Persistenz residentieller Segregation

Das Beispiel der schwarzen Ghettos in US-amerikanischen Städten


Hausarbeit (Hauptseminar), 2008
24 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Die schwarze Minderheit in den USA

Kapitel 1: Vielfältige Arten residentieller Segregation

Kapitel 2: Modelle zur residentiellen Segregation
2.1 Die drei klassischen Modelle der Sozialökologie
2.2 Der neoklassische Ansatz
2.3 Die verhaltenstheoretischen Ansätze

Kapitel 3: Ghettos in US-amerikanischen Großstädten
3.1 Die soziale Konstruktion von Ghettos
3.2 Die historische Entstehung der Ghettos in den USA
3.3 Die natürliche Entstehung von Ghettos
3.4 Der Teufelskreis der New Urban Underclass

Das Erbe der Jim-Crow-Gesetze?

Literaturverzeichnis

Die schwarze Minderheit in den USA

Unter der zentralen Fragestellung „Wie entstanden die Ghettos der schwarzen Bevölkerung in US-amerikanischen Großstädten und aus welchen Gründen sind diese segregierten Minderheitenviertel bis heute persistent?“ beschäftigt sich diese Hausarbeit mit den Ursachen und der Entwicklung der Wohnsituation schwarzer Bevölkerungsgruppen in den Vereinigten Staaten.

Die Arbeit gliedert sich in zwei Teile. Der erste Teil, bestehend aus Kapitel 1 und 2, schafft den theoretischen Hintergrund zum allgemeinen Verständnis von residentieller Segregation und den daraus resultierenden städtischen Strukturen. Kapitel 1 dient der Definition von residentieller Segregation. Da es vielfältige Gründe für die Ausbildung von homogenen Wohnvierteln innerhalb einer Stadt gibt, sollen diese hier zunächst vorgestellt und erklärt werden. Kapitel 2 beschäftigt sich im Anschluss mit den wichtigsten Modellen zur residentiellen Segregation. Modelle haben die Aufgabe „[...] komplexe Zusammenhänge darzustellen, deren Entwicklung und Prozessabläufe zu erkennen sowie Aussagen über Regeln und Gesetze in der Funktionsweise des abgebildeten Systems zu machen.“ (Leser 132005: 568). Sie vereinfachen also die komplizierte Wirklichkeit. Die Stadt ist als sozialer Raum das Resultat komplexer Zusammenhänge, die teils von außen bestimmt werden, teils historisch bedingt sind und teils ihre Ursache im individuellen Handeln der Bewohner haben (Siebel et al 2004: 139). In dieser Arbeit werden gleich mehrere Modelle zur residentiellen Segregation vorgestellt, da diese jeweils von differierenden Grundannahmen zur Erklärung städtischer Strukturen ausgehen. Kapitel 2 fungiert als Bindeglied zwischen Kapitel 1 und 3. Zum Einen geben die Modelle eine Visualisierung der Ursachen von residentieller Segregation, zum Anderen bieten vor allem die verhaltenstheoretischen Ansätze eine Erklärung für das individuelle Verhalten von Menschen bei der Wohnstandortwahl. Die daraus gewonnenen Erkenntnisse lassen sich entsprechend auf die Ursachen der Lokalisierung der afro-amerikanischen Wohnviertel - der Ghettos[1] - in der US-Stadt übertragen, die das Thema des zweiten Teils der Arbeit darstellen. Die Ghettos der schwarzen US-Bevölkerung stellen eine besonders persistente Form residentieller Segregation dar, deren Ursachen hauptsächlich in der Geschichte und der Politik des Landes liegen. Allerdings sind diese Viertel nicht immer das Resultat der Vergangenheit. Gemäß dem in Kapitel 2.3 vorgestellten Ähnlichkeitsmaximierungsansatz bilden sich segregierte, homogene Stadtteile auch auf natürliche Weise. Eine Erklärung für die Entstehung von Ghettos und verschiedener Formen residentieller Segregation sollte deshalb nicht allein auf den rationalen Wissenschaftstheorien basieren, sondern auch individuelle Handlungs- und Entscheidungsmechanismen der Menschen berücksichtigen.

