Die Romplünderung im Jahr 455 n. Chr. durch die Vandalen


Hausarbeit, 2010

21 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1. Geiserich

2. Politische Verhältnisse

3. Die Plünderung Roms im Jahr 455 n. Chr

4. Die Beute der Vandalen
4.1 Politische Gefangene
4.2 Arbeiter
4.3 Mitglieder der Aristokratie

5. Die weitere Entwicklung

6. Fazit

Literaturverzeichnis

Einleitung

Die folgende Hausarbeit beschäftigt sich mit dem Vandalenüberfall[1] auf Rom, der im Jahr 455 nach Christus stattfand. Hierbei sollen zunächst die politischen Verhältnisse der damaligen Zeit beleuchtet werden, also kurz beschrieben werden, wie es um die Machtfülle der für den weiteren Verlauf dieser Hausarbeit relevanten Gruppen beschaffen war. Hierbei gilt es zu beachten, dass der Weg der Vandalen nach Afrika nur wenig bis keine Beachtung finden wird, da dieser für das gewählte Thema von geringerem Interesse ist und den Rahmen dieser schriftlichen Ausarbeitung sprengen würde. Im Anschluss an die Schilderung der Verhältnisse wird aufgezeigt, welche Umstände die Gründe der Plünderung der „heiligen Stadt“ durch Geiserichs Truppen waren. Wie sich diese Plünderung genau zutrug, wobei ein Schwerpunkt ist, welche Beute hierbei erzielt worden ist und wie im Nachhinein mit dieser Beute, die nicht nur aus materiellen Gütern, sondern auch aus Menschen bestand, umgegangen worden ist, soll abschließend beleuchtet werden. Es folgt ein Ausblick auf die nachfolgenden Beziehungen zwischen dem Vandalenreich und dem (west-)römischen Reich, die mit der Plünderung Roms respektive der hieraus erzielten Beute eng verflochten sind.

Um die Geschehnisse der damaligen Zeit zu beschreiben, werden Quellen sowie Sekundärliteratur zu Rate gezogen werden. Hierbei werden Darstellungen von Castritius, Berndt, von Rummel, Steinmacher, Henning, Ward-Perkins und Heuss benutzt, ebenso wie solche von Gautier, Martin, Fischer, Sanford, Schmidt, Barnish und Hattler. Zusätzlich fließen Schilderungen von Bockius, Erbelding, Quast, Walter, Pohl, Diesner und Clover ein. Die Quellen, die die Handlungen in dem für das Thema dieser Hausarbeit interessanten Zeitraum beschreiben und folglich zu Rate gezogen werden, sind Isidor von Sevillas Historia de regibus Gothorum, Vandalorum et Sueborum, die Chronik Continuatio Chronicorum Hieronymianorum des Hydatatius, sowie Prokops Bellum Vandalicum und Jordanes‘ Getica.

1. Geiserich

Erat namque Gyzericus iam Romanorum clade in urbe notissimus, statura mediocris et equi casu claudicans, animo profundus, sermone rarus, luxoriae contemtor, ira turbidus, habendi cupidus, ad sollicitandas gentes providentissimus, semina contentionum iacere, odia miscere paratus.[2]

