Die chronologische Entwicklung der öffentlichen Sportförderung in der BRD

Ein qualitativer Vergleich der Sportfördermittel der letzten 30 Jahre


Diplomarbeit, 2011
105 Seiten, Note: 2,0

Leseprobe

Inhalt

Abkürzungsverzeichnis

1 Einleitung
1.1 Problemstellung
1.2 Wissenschaftliche Fragestellung
1.3 Zielstellung
1.4 Hypothese
1.5 Vorgehensweise

2 Sport in Deutschland
2.1 Begriffliche Eingrenzung von Sport
2.1.1 Bedeutung des Sports in Deutschland
2.1.2 Bedeutung des Sports in Europa
2.2 Sport und Staat - Drei Grundpfeiler
2.2.1 Autonomie
2.2.2 Subsidiarität
2.2.3 Partnerschaftlichkeit
2.2.4 Organisation des Sports in Deutschland
2.3 Die Sportselbstverwaltung - Der DOSB
2.3.1 Die Sportvereine
2.3.2 Olympische und nichtolympische Sportorganisationen
2.3.3 Landessportbünde
2.3.4 Verbände mit besonderer Aufgabenstellung
2.3.5 Weitere Mitglieder
2.3.6 DOSB nahe Organisationen
2.4 Die öffentliche Sportverwaltung
2.4.1 Die Bundesebene
2.4.2 Landesebene
2.4.3 Kommunale Ebene

3 Sportförderung
3.1 Formen der Sportförderung
3.1.1 Staatliche vs. private Förderung
3.1.2 Direkte vs. indirekte Förderung
3.1.3 Konsumtiv vs. investiv
3.1.4 Institutionelle Förderung vs. Projekt- oder Maßnahmenförderung
3.2 Instanzen der öffentlichen Sportförderung und Förderinhalte
3.2.1 Instanzen auf Bundesebene
3.2.2 Instanzen auf Länderebene
3.2.3 Die Lotteriegesellschaften
3.3 Adressaten und Zuwendungsempfänger öffentlicher Sportförderung
3.4 Voraussetzungen öffentlicher Sportförderung
3.5 Unterschiede zwischen Bundes- und Länderebene
3.6 Instrumente der Sportförderung

4 Sportförderung durch den Bund
4.1 Einflussfaktoren öffentlicher Sportförderung
4.2 Umfang und Ausmaß staatlicher Sportförderung
4.3 Zusammenhang von Wirtschaft und Sport
4.4 Die Ressource Gesellschaft - Sport und Politik
4.4.1 Die deutsche Sportpolitik
4.4.2 Die Parteien und der Sport
4.5 Rechtsgrundlage für den Sport
4.5.1 Sport im Grundgesetz (Ist-Zustand)
4.5.2 Notwendigkeit der Sportförderung als Staatsziel (Soll-Zustand)
4.6 Ausblick: Sportrecht in Europa
4.6.1 Vertrag von Lissabon

5 Sport und Sportförderung in anderen Nationen
5.1 Organisation des Sports im Ausland
5.1.1 Österreich
5.1.2 Frankreich
5.1.3 Großbritannien
5.1.4 USA
5.1.5 China
5.1.6 Russland
5.1.7 Zusammenfassung
5.2 Politische Strukturen
5.3 Zentrale und dezentrale Hierarchien
5.4 Sportförderung im Ausland
5.4.1 Österreich
5.4.2 Großbritannien
5.4.3 USA
5.4.4 China
5.4.5 Russland
5.5 Direkter Vergleich ausgewählter Nationen

6 Untersuchungsmethodik
6.1 Untersuchungsmethode
6.1.1 Untersuchungsdesign
6.1.2 Vorstellung des Datenmaterials
6.1.3 Vergleichbarkeit der Daten
6.1.4 Hinweis zur Betrachtung
6.2 Vorbereitung der Untersuchung
6.2.1 Aufzinsung

7 Ergebnisse
7.1 Inflationsbedingte Entwicklung der Fördersumme
7.2 Analyse staatlicher Beiträge zur Finanzierung
7.3 Zusammenhänge von (Sport-)Politik und Sportförderung
7.3.1 Beteiligte Ressorts
7.3.2 Wahlen und Parteien
7.4 Einflussfaktor Wirtschaft
7.4.1 Wirtschaftliche Ereignisse
7.4.2 BIP
7.4.3 Exkurs: Effekte der Sportwirtschaft
7.5 Zusammenhang von Sportgroßereignissen und der öffentlichen Sportförderung
7.6 Auswirkungen einer Staatzielbestimmung auf den Sport und die Sportförderung

8 Ausblick
8.1 Kritische Erkenntnisse
8.1.1 Sport und Bildung
8.1.2 Sportförderrichtlinien
8.1.3 Wirtschaft - BIP als Vergleichsgröße
8.2 Lösungsvorschläge
8.2.1 Beobachtung konjunktureller Entwicklungen
8.2.2 Orientierung am internationalen Umfeld
8.2.3 Die Idee eines nationalen Sportfonds
8.2.4 Reformen statt Verzicht
8.2.5 Die Idee der gesetzlichen Untergrenze
8.2.6 Die Idee Sportler für Sportler

9 Fazit

Quellenverzeichnis

Buchquellen

Internetquellen

Abbildungsverzeichnis

Tabellenverzeichnis

Thesen zur Diplomarbeit

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1 Einleitung

Der Stellenwert des Sports ist in den vergangenen Jahren mehr denn je gestiegen. Sein Nutzen für Gesellschaft und Wirtschaft findet politische Anerkennung und wurde mehrfach wissenschaftlich bewiesen.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (2010)[1] selbst würdigte jüngst die Vorbildfunktion der Leistungssportler, die vielen Menschen Anregung zum Sporttreiben gebe. Ebendiese ist stolz, dass der Sport Millionen von Menschen begeistere und „sich Deutschland als ein sportbegeistertes Land in vielen Ländern der Welt bekannt gemacht hat." Sie ist davon überzeugt, dass die gezielte Förderung von Breiten- wie Leistungssport eine Voraussetzung für das Vollbringen von Höchstleistungen durch Athletinnen und Athleten ist.

