Adipositas und Depression

Führt Adipositas zu Depressionen oder führen Depressionen zu Adipositas? Ein Versuch der Klärung des Kausalzusammenhangs zwischen diesen Phänomenen


Hausarbeit, 2009

19 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Hinführung zur Thematik und Fragestellung

1 Definitionen: Adipositas und Depression
1.1 Adipositas
1.2 Depression

2 Studien und Kritikpunkte an diesen
2.1 Adipositas als Ursache von Depression
2.2 Depression als Ursache von Adipositas

3 Moderator- bzw. Mediatorvariablen
3.1 Potentielle Moderatoren
3.2 Potentielle Mediatoren

4 Fazit und praktische Implikationen

Literaturverzeichnis

Hinführung zur Thematik und Fragestellung

Laut WHO (2000) nimmt die Prävalenz[1] für Übergewicht und Adipositas weltweit rapide zu, d. h. Übergewicht und Adipositas werden zu immer ernsteren gesellschaftlichen Gesundheits­problemen. Zudem wird heute häufig von Adipositas als „epidemischem Phänomen" gespro­chen und in einigen Entwicklungsländern koexistieren Adipositas und Unterernährung bzw. Hunger. Ogden et al. (2006) berichten, dass die Lebenszeitprävalenz für Adipositas 2004 in den USA für Männer bei 31% und für Frauen bei 33% lag - Tendenz: steigend für beide Ge­schlechter. 1994 lag laut WHO (2000) die Lebenszeitprävalenz in den europäischen Ländern für Männer bei 10 bis 20% und für Frauen bei 10 bis 25%. Im Allgemeinen sind Frauen weltweit stärker von Adipositas betroffen als Männer.

Neben beeinträchtigenden funktionellen Einschränkungen und verminderter Lebensqualität ist Adipositas mit vielfältigen Gesundheitsschäden und gesteigerter Mortalität verbunden (Mar­kowitz et al., 2008; WHO, 2000). Die lebensbedrohlichen, chronischen Begleit- oder Folgeer­krankungen von Adipositas lassen sich nach der WHO (2000) in vier Hauptgruppen einteilen: kardiovaskuläre Probleme, wie Bluthochdruck und Schlaganfälle; Erkrankungen die durch eine Insulinresistenz bedingt werden (z. B. Diabetes mellitus); gewisse Arten von Krebs und Gallenblasenerkrankungen. Außerdem sind adipöse Menschen wegen ihres Erscheinungsbil­des und damit verbundenen Vorurteilen und Diskriminierungen einem erheblichen psychoso- zialen Druck ausgesetzt. Zusätzlich zu den aufgezeigten, schwerwiegenden gesundheitlichen Folgen von Übergewicht und Adipositas, bringen diese Phänomene eine erhebliche Belastung für die Gesamtgesellschaft mit sich. Wie die WHO (2000) konstatiert, untersuchten einige Studien die aus Adipositas resultierenden Kosten in industrialisierten Gesellschaften. Es zeig­te sich, dass etwa 2 bis 7 % der Gesamtausgaben eines Landes für das Gesundheitswesen di­rekt auf Übergewicht und Adipositas zurück zu führen sind.

Auch Depression als psychisches Leiden ist keine neue Erkrankung. Aktuellere Erkenntnisse über ihre weltweite Verbreitung und ihre Intensität machen sie jedoch zu einer problemati­schen Erscheinung (WHO, 2001). Aktuell liegt die Lebenszeitprävalenz für Depressionen weltweit für Männer bei 5 bis 17 % und für Frauen sogar bei 10 bis 34 %, was dahingehend gedeutet werden kann, dass auch ihr Auftreten bei Frauen wahrscheinlicher ist als bei Män­nern (Davison et al., 2007).

In den 90er Jahren des 20. Jahrhunderts erkannte die WHO, dass die Depression als affektive Störung eine zentrale Ursache für viele weitere Krankheiten bildet und sowohl in industriali­sierten Ländern wie auch in Entwicklungsländern eine anwachsende Belastung darstellt. Ne­gative Konsequenzen die aus der Erkrankung an Depression folgen sind erschreckend. De­pressive Menschen sind durch die Krankheit stark in ihrem sozialen und persönlichen Leben beeinträchtigt und tendieren zu Substanzabhängigkeit, häufig in Form einer Abhängigkeit von Medikamenten. Außerdem ist die Mortalität depressiver Menschen stark erhöht. Häufige Ur­sache für einen natürlichen Tod stellen Herzerkrankungen und Schlaganfälle dar, im schlimmsten Falle begehen erkrankte Personen Selbstmord (WHO, 2001). Die WHO (2001) schildert, dass 15% der Menschen die weltweit an Depressionen erkrankt sind Selbstmord begehen.

