8.2 Postmaterialismus

8.3 Suffizienz

9. Fazit und Ausblick

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit verfolgt das Ziel, ein ökologisch-integratives Denkangebot im ökonomischen Feld bereitzustellen, um die Vereinbarkeit von Ökologie und Ökonomie zu prüfen und alternative Wachstumskonzepte sowie nachhaltige Lebensstile zu analysieren.

  • Kritische Auseinandersetzung mit der neoklassischen Wachstumstheorie und ihren Grenzen.
  • Analyse der sozialen und ethischen Grenzen des quantitativen Wachstums.
  • Diskussion des Konzepts "Qualitatives Wachstum" als Weg zur Entkopplung von Wirtschaftswachstum und Ressourcenverbrauch.
  • Bewertung von Nachhaltigkeitsindikatoren als Alternative zum Bruttoinlandsprodukt.
  • Untersuchung neuer Lebenswelten durch Ansätze wie Postmaterialismus und Suffizienz.

Auszug aus dem Buch

2. Wachstumstheorie

Nur der erste Schöpfer schuf ex nihilo. Der zweite schafft ex aliquo: der Mensch ist nach Emil Egli der „Große Verwandler“ (Egli in Binswanger 2010: 98). Wir sind im Begriff, durch unsere wirtschaftliche Tätigkeit den Schöpfungsprozess, bei dem Energie in Substanz verwandelt wurde, rückgängig zu machen, indem Substanz wieder in Energie (Abwärme) aufgelöst wird. Es liegt auf der Hand, dass eine solche Entwicklung schließlich auch den ökonomischen Kapitalisierungsprozess zu einem Ende bringen wird, indem die für diesen Prozess notwendigen Regenerationsmöglichkeiten erschöpft sein werden. Thermodynamische und entropische Naturgesetze machen ein unendliches (materielles!) Wachstum in einer endlichen Welt unmöglich (Meadows et al. 2009: 45, Miegel 2010: 67). Wachstum verkommt zu einem „mathematischen Artefakt“ (Hinterberger et al. 2009: 35) der Ökonomie.

Woher rührt aber nun jener Wachstumsglaube, der bis heute ungebrochen scheint? Dazu bedarf es der Erörterung historischer wie kultureller Grundlagen der ökonomischen Theorie. Die Neoklassik ist unbestreitbar die dominante Theorieströmung. Daneben stellt die Regulationstheorie eine willkommene theoretische Alternative, die ökonomische Prozesse in ihren sozialen und kulturellen Hintergrund einbettet, um Transformationen des Kapitalismus besser zu verstehen. Regulation bedient sich dabei nicht nur ökonomischer, sondern auch politischer, historischer und soziologischer Perspektiven. Während die Neoklassik ad hoc Analysen für makroökonomische Phänomene zu liefern versucht, blickt die Regulationstheorie auf die historische und kulturelle Entwicklung gesamtwirtschaftlicher Entwicklungen und zeigt sich dabei erstaunlich konsistent in ihren Analysen (Boyer und Saillard 2002: 5f). Im Folgenden soll daher die klassische Ökonomie im Zeichen ihrer historisch-kulturellen Grundlagen erörtert werden.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Zur Einführung: Im Spannungsfeld zwischen Ökonomie und Ökologie: Einleitung in die Problematik der Trennung von Wirtschafts- und Naturhaushalt sowie Skizzierung des Dilemmas zwischen wirtschaftlichem Wachstum und ökologischen Belastungsgrenzen.

2. Wachstumstheorie: Analyse der theoretischen Grundlagen des unendlichen Wachstums, insbesondere der neoklassischen Produktionsfunktion und der Illusion der Geldschöpfung.

3. Soziale Grenzen des Wachstums: Untersuchung der sozialen Komponenten, die bei zunehmendem Wohlstand die individuelle Bedürfnisbefriedigung erschweren, sowie der Wachstumskritik.

3 Wachstumsethik: Diskussion ethischer Dimensionen von Wachstum, wie Verantwortung für künftige Generationen, Gerechtigkeit und das Freiheitsverständnis.

4. Zwischenfazit oder die Notwendigkeit alternativer Wachstumskonzepte: Zusammenfassung der Notwendigkeit einer Neuorientierung und Transformation des Produktionsmodus.

5. Qualitatives Wachstum: Erläuterung des Konzepts der Entkopplung von Wirtschaftswachstum und Ressourcenverbrauch sowie Strategien zur Umsetzung.

