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Das Medienecho zum Arbeiterstreik beim Gotthard-Tunnelbau 1875

Title: Das Medienecho zum Arbeiterstreik beim Gotthard-Tunnelbau 1875

Seminar Paper , 2018 , 31 Pages , Grade: 5.5 (Schweiz ~1,5)

Autor:in: Natascha Frey (Author)

History of Europe - Modern Times, Absolutism, Industrialization
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Summary Excerpt Details

Ende des 19. Jahrhunderts wurde in der Schweiz der Gotthardtunnel gebaut, dabei kam es 1875 zu einem Streik in Göschenen. Die Tunnelarbeiter forderten bessere Arbeitsbedingungen und höhere Löhne. Der Streik wurde durch Polizisten und freiwillige Hilfstruppen beendet, dabei wurden vier Arbeiter getötet und weitere verletzt. Damit war es der erste Streik in der Geschichte des Schweizer Bundestaats, der blutig niedergeschlagen wurde. In dieser Arbeit wird untersucht, wie die damaligen Medien auf die Ereignisse am Gotthard reagierten. Dabei werden die Dauer und die Intensität der Berichterstattung sowie insbesondere die Darstellung der einzelnen Akteure, nämlich der Arbeiter, der Polizei und der Freiwilligenmannschaft, Favres und der Gotthardbahngesellschaft sowie der Regierung von Uri, untersucht. Es interessieren drei Gruppen politischer Ausrichtungen: liberale Zeitungen, sozialistische und anarchistische Zeitungen sowie katholisch-konservative Zeitungen.

Zur Beantwortung dieser Fragestellung wurden 89 Artikel aus elf Zeitungen, die zwischen dem 28.7. und 28.9.1875 publiziert wurden, untersucht. Bei der Auswahl der Zeitungen wurde darauf geachtet, dass die drei genannten politischen Ausrichtungen möglichst gleichmässig vertreten sind, dass Zeitungen aus allen drei grossen Sprachregionen der Schweiz Eingang fanden und dass die Zeitungen aus möglichst vielen verschiedenen Kantonen stammen. So soll erreicht werden, dass möglichst das Medienecho der ganzen Schweiz abgebildet wird.

Im ersten Kapitel dieser Arbeit wird der Streik dargestellt. Das Kapitel wurde in drei Teile aufgeteilt: die Vorgeschichte, den Ablauf und die Folgen des Streiks. Das zweite Kapitel widmet sich dem Medienecho. Es besteht ebenfalls aus drei Unterkapiteln, entsprechend den drei unterschiedlichen politischen Ausrichtungen der Zeitungen. Jedes Unterkapitel enthält allgemeine Informationen über die Sprache, Verbreitung, Ausrichtung, Häufigkeit des Erscheinens und Auflage der Zeitungen. Ausserdem werden die Dauer und Intensität der Berichterstattung sowie ihr Schreibstil untersucht. Ebenfalls analysiert werden ihre Quellen. Zuletzt wird die Darstellung der Arbeiter, der Bürgerwehr, Favres, der Gotthardbahngesellschaft sowie der Urner und der eidgenössischen Regierung untersucht. Am Schluss der Arbeit steht ein Fazit, das die Ergebnisse der Arbeit zusammenfasst.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1. Der Streik

1.1 Vorgeschichte des Streiks

1.2 Ablauf des Streiks

1.3 Folgen des Streiks

2. Das Medienecho zum Streik

2.1 Liberale Zeitungen

2.1.1 Allgemeine Informationen und Art der Berichterstattung

2.1.2 Darstellung der Akteure

2.2 Sozialistische und anarchistische Zeitungen

2.2.1 Allgemeine Informationen und Art der Berichterstattung

2.2.2 Die Darstellung der Akteure in den sozialistischen Zeitungen

2.3 Katholisch-Konservative Zeitungen

2.3.1 Allgemeine Informationen und die Berichterstattung

2.3.2 Die Darstellung der Akteure

Fazit

Zielsetzung und thematische Schwerpunkte

Diese Arbeit untersucht das Medienecho zum Arbeiterstreik beim Bau des Gotthardtunnels im Jahr 1875. Ziel ist es, die Dauer, Intensität und Tonalität der Berichterstattung in Schweizer Zeitungen unterschiedlicher politischer Ausrichtung zu analysieren und die Darstellung der beteiligten Akteure kritisch zu hinterfragen.

  • Vergleichende Analyse der Berichterstattung in liberalen, sozialistischen/anarchistischen sowie katholisch-konservativen Zeitungen.
  • Untersuchung der Arbeits- und Lebensbedingungen der Tunnelarbeiter als Ursache des Streiks.
  • Analyse der Rolle der Bauleitung unter Louis Favre und der Gotthardbahngesellschaft.
  • Betrachtung der staatlichen Reaktionen und des Einsatzes von Ordnungskräften.
  • Kritische Reflexion von medialen Mythen und Gerüchten (z. B. "Revolvertheorie" vs. Korruptionsvorwürfe).

Auszug aus dem Buch

1.2 Ablauf des Streiks

Am Nachmittag des 27. Julis 1875 weigerten sich einige Tunnelarbeiter nach einer Minenexplosion, ihre Arbeit wiederaufzunehmen, bevor sich der dichte Rauch nicht verzogen hätte. Aber der Postenchef drängte sie, sofort wieder nach vorn zu gehen und es kam zum Streit. Die Mineure stürmten aus dem Tunnel; auf dem Weg warnten sie die anderen Arbeiter fälschlicherweise vor einer drohenden Explosion, woraufhin rund 90 Arbeiter aus dem Tunnel flüchteten. Schnell wurde klar, dass es ein Fehlalarm gewesen war und einige gingen zurück an die Arbeit. Etwa zehn Mineure jedoch begaben sich zum Oberingenieur Stockalper und erklärten ihm, dass sie bei so starkem Rauch nicht arbeiten könnten. Dieser zeigte sich jedoch unbeeindruckt und schickte die Arbeiter weg.