Warum sich diese Arbeit nun gerade mit den Phänomenen Adipositas und Depression be­schäftigt hat folgenden Grund: Wie oben bereits geschildert nimmt die Prävalenz für Adiposi- tas wie auch für Depression weltweit stetig zu. Menschen die sowohl unter Adipositas als auch unter Depressionen leiden, sind einer verminderten Lebenszufriedenheit und -qualität, einem starken Gesundheitsrisiko sowie einer erhöhten Mortalität ausgesetzt. Eine Vielzahl von Studien nimmt an - wie z. B. auch Markowitz et al. (2008) - dass sich Adipositas und Depression wechselseitig bedingen bzw. dass zwischen beiden Phänomenen ein positiver Zu­sammenhang besteht. Obwohl eine Vielzahl von Studien existiert, die sich als Ziel setzten die kausale Bedingungsrichtung von Adipositas und Depression zu klären, gibt es dafür noch kei­ne endgültige und eindeutige Lösung. Um Menschen die von einem der beiden Phänomene betroffen sind, vor dem Eintreten des anderen zu schützen bzw. um Personen die von beiden Phänomenen gleichzeitig betroffen sind, erfolgreich zu betreuen bzw. zu behandeln, ist es zudem notwendig die Wechselwirkungen zu verstehen, die eine Verbindung zwischen Adipo- sitas und Depressionen darstellen. Diese Arbeit legt daher die Fragestellung zu Grunde, wie die Kausalrichtung zwischen Adipositas und Depression verläuft. Sagt eine Adipositas eine spätere Depression voraus oder bedingt eine Depression eine spätere Adipositas?

Im folgenden Abschnitt werden die hier zentralen Phänomene Adipositas und Depression eingeführt und definiert. Auf dieser Grundlage aufbauend, werden zum einen empirische Ori­ginalarbeiten vorgestellt, die untersuchen ob Adipositas eine Depression verursacht und zum anderen Studien, die den umgekehrten Kausalzusammenhang zu Grunde legen. Im Anschluss an die jeweils vorgestellten Studien werden diese kritisch beurteilt. In Abschnitt 4 folgt die Erläuterung möglicher Moderator- bzw. Mediatorvariablen die sowohl die eine als auch die andere Kausalrichtung erklären können. Daraus wird abschließend ein Fazit gezogen und es werden Erkenntnisse für Medizin und Therapie zusammengefasst.

1 Definitionen: Adipositas und Depression

Nachfolgend werden Adipositas und Depression definiert, sodass für den weiteren Verlauf dieser Arbeit ein einheitliches Verständnis gegeben ist. D. h. die Phänomene werden anhand repräsentativer Literatur definiert und knapp in ihrer Symptomatik dargestellt. Auf Aspekte, wie Entstehung und Therapie sowie Behandlung von Adipositas und Depression, wird an die­ser Stelle nicht näher eingegangen, da sie für das Verständnis und den weiteren Verlauf dieser Arbeit nicht relevant sind.

1.1 Adipositas

Zunächst wird auf den Begriff „Übergewicht" im Allgemeinen eingegangen. Menschen wer­den definitorisch als übergewichtig bezeichnet, „wenn mehr Körperfett angesetzt ist, als auf­grund von Statur, Größe und Geschlecht zu erwarten ist" (Schwarzer, 1992, S. 276). Um Übergewicht zu erfassen, wurden und werden verschiedene Methoden angewendet. Eine ers­te, etwas impraktikable Methode ist die Unterwassermessung. Dabei taucht eine Person in ein mit Wasser gefülltes Becken, worauf sich der Wasserspiegel hebt. Daraus lässt sich „ein Maß für den Anteil des Körperfetts ableiten" (Schwarzer, 1992, S. 276). Heute sind zwei weitere international anerkannte Methoden zur Normierung des Körpergewichts vorherrschend: das ältere BROCA-Normgewicht und der verbreitetere Body Mass Index (BMI). Ersteres ergibt sich laut Schwarzer (1992) als Differenz aus der Körpergröße in Zentimetern minus 100. Um nach dieser Methode schließlich das „Idealgewicht" für die höchst mögliche Lebenserwartung einer Person zu erhalten, werden bei Männern von dieser Differenz noch 10% und bei Frauen 15% abgezogen. Letztere Methode errechnet sich nach Schwarzer (1992), als Quotient aus dem Körpergewicht (in kg) und dem Quadrat der Körpergröße (in m). Der BMI wird allge­mein dazu verwendet, eine Klassifikation von Erwachsenen hinsichtlich Unter-, Übergewicht und Adipositas vorzunehmen (WHO, 2000). Nach der WHO (2000) werden Personen mit einem BMI < 18,50 als untergewichtig, Personen mit einem BMI zwischen 18,50 und 24,99 als normalgewichtig, solche mit einem BMI zwischen 25,0 und 29,99 als übergewichtig und Personen mit einem BMI > 30,0 als adipös bezeichnet. Des Weiteren definiert die WHO (2000) Adipositas als ein Leiden, bei dem überschüssiges Körperfett in einem solchen Maß angewachsen ist, dass es zu einer nachteiligen Beeinflussung der Gesundheit kommt.