Besonders in den Bereichen Gesundheit und Prävention konnten enorme Zuwächse in sämtlichen Disziplinen registriert werden. Dabei ist Sport schon längst kein reines Instrument zum Gesundheitserhalt oder bloßes Mittel zum Zeitvertreib mehr. Sport ist ein unverzichtbares Element, ein „Kulturgut unserer Zeit"[2] und Gesellschaft und steht im Zuge weitreichender Mediatisierung vermehrt im öffentlichen Interesse. Sport erfüllt gesellschaftliche Aufgaben. Deshalb ist Sportförderung häufig gleichzeitig Förderung bürgerschaftlichen Engagements. Das breite öffentliche Interesse ist darüber hinaus maßgeblich mitverantwortlich für die Rolle der Sportpolitik in der BRD. Ganz gleich ob Sport und Politik oder Sport und Recht, so finden sich in diesen Themenkomplexen zunehmend Berührungspunkte und Schnittstellen, deren Anzahl mit steigender Bedeutung der wirtschaftlichen Komponente von Sport wesentlich zugenommen hat. Außerdem haben sich durch die gestiegene Kommerzialisierung und veränderte Präferenzen der Nachfrager vermehrt neue Organisations- und Angebotsformen am Markt etablieren können.

Die besondere politische Bedeutung des Sports wird spätestens dann deutlich, wenn Politiker in einer Laudatio dazu Stellung nehmen (s. A. Merkel) oder selbst, wie Ex­Bundespräsident Theodor Heuss, als Schirmherr einer Sportorganisation tätig werden[3]. Ferner prangt selbst auf der Ehrenurkunde der Bundesjugendspiele die Unterschrift des Staatsoberhauptes und verdeutlicht einmal mehr den Wert des Sports in Deutschland. Sport ist ein aktiver Bestandteil des Gemeinwesens. Doch trotz seines Stellenwerts und der Tragweite seiner Ereignisse muss sich der Sport allzu oft seine Priorität gegenüber anderen Projekten erkämpfen und sich seine Unterstützung suchen. Er benötigt neben dem öffentlichen Interesse v.a. die Leistung und Hilfe der öffentlichen Hand und ist auf ergänzende finanzielle Mittel angewiesen. Dabei stellt er Antragsteller und Zuwendungsempfänger von Fördermitteln häufig vor schier unüberwindbare Herausforderungen. Darüber hinaus gerät die öffentliche Sportförderung zunehmend in die Diskussion.

Welche Rolle der Staat in diesem Beziehungsgefüge einnimmt, welche Voraussetzungen und Faktoren als Gradmaß der Sportförderung wirken und welchen Veränderungen die Sportförderung innerhalb von 30 Jahren ausgesetzt war, soll im Rahmen dieser Arbeit dargestellt werden.

1.1 Problemstellung

„In der DSB-Analyse „Menschen im Sport 2000" heißt es, der Sport wolle ,alles sein: Rekordfabrik, Familienersatz, Moralanstalt, Krankenstation, Reparaturbetrieb, Lebenshilfe und demnächst auch Altersheim‘. Aber ,aus der Vielfalt der Motive und Zwecke bezieht der Sport auch einen Großteil seiner Faszination‘ (Hermann Bausinger).“ (vgl. Fischer-Solms, 2000).[4]

Diesem angesprochenen Anspruch nach Ganzheitlichkeit lässt sich jedoch nur bedingt nachkommen, da der moderne Sport mit allerlei z.T. bürokratischen Hürden zu kämpfen hat. Darunter finden sich nicht nur Geringfügigkeiten, sondern in Folge von politischen Entscheidungen, wirtschaftlichen Belangen und weiteren äußeren Umständen auch weitaus existenzbedrohendere Probleme. Der Sportsektor ist von weit reichenden Veränderungen in sämtlichen Lebensbereichen betroffen. Diese Auswirkungen sind v.a. bezogen auf die finanzielle Unterstützung des Sports und die bestehenden Fördersysteme spürbar. Hier lassen sich starke Schwankungen beobachten. Sportliche Höchstleistungen sind keine Zufallsprodukte, sondern das Ergebnis systematischer Förderpolitik. Besonders im internationalen Vergleich zeigen sich starke Unterschiede in Bezug auf Fördersysteme, -strukturen und Unterstützungsmaßnahmen sowie d]ie Volumina an Fördermitteln. Trotz all dieser Differenzen lassen sich aus einzelnen Sportfördersystemen exemplarische Ansatzpunkte zur Verbesserung in anderen Sportnationen ziehen.

Kritiker bemängeln derweil die mangelnde Wettbewerbs- und Marktkonformität der öffentlichen Sportförderung. Sie sehen diese in Bezug auf die sich ergebenden Veränderungen durch neue Markt- und Organisationsformen als problematisch an. Darüber hinaus tragen Veränderungen im Glücksspielsektor und in anderen die Sportfördermittel beeinflussenden Bereichen zur Gefährdung der bisherigen Finanzierungssysteme bei und machen neue Lösungen unabdingbar.

1.2 Wissenschaftliche Fragestellung

Aus den vorweg beschriebenen Sachverhalten und der Problemstellung ergeben sich folgende Fragen:

1. Welche Einflussfaktoren wirken auf die Vergabe und Höhe öffentlicher Sportfördermittel?
2. Welchem Umfang entsprechen die Sportfördermittel, speziell die öffentlichen Fördermittel heute und vergleichend zu vorangegangenen Subventionen?
3. Welcher Zusammenhang besteht zwischen der Entwicklung der Sportfördermittel und bedeutenden sportlichen oder gesellschaftspolitischen Ereignissen?
4. Welchen Einfluss haben die politische Struktur und wirtschaftliche Lage eines Landes auf die Sportförderung?
5. Welche öffentlichen Bereiche oder amtlichen Instanzen wirken als Förderer des Sports in Deutschland?
6. Welche rechtliche Grundlage haben der Sport und die Sportförderung? Ist diese ausreichend?
7. In welchen öffentlichen, politischen oder gesellschaftlichen Bereichen können gezielte Reformen oder Maßnahmen ergriffen werden, um dem Sport eine optimale Förderung zu bieten?
8. Sind in anderen Nationen heute bereits entsprechende Rahmenbedingungen oder Konzepte vorhanden, um den Sport dauerhaft zu fördern oder eine Förderung längerfristig zu gewährleisten?