Zur Zeit des zu behandelnden Zeitraums war Geiserich zunächst zusammen mit Gunderich Doppelkönig der Vandalen, was sich erst mit dem Übergang der Vandalen nach Afrika änderte, denn Gunderich verstarb zuvor in Spanien - so berichtet zumindest Prokop.[3] Allerdings wird durch die Art und Weise der Schilderung dieser angeblichen Geschehnisse recht deutlich, dass Castritius diese anzweifelt, weshalb die Möglichkeit eines Doppelkönigtums, dessen Teil Geiserich gewesen ist, angezweifelt werden darf.[4] Bis auf wenige Ausnahmen hat man einer Doppelkönigsschaft, an der Geiserich beteiligt war, keinen Glauben geschenkt, obwohl eine solche durchaus in die vandalische Herrscherreihe einfügbar wäre; die lateinischen Chroniken gehen jedoch unisono von einer Nachfolge Geiserichs auf Gunderich aus.[5] Ein Konsens besteht allerdings darin, dass spätestens nach Geiserichs Herrschaft ein Wechsel in der Struktur der vandalischen Führung hin zum so genannten Senioratsprinzip vonstatten ging – die Thronfolge wurde seit dem so geregelt, dass der jeweils älteste männliche Vertreter der stirps regina zum Nachfolger des verstorbenen rex Vandalorum et Alanorum wurde.[6] Der Begriff Vandalorum et Alanorum resultiert daraus, dass in Spanien zwei Gruppen von ostgermanischen Vandalen, die Silingen und die Hasdingen, mit Teilen des Volks der Alanen verschmolzen waren. Hinzu kamen Hispano-Römer, ostgermanische Goten und westgermanische Sueben, so dass man insgesamt von ca. 80.000 Mitgliedern dieses Völkergemisches ausgehen kann. An der Spitze dieses Völkergemisches, das im weiteren Verlauf lediglich mit „Vandalen“ bezeichnet werden wird, stand der königliche Clan der Hasdingen, die den Titel rex Vandalorum et Alanorum führten, was neben Geiserich (428-477) und Hunerich (477-484) noch bei vier weiteren Nachfahren der Fall gewesen ist.[7] Der Chronik des Hydatatius zufolge verließ Geiserich mit den Vandalen die europäische Küste von der Provinz Baetica ausgehend nach Afrika,[8] wohin er laut Jordanes‘ Getica von Bonifatius eingeladen worden war[9] und wo er den Römern dann „durch Hinterlist Karthago“ wegnahm, wie in es in der Historia de regibus Gothorum, Vandalorum et Sueborum beschrieben steht.[10]

2. Politische Verhältnisse

Als also Geiserich damals den Aspar und den Bonifatius besiegt hatte, sorgte er mit bemerkenswerter Vorsicht für die Befestigung seiner Herrschaft. Er fürchtete nämlich, dass wenn wieder einmal von Byzanz oder Rom aus ein Heer gegen ihn ausgesandt würde, die Vandalen nicht mit solcher Tapferkeit und zugleich mit solchem Glück kämpfen möchten, da ja menschliche Stärke oft schwindet oder von der göttlichen Hilfe in Stich gelassen wird. So machte ihn denn sein Erfolg nicht übermütig, vielmehr veranlassten ihn seine Befürchtungen zu weiser Mäßigung: er schloss mit dem Kaiser Valentinian Frieden, versprach die Zahlung eines jährlichen Tributs und stellte einen seiner Söhne, den Hunerich, als Geisel.[11]

Geiserich ließ sich 435 in Hippo Regius den vandalischen Aufenthalt in Afrika, auf den im Verlauf dieser Hausarbeit nur am Rande eingegangen werden wird, von der kaiserlichen Regierung in Ravenna rechtlich legitimierten; den Vandalen wurden folglich offiziell Teile des römischen Nordafrikas abgetreten, was diese laut Castritius ohnehin von Anfang an angestrebt hatten.[12] Die Gründe, warum der weströmische Kaiser Valentinian III. den Vandalen diese Legitimation eingestand, ist ebenso der ungünstigen militärischen Lage geschuldet wie einer Rücksichtnahme auf die Bevölkerung, die ohne die Lebensmittellieferungen aus Afrika teilweise Hunger leiden musste.[13] Hiernach wurde zwischen Geiserich und Valentinian III. im Jahr 442 ein weiterer Vertrag geschlossen, welcher die jährliche Lieferung von Abgaben nach Rom bedingte. Unbekannt ist jedoch, zu welchen Konditionen dies geschah, respektive, welche Vorteile Geiserich und seine Vandalen hierdurch erhielten. In den darauffolgenden Jahren nutze Geiserich die Phase der Beruhigung zur Festigung des Vandalenreiches. Er führte keine Plünderungen der römischen Küsten mehr durch und betrieb, allgemein gesprochen, eine Art Beschwichtigungspolitik. Diese Zeitspane nutze er folglich um sich auf seine mittel- sowie langfristigen Pläne vorzubereiten, auf die im Folgenden eingegangen wird.[14] Nach dem Tod Valentinians III. im Jahr 455 wurde diese, 442 festgeschriebene, Lebensmittelversorgung eigestellt, was im Zusammenhang mit einer sich unter anderem hieraus ergebenen Hungersnot zu Aufruhr führte. Die Abhängigkeit Roms von Lebensmittellieferungen aus Afrika, insbesondere von afrikanischem Getreide, spielte in der damaligen Zeit eine große Rolle und verschaffte Geiserich eine hervorragende Verhandlungsbasis, was Lieferungen nach Italien und ins restliche römische Gebiet betraf.[15] Man kann mir großer Sicherheit davon ausgehen, dass Geiserich um die starke Position, die aus dem Afrikazug resultierte, gewusst hatte, war Afrika doch die „Kornkammer Roms“, eine tragende Säule der zunehmend fragiler werdenden Architektur des weströmischen Reiches.[16]

