Die Arbeit befasst sich mit den praktischen Anforderungen an eine Verrechnungspreisdokumentation. Zuerst wird eine theoretische Basis geschaffen an Hand derer eine Orientierung innerhalb des Praxisbeispiels einer Verrechnungspreisdokumentation möglich erscheint.
Die theoretische Basis beginnt mit einer knappen Einführung in die rechtlichen Grundlagen und die fünf bestehenden Verrechnungspreismethoden. Schwerpunkt der theoretischen Basis ist jedoch die Analyse des "best-practice-Modells" der Vergleichbarkeitsanalyse an Hand von kurzen Fallbeispielen gemäß der Richtlinie. Auf diesen umfangreichen Teil der Vergleichbarkeitsanalyse folgt eine kurze Einführung in ausgewählte Anwendungsfälle. Grundlage für diese theoretische Basis ist eine Literaturrecherche.
Der anwendungsorientierte Teil der Arbeit, stellt den zweiten Teil der Arbeit dar. Aufbauend auf die erhobene Datenbasis ist die Dokumentation zu erstellen, welche insbesondere die allgemeine Darstellung der Unternehmung sowie die Auswertung der Unternehmensdaten in Form von Verrechnungspreisanalysen zu enthalten hat. Hilfsweise sind für die Erstellung der Dokumentation auch Informationen über die Beispielunternehmung durch Kurzinterviews mit MitarbeiterInnen zu beschaffen.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
1.1 Problemstellung
1.2 Zielsetzung
1.3 Methodik und Aufbau
2 Rechtliche Grundlagen
2.1 Internationale Rechtsgrundlagen
2.1.1 OECD-Musterabkommen
2.1.2 OECD-Verrechnungspreisrichtlinien
2.1.3 EU-Verrechnungspreisdokumentation
2.2 Deutsche Rechtsgrundlagen
2.2.1 Körperschaftsteuergesetz
2.2.2 Deutsches Außensteuergesetz
2.2.3 Abgabenordnung
2.2.4 Gewinnabgrenzungsaufzeichnungsverordnung
2.2.5 Verwaltungsgrundsätze
2.3 Österreichische Rechtsgrundlagen
2.3.1 Einkommensteuergesetz
2.3.2 Körperschaftsteuergesetz
2.3.3 Bundesabgabenordnung
2.3.4 BMF-Verrechnungspreisrichtlinie 2010
3 Verrechnungspreismethoden
3.1 Allgemeines
3.2 Standardmethoden
3.2.1 Preisvergleichsmethode
3.2.2 Wiederverkaufspreismethode
3.2.3 Kostenaufschlagsmethode
3.3 Gewinnmethoden
3.3.1 Gewinnteilungsmethode
3.3.2 Nettomargenmethode
4 Vergleichbarkeitsanalyse
4.1 Schritt 1: Analysezeitraum
4.2 Schritt 2: Analyse der Rahmenbedingungen - Marktanalyse
4.3 Schritt 3: Verständnis der zu vergleichenden kontrollierten Transaktionen
4.3.1 Die Funktions- und Risikoanalyse
4.3.2 Produktanalyse
4.3.3 Vertragsanalyse
4.3.4 Strategieanalyse
4.4 Schritt 4: Interne Vergleichstransaktionen
4.5 Schritt 5: Externe Quellen für Vergleichstransaktionen
4.5.1 Datenbanken
4.5.2 Andere Datenquellen
4.6 Schritt 6: Auswahl der Verrechnungspreismethode
4.7 Schritt 7: Identifikation von Vergleichsunternehmen und Vergleichswerten
4.8 Schritt 8: Durchführung von Anpassungsrechnungen
4.9 Schritt 9: Interpretation der Daten und Festlegung des fremdüblichen Verrechnungspreises
5 Ausgewählte Anwendungsfälle
5.1 Dienstleistungen
5.2 Konzerndarlehen
5.3 Immaterielle Wirtschaftsgüter
6 Praxisbeispiel
6.1 Einleitung und rechtliche Grundlagen
6.2 Schritt 1: Analysezeitraum
6.3 Schritt 2: Analyse der Rahmenbedingungen
6.3.1 Branche, Markt und Wettbewerb
6.3.2 Zulieferer
6.4 Schritt 3: Verständnis der Transaktionen
6.4.1 Allgemeine Analyse
6.4.2 Funktions- und Risikoanalyse
