Internationale Rechnungslegung (IFRS / US-GAAP): Teil 1 - Grundlagen


Studienarbeit, 2011

26 Seiten, Note: 1,3

Anonym


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Gründe für internationale Rechnungslegung
1.1 Einhaltung von Börsenvorschriften
1.2 Vergleichbarkeit von Jahresabschlüssen international tätiger Unternehmen

2. Entwicklung der internationalen Rechnungslegungssysteme in Deutschland

3. Institutionen und Normen der US-GAAP
3.1 Normengebende Institutionen der US-GAAP
3.1.1 Securities and Exchange Commission (SEC)
3.1.2 Financial Accounting Standards Board (FASB)
3.2 Das Regelwerk der US-GAAP

4. Institutionen und Normen der IFRS
4.1 Normgebende Institutionen der IFRS
4.2 Das Regelwerk der IFRS
4.3 Anerkennung und Durchsetzung der IFRS in der EU
4.3.1 Endorsement der IFRS innerhalb der EU
4.3.2 Enforcement der IFRS innerhalb der EU

5. Konzeptionelle Grundlagen der internationalen Rechnungslegung
5.1 Zielsetzung der US-GAAP und der IFRS
5.2 Bestandteile des Jahresabschlusses
5.2.1 Die Bilanz
5.2.2 Gewinn- und Verlustrechnung
5.2.3 Die Eigenkapitalveränderungsrechnung
5.2.4 Die Kapitalflussrechnung
5.3 Prinzipien der internationalen Rechnungslegung
5.3.1 Grundannahmen
5.3.2 Primäre und sekundäre Grundsätze der Rechnungslegung
5.3.3 Nebenbedingungen

6. Literaturverzeichnis

1. Gründe für internationale Rechnungslegung

Als internationale Rechnungslegung gelten zwei Normenwerke:

- die US GAAP (United States Generally Accepted Accounting Principles)
- die IFRS (International Financial Reporting Standards)

1.1 Einhaltung von Börsenvorschriften

Aufgrund der zunehmenden Globalisierung wird von Unternehmen zunehmend mehr Kapital benötigt, wobei die nationalen Wertpapierbörsen mittlerweile keinen ausreichend großen Kapitalmarkt mehr darstellen. Unternehmen sind demnach darauf angewiesen, sich an internationalen Börsen notieren zulassen, von denen die NYSE die bedeutsamste Wertpapierbörse darstellt. Wollen Unternehmen jedoch an dieser Börse notiert werden, so müssen sie einen Konzernabschluss vorlegen, der nach US-Vorschriften, eben den genannten US-GAAP, aufgestellt wird.[1] Um deutsche Unternehmen, die an internationalen Wertpapierbörsen notiert waren, im Bereich der Rechnungslegung zu entlasten, führte bis zum Jahre 2004 einschließlich ein Abschluss auf der Ebene der Konzernrechnungslegung nach US-GAAP dazu, dass kein Konzernabschluss nach HGB zusätzlich aufgestellt werden musste.[2]

Für viele deutsche Unternehmen ist jedoch der deutsche Kapitalmarkt ausreichend, um ihren Finanzierungsbedarf abzudecken. Sie benötigen dementsprechend nur eine Notierung an deutschen Wertpapierbörsen. EU-weit gilt seit dem 01.01.2005, dass kapitalmarktorientierte Unternehmen einen Konzernabschluss nach den Regelungen der IFRS aufzustellen haben[3].[4]

1.2 Vergleichbarkeit von Jahresabschlüssen international tätiger Unternehmen

Ein wichtiger Aspekt, der die Einführung internationaler Rechnungslegungssysteme fördert, ist die Frage der Vergleichbarkeit von Jahresabschlüssen. Nur in Kenntnis der unterschiedlichen Berechnungsgrundsätze können die Informationen der Jahresabschlüsse der beiden Unternehmen sachgerecht interpretiert werden. Dabei ist es wichtig, die Jahresabschlüsse sowohl materiell als auch formal zu standardisieren:

- Materielle Vergleichbarkeit:

Durch die verbindliche Anwendung einheitlicher Bilanzierungs- und Bewertungsvorschriften ist es möglich, den Unternehmenserfolg und andere relevante Jahresabschlusskennzahlen direkt vergleichbar zu machen.

- Formelle Vergleichbarkeit:

Durch die verbindliche Anwendung einheitlicher Bezeichnungen von Jahresabschlusspositionen, die standardisierte Abgrenzung von Bilanz- und Erfolgsrechnungsposten sowie die einheitliche Verwendung von Gliederungsschemata für den Jahresabschluss wird z.B. der unmittelbare Vergleich einzelner Erfolgskomponenten ermöglicht.