Kapitel 1: Vielfältige Arten residentieller Segregation

„Segregation: Prozess der räumlichen Trennung und Abgrenzung von sozialen Gruppen gegeneinander, insbesondere innerhalb einer Siedlungseinheit, sowie der dadurch hervorgerufene Zustand.“ (Leser 132005: 831)

Segregation kann sowohl als Merkmal, als auch als Prozess begriffen werden. Als Merkmal beschreibt sie die ungleiche Verteilung von Bevölkerungsgruppen auf einen bestimmten Raum (Zabel et al 2003: 160/Häußermann 2008: 335). Werden der Vorgang und die Stadien der Entmischung von Bevölkerungsgruppen und das Entstehen relativ homogener Quartiere im städtischen Raum betrachtet, ist sie ein Prozess. Als Prozess kann Segregation auf zwei verschiedene Arten stattfinden. Bei der Invasion ziehen einzelne Mitglieder einer Bevölkerungsgruppe in ein bis dato einheitliches Gebiet (Friedrichs 1995: 120). In der Folgezeit siedeln sich mehr Mitglieder der gleichen Gruppe an und verdrängen die ursprüngliche Bevölkerung. Dieser Vorgang wird als passive oder ungewollte Segregation bezeichnet, da die alt eingesessene Bevölkerung zum Abwandern genötigt wird. Die Sukzession hingegen ist ein aktiver, gewollter Vorgang. Hier wandert die ursprüngliche Bevölkerung freiwillig ab (z.B. Familien aus der Stadt ins Umland) und macht so Platz für eine neue Bevölkerungsgruppe (Siebel et al 2004: 120). Nicht immer sind Sukzession und Invasion in sich geschlossene Prozesse, sie können sich auch überschneiden. Dies geschieht immer dann, wenn die Sukzession noch nicht abgeschlossen

ist und die neuen Bewohner die übrig gebliebenen alten Bewohner unfreiwillig verdrängen. Im schlechtesten Fall kann Sukzession zur Ghettoisierung oder Verslumung führen. Dies bedeutet, dass ehemals von der oberen Mittelschicht bewohnte Gebiete bzw. Gebäude durch den Zuzug wesentlich ärmerer Bevölkerungsgruppen verfallen (Harsche/ Breßler 2004) (siehe hierzu Kapitel 3.2). Wird eine Bevölkerungsgruppe aufgrund von Einkommen oder Bildungsstand segregiert, so bezeichnet man das als soziale Segregation. Die innerstädtische Verteilung von sozial segregierten Gruppen weist ein sektorales Muster auf (siehe Abb. 1). Charakteristisch für die Ver-

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1 Muster sozialer Segregation in

Agglomerationsräumen

Quelle: Harsche/Breßler 07.01.2004

teilung von Gruppen, die aus e thnisch-religiösen Gründen, d.h. aufgrund der Nationalität, der Religion, der Hautfarbe oder der Sprache, segregiert werden, ist eine mehrkernige Struktur. Alter, Haushaltsgröße, Kinderzahl oder Familienstand stehen bei der Segregation nach dem familiären Status im Vordergrund. Die Familien siedeln sich entsprechend ihrer finanziellen Möglichkeiten in konzentrischen Kreisen um das Stadtzentrum an (Siebel et al 2004: 151). Eine Erklärung für die charakteristischen Verteilungsmuster bieten die in Kapitel 2 vorgestellten Ansätze zur residentiellen Segregation.

Ebenso vielfältig wie die Arten sozialer Segregation, sind auch deren Gründe. Armut und relative bzw. multiple Deprivation stellen allerdings weiterhin die bedeutendsten Abgrenzungskriterien dar (Keller 1999: 90). Segregation kann anhand verschiedenster Indikatoren, wie z.B. Einkommen, Religion, Nationalität, Alter oder Armut erfasst und in einem Segregationsindex ausgedrückt werden. Der Index gibt die Abweichung von der Gleichverteilung von Gruppen im Raum an. Je höher die Abweichung, desto segregierter ist die betroffene Bevölkerungsgruppe (Siebel et al: 140). Der Vergleich zwischen den Indexen verschiedener Städte gestaltet sich schwierig, da die Abgrenzung der Gebiete, für die Daten bereit stehen bzw. erhoben werden, nicht einheitlich sind. Es gilt: Je kleiner die der Analyse zugrunde liegende Gebietseinheit, desto stärker ist die Segregation (Häußermann 2008: 336).