6.4.3 Vertragsanalyse
6.4.4 Strategieanalyse
6.4.5 Produktanalyse
6.5 Schritt 4: Interne Vergleichstransaktionen
6.6 Schritt 5: Quellen für externe Vergleichstransaktionen
6.7 Schritt 6: Auswahl der Verrechnungspreismethode
6.8 Schritt 7: Identifikation von Vergleichsunternehmen und -werten
6.8.1 Darstellung der Relevanz von Großkunden
6.8.2 Einschränkung nach Geschäftsvolumen
6.8.3 Einschränkung nach Vertriebsgebiet
6.8.4 Einschränkung nach Geschäftsfeldern
6.9 Schritt 8: Anpassungsrechnungen
6.10 Schritt 9: Interpretation der Daten und Festlegung des Verrechnungspreises
6.10.1 Analyse der Artikel in Geschäftsfeld 1
6.10.2 Fazit Geschäftsfelder
6.10.3 Sonstige Analysen
6.10.4 Gesamtfazit
7 Praxisbeispiel Darlehen
7.1 Schritt 3: Verständnis der Transaktionen
7.2 Schritt 4: Interne Transaktionsdaten
7.3 Schritt 5: Externe Quellen
7.4 Schritt 6: Auswahl der Methode
7.5 Schritt 7: Vergleichunternehmen und -werte
7.6 Schritt 8: Anpassungsrechnungen
7.7 Schritt 9: Interpretation und Festlegung des VP
8 Zusammenfassung
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit verfolgt das Ziel, die Verrechnungspreistheorie sowie den Prozess der Erstellung einer rechtskonformen Verrechnungspreisdokumentation (VPD) anhand eines praktischen Fallbeispiels zu erläutern, wobei insbesondere die Anforderungen der OECD-Verrechnungspreisrichtlinie und das "Best-Practice-Modell" zur Vergleichbarkeitsanalyse im Fokus stehen.
- Theoretische Fundierung der Verrechnungspreismethoden gemäß OECD-Richtlinie.
- Detaillierte Analyse des "Best-Practice-Modells" zur Durchführung einer Vergleichbarkeitsanalyse.
- Anwendung der Verrechnungspreisdokumentation auf spezifische Geschäftsvorfälle wie Warenlieferungen und Darlehen.
- Erörterung der inhaltlichen Mindestanforderungen und des notwendigen Detailgrads für Betriebsprüfungen.
- Darstellung praxisnaher Lösungsansätze zur Verminderung der Rechtsunsicherheit in internationalen Konzernstrukturen.
Auszug aus dem Buch
4.3.1 Die Funktions- und Risikoanalyse
Die Funktionsanalyse soll einen ersten wesentlichen Beitrag zum Verständnis der zu vergleichenden Transaktionen liefern. So sind die ausgeübten Funktionen der einzelnen Unternehmen zu erfassen. Diese können in unterschiedlichen Bereichen angesiedelt sein, etwa Produktion, Design, Forschung und Entwicklung, Vertrieb, etc. Die möglichen Funktionen hängen dabei von der jeweiligen Transaktion ab. Insbesondere sind bei der Erfassung der Funktionen auch die Arten des eingesetzten Vermögens zu beachten, z.B. Einsatz von großen Fertigungshallen für die Massenproduktion oder Einsatz von immateriellen Wirtschaftsgütern (etwa Patenten) beim Design des Produkts. Die spätere Festlegung der Verrechnungspreise hat jedoch nicht auf der Anzahl der übernommenen Funktionen oder dem Umfang des eingesetzten Vermögens, sondern vielmehr auf deren wirtschaftlicher Relevanz und die Häufigkeit der Ausübung zu beruhen. Die Übernahme von vielen Funktionen alleine rechtfertigt nicht die Gewährung eines höheren Verrechnungspreises, auch wenn die Übernahme von mehr Funktionen einen höheren Beitrag an der gesamten wirtschaftlichen Leistung vermuten lässt. Es sind immer nur die dahinterliegenden geleisteten Wertschöpfungen relevant.