Eine wichtige Voraussetzung, um durch die Anwendung international einheitlicher Rechnungslegungsnormen die Vergleichbarkeit von Jahresabschlüssen zu erreichen, ist das vollständige Fehlen von Bilanzierungs- und Bewertungswahlrechten. Gerade die deutschen handelsrechtlichen Bilanzierungsnormen enthalten eine Vielzahl von Bilanzierungs- und Bewertungswahlrechten. Die Möglichkeit, dieses Wahlrecht auszunutzen oder auf ihre Anwendung zu verzichten, erschwert bereits den Vergleich der Jahresabschlüssen zweier nach HGB bilanzierenden Unternehmen erheblich.

Die Regelungen der US-GAAP enthalten bedeutend weniger Wahlrechte als die deutschen Rechnungslegungsnormen, so dass die Anwendung dieser internationalen Rechnungslegungsvorschriften auf jeden Fall zu einer verbesserten Vergleichbarkeit führen würde. Die IFRS sind als echte internationale Rechnungslegungsnorm bemüht, von vielen Nationen anerkannt zu werden. Seit 2001 haben die zuständigen Gremien jedoch die Eliminierung von Wahlrechten im Rahmen der IFRS erheblich vorangebracht.

Die Vergleichbarkeit von Jahresabschlüssen dient auch dem unmittelbaren Schutz der Kapitalmarktteilnehmer, die bereit sind, Kapital anzulegen. Dabei muss es Ziel sein, die Anlageinteressen möglichst aktuell mit Daten zu versorgen, die geeignet sind, die tatsächlichen Vermögens-, Finanz- und Ertragslage eines Unternehmens widerzuspiegeln. Die deutschen Regelungen des HGB und des Gesellschaftsrechts sind für diesen Zweck insofern nur bedingt geeignet, als sie dem Grundsatz der vorsichtigen Bewertung zum Schutz der Gläubiger einen absoluten Vorrang vor dem Bemühen einräumen, eine realistische und marktgerechte Bewertung zuzulassen. Der im deutschen Rechtssystem absolut vorrangige Gläubigerschutz wird sowohl bei den US-GAAP als auch bei den IFRS im Interesse eines dominierenden Investorenschutzes auf eine nachrangige Stellung verwiesen.[5]

2. Entwicklung der internationalen Rechnungslegungssysteme in Deutschland

Innerhalb Deutschlands wurden internationale Rechnungslegungssysteme zum ersten Mal 1997 von der Deutschen Börse AG vorgeschrieben. Unternehmen, die an dem zu diesem Zeitpunkt neu etablierten Börsensegment des Neuen Marktes emittieren wollten, mussten einen Konzernabschluss vorlegen, der nach IAS bzw. US-GAAP aufgestellt war.

Die gleiche Vorschrift wurde im Jahr 2001 für die Emittenten des SMAX, einem Börsensegment für kleinere und mittlere Werte, erlassen. In 2003 wurden die Börsensegmente in Deutschland neu strukturiert und die Vorschriften für den Neuen Markt und SMAX auf alle Unternehmen übertragen, die im Bereich des sogenannten Prime Standard, einem Teilsegment des amtlichen Marktes, emittieren wollten.

Von 1998 bis 2004 galt der §292a HGB, der es allen kapitalmarktorientierten Unternehmen in Deutschland gestattete, an Stelle eines Konzernabschlusses nach HGB einen entsprechenden Abschluss nach internationalen Rechnungslegungsvorschriften aufzustellen.

Der nächste Schritt wurde im Zuge der Harmonisierung der europäischen Rechnungslegungsvorschriften begangen. Grundlage hierfür ist die EU-Verordnung 1606/2002 betreffend die Anwendung internationaler Rechnungslegungsstandards. Gemäß dieser Verordnung müssen alle kapitalmarktorientierten Unternehmen im Bereich der EU für alle Geschäftsjahre, die nach dem 01.01.2005 beginnen, einen Konzernabschluss nach IFRS vorlegen.

Für deutsche Unternehmen, die nun gemäß IFRS verpflichtet sind, einen Konzernabschluss aufzustellen, entfällt gemäß §315a HGB weitgehend die Pflicht zur Aufstellung eines Konzernabschlusses nach HGB.

Die EU-Verordnung stellt es darüber hinaus den Mitgliedsstaaten frei, den Anwendungsbereich der IFRS über das gebotene Maß hinaus zu erweitern. Diese Möglichkeit hat der Gesetzgeber wie folgt umgesetzt:

- Auch nicht kapitalmarktorientierte Kapitalgesellschaften oder Unternehmen anderer Rechtsformen können einen Konzernabschluss gemäß IFRS aufstellen.
- Auch ein freiwilliger Konzernabschluss gemäß IFRS befreit die sich derart entscheidenden Unternehmen weitgehend von der Pflicht, einen Konzernabschluss nach HGB aufzustellen.
- Publizitätspflichtige Unternehmen können an Stelle eines nach HGB aufgestellten Einzelabschlusses auch einen Einzelabschluss nach IFRS veröffentlichen. Dieses Wahlrecht beschränkt sich allerdings lediglich auf den im Bundesanzeiger zu veröffentlichenden Jahresabschluss. Nach wie vor sind diese Unternehmen also verpflichtet, auch einen Einzelabschluss nach HGB aufzustellen.[6]

