Diese Arbeit befasst sich mit der Frage: „In welchem Zusammenhang stehen Antifeminismus und Ethnosexismus und wie zeigt sich dies auf einem Wahlplakat der politischen Partei Alternative für Deutschland (AfD)?“. Der Ausgangspunkt für diese Frage ist die Beobachtung, dass Antifeminismus und Rassismus in der aktuellen öffentlichen und politischen Debatte selten allein auftreten. Vielmehr werden die Themen Geschlecht, Migration und Sicherheit insbesondere von Rechtspopulist*innen immer wieder in Verbindung gebracht und für die eigenen Zwecke genutzt. Um sich diesem Thema und der Forschungsfrage anzunähern, wird zunächst in einem theoretischen Teil der Begriff Antifeminismus erklärt und historisch beleuchtet.
Anschließend erfolgt eine Erklärung des Begriffs Rassismus, bei dem im Hinblick auf diese Arbeit auch auf den Antiislamismus, also der rassistischen Einstellung gegenüber Muslim*innen, eingegangen wird. Um diese Begriffe in den Kontext dieser Arbeit zu integrieren, wird im folgenden Kapitel auf das Konzept des sexuellen Exzeptionalismus nach Gabriele Dietze eingegangen. Dieser Begriff beschreibt unter anderem die Verbindung zwischen Sexismus, Rassismus und Abgrenzung zum Fremden. Zur besseren Nachvollziehbarkeit des Begriffs des Ethnosexismus, also einer Verknüpfung von Sexismus und Rassismus, wird als Beispiel das Ereignis der Silvesternacht 2015/2016 in Köln herangezogen. Bei diesem Ereignis kam es zwischen dem Kölner Hauptbahnhof und dem Kölner Dom zu zahlreichen sexualisierten Übergriffen gegenüber Frauen. In der vorliegenden Aufarbeitung soll es insbesondere um den Umgang mit diesem Ereignis in den Medien und der Politik gehen, da nach der Silvesternacht deutlich zu beobachten war, dass es weder um die Opfer, noch um Lösungsvorschläge gegen Männergewalt ging, sondern fast ausschließlich um Migration. Vor diesem Hintergrund wird im letzten Kapitel zunächst die AfD als Partei vorgestellt. Es folgt eine Beschreibung und Analyse des Wahlplakats der AfD aus dem Jahr 2016, auf welches sich diese Arbeit bezieht. Dabei soll untersucht werden, welche antifeministischen, rassistischen und ethnosexistischen Narrative dargestellt werden. Nach einer Zusammenfassung der vorangegangenen Kapitel und der Bildanalyse des Wahlplakats soll die anfangs gestellte Frage im Fazit geklärt werden.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Theoretische Grundlagen
2.1 Antifeminismus
2.2 Rassismus
3 Ethnosexismus
3.1 Die Silvesternacht in Köln 2015/2016
3.2 Sexueller Exzeptionalismus und Ethnosexismus
4 Das Wahlplakats der AfD
4.1 Die „Alternative für Deutschland“
4.2 Analyse des Wahlplakats
5 Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht den Zusammenhang zwischen Antifeminismus und Ethnosexismus sowie deren konkrete Umsetzung in der rechtspopulistischen Wahlwerbung am Beispiel eines Wahlplakats der AfD aus dem Jahr 2016. Die Forschungsfrage fokussiert darauf, wie durch die Instrumentalisierung von vermeintlichen Frauenrechten und die Konstruktion eines "gefährlichen Ausländers" rassistische und antifeministische Narrative verschränkt werden.
- Analyse antifeministischer Ideologien und deren historischer Entwicklung.
- Untersuchung von Rassismus und Antiislamismus im Kontext rechtspopulistischer Diskurse.
- Erläuterung des Konzepts des sexuellen Exzeptionalismus nach Gabriele Dietze.
- Dekonstruktion des Ethnosexismus am Beispiel der Silvesternacht in Köln.
- Bild- und Inhaltsanalyse eines AfD-Wahlplakats hinsichtlich seiner manipulativen Narrativ-Strategien.
Auszug aus dem Buch
3.2 Sexueller Exzeptionalismus und Ethnosexismus
Man kann beobachten, dass sich rechte Parteien, die in der Regel konservative Geschlechts und Familienvorstellungen haben und mitunter antifeministisch agieren, immer wieder ihr vermeintlich feministisches Handeln mit dem „Verteidigen von (bestimmten) Frauenrechten“ zur Schau stellen (Annuß et al. 2024, S. 144). Was jedoch auf den ersten Blick wie Feminismus aussieht, entpuppt sich als exklusiver Feminismus für weiße, meist gut ausgebildete Frauen (ebd.) und ist deshalb keinesfalls intersektional gedacht. Man könnte es damit auch als einen Feminismus für einige Privilegierte bezeichnen.