Merobaudes zufolge soll Aetius Geiserich dazu angeregt haben, eine verwandtschaftliche Verbindung mit dem Kaiser herzustellen, weshalb eine Blutsverwandtschaft eingegangen werden sollte, „sociamque intexere prolem“.[17] Die Schilderung, dass dieser Vorschlag von Seiten der Römer kam, ist unwahrscheinlich; eher erscheint es logisch, dass ein solches Unterfangen auf den Ideen des Vandalenkönigs beruhte, fühlten sich doch die Germanenkönige stets geschmeichelt und glücklich, wenn eine solche dynastische Verbindung zustande kam.[18]

Wie mächtig damals das Reich Geiserichs war, zeigt die Tatsache, dass der Westgotenkönig Theoderich I. (418-451) seine Bundesgenossenschaft suchte, zu deren Besiegelung eine seiner Töchter mit dem Königssohn Hunerich, dem voraussichtlichen Thronfolger, vermählt wurde. Geiserich schickte diese jedoch nach dreizehnjähriger Ehe zu ihrem Vater zurück und löste die Verbindung auf.[19] Der Grund, sie habe ihn vergiften wollen,[20] weshalb man sie mit abgeschnittener Nase und abgeschnittenen Ohren brandmarkte,[21] darf als ein Gerücht oder als andernfalls als eine Ausrede angesehen werden. Wahrscheinlicher ist es, dass Geiserich die Verbindung seines Sohnes trennen wollte, damit dieser “frei“ für eine Verbindung mit der Tochter des Kaisers, Eudocia[22], war, worüber damals verhandelt wurde.[23] Den Schilderungen Steinmachers zufolge standen die Vandalen sehr nah an der Machtelite des Reichs, ja sie gehörten seinen Worten nach sogar eigentlich zu dieser, weshalb die vandalischen Ansprüche letztlich durch eine Ehe von Geiserichs Sohn Hunerich mit der Tochter der Kaiserinnenwitwe Eudokia, Eudocia, bestätigt werden sollte.[24] Die Bekräftigung des 442 geschlossenen Staatsvertrages zwischen den Vandalen und dem weströmischen Reich war hierdurch ebenfalls bezweckt worden.[25] Demzufolge wurden die beiden im Jahr 445 verlobt,[26] als Eudocia noch ein Kleinkind war.[27] Die angestrebte Hochzeit kam jedoch zunächst nicht zu Stande, allerdings schien in der nachfolgenden Zeit ein freundschaftliches Verhältnis zwischen beiden Staaten zu herrschen, wie Schmitt erwähnt.[28] Ein Beispiel hierfür ist die Wiedereinsetzung eines Bischofes in Karthago, worum der Kaiser Geiserich gebeten hatte und was am 24. oder 25. Oktober 454 geschah, als Deogratias geweiht wurde. Zudem spiegelte sich ein solches freundschaftliches Verhältnis darin wieder, dass von etwaigen vandalischen Raubzügen im Mittelmeer seit 445 bis zum Tode Valentinians III. nicht mehr zu hören ist.[29]

[...]


[1] In der Literatur finden sich zwei verschieden Schreibweisen für das Volk der Vandalen, nämlich Vandalen und Wandalen. Im folgenden wird aus Gründen der Einheitlichkeit auf die zuerst genannte Schreibweise zurückgegriffen, wobei Buch- oder Aufsatztitel, die die hiernach genannte Schreibweise beinhalten, nicht angepasst werden.

[2] Jordanes 168 / http://bsbdmgh.bsb.lrz- muenchen.de/dmgh_new/app/web?action=loadBook&bookId=00000792, 12.11.2010. [3] Helmut Castritius. Das vandalische Doppelkönigtum und seine ideell-religiösen Grundlagen. In: Guido M. Berndt, Roland Steinacher (Hrsg.). Das Reich der Vandalen und seine (Vor-)Geschichten. Forschungen zur Geschichte des Mittelalters. Band 13. Wien 2008, S. 85.

[4] Ebd.

