Lassen sich am Verhalten Brasiliens in der Andenkrise 2008 Indikatoren einer regionalen Führungsmacht identifizieren?

Regionale Führungsmächte


Seminararbeit, 2011

17 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

I. Einleitung

II. Hauptteil
1. Macht - Theorie des Neorealismus
2. Andenkrise 2008: Abfolge der Ereignisse
3. Analyse des brasilianischen Verhaltens in der Andenkrise

III. Schlussteil / Fazit

IV. Literaturverzeichnis

I. Einleitung

Brasilien wird auf internationalem Parkett als die Führungsmacht Südamerikas angesehen[1]. Diese Sicht wird durch die geographische Größe des Landes mit 8,5 Millionen qkm, der hohen Bevölkerungszahl im Verhältnis zu anderen südamerikanischen Staaten von knapp 200 Millionen Einwohnern (prognostiziert 210 Millionen in 2015)[2] und der in den letzten Jahren stark gewachsenen wirtschaftlichen Potenz des Landes - besonders die wachsende Bedeutung von Rohstoffen und Agrarprodukten sind dafür verantwortlich[3] - begründet.

Diese Arbeit ist mit der Leitfrage „Lassen sich am Verhalten Brasiliens in der Andenkrise 2008 Indikatoren einer regionalen Führungsmacht identifizieren?“ überschrieben und soll im Weiteren Untersuchungsgegenstand werden. Die Andenkrise von 2008 bildet das Zentrum dieser Fallstudie. Sie eignet sich als Fallstudie hervorragend, da Brasilien in ihr keine direkt beteiligte Partei war. Daher lässt sich die Frage „Ist Brasiliens Außen- und Regionalpolitik Kennzeichen und Ausdruck für eine regionale Führungsmacht in Südamerika?“ ebenso wie die Leitfrage umso besser stellen.

Zunächst wird als Grundlage für die Prüfung dieses Falles die Neorealismus-Theorie vorgestellt, ebenso die Ereignisse, die als Andenkrise 2008 bezeichnet werden, sowie die diplomatischen Aktivitäten zur Beilegung der Krise. Mit Hilfe des von Professor Stefan A. Schirm entwickelten analytischen Konzepts mit Indikatoren und Variablen[4] zur Identifizierung einer Führungsmacht wird das Verhalten Brasiliens in der Krisensituation vom März 2008 analysiert.

Mit Hilfe des analytischen Konzeptes soll die vom Autor dieser Arbeit entwickelte These „Brasiliens Auftreten in der Andenkrise von 2008 ist Ausdruck für seine regionale Führungsrolle in Südamerika“ überprüft werden.

II. Hauptteil

1. Macht - Theorie des Neorealismus

Nur wenige Theorien sind auf dem wissenschaftlichen Feld der Internationalen Beziehungen so prägend gewesen wie der Neorealismus[5]. Begründet wurde die Theorie von Kenneth Waltz mit seinem Buch „Theory of International Politics“. Die neorealistische Betrachtung der Außenpolitik eines Staates besagt, dass diese auf Streben nach Macht ausgelegt ist. Das internationale System wird von Waltz als anarchisch angesehen[6], in dem die Staaten ihr Handeln (Politik) auf die Verteilung von Macht auslegen. Jeder Staat ist letztlich darum bemüht, die eigene Macht zu festigen und auszubauen. Der Ausbau eigener Macht ist aber nur durch Verlust von Macht eines anderen Staates oder anderer Staaten denkbar. Dies wiederum führt in diesem System zu einer ständigen Unsicherheit über Intentionen und Maßnahmen von Nachbarstaaten. Aufgrund dieser Unsicherheit ist das Bild des Neorealismus von internationalen Beziehungen durch eine hohe Dominanz von Sicherheitsinteressen, Selbsterhaltungstrieb der Staaten und einer Verweigerung von Kooperation gekennzeichnet[7]. Diese werden gerade in der Andenkrise mit dem Verhalten der beteiligten Parteien überaus sichtbar.

