Transkription eines Briefes von Carl Friedrich Friccius an Ferdinand Meier


Hausarbeit (Hauptseminar), 2010

14 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Biografie Carl Friedrich Friccius

3. Einführung zur Transkription

4. Transkription des Briefes
4.1 Methodik
4.2 Transkribierter Gesamttext
4.3 Interpretationsansatz

5. Resümee

6. Quellen- und Literaturverzeichnis

Quellen

Literatur

1. Einleitung

„Ich folgte dem Rufe, und wie nichts zu dem Entschluss so entscheidend wirkte, als der Beifall und der heilige Zuruf der Gattin, die nicht aufhörte, Alles zu thun und zu opfern, so hat später auf der gefahrvollen Laufbahn mich nichts so gestärkt und ermuthigt, als ihre Briefe.“1

Dieses Zitat geht aus den Hinterlassenschaften des Herrn Carl Friedrich Friccius hervor und deutet an, wie wichtig für ihn das Schreiben und Empfangen von Briefen war. Besonders zu Zeiten, als er sich weit weg von seiner Heimat befand, war es ihm wichtig, dass seine Angehörigen wohlauf waren und er Neuigkeiten austauschen konnte. Ebenso war es für ihn von Bedeutung seine Erlebnisse jemanden mitteilen zu können, denn wenn er in der obigen Aussage von „gefährlicher Laufbahn“ spricht, so meint er die Zeit der Befreiungskriege zu Beginn des 19.Jahrhunderts. Der Brief, mit dem sich diese Ausarbeitung befasst, ist jedoch nicht an seine Frau adressiert, sondern an seinen Freund und Schwager Ferdinand Meier.

Der Brief in seinem Genre ist in jeglicher Weise besonders, da er privater Natur ist und der Schreiber nicht davon ausgeht, dass weitere Personen neben dem Empfänger den Inhalt lesen und verstehen, falls dies nicht ausdrücklich gewünscht sein sollte. Dadurch kann man, gerade deswegen, realitätsnahe Widerspiegelungen der Geschehnisse erwarten.

Ziel der vorliegenden Arbeit ist es somit, durch die Analyse des Briefinhalts zum einen zu klären, aus welchem Grund das Schriftstück verfasst wurde und was er für Themen behandelt, sowie zum anderen weitere Aussagen über die Person Carl Friccius zu treffen, die womöglich neue Rückschlüsse auf sein Leben zulassen. Erwähnte Personen bzw. Ereignisse und Schauplätze könnten dabei eine Rolle spielen. Grundlage soll dabei vor allem die buchstabengetreue Transkription der in deutscher Kurrentschrift verfassten Handschrift sein. Da sich bei den Recherchen herausstellte, dass ein Mangel an ausführlicher Literatur zum Leben des Carl Friccius besteht, stützt sich diese Arbeit primär auf die Lebensskizze von Heinrich Beitzke, der sich selbst als guten Freund und engen Vertrauten des Herrn Friccius bezeichnete und damit als glaubwürdiger Autor gilt. Ein biografischer Überblick mit Hilfe seiner Erläuterungen, soll nun zuerst die Transkription vorbereiten und wichtige Anhaltspunkte für das spätere Verständnis liefern.

2. Biografie Carl Friedrich Friccius

Carl Friedrich Friccius, am 28.06.1779 in Stendal als Sohn eines Bürgermeisters geboren, wurde schon früh der Weg für seine Zukunft gewiesen, denn schon seit Jahrhunderten stammten hoch angesehene Leute aus seinem Geschlecht. Nach dem Besuch des Gymnasiums in Magdeburg bezog er laut Heinrich Beitzke „ In einem Alter von 18 Jahren, kräftig und gesund an Leib und Seele, dem Studium und der Wissenschaft ergeben“2 die Universität zu Halle. Im September 1800 wurde er als Gerichtsreferendar vereidigt und 1806 beim Landes-Justiz-Kollegium in Kalisch angestellt. Mit der Schlacht von Jena und Auerstedt im gleichen Jahr begann eine weitreichende Veränderung seines Lebens, denn bei ihm „[...] faßte schnell die Überzeugung tiefe Wurzel,[...] seinen Arm zur Vertheidigung des Vaterlandes darzubieten.“3 Sofort wurde er zum „Seconde Lieutenant“ erhoben, ohne vom Militärwesen nur das Allernötigste zu verstehen, ohne je im Militärdienst gedient zu haben und ohne adlig zu sein. Außerdem war es bis dahin unerhört, wenn ein Beamter vom Rang eines königlichen Rats freiwillig in die Reihen des Heeres trat.4 Nach der Verteidigung Danzigs und dem Tilsiter Friede 1807 bat er um Austritt aus der Armee und Wiederanstellung in der Justiz, was ihm auch gewährt wurde. Er wurde zum Oberlandesgerichtsrat in Königsberg ernannt. In den darauf folgenden Jahren widmete er sich dem Studium älterer, deutscher Geschichte und heiratete 1811 die Tochter des Kaufmanns Christian Meier aus Königsberg, wo er später wohnte. Trotz des Todes des Schwiegervaters 1812 und der Geburt seiner Tochter 1813, und daraus resultierende schwere, gesundheitliche Probleme seiner Frau, wurde er von den Ständen Ostpreußens zur Errichtung einer Landwehr einberufen. Diese ernannten ihn darauf zum Major und Kommandeur des Landwehrbataillons der Stadt Königsberg. „Die Bestätigung durch den König erfolgte Anfangs April, und von diesem Zeitpunkt an, […] legte er die Feder weg, um den Degen in die Hand zu nehmen.“, beschreibt Heinrich Beitzke die Szene.5 In der Brigade unter Generalmajor Prinz von Hessen-Homburg, im 3.preußischen Armee-Korp unter General-Lieutenant von Bülow, kämpfte er in den beiden siegreichen Schlachten bei Groß-Beeren und Dennewitz. Durch letztere erlangte er das Eiserne Kreuz 2.Klasse. Auf dem Vormarsch, offensiv gegen die Bedrohung der Armeen Napoleons vorzugehen, nahm er Ende September 1813 an der Belagerung und Bombardierung Wittenbergs teil, bevor es zur Entscheidungsschlacht in Leipzig kam. Am 19.Oktober 1813, nach dreitägigen Kämpfen, fiel Leipzig. Dabei hatte das Landwehrbataillon des Carl Friccius einen großen Anteil, da es als erstes das grimmaische Tor erstürmte, was den Zugang zur Stadt und den Verteidigungsstellungen erlaubte, und somit den Anfang für die Einnahme Leipzigs machte. Er erinnert sich folgendermaßen: „Die Noth und Gefahr wuchs mit jedem Augenblicke. Endlich entdeckte Gasebeck eine schwache Stelle in der Mauer […]. Ich ergriff das Gewehr des nächsten Landwehrmannes und stieß mit der Kolbe die dünne Mauer ein.[...] Als die Öffnung groß genug war, sprang ich durch die selbst gelegte Presche und rief den Meinigen zu: „ Ihr werdet mich nicht verlassen“.“6 Diese Tat wurde auch von hoher Stelle, in Form des Prinzen von Hessen-Homburg, gewürdigt: „Wahrlich die Landwehr erwirbt sich heute einen großen Ruhm und übertrifft manche Linientruppen!“7