3. Institutionen und Normen der US-GAAP

3.1 Normengebende Institutionen der US-GAAP

Die US-GAAP werden gemeinhin als die nationalen Rechnungslegungsvorschriften der Vereinigten Staaten von Amerika bezeichnet. Nicht kapitalmarktorientierten Unternehmen unterliegen in Bezug auf die handelsrechtliche Abschlusserstellung nur den Rechnungslegungsvorschriften des Bundesstaates, in dem sich ihr Geschäftssitz befindet. Die US-GAAP sind von dieser Gruppe der Unternehmen nicht anzuwenden.

Die Pflicht für kapitalmarktorientierte Unternehmen, ihre Rechnungslegung gemäß den Vorschriften der US-GAAP aufzustellen, ergibt sich aus zwei Bundesgesetzen:

Der Securities Act von 1933 klärt, welche Bedingungen ein Unternehmen erfüllen muss, um eine Eigen- und Fremdkapitaltitel erstmalig an einer Börse notieren lassen zu können. Betroffene Unternehmen sollten dem Kapitalmarkt zeitnah mit Hilfe von Rechnungslegung und sonstigen Informationen Kenntnisse über ihre tatsächliche Vermögens-, Finanz- und Ertragslage vermitteln.

Der Securities Exchange Act von 1934 regelt den sogenannten fairen Handel mit Wertpapieren und verpflichtete die Unternehmen, die sich am Kapitalmarkt als Anbieter von Kapitaltiteln betätigten dazu, vierteljährliche und jährliche Berichte aufzustellen. Darüber hinaus legt er die Kompetenzen und Aufgaben der im selben Jahre gegründeten Börsenaufsichtsbehörde SEC fest.[7]

3.1.1 Securities and Exchange Commission (SEC)

Die US-Börsenaufsichtsbehörde SEC ist eine Institution, die als unabhängige Bundesbehörde agieren kann und somit nur dem Kongress selbst unterstellt ist. Ihre Hauptaufgabe liegt darin, die Wertpapiermärkte der USA bundesübergreifend zu überwachen und die kapitalmarktrechtlichen Bundesgesetze auszulegen und durchzusetzen.

Exekutive Kompetenzen der SEC:

- Alleinige Entscheidung über Registrierungsanträge von Wertpapieren
- Alleinige Entscheidung über Registrierungsanträge von Börsenhändlern
- Entgegennahme sämtlicher relevanter Berichte der bei ihr registrierten Unternehmen

Legislative Kompetenzen der SEC:

- Auslegung und Konkretisierung der allgemein gehaltenen Bundesgesetz durch Regelungen und Verordnungen einschließlich konsistenter Ergänzungen
- Ausgestaltung der formellen und materiellen Rechnungslegungspflichten durch Aufstellung von Rechnungslegungsnormen

Judikative Kompetenzen der SEC:

- Auftritt als Kläger bei zivil- und strafrechtlichen Verfahren in Bezug auf kapitalmarktrechtliche Fragen
- Verhängung von verwaltungsrechtlichen Sanktionen
- Kontrolle der seit 2002 bestehenden Wirtschaftsprüferaufsicht PCAOB[8]

[...]


[1] Vgl. Pellens, Fülbier, Gassen, Internationale Rechnungslegung (2006), S.42.

[2] Vgl. Buchholz, Internationale Rechnungslegung (2003), S.1.

[3] Vgl. Grünberger, Grünberger, US-GAAP (2004), S.1.

[4] Vgl. Pellens, Fülbier, Gassen, Internationale Rechnungslegung (2006), S.46ff.

[5] Vgl. Selchert, Erhardt, Internationale Rechnungslegung (1999), S.9ff und Buchholz, Internationale Rechnungslegung (2003), S.1ff.

[6] Vgl. Pellens, Fülbier, Gassen, Internationale Rechnungslegung (2006), S.46ff.

[7] Vgl. Kpmg (Hrsg.), Rechnungslegung (1999), S.184f.

[8] Vgl. Pellens, Fülbier, Gassen, Internationale Rechnungslegung (2006), S.58ff.

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Details

Titel
Internationale Rechnungslegung (IFRS / US-GAAP): Teil 1 - Grundlagen
Hochschule
Technische Universität Ilmenau
Note
1,3
Jahr
2011
Seiten
26
Katalognummer
V173989
ISBN (eBook)
9783640943746
ISBN (Buch)
9783640943937
Dateigröße
4867 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
IFRS, US-GAAP, Internationale Rechnungslegung, Rechnungslegung
Arbeit zitieren
Anonym, 2011, Internationale Rechnungslegung (IFRS / US-GAAP): Teil 1 - Grundlagen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/173989

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