Wie oben bereits erwähnt kann Segregation freiwillig (Sukzession) oder erzwungen (Invasion) sein. Dabei ist das soziale, materielle und kulturelle Kapital der Individuen von entscheidender Bedeutung. Je mehr Kapital einem Individuum zur Verfügung steht, desto freier ist es in der Wahl seines Wohnortes (Häußermann 2008: 336). Gleiches gilt umgekehrt. Diese Tatsache führt in der Konsequenz zu einer Sortierung der Bevölkerung. Der dazugehörige Forschungsansatz der freien Wohnstandortwahl folgt dem Mechanismus des Wohnungsmarktes. Dieser reguliert die Nachfrage nach Wohnraum unterschiedlicher Lage, Größe und Ausstattung über den Miet- oder Kaufpreis. Besonderes Augenmerk ist in diesem Zusammenhang auf die zum Teil diskriminierenden Vergabepraktiken von Vermietern und Maklern zu richten. Diese können den Bewerbern aufgrund ihrer Kinderzahl oder ethnischen Zugehörigkeit das Wohnrecht verweigern und fördern auf diese Weise eine Ausgrenzung (Otte 2004: 259). Ausgrenzung beschreibt den Prozess „[...] in dem [sich] Individuen oder Haushalte von den durchschnittlichen gesellschaftlichen Standards der Lebensführung entfernen bzw. entfernt werden [...]“ (Häußermann 2008: 335). (1) Als ökonomisch ausgegrenzt wird ein Individuum dann bezeichnet, wenn es keinen Zutritt mehr zum Arbeitsmarkt findet, kein Gehalt mehr bezieht und so vom Konsum ausgeschlossen wird. Ohne Arbeit und Geld gerät es ins soziale Abseits (vorausgesetzt es verfügt nicht über eine anderweitig sozial anerkannte Rolle als Rentner, Hausfrau etc.). (2) Ein durch Stigmatisierung und Diskriminierung der persönlichen Situation ausgelöster Verlust des Selbstwertgefühles, sozialer Kontakte und Partizipationsmöglichkeiten, die Voraussetzungen für das integrierte Leben in einer Gesellschaft bilden, wird als kulturelle Ausgrenzung bezeichnet (Chassé et al 2002: 282). Ausdruck findet das damit verbundene veränderte Bewusstsein in Apathie, Resignation, Rückzug und Abschottung aus dem gesellschaftlichen Leben. (3) Die daraus resultierende soziale Isolation und das damit verbundene Leben in einem geschlossenen Milieu nennt man soziale Ausgrenzung (Häußermann 2008: 336). (4) Auch Institutionen können ausgrenzend wirken. Sie bauen unüberwindliche Barrieren auf, die bestimmte Personen daran hindern am gesellschaftlichen Leben teil zu nehmen. So schließen z.B. Versicherungsgemeinschaften kostenträchtiger Risikogruppen von ihren Leistungen aus (institutionelle Ausgrenzung). (5) Die Einschränkung der Bewegungsfreiheit von Asylbewerbern durch die Residenzpflicht ist Teil juristischer oder punitiver Ausgrenzung. Treffen alle vier Möglichkeiten von Ausgrenzung aufeinander ist der Höhepunkt des Ausgrenzungsprozesses erreicht und das betroffene Individuum am äußersten Rand der Gesellschaft angekommen (Wehrheim 2002: 32).

Im Bezug auf die Entwicklung städtischer Agglomerationsräume und Strukturen lassen sich zusätzlich drei Arten von residentieller Segregation unterscheiden: demographische Segregation bedeutet die Zunahme von Anteilen mittlerer Altersgruppen, Kindern, Jugendlichen und Mehrpersonenhaushalte im Umland, bei gleichzeitig ansteigender Konzentration von Einpersonenhaushalten und der „vier As“ (=Arme, Alte, Arbeitslose, Ausländer) in und um die Kernstadt. Sozioökonomische Segregation beschreibt das Wachstum der Mittel- und Oberschichtenhaushalte an der Peripherie und einkommensschwacher Haushalte in der Kernstadt: „Der soziale Status [...] findet seine Entsprechung in der Wohnsituation.“ (Wehrli-Schindler 1995: 28). Die Ballung von hoch- und höchstrangigen Dienstleistungen, Beratungs- und Vermittlungseinrichtungen in der Kernstadt und die Verlagerung von Industriestandorten ins Umland bezeichnet man als funktionale Segregation (Heineberg ²2001: 54). Insgesamt erscheint die Kernstadt in modernen Großstädten schizophren: Einerseits ist sie durch Verfall, Ghetto- und Slumbildung gekennzeichnet, andererseits stehen dieser Entwicklung Bauboom und Gentrification[2] gegenüber. Auch politische Regulationen wie z.B. die Lokalisierung von Sozialwohnungen mit Belegungsbindung tragen zur residentiellen Segregation bei (Siebel et al 2004: 155/Otte 2004: 258). Auf die Ursachen dieser Entwicklung wird im folgenden Kapitel näher eingegangen.