1.2 Depression

Die Depression gehört zur Kategorie der affektiven Störungen (wie z. B. auch die Manie und bipolare Störungen). Von all diesen ist die Depression am stärksten verbreitet (Davison et al., 2007). Definiert wird die Depression bei Davison et al. (2007, S. 307) wie folgt: Es handelt sich um einen „emotionalen Zustand, der durch starke Traurigkeit und Niedergeschlagenheit, Gefühle der Wertlosigkeit und Schuld, sozialen Rückzug, Schlafstörungen, Verlust von Appe­tit und sexuellem Verlangen sowie Verlust von Interesse und Freude an alltäglichen Aktivitä­ten gekennzeichnet ist". Die Depression kann in den unterschiedlichsten Formen auftreten. Beispielhaft sind hier die melancholische bzw. somatische Depression[2], die Depression mit psychotischen Symptomen - wie Halluzinationen und Wahnideen, die Wochenbett oder Post­partum Depression und die Winterdepression zu nennen (Davison et al., 2007). Im Folgenden soll von Depression als emotionalem Zustand - wie oben definiert - gesprochen werden.

Eine Depression tritt meist in „depressiven Episoden" (auch Major Depression genannt) auf, in welchen betroffene Personen mehrere depressive Symptome zeigen. Dazu gehören bei­spielsweise depressive Verstimmungen, vermindertes Interesse an alltäglichen Aktivitäten, verminderter/gesteigerter Appetit und Gewichtsverlust oder -zunahme, ein negatives Selbst­bild und Suizidgedanken oder -versuche.

2 Studien und Kritikpunkte an diesen

Dieser Abschnitt versucht anhand empirischer Originalarbeiten die kausale Bedingungsrich­tung von Adipositas und Depression zu klären. Dafür werden an erster Stelle Studien und de­ren wichtigste Ergebnisse exemplarisch vorgestellt die untersuchen, ob Adipositas Depression bedingt. An zweiter Stelle werden Studien und deren wichtigste Ergebnisse vorgestellt, wel­che die umgekehrte Kausalrichtung erforschen. Abschließend werden die aufgezeigten Er­gebnisse gegenübergestellt und verglichen, um ein Fazit geben zu können. Diese Arbeit greift auf drei Überblicksartikel über vorhandene Studien zu dieser Thematik zurück: auf den Bei­trag von Faith et al. (2002), die Metaanalyse von Blaine (2008) und den Studienüberblick von Markowitz et al. (2008). Alle drei Artikel weisen darauf hin, dass bisherige Studien zu dieser Thematik mit drei unterschiedlichen Forschungsdesigns vorhanden sind: Querschnittstudien, Interventionsstudien und longitudinale Studien. Will man nun einen Kausalzusammenhang zwischen zwei oder mehr Variablen erfassen, so ist es notwendig longitudinale Studien durchzuführen bzw. zu betrachten. Ob nun eine momentane Adipositas eine spätere Depressi- on oder eine Erkrankung an Depression eine spätere adipöse Gestalt kausal bedingen, ist nur über die Zeit hinweg zu messen. Kausalzusammenhänge sind mittels Querschnittsuntersu­chungen oder Interventionsstudien nur unzureichend bzw. gar nicht zu klären, weil die Mes­sungen, ob adipöse Menschen depressiv oder depressive Menschen adipös sind, nur zu einem Zeitpunkt stattfinden und nicht wiederholt (siehe auch Roberts et al., 2000). Aufgrund dessen wird in dieser Arbeit der Fokus auf longitudinale Studien gelegt und Querschnitt- und Inter­ventionsstudien nur am Rande dargestellt.

[...]


[1] Prävalenz ist „allgemein ein Maß für das Vorkommen bestimmter Ereignisse in einer Gruppe oder Population" (Fuchs-Heinritz et al., 1995, S. 510). Hier z. B. wie viele Menschen bis zu einem bestimmten Lebensalter adipös werden.

[2] „Melancholisch" bzw. „somatisch" bedeutet hier, dass die Personen unter erheblichen depressiven Verstim­mungen leiden, wie z. B. Verlust von Appetit, Lethargie oder extreme Erregung (Davison et al. 2007).

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Details

Titel
Adipositas und Depression
Untertitel
Führt Adipositas zu Depressionen oder führen Depressionen zu Adipositas? Ein Versuch der Klärung des Kausalzusammenhangs zwischen diesen Phänomenen
Hochschule
Universität Mannheim
Note
1,0
Autor
Jahr
2009
Seiten
19
Katalognummer
V174156
ISBN (eBook)
9783640945016
ISBN (Buch)
9783640944989
Dateigröße
595 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
adipositas, depression, führt, adipositas, depressionen, adipositas, versuch, klärung, kausalzusammenhangs, phänomenen
Arbeit zitieren
Hanna-Marei Steininger (Autor), 2009, Adipositas und Depression, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/174156

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