Mit der Analyse der Aufteilung der Funktionen hat auch die Analyse der Verteilung des getragenen Risikos, die so genannte Risikoanalyse, zu erfolgen. Die Funktionsanalyse wäre ohne eine entsprechenden Risikoanalyse nicht vollständig. Die Risiken, denen die Unternehmen ausgesetzt sind, umfassen etwa das Marktrisiko, das Finanzierungsrisiko, das Forschungsrisiko, das Entwicklungsrisiko, das Investitionsrisiko, das Zinsrisiko oder das Wechselkursrisiko. Die Risiken gehen oftmals Hand in Hand mit den übernommenen Funktionen. In diesem Fall können sich die später festzulegenden Verrechnungspreise am geleisteten Wertschöpfungsanteil gem. den übernommenen Funktionen orientieren.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Beschreibt die Problemstellung der Verrechnungspreisdokumentation im internationalen Konzernkontext und definiert die Zielsetzung der Arbeit.
2 Rechtliche Grundlagen: Bietet einen Überblick über die internationalen, deutschen und österreichischen Bestimmungen, die den Rahmen für Verrechnungspreise bilden.
3 Verrechnungspreismethoden: Erläutert die verschiedenen Standard- und Gewinnmethoden, die zur Bestimmung fremdüblicher Preise zur Verfügung stehen.
4 Vergleichbarkeitsanalyse: Detailliert das 9-stufige "Best-Practice-Modell" der OECD zur Identifikation und Verifizierung von Vergleichstransaktionen.
5 Ausgewählte Anwendungsfälle: Behandelt spezifische Problemfelder wie Dienstleistungen, Konzerndarlehen und immaterielle Wirtschaftsgüter.
6 Praxisbeispiel: Wendet die theoretischen Erkenntnisse auf ein reales Unternehmen an, inklusive Funktions- und Risikoanalyse sowie Benchmark-Studien.
7 Praxisbeispiel Darlehen: Zeigt die konkrete Anwendung der Methodik auf die Dokumentation konzerninterner Zinsverrechnungen.
8 Zusammenfassung: Fasst die Ergebnisse der Arbeit zusammen und bewertet die Bedeutung einer sorgfältigen VPD für die Rechtssicherheit.
Schlüsselwörter
Verrechnungspreisdokumentation, Fremdvergleichsgrundsatz, Arm's Length Principle, OECD-Richtlinie, Vergleichbarkeitsanalyse, Funktionsanalyse, Risikoanalyse, Verrechnungspreismethoden, Best-Practice-Modell, Betriebsprüfung, Gewinnabgrenzung, Konzernsteuerrecht, Dokumentationspflichten, Preisbildung, Rendite.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt die Erstellung von Verrechnungspreisdokumentationen für international tätige Konzerne, um die Einhaltung des Fremdvergleichsgrundsatzes gegenüber Finanzbehörden nachzuweisen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Felder sind die rechtlichen Rahmenbedingungen in Deutschland und Österreich, die Methoden zur Bestimmung von Verrechnungspreisen sowie die Durchführung systematischer Vergleichbarkeitsanalysen.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, welche Inhalte und welcher Detailgrad für eine Dokumentation erforderlich sind, um in einer steuerlichen Betriebsprüfung als plausibel und fremdüblich akzeptiert zu werden.
Welche wissenschaftliche Methode wird primär verwendet?
Die Arbeit nutzt eine Literaturrecherche als Basis und ergänzt diese durch ein umfangreiches, praxisorientiertes Fallbeispiel unter Anwendung des OECD-Best-Practice-Modells.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Erläuterung der OECD-Methoden, eine Anleitung zur 9-stufigen Vergleichbarkeitsanalyse sowie die praktische Umsetzung für Waren- und Darlehenstransaktionen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?
Die Arbeit ist durch Begriffe wie Fremdvergleichsgrundsatz (ALP), OECD-Verrechnungspreisrichtlinie, Funktions- und Risikoanalyse sowie Praxisbeispiel charakterisiert.
Wie wird im Praxisbeispiel mit Daten umgegangen, die Geschäftsgeheimnisse enthalten?
Die für das Fallbeispiel verwendeten Daten wurden aus dem ERP-System des Unternehmens bezogen, jedoch für die Arbeit anonymisiert und teilweise verändert, um die wirtschaftlichen Interessen des Unternehmens zu schützen.
Warum ist die Wahl der Verrechnungspreismethode im Praxisbeispiel so zentral?
Die Wahl der Methode ist entscheidend, da sie die Grundlage für den nachgewiesenen Fremdvergleich bildet; im Praxisbeispiel wurde aufgrund der Einzigartigkeit der Produkte die Kostenaufschlagsmethode als am besten geeignet identifiziert.
- Arbeit zitieren
- MMag. Michael Harnisch (Autor:in), 2011, Verrechnungspreisdokumentationen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/174096