1.3 Zielstellung

Ziel dieser Arbeit ist der Vergleich der Sportfördermittel des Bundes ausgehend vom Jahr 1976 und basierend auf den Daten der Sportberichte der Bundesregierung. Die Analyse der bestehenden Sportstrukturen in Deutschland sowie die Gegenüberstellung mit ausgewählten Nationen sollen einen Überblick über die öffentliche Sportförderung bieten. Die Sportförderung auf Ebene der Länder und Kommunen wird nur peripher in die Untersuchung mit einfließen.

Mittels der rückblickenden Betrachtung soll der momentane Ist-Zustand skizziert, Rahmenbedingungen, Merkmale und die zur Förderung nötigen Voraussetzungen herausgearbeitet werden. Der Vergleich von Ist- und Soll-Zustand soll zeigen, inwieweit die Sportförderung bedarfsgerecht und zweckmäßig ist. Außerdem soll herausgearbeitet werden, welche Potenziale sich für die zukünftige Sportförderung innerhalb der eigenen und der ausländischen Strukturen finden.

Die aus der vergleichenden Analyse gewonnenen Erkenntnisse sollen zur Beantwortung der vorweg gebildeten wissenschaftlichen Fragestellung dienen und die Ableitung von Handlungsempfehlungen und Lösungsansätzen ermöglichen.

1.4 Hypothese

I. Wenn sich die politische Struktur eines Landes - z.B. die Zusammensetzung der Regierungsressorts - verändert, verändert sich auch die jährliche Summe an Sportfördergeldern.

1.5 Vorgehensweise

Um die zuvor beschriebene Thematik angemessen bearbeiten zu können, wurde die Arbeit chronologisch in mehrere Sinnabschnitte mit dazugehörigen Unterkapiteln untergliedert. Nach dem einleitenden Teil, in dem die Thematik und die der Arbeit zugrunde liegenden Hypothesen näher erläutert werden, schließt sich der Theorieteil an. In dessen ersten Abschnitt geht es um den Sportbegriff und dessen Bedeutung in Deutschland und Europa. Anschließend widmet sich die Arbeit dem Verhältnis Sport und Staat und innerhalb diesem dem Aufbau und der Zusammensetzung des Sportsektors in Deutschland. Dargestellt wird das Verhältnis von öffentlicher und Sportselbstverwaltung. Der dritte Abschnitt befasst sich mit der öffentlichen Sportförderung, die eine Aufgabe im Interesse der Öffentlichkeit darstellt. Er bietet dem Leser nicht nur einen detaillierten Einblick über die verschiedenen Formen und Fördermöglichkeiten, sondern zeigt u.a. auch die Zuständigkeiten einzelner Instanzen, Gründe und Ziele der Förderung auf. Im vierten Kapitel kommt die Arbeit genauer auf die Sportförderung durch den Bund zu sprechen. Welche Bereiche das sind, in welcher Form der Bund subventioniert und welche Bedingungen und Voraussetzungen daran geknüpft sind, werden in diesem und im vorherigen Abschnitt der Arbeit näher erläutert. Hinzu kommen wichtige Einflussfaktoren sowie die Betrachtung der rechtlichen Komponente der Sportförderung. Abschnitt vier gibt außerdem einen Ausblick auf das europäische Sportrecht. Im fünften Theorieabschnitt werden Sportsysteme ausgewählter Ländern der EU und dem außereuropäischen Umfeld betrachtet. Abschließend wird auf deren Sportförderung eingegangen und ein Vergleich zum deutschen System gezogen.

Im anschließenden Praxisteil wird auf die bereits in Kapitel vier angesprochenen Einflussfaktoren der Sportförderung näher eingegangen und diese werden in Bezug zum vorhanden Datenmaterial aus den Sportberichten der Bundesregierung gesetzt. Bei der Analyse der Sportfördermittel werden so nicht nur wirtschaftliche, politische und sportliche Ereignisse und Veränderungen des Untersuchungszeitraumes mit in die Betrachtung einbezogen. Vielmehr werden diese bezüglich deren Auswirkungen auf die Fördergelder untersucht. Die daraus resultierenden Ergebnisse werden zur Einschätzung und Bewertung der Daten und zur späteren Ableitung von Handlungsempfehlungen verwendet werden.

2 Sport in Deutschland

2.1 Begriffliche Eingrenzung von Sport

Was genau Sport ist, hängt von der Definition ab und wird im Sprachgebrauch sehr facettenreich verwendet. Eine Verallgemeinerung ist aufgrund der begrifflichen Differenzierung und der Bedeutungsvielfalt nicht möglich[5]. Auffällig bei der Eingrenzung ist, dass nahezu alle in der Literatur erfolgten Versuche den Ausdruck genauer zu beschreiben den Sachverhalt der körperlichen Betätigung oder eine motorische Tätigkeit mit in ihre Erklärung einbeziehen. Ebenso häufig wird von Leistung, Aktivität, Wettbewerb, Spiel, Regeln und sozialem Verhalten gesprochen. Außerdem finden sich in vielen Definitionen weitere Attribute wie freiwillig, freudbetont und gesellig[6]. Sport hat Vorbildfunktion und steht neben den genannten Merkmalen außerdem für das Erreichen von Zielen, Bedürfnisbefriedigung und ein oft außergewöhnliches Wir-Gefühl. Zum besseren Verständnis und der Vermeidung von Fehlern sind einheitlich formulierte Definitionen von Begriffen und damit das Schaffen einer gemeinsamen Kommunikationsgrundlage aber unverzichtbar. Aufgrund dieser Notwendigkeit findet im deutschen Sprachgebrauch eine eindeutige begriffliche Abgrenzung des Sportbegriffs u.a. im Sportrecht und in der Aufnahmeordnung des DOSB (2006) Anwendung. Darin heißt es u.a.:

