Die Rolle der Öffentlichkeit auf dem 1. Vatikanischen Konzil und bei der Unfehlbarkeitsdebatte im Vorfeld


Hausarbeit, 2010
12 Seiten

Leseprobe

Inhalt

A Einleitung

B Öffentlichkeit vor und während des Konzils
I Die Debatte um die Unfehlbarkeit im Vorfeld des Konzils
1 Infallibilistische Vorstöße der Civilta Cattolica
2 Reaktionen in Deutschland und Frankreich
II Öffentlichkeit im Konzilsverlauf
1 „Private Öffentlichkeit": Gesellschaftliches Leben in Rom
2 Die „Römischen Briefe" des Quirinus und Gegenmaßnahmen der Kurie

C Ergebnisse

Quellen

Literatur

A Einleitung

Das 1. Vaticanum (8.12.1869-20.10.1870) war nach dem Tridentinum vor inzwischen fast 450 Jahren das erste ökumenische Konzil der katholischen Kirche und somit das erste Konzil einer Zeit, in der die moderne Öffentlichkeit eine zunehmend wichtigere Rolle spielte. Da liegt es nahe, zu fragen: Welchen Einfluss hatte diese Öffentlichkeit auf die Debatten im Vorfeld des Konzils, besonders auf die so immens wichtig werdende Frage nach der päpstlichen Unfehlbarkeit? Was war außerdem die Rolle der Öffentlichkeit während des Konzils, vor allem in Bezug auf die Außenwirkung der Vorgänge in Rom? Wie gingen die Verantwortlichen damit um? Zur Klärung dieser Fragen, zu denen es bis jetzt keine Einzeluntersuchung gibt,[1] wäre es sinnvoll, die Zeitungen, Broschüren, Kampfschriften, Hirtenbriefe und innerkirchlichen Stellungnahmen im entsprechenden Zeitraum zu untersuchen. Da dies allerdings den Rahmen einer Hausarbeit deutlich sprengen würde, habe ich mich entschlossen, meine eigene Analyse auf je eine sehr wichtige Veröffentlichung vor und während des Konzils zu beschränken und für den Rest der Darstellung auf die Ergebnisse der Forschungsliteratur zurückzugreifen. Hier ist festzustellen, dass es keine Gesamtdarstellungen zum Konzil von „profanhistorischer" Seite gibt. Das ist insofern zu bedauern, als katholische Kirchenhistoriker beim Thema der päpstlichen Infallibilität oft etwas befangen scheinen.[2] Das trifft z.B. auf das Werk von Roger Aubert teilweise zu.[3] Da aber August B. Haslers Buch andererseits auch nicht objektiv bleibt, sondern eher den Charakter einer Kampfschrift hat,[4] stütze ich mich zum größten Teil auf das dreibändige Werk des Jesuiten Klaus Schatz, das momentan die aktuellste, umfassendste, und ausgewogenste Darstellung zum 1. Vatikanum ist.[5] Im ersten Teil meiner Arbeit behandle ich die öffentlichen Debatten im Vorfeld des Konzils, die in Rom angestoßen wurden und sich dann hauptsächlich in Deutschland und Frankreich fortsetzten. Auf diesen Abschnitt habe ich meinen Schwerpunkt gelegt, da es mir wichtig war, das verhängnisvolle „Sich-Aufschaukeln" der Auseinandersetzung ausführlich zu zeigen. Im zweiten Teil beschäftige ich mich hauptsächlich mit den wegen ihrer internationalen Rezeption während des Konzils wichtigen „Römische[n] Briefe[n]" von Quirinus[6] und Roms Reaktionen darauf.

B Öffentlichkeit vor und während des Konzils

I Die Debatte um die Unfehlbarkeit im Vorfeld des Konzils

Aus der ungeheuren Fülle der Veröffentlichungen, sowohl von ultramontaner, als auch von liberaler Seite, habe ich einige beispielhaft ausgewählt. Den Anfang macht die jesuitische Zeitschrift „La Civilta Cattolica", „halboffizielles Organ des Vatikans",[7] die mit ihren Artikeln die Debatte um die päpstliche Unfehlbarkeit entfachte.