[5] Ebd.

[6] Ebd. // Jordanes 169.

[7] Frank M. Clover. „Feinde der Seelen und Körper“. Die Vandalen in Afrika. In: Badisches Landesmuseum Karlsruhe (Hrsg.) Das Königreich der Vandalen. Erben des Imperiums in Nordafrika. Mainz 2009, S. 215.

[8] Hydatatius, Chronik (Continuatio Chronicorum Hieronymianorum) 80 / http://www.digital- learning.de/index.php?id=20, 08.11.2010.

[9] Jordanes 167 / 169.

[10] Isidor von Sevilla, Historia de regibus Gothorum, Vandalorum et Sueborum 75 /

http://www.forumromanum.org/literature/isidorus_hispalensis/historia.html#75, 08.11.2010.

[11] Prokop, Vandalenkrieg (Bellum Vandalicum) I 4 / http://www.digital-learning.de/index.php?id=10, 08.11.2010.

[12] Helmut Castritius. Die Vandalen. Etappen einer Spurensuche. Stuttgart 2007, S. 97.

[13] Hans-Joachim Diesner. Das Vandalenreich. Aufstieg und Untergang. Stuttgart, Berlin, Köln, Mainz 1966. S. 54.

[14] Helmut W. Quast. Geiserich. Vandale ohne Vandalismus.Gernsbach 1987, S. 127.

[15] Philipp von Rummel. Where have all the Vandals gone? In: Guido M. Berndt, Roland Steinacher (Hrsg.). Das Reich der Vandalen und seine (Vor-)Geschichten. Forschungen zur Geschichte des Mittelalters. Band 13. Wien 2008, S. 165.

[16] Uwe Walter. Geiserich – glückverwöhnter König und Strafe Gottes. In: Badisches Landesmuseum Karlsruhe (Hrsg.) Das Königreich der Vandalen. Erben des Imperiums in Nordafrika. Mainz 2009, S. 197.

[17] E. F. Gautier. Geiserich. König der Wandalen. Die Zerstörung einer Legende. Frankfurt a. M. 1934, S. 262.

[18] Alfred Heuss. Römische Geschichte. 8. Auflage. Paderborn, München, Wien, Zürich 2001, S. 496 f.

[19] Susanne Erbelding. Du, glückliches Vandalenreich, heirate! In: Badisches Landesmuseum Karlsruhe (Hrsg.) Das Königreich der Vandalen. Erben des Imperiums in Nordafrika. Mainz 2009, S. 192.

[20] Ludwig Schmidt. Geschichte der Wandalen. München 1970, S. 76.

[21] Erbelding, S. 192.

[22] In der gängigen Literatur finden sich mehrere verschieden Schreibweisen des Namens der Kaiserinnentochter, so etwa, Eudocia, Eudokia, Eudokia die Jüngere, etc. Ihre Mutter wird teilweise auch als Eudoxia bezeichnet. Im Folgenden werden die Namen Verwendung finden, die am häufigsten in der Fachliteratur zu lesen waren, also Eudokia für die Kaiserin und Eudocia für ihre Tochter.

[23] Schmidt, S. 76.

[24] Roland Steinacher. Gruppen und Identitäten. Gedanken zur Bezeichnung „vandalisch“. In: Guido M. Berndt, Roland Steinacher (Hrsg.). Das Reich der Vandalen und seine (Vor-)Geschichten. Forschungen zur Geschichte des Mittelalters. Band 13. Wien 2008, S. 255.

[25] Erbelding, S. 192.

[26] Jochen Martin. Spätantike und Völkerwanderung. Oldenbourg Grundriß der Geschichte. Band 4. München 1987, S. 43.

[27] Erbelding, S. 192.

[28] Schmidt, S. 76.

[29] Schmidt, S. 77.

Ende der Leseprobe aus 21 Seiten

Details

Titel
Die Romplünderung im Jahr 455 n. Chr. durch die Vandalen
Hochschule
Universität zu Köln  (Philosophikum)
Note
2,0
Autor
Jahr
2010
Seiten
21
Katalognummer
V174021
ISBN (eBook)
9783640943814
ISBN (Buch)
9783640943661
Dateigröße
543 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
romplünderung, jahr, vandalen
Arbeit zitieren
Stefan Langenbach (Autor), 2010, Die Romplünderung im Jahr 455 n. Chr. durch die Vandalen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/174021

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