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Die Erneuerungsbewegung der Donauschwaben in der Wojwodina

Eine neue Führungsrichtung auf dem Weg in eine "glorreiche Zukunft"?

Title: Die Erneuerungsbewegung der Donauschwaben in der Wojwodina

Scientific Essay , 2026 , 61 Pages

Autor:in: Ognjen Ugrenovic-Banauger (Author)

History of Europe - Modern Times, Absolutism, Industrialization
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Summary Excerpt Details

Die vorliegende Arbeit untersucht die Erneuerungsbewegung der Donauschwaben in der Woiwodina während der Zwischenkriegszeit von 1918 bis 1941. Im Mittelpunkt steht die Frage, wie und warum sich innerhalb der deutschsprachigen Minderheit im Königreich der Serben, Kroaten und Slowenen bzw. im späteren Königreich Jugoslawien eine neue Führungsrichtung herausbilden konnte. Dabei wird die Erneuerungsbewegung nicht isoliert betrachtet, sondern in den breiteren Zusammenhang von Minderheitenpolitik, Assimilationsdruck, Schulfrage, sozialer Unsicherheit, Generationenkonflikt und Krise der bisherigen Führungsstrukturen gestellt.

Besondere Aufmerksamkeit gilt dem Schwäbisch-Deutschen Kulturbund als zentralem Organisationsrahmen der donauschwäbischen Selbstbehauptung. Die Arbeit analysiert dessen Entstehung, Verbot, Wiederaufbau und spätere Umformung unter dem Einfluss der Erneuerer. Zugleich werden die Rolle der Altführung, die Bedeutung der Presse, die soziale Basis der Bewegung sowie die Einflüsse aus dem Deutschen Reich untersucht. Der regionale Fokus liegt bewusst auf der Woiwodina, insbesondere auf dem Banat, der Batschka und Teilen Syrmiens.

Die Untersuchung verfolgt einen strukturgeschichtlichen Ansatz. Sie fragt nicht nur nach einzelnen Akteuren, sondern nach den Bedingungen, unter denen Führung, Verantwortung und Zukunftsvorstellungen innerhalb einer bedrohten Minderheit neu verhandelt wurden. Die Erneuerungsbewegung erscheint dabei als historisches Produkt einer krisenhaften Zwischenkriegszeit, als Reaktion auf reale Benachteiligungserfahrungen, als Mobilisierung einer jüngeren Generation und als Versuch, der donauschwäbischen Volksgruppe eine neue organisatorische und politische Geschlossenheit zu verleihen.

Ziel der Arbeit ist es, die Entwicklung der Erneuerungsbewegung historisch einzuordnen, ohne sie aus ihrem zeitgenössischen Kontext herauszulösen. Damit leistet die Publikation einen Beitrag zum Verständnis donauschwäbischer Minderheitengeschichte, politischer Selbstorganisation und innerer Führungskonflikte in der Woiwodina vor dem Zweiten Weltkrieg.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