1 Infallibilistische Vorstöße der Civilta Cattolica

1. Juni 1867: Ein Artikel über den „dreifachen Tribut" in der Civilta Cattolica fordert, ein feierliches Gelübde abzulegen: Man solle sich zur päpstlichen Unfehlbarkeit bekennen und geloben, diese sogar bis zum Tode zu verteidigen. Kurze Zeit später, nach der päpstlichen Ankündigung, ein Konzil einberufen zu wollen, kamen Kardinal Manning und Bischof Senestrey dieser Aufforderung nach. Diese beiden, die ja tatsächlich während des Konzils die aktivsten Verfechter der Infallibilität waren, legten also schon zwei Jahre vorher ein entsprechendes Gelübde ab. In der Öffentlichkeit spielte das Unfehlbarkeitsgelübde vor allem in Frankreich eine Rolle, wo in Laienkreisen eine „ziemlich emotionalisierte Bewegung"[8] dafür sorgte, dass viele Menschen das Gelübde unterschrieben, die persönlich gar nicht so sehr dahinterstanden.[9]

Bis zum Frühjahr 1869 allerdings ist keine heftige öffentliche Diskussion zu verzeichnen, obwohl durchaus unterschiedliche Hoffnungen und Befürchtungen mit dem bevorstehenden Konzil verbunden wurden.[10] Wichtig ist in diesem Zusammenhang allerdings die Nicht-Öffentlichkeit der Konzilsvorbereitungen: Die strenge Geheimhaltung der Arbeit der vorbereitenden Kommissionen sogar den Bischöfen gegenüber sorgte bei vielen für Unbehagen, da sie nicht wussten, was sie auf dem Konzil erwarten würde.[11]

[...]


[1] Bei Brandmüller habe ich einen Hinweis auf ein vergleichbares Vorhaben gefunden: Er schreibt im Vorwort zu seinem Buch über Döllinger, dass sein Plan, eine „Geschichte der öffentlichen Meinung im deutschen Katholizismus am Vorabend des 1. Vatikanums" zu schreiben, daran scheiterte, dass „die Flut der Broschürenliteratur, die dafür hätte ausgewertet werden müssen [...], zu groß [war]" (Walter Brandmüller: Ignaz. v. Döllinger am Vorabend des I. Vatikanums. Herausforderung und Antwort. St. Ottilien 1977, S. IX).

[2] Dazu schreibt (der katholische Priester) Hasler: „Die Voraussetzung des Glaubens [für die Wissenschaft ist] so weitgehend, daß sie die historisch-kritische Methode zum Teil außer Kraft setzt" (August Bernhard Hasler: Pius IX. (1846-1878), päpstliche Unfehlbarkeit und 1. Vatikanisches Konzil. Dogmatisierung und Durchsetzung einer Ideologie. I. und II. Halbband. Stuttgart 1977, S. 363).

[3] Roger Aubert: Vaticanum I. Mainz 1965.

[4] Mit der Veröffentlichung seines Buches hat Hasler seinerzeit einen Eklat in der Kirche ausgelöst (vgl.: [-]: Rotes Tuch, in: Der Spiegel/37 (1979), S. 109f.. Außerdem die Hinweise auf kirchenhistorische kritische Rezensionen bei Klaus Schatz: Vaticanum I, 1869-1870. Band III, Unfehlbarkeitsdefinition und Rezeption. Paderborn [u.a.] 1994, S. 170).

[5] Klaus Schatz: Vaticanum I, 1869-1870. 3 Bde. Paderborn [u.a.] 1994.

[6] Quirinus: Römische Briefe vom Concil. München 1870.

[7] Hasler: Pius IX., S. 44.

[8] Klaus Schatz: Vaticanum I, 1869-1870. Band I, Vor der Eröffnung. Paderborn [u.a.] 1992, S. 202.

[9] Ebd., S. 201f..

[10] Vgl. dazu ebd., S. 204-207.

[11] Aubert: Vaticanum I, S. 89.

Ende der Leseprobe aus 12 Seiten

Details

Titel
Die Rolle der Öffentlichkeit auf dem 1. Vatikanischen Konzil und bei der Unfehlbarkeitsdebatte im Vorfeld
Hochschule
Ludwig-Maximilians-Universität München
Autor
Jahr
2010
Seiten
12
Katalognummer
V174196
ISBN (eBook)
9783640945214
ISBN (Buch)
9783640945115
Dateigröße
687 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Vatikanum I, Vaticanum I, 1. Vatikanum, 1. Vatikanisches Konzil, Unfehlbarkeit, Infallibilität, Pius IX, moderne Öffentlichkeit, Hirtenbriefe, moderne Presse, Döllinger, Civiltá Cattolica, Quirinus, Veuillot, Dupanloup, matriarchen, rom, kirchengeschichte, kulturkampf
Arbeit zitieren
Kilian Georg Wolf (Autor), 2010, Die Rolle der Öffentlichkeit auf dem 1. Vatikanischen Konzil und bei der Unfehlbarkeitsdebatte im Vorfeld, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/174196

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