Hinzu kommt, dass sich rechte Parteien einerseits gegen alle feministischen Bemühungen zur Geschlechtergleichstellung wehren und sich gleichzeitig auf die vermeintlich bereits erfolgreich abgeschlossene Gleichstellung berufen, indem sie insbesondere Muslim*innen als patriarchal, frauenfeindlich und gewalttätig bezeichnen (Annuß et al. 2024, S. 127). Auch Franziska Schutzbach beschreibt in ihrem Buch „Die Rhetorik der Rechten“ die Beobachtung, dass Rechtspopulist*innen Feminismus als ihre „abendländische Errungenschaften“ gegenüber dem „rückständigen Islam“ verteidigen und gleichzeitig gegen internationale Abkommen wie der Istanbul-Konvention stimmen oder sich gegen die Genderforschung stellen (Schutzbach, 2018, S. 101). Sie nennt in Bezug darauf die Begriffe „Gendernationalismus“ und „Femonationalismus“ (ebd.).
Julia Roth bezieht sich in ihrem Text zu „Gender als Affektbrücke und Arena“ auch auf die Überlegenheit, in der sich die vermeintlich fortschrittliche und liberale abendländische Kultur gegenüber anderer Kulturen sieht: „Frauen im rechten Kontext können sich aus dieser Perspektive als bereits vollständig emanzipiert und nicht von struktureller Diskriminierung betroffen sehen“ (Annuß et al. 2024, S. 144). Auf dieser Annahme beruht auch der Begriff „Sexueller Exzeptionalismus“ von Gabriele Dietze, wie Roth erwähnt (ebd.). Exzeptionalismus im Allgemeinen wird dabei als Besonderheit im Gegensatz zu den Anderen gesehen und um sich seiner eigenen Besonderheit zu versichern, bedarf es der angeblich Zurückgebliebenen und Unaufgeklärten (Dietze, 2019, S. 27). Der sexuelle Aspekt kommt hinzu, indem sich „christliche Abendländer*innen“ als sexuell liberal und tolerant sehen im Gegensatz zu beispielsweise Muslim*innen, die ihrer Ansicht nach sexuell rückständig sowie frauenfeindlich und homophob handeln. Dabei stellt man laut Dietze arabische und/oder muslimische Männer unter Generalverdacht, sie seien aus religiösen Gründen sexuelle Belästiger und muslimische Jugendliche seien generell aggressiv homophob und handelt damit ethnosexistisch (Dietze, 2019, S. 12).
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung stellt die Forschungsfrage nach dem Zusammenhang von Antifeminismus und Ethnosexismus und führt in die theoretische Relevanz der Thematik ein.
2 Theoretische Grundlagen: Dieses Kapitel definiert Antifeminismus als organisierte Gegenbewegung und beleuchtet Rassismus sowie Antiislamismus als strukturelle Ausgrenzungsmechanismen.
3 Ethnosexismus: Das Kapitel analysiert das Konzept des sexuellen Exzeptionalismus und illustriert anhand der Kölner Silvesternacht, wie sexistische Taten ethnisiert werden.
4 Das Wahlplakats der AfD: Hier erfolgt eine Vorstellung der Partei und eine detaillierte Bildanalyse, die zeigt, wie das untersuchte Plakat gezielt auf rassistische und antifeministische Ängste setzt.
5 Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und bestätigt, dass die untersuchten rechtspopulistischen Strategien eine Form von Ethnosexismus darstellen.
Schlüsselwörter
Antifeminismus, Ethnosexismus, Rassismus, AfD, Sexueller Exzeptionalismus, Wahlplakat, Femonationalismus, Migration, Geschlecht, Rechtspopulismus, Identität, Silvesternacht, Othering, Diskursanalyse, Sicherheitspolitik.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die inhaltlichen Verknüpfungen von antifeministischen und ethnosexistischen Narrativen, wie sie von der rechtspopulistischen Partei AfD in ihrer Wahlwerbung verwendet werden.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Im Zentrum stehen die Themen Geschlechterrollen, Migration, Sicherheitspolitik und die Instrumentalisierung von Frauenrechten durch rechtspopulistische Akteure.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist zu klären, in welchem Zusammenhang Antifeminismus und Ethnosexismus stehen und wie sich diese Verbindung visuell und inhaltlich auf einem spezifischen AfD-Wahlplakat manifestiert.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer theoretischen Fundierung durch Literaturrecherche (insbesondere zu Gabriele Dietze und Antifeminismus-Forschung) und einer qualitativen Bildanalyse eines AfD-Wahlplakats.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil erarbeitet zunächst die theoretischen Begriffe, analysiert das Schlüsselereignis der Silvesternacht in Köln als Beispiel für Ethnosexismus und untersucht anschließend die politische Ausrichtung sowie das konkrete Plakatmotiv der AfD.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind insbesondere Ethnosexismus, Antifeminismus, Femonationalismus, Rechtspopulismus und Othering.
Welche Rolle spielt der "sexuelle Exzeptionalismus" in der Argumentation?
Dieses Konzept dient als theoretisches Werkzeug, um zu erklären, wie sich rechtspopulistische Diskurse als "fortschrittlich" inszenieren, indem sie eine überlegene abendländische Kultur gegen ein als rückständig konstruiertes "Fremdes" abgrenzen.
Wie bewertet die Autorin die Rolle der Frau auf dem untersuchten Wahlplakat?
Die Autorin kommt zu dem Schluss, dass Frauen auf dem Plakat nicht als Subjekte mit eigenen Rechten wahrgenommen werden, sondern als "Bauernopfer" zur Abwehr von Migranten instrumentalisiert werden, um männliche Schutzansprüche zu legitimieren.
- Quote paper
- Anonym (Author), 2025, Antifeminismus und Ethnosexismus, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1741946