„1. Die Ausübung der Sportart muss eine eigene, sportartbestimmende motorische Aktivität eines jeden zum Ziel haben, der sie betreibt. Diese eigenmotorische Aktivität liegt insbesondere nicht vor bei Denkspielen, [...] und Bewältigung technischen Gerätes ohne Einbeziehung der Bewegung des Menschen.
2. Die Ausübung der eigenmotorischen Aktivitäten muss Selbstzweck der Betätigung sein. Dieser Selbstzweck liegt insbesondere nicht vor, bei Arbeits- und Alltagsverrichtungen und rein physiologischen Zustandsveränderungen des Menschen.
3. Die Sportart muss die Einhaltung ethischer Werte [...] gewährleisten. (DOSB, 2006, S. 2f §3)[7]

2.1.1 Bedeutung des Sports in Deutschland

„Mens sana in corpore sano" - ein gesunder Geist in einem gesunden Körper. Nicht erst dieser Ausspruch macht deutlich, dass die Gestaltung und Verbesserung von Körper und Geist schon immer untrennbar miteinander verbunden waren. Bereits zu den Zeiten der alten Römer war die körperliche Ertüchtigung sehr maßgeblich und lebensprägend. „In Deutschland existiert seit vielen Jahren ein Interesse, entweder selbst Sport zu treiben oder über Sport zu kommunizieren", schreibt Trosien (2009, S.46) in seinem Buch Sportökonomie.

Zu Beginn des 20. Jh. hatte der Sport in Deutschland noch mit Akzeptanzschwierigkeiten zu kämpfen. Heute hingegen gehört er als kulturelles Element in unsere Gesellschaft und ist nahezu unverzichtbar mit in den Alltag integriert. Er erfüllt wichtige Aufgaben sowohl privater als auch öffentlicher Natur. Weiter ist er, entgegen der weitreichenden Definitionen über mehr oder minder körperliche Aktivitäten, u.a. ein wirksames Sozialisationsmittel.[8] Sport stellt ein Verbindungselement zwischen verschiedenen Strukturen dar und ist von wichtiger gesellschaftspolitischer Bedeutung. Er hilft bei der Integration von Menschen verschiedenen Alters und Geschlechts, unterschiedlicher Herkunft oder Kultur und fördert dadurch nicht nur die interkulturelle Kommunikation. Er vereint Gesunde und Kranke, sozial Schwache & finanziell wohlhabende Menschen, Einheimische und Immigranten[9] sowie Menschen mit und ohne körperliches oder geistiges Handicap. Sport ist wichtiger Bestandteil der Bildungspolitik und fördert u.a. die intellektuelle Entwicklung von Kindern und Jugendlichen.

Er trägt maßgeblich zur Vermittlung und Multiplikation von ethischen Werten wie Verständnis, Toleranz und Fairness bei. Zwar ist auch der Sport vom gesellschaftlichen Wandel und der Anpassung an Trends nicht unberührt geblieben, aber bei der Übertragung dieser bildet er nach wie vor eine wichtige und stabilisierende Institution. Die traditionellen Vorstellungen und Werte wurden lediglich durch neue ergänzt oder haben eine Anpassung in ihrer Wertigkeit erfahren. So verbinden wir heute u.a. das Streben nach Individualität, die Persönlichkeitsentfaltung oder die Identitätsbildung mit Sport.

Darüber hinaus ist Sport im 21. Jh. Untersuchungsgegenstand vieler unterschiedlicher Wissenschaftsbereiche. So beschäftigen sich neben der Sportwissenschaft selbst, u.a. die Medizin, Psychologie, Rechtswissenschaft oder Pädagogik speziell oder teilweise mit der Thematik. Vereinzelt haben sich innerhalb der Wissensbereiche daraus externe Fachgebiete, wie die Sportmedizin, die Sportpsychologie oder das Sportrecht gebildet. Es sind mittlerweile eigenständige und anerkannte Fachdisziplinen. Weitere Parallelen ergeben sich im Tourismus und in der Wirtschaft. Sport ist zu einem dynamisch wachsenden Wirtschaftszweig avanciert, der durch die zunehmende Kommerzialisierung geprägt ist und einen beträchtlichen Beitrag zur Wirtschaftsleistung schafft. Er ist ein Teil der Ökonomie und bildet darin einen eigenen Markt. Die Industrie hat sich dem Sportmarkt zugewandt und bietet neben sportiven Dienstleistung auch marktfähige Sportarten und spezielle Güter an. Um, mit und durch den Sport ist ein signifikantes Wertschöpfungsnetzwerk entstanden, in dem die unterschiedlichsten Bereiche zusammenarbeiten, Mehrwerte und v.a. Gewinne erwirtschaften.

Das Sportsystem ist vielschichtig, durch die unterschiedlichsten Motive geprägt und lässt sich in die Bereiche Hochleistungssport und Breitensport einteilen. Innerhalb dieser kann und wird er als Mannschafts- oder Individualsport ausgeführt. Der Spitzensport ist durch ein oft außergewöhnliches Leistungsvermögen, eine erhöhte Einsatzbereitschaft und internationale Erfolge gekennzeichnet. Der facettenreiche Breitensport wird v.a. durch Fitness, Geselligkeit und den körperlichen Ausgleich charakterisiert. Ergänzend dazu gibt es heute Extrem-, Fun- und Trendsport. In diesen sportlichen Bereichen stehen Erlebnis, Unterhaltung und Spaß im Vordergrund. Bezugnehmend auf die Vielfältigkeit und den Charakter des Sports sollten auch die Bereiche Berufs- und Behindertensport für Menschen mit Handicap nicht aus dem Blickfeld geraten. Auch diese gehören zum Portfolio des modernen Sportsystems.