6. Nachhaltigkeit: Debatte über starke vs. schwache Nachhaltigkeit und Modifikationen zur Absicherung natürlicher Lebensgrundlagen.

7. Alternative Wachstumsmessung: Kritische Betrachtung des Bruttoinlandsprodukts und Vorstellung alternativer Indikatoren wie GPI, HDI und NWI.

8. Für eine neue Lebenswelt: Vorstellung von Ansätzen für einen Wertewandel, wie Corporate Social Responsibility, Postmaterialismus und Suffizienz.

9. Fazit und Ausblick: Zusammenfassende Bewertung der Notwendigkeit eines Paradigmenwechsels von einer materiellen zu einer ökologisch-immateriellen Wirtschaft.

Schlüsselwörter

Wachstumskritik, Ökologische Ökonomie, Qualitative Nachhaltigkeit, Soziale Grenzen des Wachstums, Wachstumsethik, Suffizienz, Postmaterialismus, Bruttoinlandsprodukt, Wohlfahrtsmessung, Ressourcenverbrauch, Verantwortung, Klimawandel, Ökologische Modernisierung, Regulationstheorie, Lebensqualität.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht das Spannungsfeld zwischen Wirtschaftswachstum und ökologischen Grenzen und erörtert, wie eine ökologische Wende innerhalb des marktwirtschaftlichen Systems gelingen kann.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die Arbeit umfasst Wachstumstheorien, soziale und ethische Grenzen von Wachstum, Nachhaltigkeitskonzepte, alternative Messgrößen für Wohlstand sowie neue Lebensstile und Unternehmensverantwortung.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Das Ziel ist es, ein ökologisch-integratives Denkangebot zu liefern und zu prüfen, ob Ökologie und Ökonomie durch alternative Konzepte wie "qualitatives Wachstum" vereinbar sind.

Welche wissenschaftlichen Methoden werden verwendet?

Es handelt sich um eine integrative Analyse, die ökonomische Theorien mit soziologischen, ökologischen und sozialphilosophischen Perspektiven verknüpft.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil analysiert theoretische Fehlannahmen der Ökonomie, die sozialen und ethischen Implikationen des Wachstums, verschiedene Nachhaltigkeitsansätze sowie alternative Indikatoren und Lebensstile.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Wachstumskritik, Nachhaltigkeit, Qualitatives Wachstum, Suffizienz, Postmaterialismus, Ökonomische Ethik und Wohlfahrtsmessung.

Welche Bedeutung kommt dem Frankfurt-Hohenheim-Leitfaden zu?

Der Leitfaden dient als Meilenstein für die ökologische Unternehmensbewertung im deutschsprachigen Raum und bietet eine interdisziplinäre Konzeption, die ökologische, soziale und kulturelle Aspekte integriert.

Warum wird das Bruttoinlandsprodukt (BIP) kritisiert?

Das BIP gilt als unlogisches Instrumentarium, da es lediglich die ausgetauschte Geldmenge misst und dabei die Zerstörung natürlicher Ressourcen, soziale Kosten und immaterielle Lebensqualität ignoriert.

Was versteht man unter dem Postmaterialismus in diesem Kontext?

Der Postmaterialismus beschreibt einen nach-modernen Lebensstil, bei dem die Lebensqualität nicht mehr primär über den Konsum materieller Güter definiert wird, sondern über Werte wie Umweltintegrität und Bildung.

Was bedeutet Suffizienz im Sinne der Arbeit?

Suffizienz bezeichnet die normative Umorientierung hin zur Frage "wie viel ist genug?", um das übermäßige Wachstum durch bewusste Selbstbeschränkung zu begrenzen und die Lebensqualität zu verbessern.

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Details

Titel
Wachstum ohne Ende?
Untertitel
Zu den natürlichen und sozialen Grenzen des Wachstums - eine integrative Analyse
Hochschule
Otto-Friedrich-Universität Bamberg  (Lehrstuhl für Soziologie II)
Veranstaltung
Umweltsoziologie
Note
1,3
Autor
Johannes Buhl (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2010
Seiten
36
Katalognummer
V173945
ISBN (eBook)
9783640942626
ISBN (Buch)
9783640942718
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Ökologie Wachstum Nachhaltigkeit Wohlstandsmodelle
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Johannes Buhl (Autor:in), 2010, Wachstum ohne Ende?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/173945
Blick ins Buch
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Leseprobe aus  36  Seiten
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