Kapitel 2: Modelle zur residentiellen Segregation

„Eines der wesentlichen Merkmale der Struktur unserer Städte ist zweifellos die räumliche Separierung der Funktionen Arbeit und Wohnen, sowie innerhalb der Wohnbereiche auch der verschiedenen sozialen Bevölkerungsgruppen.“ (Farwick 2001: 25)

In der Literatur werden verschiedene Ansätze zur Erklärung der sozialräumlichen Wohnstandortverteilung einzelner Bevölkerungsgruppen diskutiert. Diese sind jeweils das Resultat der damals vorherrschenden gesellschaftstheoretischen Meinung. Es lassen sich unterscheiden: Der klassische sozialökologische Ansatz der Chicagoer Schule, der neo-klassische Ansatz, verhaltenstheoretische Ansätze, institutionelle Ansätze und die polit-ökonomischen Ansätze. Die beiden letzteren Ansätze erklären die räumliche Struktur der Stadt mithilfe ökonomischer Überlegungen. Da ein Schwerpunkt dieser Arbeit wie oben bereits erwähnt auf den sozialen Mechanismen und individuellen Entscheidungsfindungen der Bewohner einer Stadt als Strukturbildner liegt, werden im Folgenden nur die ersten drei Ansätze vorgestellt.

Kapitel 2.1: Die drei klassischen Modelle der Sozialökologie

Die Erklärungsansätze der Chicagoer Schule sind eine der ersten zum Themenbereich der Segregation. Aufgekommen in der 1920er Jahren an der University of Chicago wurden sie vor allem durch den kanadischen Soziologen Ernest Burgess und die amerikanischen Soziologen Robert Park und Roderick McKenzie geprägt. Ausgangspunkt bildete das urbane Wachstum in den Metropolen der USA (Riege et al : 11).

Als Erster betrachtete Burgess die Stadt Chicago im Bezug auf die Wohnstandortverteilung

genauer. Er teilte sie modellhaft in fünf Zonen ein. Diese Zonen umschließen den Central Business District (im Folgenden CBD) als konzentrische Kreise (siehe Abb. 2). Zone 1: der „loop“ ist gleichbedeutend mit dem Stadtzentrum, Zone 2: die „zone in transition“ kennzeichnet sich durch einen Ring aus Geschäften und Leichtindustrie, um den sich – mit nach außen zunehmenden Sozialstatus der Bewohner – die Wohngebiete angliedern. Im Anschluss an die „zone in transition“ folgen: Zone 3: die „zone of workingmen`s home“, also die Wohnzone der Arbeiter, Zone 4: die „residential zone“- die Wohn-

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 2 Ringmodell von Burgess

Quelle: Heineberg ²2001: 103

gebiete der Mittelschicht und am äußeren Rand des Stadtgebietes als fünfte und das Stadtgebiet abschließende Zone die „commuters zone“ als Pendlerzone mit Vororten und Satelliten- bzw. Trabentenstädten, in der das „Wohnen im Grünen“ gewährleistet ist (Häußermann 2008: 342/Heineberg ²2001: 102). Innerhalb der Kreise bzw. Zonen identifizierte Burgess verschiedene natural areas, die sich durch charakteristische Gebäudetypen, Nutzungsarten und Bewohner kennzeichnen. Die Entwicklung dieser natural areas, erfolgt in so genannten Invasions-Sukzessions-Zyklen, die einen Filtering-Prozess auslösen. Die Zyklen werden durch Einwanderung und die damit verbundene räumliche Ausdehnung der Stadt ausgelöst. Dieser Prozess kann sowohl „nach oben“ im Sinne der Gentrification (=Filtering up), als auch „nach unten“ im Bezug auf die Abwertung von Wohnvierteln stattfinden (=Filtering down) (Belkina 2005: 5). Aufgrund ihrer begrenzten finanziellen Mittel, sind die Neuankömmlinge meist gezwungen sich in den z.T. von den oberen Mittelschichten bereits verlassenen Gebieten der Stadt, in der „zone in transition“, nieder zu lassen. Weil Migranten tendenziell die Nähe zu ihren Landsleuten suchen, siedeln sie sich neu ankommende Migranten im gleichen Stadtgebiet an (=Invasion). Sie ersetzen so schrittweise die noch übrig gebliebene ursprüngliche Bevölkerung (=Sukzession) (Friedrichs 1995: 118/Otte 2004: 257). Beispiele für so entstandenen Stadtteile sind „Little Italy“ oder „Chinatown“ in New York.