Ganz gleich ob aktives Sporttreiben oder passiver Sportkonsum z.B. in Form der Zuschauer bei Wettkämpfen, hat Sport Auswirkungen auf nahezu alle Bereiche gesellschaftlichen Lebens.[10] Er gilt weit verbreitet als sinnvolle Freizeitgestaltung und Teil des gesundheitsbewussten Lebens und hat innerhalb seiner gesundheitsfördernden Rolle signifikante Effekte auf den Menschen zur Folge.[11] Die umfangreichen positiven Auswirkungen sind u.a. an den im Zeitverlauf kontinuierlich gestiegenen Zahlen aktiver Sporttreibender dokumentiert. Waren es in den 50er Jahren noch nicht einmal ein Viertel der Deutschen, die sich gelegentlich oder regelmäßig der körperlichen Aktivität widmeten, so konnten sich Anfang der 80er Jahre schon die Hälfte der Bevölkerung dafür begeistern (vgl. Hackforth, 1984, S.8). Ende der 90er Jahre waren es laut Brandmeier und Schimany (1998, S.27) schon mehr als ein Drittel unregelmäßig und regelmäßig Sporttreibende und heute ist Sport ein gesellschaftliches Massenphänomen, wovon ca. 27,5 Mio. Deutsche als Mitglieder einem der rund 91.000 Sportvereine angehören[12]. Neben der steigenden aktiven Begeisterung für den Sport ist auch das passive Sportinteresse stetig angewachsen. Gemessen an der Sportbegeisterung für Sportgroßveranstaltungen wie der Tour de France, der Fußball-WM oder den Olympischen Spielen liegt deren Bekanntheitsgrad laut Hermanns & Riedmüller (2001, S.6f) bei nahezu 100 Prozent.

Sport ist ein kulturelles Gut und fördert neben der Wertevermittlung auch das Prestige des Landes und hat somit eine weitere wichtige gesellschaftspolitische Bedeutung. In Deutschland ist der Sport tief verwurzelt und erfährt neben Anerkennung staatlicherseits auch eine enorme öffentliche Medienpräsenz. Die große Bedeutung des Sports wird auch bei den vielen internationalen Sportgroßveranstaltungen deutlich, für die sich Deutschland als hervorragender Stand- und Austragungsort weltweit etabliert hat. Darüber hinaus verleihen die vielen für Deutschland bei globalen Wettkämpfen startenden Sportler dem Sport und seinem Stellenwert in der BRD enorme Relevanz.

Abschließend bleibt zur Bedeutung des Sports in Deutschland festzuhalten, dass sich lediglich die Ausprägungs-, Optimierungs-, und Rahmenbedingungen im Laufe der Zeit verändert haben. Die Grundbedeutung für den Menschen ist jedoch von jeher gleich geblieben. Sport ist ein wichtiges Lebenselement, das u.a. hilft bestimmte Entwicklungstendenzen zu kompensieren (z.B. demografische).

2.1.2 Bedeutung des Sports in Europa

Mit der Benennung des Jahres 2004 zum „Europäischen Jahr der Erziehung durch Sport" (EJES) wird die Relevanz der Thematik für Europa deutlich. Damit wurde ein klares Zeichen seitens der Europäischen Union gesetzt. Die EU ist damit nicht nur ein aktiver Mitspieler im Sportsystem, sondern Richtungsweiser, Unterstützer und Förderer des Sports. Die EU würdigt durch das Bekenntnis zum Sport dessen Potential in sozialer, gesundheitlicher und erzieherischer Richtung.

Sport ist für eine Vielzahl der Europäer neben Fernsehen und Internet eine der beliebtesten Freizeitaktivitäten[13]. Die EU erkennt die federführende Rolle des Sports in der Gesundheitsvorsorge an und ist sich der Wichtigkeit dieser Thematik bewusst, besonders in Bezug auf die Entwicklung von Heranwachsenden, der Prävention von Krankheiten oder altersbedingten Begleiterscheinungen. Ein guter Gesundheitszustand ist unschätzbar wichtig und wird laut der Eurobarometer-Umfrage von 80 Prozent der Europäer als positive Auswirkung auf den Sport zurückgeführt[14].

Durch die Mitfinanzierung diverser regionaler, nationaler und europaweiter Projekte, v.a. in den Bereichen Wissenschaft und Bildung fördert die EU den Sport in seinem Bestehen und Weiterentwickeln. Außerdem werden durch diese konkreten Maßnahmen Plattformen zum Informationsaustausch geschaffen und verschiedene Langzeitziele[15] verfolgt. Die EU liefert außerdem durch die Projekte einen wichtigen Beitrag zum Gedanken- und Erfahrungsaustausch in Sachen Sport und Bildung. Weiterhin unterstützt sie die Arbeit verschiedener Institutionen und schafft durch Verträge und Abkommen, wie z.B. den Vertrag von Lissabon (s. Kapitel 4.6.1), wichtige Voraussetzungen und Grundlagen für den Sport in Europa.

Auch auf europäischer Ebene ist der Sport ein wichtiger Industrie- und Wirtschaftszweig. Dieser hat nicht nur Arbeitsplätze geschaffen, sondern bspw. durch den Bau neuer Sportstätten auch entscheidend zur infrastrukturellen Entwicklung der einzelnen Länder beigetragen. Der dazugehörige Markt wird bestimmt durch den Verkauf von Produkten, Merchandisingartikeln und Dienstleistungen rund um den Sport, durch Sponsoringgelder, den Verkauf von Sende- und Übertragungsrechten sowie durch Werbeeinnahmen. Die Hauptakteure auf diesem Spielfeld sind v.a. die öffentlichen und privaten Radio-, TV- Sender und Medienanstalten, die zahlreichen Profit-Organisationen wie Sportartikelhersteller sowie Sponsoren, private Mäzene und natürlich die EU selbst. Eine Aufgabe der EU ist im Rahmen einer Hörfunk- und Fernseh-Politik das Schaffen rechtlicher Rahmenbedingungen, die Kontrolle und wenn nötig Mithilfe im audiovisuellen Bereich. Es gibt keine gesonderten Zuständigkeiten seitens der EU. Es werden lediglich Richtlinien und Hilfen geschaffen um bspw. den freien Wettbewerb und den Verkauf von Senderechten zu koordinieren.

Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass der Sport sowohl in Deutschland als auch in Europa einen essentiellen und signifikanten Stellenwert besitzt. Er hat enormen gesellschaftspolitischen Wert, Auswirkungen auf sämtliche Bereiche öffentlichen und privaten Lebens und fördert neben wirtschaftlichen und sozialen Belangen v.a. die Gesundheit. Außerdem engagiert sich der Sport im Bereich Bildung und in sämtlichen weiteren Teilbereichen rund um die Nachwuchsarbeit und Erziehung, sei es in Form der Förderung des Schulsports oder innerhalb zahlreicher anderer Projekte. Sport ist eine Plattform der Begegnung unterschiedlichster Menschen und schafft Möglichkeiten für Kommunikation, den Austausch von Informationen, Erfahrungen, Ideen und Gedanken. Er vermittelt Werte und dient als soziales, wirtschaftliches und politisches Netzwerk. Dabei versucht er stets neutral und im Wohle der Allgemeinheit zu handeln. Sport ist ein wichtiger Förderer, Unterstützer und Wegweiser in Bezug auf soziale, gesellschaftliche und individuelle Belange. Sowohl in Deutschland als auch Europa ist er präventiv in den Bereichen der Bekämpfung von Gewalt, Rechtsextremismus, Diskriminierung und Doping wirksam und leistet somit einen entscheidenden Beitrag zum menschlichen Zusammenleben und der multikulturellen Verständigung.

2.2 Sport und Staat - Drei Grundpfeiler

Öffentliche Sportgroßereignisse wie die Olympischen Spiele, machen oft erst deutlich, in welchem Verhältnis Sport und Staat zueinander stehen. Beide kennzeichnet nicht nur ein besonderes Beziehungsgeflecht, sondern vielmehr gehören sie zusammen und arbeiten auf verschiedenen Ebenen eng miteinander. Das erfolgt nicht immer ganz konfliktfrei, aber in Deutschland stets drei wesentlichen Grundsätzen folgend:

- Autonomie
- Subsidiarität
- Partnerschaftlichkeit

2.2.1 Autonomie

Der erste Grundsatz, das Prinzip der Autonomie des Sports, sichert den Sportvereinen (SV) und Institutionen eine freie Entfaltung sowie unabhängige Handlungsweise zu. Daraus ergibt sich nicht nur eine Selbstverwaltung der einzelnen sportlichen Organisationen in Deutschland, sondern auch eine selbstständiges und gemäß ihren Mitgliedern freies Handeln ohne staatliche Beeinflussung. Zur Autonomie, das wohl oberstes Gebot des deutschen Sports, finden sich einige Verweise bei Nolte (2004, S.4). Dieser charakterisiert das spezielle Verhältnis von Sport und Staat als wichtigen Teilaspekt im Verhältnis von Staat und Gesellschaft. Sport ist demnach ein Teil des gesellschaftlichen Bereichs, in dem Menschen allein, in freien Gruppierungen oder in Vereinen und Verbänden freiverantwortlich tätig sind. Sport zählt zum Betätigungsfeld innerhalb des Gemeinwesens, welches umgeben ist von „den bürgerlichen Freiheitsrechten der Verfassung". Darin finden Selbstbestimmung und Selbstentfaltung stattfinden. Explizit wird damit gesagt, dass das Grundgesetz den staatsrechtlichen Rahmen für den Sport vorgibt. Seinen eigenen formt er durch seine Statuten, Regel- und Vertragswerke.

2.2.2 Subsidiarität

Der zweite Grundsatz, die Subsidiarität, bezeichnet die Hilfe leistende Rolle des Staates im Verhältnis Sport und Staat, d.h. dieser greift erst ein oder unterstützt, wenn das eigenverantwortliche Handeln des Sports ausgeschöpft ist und dessen Kräfte und Mittel nicht mehr ausreichen, um seine Aufgaben zu erfüllen. Subsidiarität ist demnach mehr Hilfe zur Selbsthilfe und steht für ein Ordnungsprinzip, das nur unter bestimmten Bedingungen zum Tragen kommt. Dies ist von Vorteil, da die autonome Rolle des Sports dadurch verstärkt wird. Der Staat oder seine Behörden werden gezwungen, sich in der Organisation sportlicher Tätigkeiten zurückzuhalten und nur in dem Maße tätig zu werden, wie es erforderlich ist.

2.2.3 Partnerschaftlichkeit

Der dritte Grundsatz, die Partnerschaftlichkeit, ist Grundlage für die einträchtige Zusammenarbeit von Sport und Staat auf allen Ebenen. Zwar agieren beide autonom innerhalb ihrer Bereiche, arbeiten aber eng aufeinander zu. Zum Ausdruck kommt diese Verknüpfung und überwiegend eng abgestimmte Zusammenarbeit z.B. in der zwischen DOSB und BMI geschlossenen Zielvereinbarung zur Spitzensportförderung.

Die Symbiose Sport und Staat ist überwiegend geprägt von umfangreichen finanziellen Debatten um Fördergelder für die Entwicklung und den Erhalt des Sports, den Sportstättenbau oder dem Kampf gegen Doping. Dabei wird aber stets an den drei vorweg genannten Leitprinzipien festgehalten. Deutlich zeigt sich eine Verbindung zum Sport auf staatlicher Ebene in den unterschiedlichen Programmen der einzelnen Parteien sowie in den Verfassungen der einzelnen Bundesländer.