Um Macht eines Hegemons oder der Bedrohung durch andere Staaten zu entgehen, werden von Staaten Allianzen eingegangen, so die neorealistische Theorie. Ziel sei es, die Macht des Hegemons auszugleichen (balance of power) oder durch balance of threat der Gefahr etwas entgegenzusetzen. Gerade die Kategorie des balance of power spielt in der Andenkrise eine wichtige Rolle und kann möglicherweise das Verhalten einiger Staaten erklären helfen. Ecuador sieht sich seinem großen, militärisch und wirtschaftlich stärkeren Nachbarland Kolumbien gegenüber und gleicht dieses Machtungleichgewicht durch seine Allianz mit Venezuela aus, welches seinerseits wiederum ein Interesse daran hat, die Macht von Kolumbiens Staatspräsident Alvaro Uribe einzugrenzen.

Die innenpolitischen Komponenten und Parameter werden bei der Neorealismus-Theorie nicht betrachtet. Staaten werden als „black box“ gesehen. Die zentrale Fragestellung der Theorie ist, warum Staaten trotz unterschiedlicher politischer Systeme oder Ideologien in ihrem Außenverhalten zu ähnlichem Verhalten tendieren. Die klassische Sicherheitspolitik steht im Mittelpunkt, nicht die sozialen und ökonomischen Fragen[8]. Staaten werden als uniforme Akteure begriffen, deren Innenleben für die Vertreter der Neorealismus-Theorie ohne Bedeutung ist.

Die Neorealismus-Theorie bildet das Grundgerüst für die folgende Fallstudie und soll dazu herangezogen werden, Verhalten von teilnehmenden Akteuren an der Krise und ihrer Beilegung zu erklären.

2. Andenkrise 2008: Abfolge der Ereignisse

An dieser Stelle der Arbeit sollen die Grundzüge der als Andenkrise bezeichneten militärischen und diplomatischen Auseinandersetzungen im März 2008 dargelegt werden. Nur hierdurch sind die Fallstudie und die Überprüfung der These nachvollziehbar.

[...]


[1] Piepenbrink, Johannes: Editorial, in: APuZ 12/2010, S. 2, Bonn

[2] Werz, Nikolaus: Lateinamerika – Eine Einführung, S. 32f, Bonn 2010

[3] Nolte, Detlef / Stolte, Christina; Lateinamerika: wirtschaftlich erstarkt – politisch uneins, GIGA Focus Nr. 5, Hamburg 2008

[4] Schirm, Stefan A.: Führungsindikatoren und Erklärungsvariablen für die neue internationale Politik Brasiliens, in: Lateinamerika Analysen 11, Juni 2005, S. 107-130, Hamburg

[5] Schörnig, Niklas: Neorealismus, in: Theorien der Internationalen Beziehungen, Schieder, Siegfried / Spindler Manuela (Hrsg.), 3. Auflage, S. 65, Opladen & Farmington Hills 2010

[6] Schirm, Stefan A.: Führungsindikatoren und Erklärungsvariablen für die neue internationale Politik Brasiliens, in: Lateinamerika Analysen 11, Juni 2005, S. 107-130, Hamburg

[7] Schörnig, Niklas: Neorealismus, in: Theorien der Internationalen Beziehungen, Schieder, Siegfried / Spindler Manuela (Hrsg.), 3. Auflage, S. 65, Opladen & Farmington Hills 2010

[8] Schörnig, Niklas: Neorealismus, in: Theorien der Internationalen Beziehungen, Schieder, Siegfried / Spindler Manuela (Hrsg.), 3. Auflage, S. 68, Opladen & Farmington Hills 2010

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Lassen sich am Verhalten Brasiliens in der Andenkrise 2008 Indikatoren einer regionalen Führungsmacht identifizieren?
Untertitel
Regionale Führungsmächte
Hochschule
Ruhr-Universität Bochum
Veranstaltung
Macht, Ideen und Interessen im Verhalten regionaler Führungsmächte
Note
2,0
Autor
Jahr
2011
Seiten
17
Katalognummer
V174047
ISBN (eBook)
9783640944491
ISBN (Buch)
9783640944453
Dateigröße
494 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
lassen, verhalten, brasiliens, andenkrise, indikatoren, führungsmacht, regionale, führungsmächte
Arbeit zitieren
Dirk Sodenkamp (Autor), 2011, Lassen sich am Verhalten Brasiliens in der Andenkrise 2008 Indikatoren einer regionalen Führungsmacht identifizieren?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/174047

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