Ein weiterer Grund für die Bildung verschiedenartiger Wohngebiete war nach Ansicht von Burgess die Beobachtung, dass sich städtische Gesellschaften selbst organisieren. Gemeint ist damit, dass innerhalb von Städten ein Wettbewerb um die besten Standorte stattfindet. Zunehmendes Wachstum der Städte intensiviert den Wettbewerb, sodass sich längerfristig homogene Gebiete herausbilden. Die räumliche Anordnung dieser städtischen Nutzungsgebiete wird mithilfe des Bodenrentenmodells begründet: Mit zunehmender Entfernung vom CBD, in dem sich aufgrund der hohen Zahlungskraft der Bewerber und des hohen Konkurrenzdrucks um die 1a-Lagen vor allem hochrangige Dienstleistungen und filialisierter Einzelhandel ansiedeln, nimmt der Konkurrenzdruck und damit auch der Bodenpreis ab (Farwick 2001: 31). Auf diese Weise siedeln sich zahlungskräftige Nutzungsfunktionen im Citybereich (Dienstleistungen, Einzelhandel) an, weniger zahlungskräftige (Wohnungen) Richtung Umland. Aus dem Standortwettbewerb resultiert damit ein „natürliches“ Stadtbild.

1939 entwickelte H. Hoyt ein weiteres Modell zur Wohnstandortverteilung in Großstädten: das Sektorenmodell. Dem Modell liegt die zentrale Beobachtung zugrunde, dass die Verteilung der Haushalte nach ihrem sozialen Status nicht wie die Verteilung nach dem Familienstand (Ringmodell von Burgess) einem konzentrischen Muster folgt, sondern einem sektoralen (Friedrichs 1995: 41). Hoyt untersuchte die Mietpreisstruktur in 30 US-amerikanischen Städten im Bezug auf die Veränderung der Wohngebiete der oberen Mittelschicht und der Oberschicht (Belkina: 4). Er kam zu dem Schluss, dass die Entwicklung der Wohngebietsverteilung einem sektoralen Muster vom Zentrum zur Peripherie folgt; und zwar entsprechend der Mietpreishöhen

[...]


[1] Die Bezeichnung „Ghetto“ galt ursprünglich für jüdische Wohnviertel in der Neuzeit. Heute beschreibt der Begriff ganz allgemein Wohnviertel ethnischer oder sozioökonomischer Minderheiten, die freiwillig oder gezwungen segregiert sind und deren Bewohner häufig vom Rest der Bevölkerung diskriminiert werden (Leser 132005: 297).

[2] Gentrification beschreibt den Prozess der Aufwertung innerstädtischer, zentrumsnaher Wohnviertel durch den Zuzug gehobenerer Schichten. Sie ist oftmals das Resultat von Stadtsanierungsmaßnahmen, da die einkommensschwache Bevölkerung durch die gestiegenen Miet- und Bodenpreise verdrängt wird (Heineberg ²2001: 54).

Ende der Leseprobe aus 24 Seiten

Details

Titel
Persistenz residentieller Segregation
Untertitel
Das Beispiel der schwarzen Ghettos in US-amerikanischen Städten
Hochschule
Johannes Gutenberg-Universität Mainz  (Institut für Soziologie)
Veranstaltung
Metropolitane Stadtgesellschaften
Note
1,3
Autor
Jahr
2008
Seiten
24
Katalognummer
V174345
ISBN (eBook)
9783640947638
ISBN (Buch)
9783640947812
Dateigröße
2472 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
residentielle Segregation, Sozialökologie, neoklassischer Ansatz, verhaltenstheoretischer Ansatz, Ghetto, Jim Crow, Minderheit, Invasion, Sukzession, Chicagoer Schule, Wohnstandortwahl, Ähnlichkeitsmaximierung, Mental Maps, Afro-Amerikaner, US-Amerika, New Urban Underclass, Diskriminierung
Arbeit zitieren
Sandra Schindlauer (Autor), 2008, Persistenz residentieller Segregation , München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/174345

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