2.2.4 Organisation des Sports in Deutschland

Die Organisation des Sports in Deutschland gestaltet sich sehr vielschichtig, da der Sport in den unterschiedlichsten Formen und Zusammenhängen vorkommt. Er kann vollkommen frei und losgelöst von jeglichen Institutionen ausgeübt werden oder eingebunden sein in staatliche (Hoch-/Schulen, Bundeswehr) oder berufliche Institutionen (z.B. Betriebssport) oder privatwirtschaftliche Dienstleistungsunternehmen (z.B. Fitness-Studios). Die wohl häufigste Form der Ausübung in Deutschland findet im Verein bzw. sog. „Non-Profit"- Organisationen statt. Im Wesentlichen lässt sich die Sportstruktur in die zwei grundlegenden Bereiche der Sportselbstverwaltung (SSV) mit Verbänden und Vereinen und der öffentlichen Sportverwaltung (öSV) durch Bund, Länder und Kommunen unterteilen. Es kann von staatlichen und nicht-staatlichen Strukturen gesprochen werden. Neben diesen beiden haben sich aufgrund der Veränderungen des Sportmarktes und der zunehmenden Kommerzialisierung des Sports zahlreiche weitere Organisationsformen herausgebildet. Diese und die traditionellen Formen werden im nachfolgenden Kapitel näher erklärt. Abb. 1 stellt die Zusammenhänge schematisch dar und erleichtert es, den Ausführungen folgen zu können.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1: Das deutsche Sportsystem (eigene Darstellung)

2.3 Die Sportselbstverwaltung - Der DOSB

Der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) wurde am 20. Mai 2006 gegründet und ist aus dem Zusammenschluss des DSB und des NOK entstanden. Als „regierungsunabhängige Dachorganisation des organisierten Sports in Deutschland"[16] vertritt er eine Vielzahl von Mitgliedsorganisationen. Exemplarisch sind hier die 91.000 Turn- und Sportvereine zu nennen, denen ca. 30 Prozent der gesamten Bevölkerung als Mitglieder angehören. Damit bildet der DOSB die zahlenmäßig größte Organisation des Landes und auch den Kern bzw. die Basis der SSV. Zu seinen Aufgaben zählen die Förderung und Koordination des Sports und sämtliche dazugehörige Maßnahmen. Er engagiert sich im Spitzen- genauso wie im Breitensport. Außerdem unterstützt er durch diverse nationale und regionale Kampagnen und Aktionen den Schulsport und setzt sich für Konzepte zur Integration, Gewalt- und Drogenprävention oder auch für den Umwelt- und Klimaschutz ein. Darüber hinaus stellt der DOSB eine Art Dienstleister für alle seine Mitglieder dar und ist gemeinschaftlicher (Interessen-) Vertreter des Sports auf gesellschaftlicher, politischer und natürlich internationaler Ebene. Seine enge partnerschaftliche Zusammenarbeit mit dem Staat (Bundesregierung, Bundestag, Parteien etc.) und seinen Mitgliedern bildet eine Schnittstelle zwischen SSV und öSV. Er vertritt das IOC in seiner Rolle als nationales olympisches Komitee. Die zwei wichtigsten Organe des DOSB sind die Mitgliederversammlung als oberstes Beschlussorgan und das Präsidium bestehend aus mind. 10 Mitgliedern[17]. Der DOSB gliedert sich in ein Direktorium mit verschiedenen Geschäftsbereichen (z.B. Leistungssport, Finanzen,...), in zwei Präsidialausschüsse, diverse Beiräte und Vollversammlungen.

Die Mitglieder des DOSB wie Vereine, Fachverbände und andere Organisationen werden in den nachfolgenden Abschnitten (2.3.1 ff) kurz skizziert. Im Anschluss daran finden sich die nicht direkt zum DOSB gehörenden, aber nah mit ihm zusammenarbeitenden Organisationen der Sportselbstverwaltung.

2.3.1 Die Sportvereine

Den größten Mitgliederanteil bilden die Sportvereine (SV). Die einzelnen Vereine unterscheiden sich anhand der regionalen Lage, der Art der angebotenen Sportarten sowie innerhalb ihrer spezifischen Organisationsstruktur. Es gibt Vereine mit und ohne hauptamtliche Geschäftsführung, was den Einsatz ehrenamtlicher Helfer unerlässlich macht.[18] Die zahlreichen Turn- und Sportvereine sind nicht nur Träger der deutschen Sportbewegung, sondern schaffen außerdem die Voraussetzungen, um unter optimalen Bedingungen Sport zu treiben. Der heutige Leistungssport wäre ohne die Vereine kaum denkbar.[19] Die Vereinslandschaft ist nicht nur auffallend groß, sondern auch vielfältig und folgt dem dualen System des deutschen Sports.[20] Es gibt eine Vielzahl von Vereinstypen, vom kleinen Einspartenverein bis hin zum mehrere tausend Mitglieder starken Mehrspartenverein.[21] Den größten deutschen SV bildet mit über 150.000 Mitgliedern der FC Bayern München.[22] Die Durchschnittsgröße eines deutschen SV beträgt 260 Mitglieder. Im Vergleich zu anderen europäischen Ländern ist dies verhältnismäßig viel.[23]

2.3.2 Olympische und nichtolympische Sportorganisationen

Neben den Vereinen gehören noch weitere Sportorganisationen dem DOSB an. So gibt es für jede Sportart eigene Spitzenverbände. Untergliedert in 34 olympische[24] und 27 nichtolympische Spitzenverbände sind sie sowohl auf Bundes- als auch auf Landesebene organisiert. Sie sind u.a. zuständig für alle fachspezifischen Belange, die Förderung der Spitzenkader, die Athletenauswahl für nationale und internationale Meisterschaften sowie die Regelung des Wettkampfverkehrs. Außerdem engagieren sie sich auf sportlicher Ebene für die Aus- und Weiterbildung von Trainern und Übungsleitern. Sie bilden die nationale und internationale Interessenvertretung der jeweiligen Sportart. Der weltweit bekannteste Treff der olympischen Verbände sind die Olympischen Spiele. Viele nichtolympische Sportarten messen sich hingegen auf den Worldgames.