Sie gingen ins Dorf und diskutierten über ihre Arbeitsverhältnisse; dann beschlossen sie, sich am Abend um 20 Uhr beim Tunneleingang zu treffen und beim Schichtwechsel keine anderen Arbeiter mehr hinein zu lassen. Stockalper forderte vom Gemeindepräsidenten von Göschenen 30 Mann, um Ordnung zu schaffen. Göschenens Bürgerwehr hatte jedoch nur 10 Leute, weshalb Stockalper ans Favresche Hauptbüro in Altdorf telegrafierte und 50 Mann sowie 30 000 Franken forderte. Am Morgen des 28. Juli liessen die streikenden Arbeiter weiterhin niemanden in den Tunnel. Gleichzeitig erhielt die Regierung von Uri ein Telegramm vom Göschener Gemeindepräsidenten Karl Arnold mit der Aufforderung, 50 Mann Verstärkung zu schicken. Auch der Chef des Hauptbüros von Favre erschien und verlangte dasselbe. Das Militär konnte nicht so schnell aufgeboten werden und die Regierung beschloss daraufhin, dass alle verfügbaren Landjäger, sieben an der Zahl, mit einer Hilfsmannschaft nach Göschenen gesandt werden sollten. Die Hilfsmannschaft wurde in Altdorf und unterwegs rekrutiert und bewaffnet; so wurde eine Truppe von 22 Mann aufgeboten, die unter anderem aus acht ausländischen Bauarbeitern aus Wassen bestand und keinerlei militärische Erfahrung hatte.

Zusammenfassung der Kapitel

Einleitung: Einführung in den historischen Kontext des Gotthardtunnelbaus und die Problematik des ersten blutig niedergeschlagenen Arbeiterstreiks in der Schweiz.

1. Der Streik: Detaillierte Rekonstruktion der Vorgeschichte, des unmittelbaren Streikablaufs und der darauffolgenden staatlichen sowie behördlichen Konsequenzen.

2. Das Medienecho zum Streik: Analyse der Berichterstattung in liberalen, sozialistischen/anarchistischen und katholisch-konservativen Zeitungen hinsichtlich ihrer journalistischen Arbeitsweise und Haltung.

Fazit: Synthese der Ergebnisse über die mediale Konstruktion des Ereignisses und die unterschiedliche Wahrnehmung der Akteure je nach politischer Ausrichtung der Presse.

Schlüsselwörter

Gotthardtunnel, Arbeiterstreik, 1875, Medienecho, Louis Favre, Arbeitsbedingungen, Pressegeschichte, Streikablauf, liberale Presse, sozialistische Presse, katholisch-konservative Presse, Göschenen, Industrialisierung, Schweiz, historische Analyse.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert, wie die Schweizer Presse den Arbeiterstreik beim Bau des Gotthardtunnels im Jahr 1875 thematisierte und bewertete.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Im Zentrum stehen die prekären Arbeitsbedingungen der Arbeiter, das Vorgehen der Bauleitung, die Rolle der Ordnungskräfte und die parteipolitische Färbung der Medienberichterstattung.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Zeitungen verschiedener politischer Lager dasselbe Ereignis unterschiedlich darstellten und welche Mythen oder Anschuldigungen dabei verbreitet wurden.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es handelt sich um eine medienhistorische Inhaltsanalyse, bei der 89 Artikel aus elf verschiedenen Schweizer Zeitungen ausgewertet wurden.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in eine historische Rekonstruktion des Streikgeschehens sowie eine systematische Analyse der drei verschiedenen Pressegruppen (liberal, sozialistisch/anarchistisch, katholisch-konservativ).

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Schlüsselbegriffe sind Gotthardtunnel, Arbeiterstreik, Louis Favre, Pressegeschichte, soziale Frage und mediale Berichterstattung.

Welche Rolle spielte die "Revolvertheorie" in der Berichterstattung?

Die "Revolvertheorie", die behauptete, die Streikenden seien bewaffnet gewesen, wurde primär von liberalen und katholisch-konservativen Zeitungen verbreitet, um das Vorgehen der Ordnungstruppen zu legitimieren.

Wie unterschied sich die Darstellung des Unternehmers Louis Favre?

Während liberale Blätter Favre weitgehend in Schutz nahmen, wurde er in der linken Presse als profitgieriger Unternehmer und Hauptverantwortlicher für die unzumutbaren Zustände scharf kritisiert.

Warum wird die Rolle der Urner Regierung in den Medien so kontrovers diskutiert?

Die linke Presse sah die Regierung als "Handlanger" von Favre, während liberale Blätter das schnelle Eingreifen der Behörden zur Wiederherstellung der Ordnung lobten.

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Details

Title
Das Medienecho zum Arbeiterstreik beim Gotthard-Tunnelbau 1875
College
University of Zurich  (Historisches Seminar)
Course
Schweizer Streikgeschichte im Archiv
Grade
5.5 (Schweiz ~1,5)
Author
Natascha Frey (Author)
Publication Year
2018
Pages
31
Catalog Number
V1743016
ISBN (PDF)
9783389199213
ISBN (Book)
9783389199220
Language
German
Tags
Streik Gotthard Arbeiterstreik Schweiz Göschenen Airolo Tunnelbau Gotthardtunnel Alfred Escher Zeitungen Medienanalyse
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Natascha Frey (Author), 2018, Das Medienecho zum Arbeiterstreik beim Gotthard-Tunnelbau 1875, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1743016
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