Nach der Schlacht erhielt er Befehl, Ostfriesland wieder einzunehmen und dort Truppen zu rekrutieren, deren Kommandeur er sein sollte. Dieses eigenhändig ausgehobene Bataillon führte er in der Schlacht bei Ligny (16.06 1815) und Waterloo (18.06.1815). Aufgrund einer Schussverletzung wurde er in Antwerpen und Brüssel behandelt, zog aber bald darauf mit Gebhard von Blücher in Paris ein. Ein Jahr nach seiner Beförderung zum Oberst-Lieutenant im Juli 1815 und weiteren zahlreichen Auszeichnungen, wird er aus der Armee entlassen und tritt erneut als Rat beim Ober-Landes-Gericht von Ostpreußen ein. Im September 1818 wurde ihm die Doktorwürde der Universität Königsberg verliehen. Darauf zog er aber sogleich nach Berlin, da man ihn dort zum Mitglied des rheinischen Revision- und Kaffationshofes und zum vorsitzenden Rat des Generalauditoriats berief (1819). 1830 starb seine Frau Frederike, die ihm drei Töchter und einen Sohn gebar. Er heiratete später noch einmal. 1831 wurde er sogar selber General-Auditeur der Armee.8 Unerwartet stirbt Carl Friedrich Friccius am 07.11.1856 in Berlin an einem Gehirnschlag.

Er hinterlässt zahlreiche Werke, basierend auf seinem Leben, wie z.B.“Geschichte des Krieges 1813/14“ (1842) und „Geschichte der Befestigungen und Belagerungen Danzigs“( 1854), sowie Publikationen zum Rechtswesen in Preußen. Darunter befindet sich sowohl „Das preußische Militärstrafrecht“(1835), als auch die „Preußische Militärgesetzsammlung“ (1836 ff.).

Zum 50. Jahrestag der Völkerschlacht, am 19.10.1863 wird Friccius in Leipzig ein Denkmal errichtet, genau an der Stelle, an der früher das Grimmaische Tor gestanden haben soll. Weitere Gedenktafeln und Ehrenmonumente ringsum Leipzig zeugen noch heute von diesem Ruhm, den er sich an jenem Tage im Jahre 1813 erworben hat.

[...]


1 Friccius, Carl: Geschichte des Krieges in den Jahren 1813 und 1814 mit besonderer Rücksicht auf Ostpreußen und das Königsbergsche Landwehrbataillon, Altenburg 1843, S.239 Anmerkung.

2 Friccius, Carl Friedrich: Hinterlassene Schriften des Dr. Carl Friccius, Königl. Preuß. General-Auditeurs der Armee, nebst einer Lebensskizze desselben, hrsg. und eingel. von Heinrich Beitzke, Berlin 1866, S.6.

3 Friccius, Carl Friedrich: Hinterlassene Schriften, S.6.

4 Vgl. Friccius, Carl Friedrich: Hinterlassene Schriften, S.7.

5 Ebd., S. 27ff.

6 Friccius, Carl: Geschichte des Krieges in den Jahren 1813 und 1814, S.165.

7 Schulze, Friedrich: 1813-1815 die deutschen Befreiungskriege in zeitgenössischer Schilderung, Leipzig 1912, S.165.

8 Friccius, Carl: Geschichte des Krieges in den Jahren 1813 und 1814, Vorwort S.8.

Ende der Leseprobe aus 14 Seiten

Details

Titel
Transkription eines Briefes von Carl Friedrich Friccius an Ferdinand Meier
Hochschule
Universität Leipzig
Note
1,3
Autor
Jahr
2010
Seiten
14
Katalognummer
V174210
ISBN (eBook)
9783640947072
ISBN (Buch)
9783640946778
Dateigröße
518 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Transkription, Friccius, Briefliteratur, Feldpost, Befreiungskrieg, 1812, preußische Armee, Jurist
Arbeit zitieren
Peter Neumann (Autor), 2010, Transkription eines Briefes von Carl Friedrich Friccius an Ferdinand Meier, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/174210

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