Martin Heidegger beschreitet einen besonderen, in der Philosophiegeschichte völlig neuartigen Denkweg um hinter die Strukturen des Seins, des Menschen und der Welt zu kommen. Er nähert sich ihnen über das Sein des Daseins. Wer dieses Dasein ist, wie es sich zum Begriff des Subjekts verhält und welche wesentlichen Existenzformen es haben kann, wird auf den folgenden Seiten erläutert werden. Im Mittelpunkt der Betrachtung steht allerdings das Dasein als Mitsein und Mitdasein und dessen Bedeutung für die Subjektivitätskritik. Diese Arbeit stellt sich also die Frage: Welche Stellung nimmt die Mitseins- und Mitdaseinsanalyse bezüglich der Subjektkritik in Heideggers „Sein und Zeit“ ein?
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Dasein und Subjektivität
3. Dasein als Mitsein
4. Das Man
5. Gerede und Missverständnis
6. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Bedeutung des Daseins als Mitsein für die Subjektivitätskritik in Martin Heideggers Hauptwerk „Sein und Zeit“. Ziel ist es aufzuzeigen, wie Heidegger das Dasein radikal von traditionellen Subjektbegriffen abgrenzt und durch die Analyse der alltäglichen Existenzformen, insbesondere des „Man“, das Verständnis des Menschen als isoliertes Subjekt kritisch dekonstruiert.
- Die Fundamentalanalyse des Daseins als Ausgangspunkt der Kritik am überlieferten Subjektbegriff.
- Die Rolle des Mitseins und Mitdaseins als konstitutive Merkmale der Existenz.
- Die Analyse des Phänomens „Das Man“ und dessen Einfluss auf das uneigentliche Leben.
- Die Auseinandersetzung mit Fehlinterpretationen in der Sekundärliteratur.
- Die Bedeutung von Stimmung und Existenzialien für das Verständnis des eigenen Seins.
Auszug aus dem Buch
3. Dasein als Mitsein
Um die Bedeutung des Daseins als Mitsein zu klären, bedarf es eines Rückgriffes auf die im Werk vorangestellte Analyse der Umwelt (§§15-18). In dieser begegnet dem Dasein Zeug. Als Vorhandenes, etwa im Kleide der Natur oder als Zuhandenes, wenn es mit diesem Zeug eine Bewandtnis hat, ein „Wozu“. Wie schon angemerkt, verweist das Zeug aufeinander und steht so in einem Bedeutungszusammenhang, der das Phänomen Welt konstituiert. Das Werk eines Handwerkers z.B. verweist auf das Wozu seiner Verwendbarkeit und das Woraus es gemacht ist. Der geschreinerte Tisch verweist auf das daran Essen oder den Stuhl und ebenso auf das Holz, aus dem er ist.
In diesen Zusammenhängen, die den Zusammenhang der Welt konstituieren, begegnen gleichsam auch Andere. Der Tisch verweist auf seine Benutzer oder Besitzer und auf den Lieferanten des Materials oder den Hersteller. Mit dem Tisch begegnet dem Dasein nicht nur Zuhandenes, sondern auch Seiendes von der Seinsart des Daseins und mit diesem die Welt in denen anderes Dasein lebt, die gleichzeitig auch die des eigenen Daseins ist. Selbst in industriell gefertigter Massenware begegnet die, wie Heidegger sie nennt, „öffentliche Welt“. Die Verweisung auf Andere ist hier nur unbestimmt und zeigt auf den Durchschnitt.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in die Fragestellung nach dem Sein des Menschen bei Heidegger ein und definiert das Ziel, die Stellung der Mitseinsanalyse zur Subjektivitätskritik zu untersuchen.
2. Dasein und Subjektivität: Dieses Kapitel erläutert Heideggers Absicht, die traditionelle ontologische Überlieferung zu destruieren und den Menschen nicht mehr als Subjekt, sondern als Dasein zu bestimmen.
3. Dasein als Mitsein: Hier wird dargelegt, dass das Dasein von Grund auf als Mitsein strukturiert ist, wodurch die Vorstellung eines isolierten Ichs oder Subjekts widerlegt wird.
4. Das Man: Dieses Kapitel analysiert das Phänomen „Das Man“ als existenziale Struktur der Alltäglichkeit, unter deren Herrschaft das Dasein in eine uneigentliche Seinsweise verfällt.
5. Gerede und Missverständnis: Es werden gängige Fehlinterpretationen der Heideggerschen Analyse diskutiert, die aus einer falschen kulturphilosophischen Lesart resultieren.
6. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und verdeutlicht, dass die Destruktion des Subjektbegriffs essenziell für Heideggers Vorhaben einer Fundamentalontologie ist.
Schlüsselwörter
Heidegger, Sein und Zeit, Dasein, Mitsein, Subjektivitätskritik, Existenz, Fundamentalontologie, Mitdasein, Das Man, Alltäglichkeit, Ontologie, Existenzialien, Uneigentlichkeit, Welt, In-der-Welt-sein
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht, wie Martin Heidegger in „Sein und Zeit“ den traditionellen Begriff des Subjekts durch die Analyse des Daseins kritisiert und transformiert.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die zentralen Themen sind das Dasein, die Bedeutung des Mitseins für die Sozialontologie, die Herrschaft des „Man“ im Alltag und die Abgrenzung von der cartesianischen Subjektphilosophie.
Was ist die primäre Forschungsfrage?
Die Arbeit fragt nach der Stellung, die die Mitseins- und Mitdaseinsanalyse innerhalb der Subjektivitätskritik von „Sein und Zeit“ einnimmt.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine phänomenologische Herangehensweise, um die Strukturen der menschlichen Existenz (Existenzialien) direkt aus dem Phänomen des Daseins heraus zu interpretieren.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die Fundamentalanalyse des Daseins, die Rolle der Umwelt, die konstitutive Bedeutung des Mitseins sowie das Phänomen der alltäglichen Durchschnittlichkeit durch das „Man“.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Dasein, Mitsein, Subjektivitätskritik, Fundamentalontologie, Das Man, Existenz und Alltäglichkeit sind die tragenden Begriffe der Analyse.
Inwiefern unterscheidet sich Heideggers Daseinsbegriff vom cartesianischen Ich?
Heidegger lehnt das „Ich“ als isoliertes, denkendes Ding ab und begreift das Dasein stattdessen als immer schon „In-der-Welt-sein“, das primär durch praktisches Handeln und Mitsein mit anderen definiert ist.
Wie wirkt sich die Herrschaft des „Man“ auf das Individuum aus?
Das „Man“ bewirkt eine Einebnung der individuellen Seinsmöglichkeiten und eine Tendenz zur Durchschnittlichkeit, wodurch das Dasein dazu neigt, sein Leben uneigentlich zu führen.
- Arbeit zitieren
- Wenzel Seibold (Autor:in), 2008, Die Bedeutung des Daseins als Mitsein für die Subjektivitätskritik in Martin Heideggers „Sein und Zeit“, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/174299