I. Einleitung

1. Entscheidung, Führung und Verantwortung

2. Fragestellung, Untersuchungsraum und zeitliche Eingrenzung

3. Literatur- und Quellenlage

4. Methodisches Vorgehen und Begrifflichkeit

II. Historische Verortung: Woiwodina und Donauschwaben nach 1918

1. Vom habsburgischen Siedlungsraum zur Minderheit im südslawischen Staat

2. Selbstbestimmung, Minderheitenschutz und politische Ernüchterung

3. Die Woiwodina als Zentrum donauschwäbischer Selbstorganisation

III. Rahmenbedingungen der Krise: Minderheitenpolitik, Schule und Soziallage

1. Die Schulfrage als Kern der nationalen Selbstbehauptung

2. Agrarreform, Wirtschaft und soziale Spannungen

3. Verwaltung, politische Teilhabe und der Eindruck permanenter Unsicherheit

IV. Der Schwäbisch-Deutsche Kulturbund als Organisationsrahmen

1. Gründung und ursprüngliche Funktion

2. Verbot, Wiederzulassung und die Erfahrung staatlicher Kontrolle

3. Kulturbund, Presse und Aufklärungsarbeit

V. Altführung, Jugendmilieu und Krise der bisherigen Politik

1. Die Altführung als Trägerin des staatsloyalen Ausgleichs

2. Jugend, Studium und politische Erwartung

3. Die Krise der Repräsentation

VI. Die Erneuerungsbewegung: Begriff, Träger, soziale Basis und Programm

1. Begriff und Selbstverständnis der „Erneuerung“

2. Führende Akteure: Sepp Janko, Jakob Awender und das radikale Jugendmilieu

3. Soziale Basis und Agitationsform

4. Großbetschkerek, Pantschowa und der ländliche Raum

VII. Machtkampf und Durchsetzung im Kulturbund 1935–1939

1. Innervölkische Auseinandersetzung und Angriff auf die Altführung

2. Unterstützung aus dem Deutschen Reich und Verschiebung der Kräfte

3. Die Wahl Jankos und der Führungswechsel von 1939

VIII. Umbau und Verdichtung der Volksgruppenführung 1939–1941

1. Umgestaltung des Kulturbundes

2. Jugend, Erziehung und neue Loyalitäten

3. Grenzen der Durchdringung

IX. Strukturgeschichtliche Bewertung: Notwendigkeit, Verantwortung und Grenzen

1. Notwendigkeit als Wahrnehmung, nicht als Entschuldigung

2. Verantwortung der jugoslawischen Minderheitenpolitik

3. Verantwortung und Grenzen der Altführung

4. Keine Gleichsetzung von Erklärung und Rechtfertigung

5. Zwischenbilanz: Bedingungen des Aufstiegs

X. Vertiefende strukturgeschichtliche Analyse

1. Entscheidungsprozesse innerhalb der Volksgruppe

2. Sprache, Begriffe und politische Selbstdeutung

3. Autorenschaft und Forschungsperspektiven

4. Führung unter schlechten Bedingungen

5. Der Kulturbund als Schule politischer Selbstorganisation

6. Schulpolitik und Zukunftsangst als Motor der Erneuerung

7. Sozialer Unterbau: Genossenschaften, Bauern und Landarbeiter

8. Die Altführung als tragische Übergangsgeneration

9. Erneuerung als Versprechen einer geordneten Zukunft

10. Woiwodina, Erinnerung und Nachgeschichte des Themas

11. Woiwodina als begrenzter Untersuchungsraum und methodischer Gewinn

12. Verantwortung ohne Moralisierung

13. Die „glorreiche Zukunft“ als politisches Narrativ

XI. Fazit

XII. Literatur- und Quellenverzeichnis

Zielsetzung und Themen

Die Arbeit untersucht, wie sich die Erneuerungsbewegung innerhalb der donauschwäbischen Minderheit in der Woiwodina zwischen 1918 und 1941 als neue Führungsrichtung etablieren konnte. Zentral ist dabei die Frage, inwieweit diese Entwicklung eine Reaktion auf staatliche Diskriminierung und die Führungskrise des bisherigen „staatsloyalen Ausgleichs“ darstellte, ohne dabei die historische Verantwortung oder die instrumentelle Natur der Bewegung auszublenden.

  • Strukturgeschichtliche Analyse der donauschwäbischen Volksgruppe
  • Krise der bisherigen Minderheitenführung und ihre Ursachen
  • Aufstieg und Mobilisierungsstrategien der Erneuerungsbewegung
  • Rolle des Schwäbisch-Deutschen Kulturbundes als Organisationsrahmen
  • Einfluss von Minderheitenpolitik, Schulkonflikten und sozialer Unsicherheit

Auszug aus dem Buch

Die Erneuerungsbewegung: Begriff, Träger, soziale Basis und Programm

Die Erneuerungsbewegung verstand sich als Antwort auf den politischen Stillstand der Altführung und auf den als schleichenden Untergang wahrgenommenen Zustand der deutschsprachigen Minderheit. Ihr Selbstbegriff zielte darauf, eine alte, angeblich erschöpfte Führungsweise durch eine neue, tatkräftige und gemeinschaftsbezogene Politik zu ersetzen. Das Wort „Erneuerung“ war daher nicht zufällig gewählt. Es versprach Reinigung, Verjüngung, Aktivierung und eine neue Zukunft der Volksgruppe.

In der Praxis bedeutete dies die Forderung nach innerer Geschlossenheit, nach stärkerer Jugendführung, nach sozialer Ansprache der ländlichen Bevölkerung, nach Kontrolle der Presse und nach Umformung des Kulturbundes. Die Erneuerer wollten nicht eine weitere Vereinsrichtung unter anderen sein. Sie wollten das Führungsprinzip innerhalb der Volksgruppe neu ordnen.

Böhm beschreibt, dass der Kampf der Erneuerungsbewegung ab 1934 stärker aufs Land verlegt wurde und dass die Erneuerer dort, wo sie Sympathisanten fanden, Ortsgruppen des Kulturbundes sprengten und führende Persönlichkeiten des Kulturbundes und der Genossenschaften mit scharfer Pressepolemik angriffen. Diese Passage zeigt, dass die Bewegung von Anfang an nicht nur ideologisch, sondern organisatorisch kämpfte.

Gerade hier wird die Ambivalenz der Erneuerung sichtbar. Einerseits reagierte sie auf reale Mängel der Minderheitenlage und auf die Unzufriedenheit mit einer begrenzten Politik der Altführung. Andererseits griff sie bestehende Institutionen nicht nur korrigierend, sondern häufig aggressiv und spaltend an. Ihre Stärke lag in der Mobilisierung, ihre Gefahr in der Zuspitzung.

Zusammenfassung der Kapitel

I. Einleitung: Einführung in die Thematik der Entscheidungs- und Führungsprozesse der donauschwäbischen Minderheit unter Berücksichtigung der Forschungsfragestellung.

II. Historische Verortung: Woiwodina und Donauschwaben nach 1918: Analyse des Wandels von der habsburgischen Ära zur Situation der Minderheit im neuen jugoslawischen Staat.

III. Rahmenbedingungen der Krise: Minderheitenpolitik, Schule und Soziallage: Darstellung der belastenden Faktoren wie Schulpolitik, Agrarreform und administrativer Druck.

IV. Der Schwäbisch-Deutsche Kulturbund als Organisationsrahmen: Untersuchung der Entstehung und Entwicklung des Kulturbundes als kulturelle und später politische Organisationsform.

V. Altführung, Jugendmilieu und Krise der bisherigen Politik: Beleuchtung der Repräsentationskrise der Honoratiorenpolitik im Kontrast zur aufstrebenden jungen Generation.

VI. Die Erneuerungsbewegung: Begriff, Träger, soziale Basis und Programm: Analyse der Ideologie, Akteure und der sozialen Mobilisierung der Erneuerer.

VII. Machtkampf und Durchsetzung im Kulturbund 1935–1939: Beschreibung der inneren Auseinandersetzungen und des erfolgreichen Führungswechsels zur Erneuerungsbewegung.

VIII. Umbau und Verdichtung der Volksgruppenführung 1939–1941: Darstellung der organisatorischen Straffung und Ideologisierung der Gemeinschaft.

IX. Strukturgeschichtliche Bewertung: Notwendigkeit, Verantwortung und Grenzen: Reflexion über den Charakter der Bewegung und die Mitverantwortung verschiedener politischer Akteure.

X. Vertiefende strukturgeschichtliche Analyse: Detaillierte Betrachtung spezifischer Themen wie Entscheidungsprozesse, Sprache und die Rolle der Forschung.

XI. Fazit: Zusammenfassende Einordnung der Erneuerungsbewegung als Reaktion auf eine komplexe Minderheiten- und Führungskrise.

Schlüsselwörter

Donauschwaben, Woiwodina, Erneuerungsbewegung, Kulturbund, Zwischenkriegszeit, Minderheitenpolitik, Sepp Janko, Altführung, Identitätsmanagement, Jugoslawien, Schulfrage, Agrarreform, Radikalisierung, Volksgruppe, politisches Narrativ.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht den Aufstieg der donauschwäbischen Erneuerungsbewegung in der Woiwodina während der Zwischenkriegszeit als Reaktion auf eine tiefgreifende Krise der Minderheitenführung.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Zu den zentralen Themen gehören Minderheitenpolitik, Identitätsmanagement, der Wandel von der kulturellen zur politischen Organisation sowie die Wechselwirkung zwischen sozialer Unzufriedenheit und nationaler Mobilisierung.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Die Forschungsfrage lautet: Wie konnte sich die Erneuerungsbewegung innerhalb der donauschwäbischen Volksgruppe als neue Führungsrichtung durchsetzen, und inwiefern war dies eine historisch erklärbare Reaktion auf staatliche Diskriminierung?

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit kombiniert eine chronologische Darstellung mit einer strukturgeschichtlichen Vorgehensweise, wobei sie insbesondere die Binnenperspektive der Volksgruppe durch eine quellenkritische Analyse einnimmt.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil analysiert die historischen Rahmenbedingungen, die Krise der traditionellen Führung, den Machtkampf innerhalb des Kulturbundes sowie die ideologische und organisatorische Umgestaltung durch die Erneuerungsbewegung.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Wesentliche Begriffe sind die Erneuerungsbewegung, der Schwäbisch-Deutsche Kulturbund, der donauschwäbische Entscheidungsprozess und das Spannungsverhältnis zwischen Minderheitenschutz und staatlicher Kontrolle.

Welche Rolle spielten Sepp Janko und Jakob Awender?

Janko und Awender fungierten als zentrale Akteure und Idole der radikalen Jugend, die soziale Spannungen und Unzufriedenheit nutzten, um die traditionelle Führung auszuhebeln und eine geschlossene Volksgruppenpolitik zu etablieren.

Wie bewertet die Arbeit die Rolle der "Altführung"?

Die Arbeit bewertet die "Altführung" nicht als bloße Versager, sondern als tragische Übergangsgeneration, die in ihrer defensiven Honoratiorenpolitik an den neuen, dynamischen Anforderungen des jugoslawischen Nationalstaates scheiterte.

Was bedeutet das "glorreiche Zukunft"-Narrativ in diesem Kontext?

Der Titelbegriff dient als analytisches Werkzeug, um zu untersuchen, wie die Erneuerer Hoffnung und Identität instrumentalisierten, um die Volksgruppe organisatorisch zu straffen und die Deutungshoheit über ihre Zukunft zu gewinnen.

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Details

Title
Die Erneuerungsbewegung der Donauschwaben in der Wojwodina
Subtitle
Eine neue Führungsrichtung auf dem Weg in eine "glorreiche Zukunft"?
College
University of Innsbruck  (Institut für Zeitgeschichte)
Author
Ognjen Ugrenovic-Banauger (Author)
Publication Year
2026
Pages
61
Catalog Number
V1742525
ISBN (PDF)
9783389198513
ISBN (Book)
9783389198520
Language
German
Tags
Donauschwaben Erneuerungsbewegung Woiwodina Zwischenkriegszeit Jugoslawien Königreich SHS Kulturbund
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Ognjen Ugrenovic-Banauger (Author), 2026, Die Erneuerungsbewegung der Donauschwaben in der Wojwodina, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1742525
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