2.3.3 Landessportbünde

Die Landessportbünde stellen die überfachliche Vertretung für das jeweilige Bundesland dar. Sie untergliedern sich noch einmal in Bezirks-, Kreis und/oder Stadtsportbünde. Sie arbeiten stellvertretend für die ihnen angehörenden Mitglieder, wie Landesfachverbände und SV. Außerdem sind sie wie der DOSB und die Spitzenverbände für die Interessenwahrung, Förderung und Koordination des Sports zuständig.

2.3.4 Verbände mit besonderer Aufgabenstellung

Als weitere DOSB-Mitglieder sind die Verbände mit besonderer Aufgabenstellung (VmbA) zu nennen.[25] Die VmbA vertreten ca. 1,5 Mio. MG und nehmen eine besondere Rolle innerhalb des DOSB ein. Sie sind eine Art „ganzheitliche" Sportbewegung, d.h. sie agieren unabhängig von sportlicher Tätigkeit oder Wettkampf. „Schwerpunkte [ihrer Arbeit] liegen im Bereich Wertevermittlung, Bildung, Wissenschaft und Gesundheit im und durch Sport. Die VmbA decken die gesamte Breite des organisierten Sports ab [...] und besitzen Kompetenzen, die im DOSB und darüber hinaus Anregungen und Impulse für eine nachhaltige und zukunftsweisende Sportentwicklung geben" (vgl. DOSB, S.4). Zusätzlich bilden sie neben den LSB und den Spitzenverbänden „die dritte Säule innerhalb des DOSB [...] und zeichnen sich durch ihre vielfältigen Tätigkeitsprofile und Traditionen aus" (vgl. DOSB, S.7).[26]

2.3.5 Weitere Mitglieder

Zum DOSB gehören 15 persönliche Mitglieder. Diese setzen sich aus bis zu zehn aktiven oder ehemaligen deutschen Spitzensportlern und Olympiateilnehmern der letzten beiden Olympischen Spiele sowie fünf weiteren Persönlichkeiten des deutschen Sports aus dem olympischen Bereich zusammen.[27] Komplettiert wird die Organisation des DOSB noch durch die zwei deutschen Mitglieder des IOC.[28]

2.3.6 DOSB nahe Organisationen

DOSB nahe Organisationen sind neben der Trainer- und Führungsakademie des DOSB und dem Deutschen Sport- und Olympiamuseum in Köln auch die Deutsche Olympische Akademie in Frankfurt am Main.[29] Sie sind wichtige Einrichtungen, die eng mit dem DOSB zusammenarbeiten und zur Selbstverwaltung des Sports beitragen.

Weiter gehören 19 Olympiastützpunkte (OSP) dazu. Sie sind Teil des nationalen Spitzensportkonzepts. Die OSP bilden den Mittelpunkt für die komplexe Rundumbetreuung der Kaderathleten auf Bundes- und Landesebene. Sie schaffen optimale Rahmenbedingungen auf höchstem Niveau inklusive einer komplexen sportmedizinischen, sozialen, physio- und psychotherapeutischen, trainings- und bewegungswissenschaftlichen Betreuung.

Eine weitere DOSB nahe Organisation ist die Deutsche Sportjugend (dsj). Als Jugendorganisation des DOSB führt und verwaltet sie sich selbst im Rahmen der Satzung des DOSB und entscheidet autonom über die Verwendung ihr zufließender Mittel. Ihr Aufgabenschwerpunkt ist die Interessenvertretung der Jugend.

Eine enge Zusammenarbeit mit dem DOSB pflegen die Stiftung Deutsche Sporthilfe (DSH) und ihre wirtschaftliche Vermarktungstochter, die Deutsche Sportmarketing GmbH (DSM). Hauptaufgabe der DSM ist die nationale Olympiavermarktung. Alle erzielten Gewinne der DSM kommen dem Sport und der Entwicklung der Spitzenathleten zugute. Parallel dazu fördert die DSH ausschließlich mittels Spenden und Erlösen Spitzensportler und/oder junge Sporttalente. Es wird zwischen Regel- bzw. Grundförderung (zum Lebensunterhalt / Erhalt des Leistungsniveaus), Prämien und Eliteförderung (Top-Athleten mit Medaillenperspektive und herausragenden Leistungen) unterschieden. Seit der Gründung wurden bisher ca. 40.000 Athleten finanziell unterstützt, aktuell sind es ca. 3.800. Diese Art der Förderung ist oft nicht ausreichend, so dass andere Maßnahmen aus dem „umfangreichen Service- und Dienstleistungspaket“[30] der DSH die finanziellen Ressourcen aufstocken sollen.

Zur Sportselbstverwaltung und DOSB nah agierend gehören das Institut für Angewandte Trainingswissenschaft (IAT) und das Institut für Forschung und Entwicklung von Sportgeräten (FES). Beide gehören zu einem Trägerverein. Am IAT beschäftigt man sich wissenschaftlich, sehr komplex und v.a. Athleten nah in den Bereichen der Sport- und Trainingsanalyse. Das FES arbeitet wie das IAT sportartspezifisch und interdisziplinär, aber überwiegend ingenieurwissenschaftlich in der Forschung und technischen (Weiter-) Entwicklung von Sportgeräten. Beide Einrichtungen werden vom Bund finanziert und in ihrer Forschungsarbeit gefördert.[31]

2.4 Die öffentliche Sportverwaltung

Die öffentliche Sportverwaltung (öSV) wird getragen vom Bund, den Ländern und den Kommunen. Die Zusammenarbeit der drei Ebenen kennzeichnet das Festhalten an den eingangs erwähnten Grundprinzipien, Autonomie, Subsidiarität und Partnerschaftlichkeit. Sport ist in Deutschland überwiegend Ländersache. Das wird v.a. daran deutlich, dass, außer in Hamburg, Sport als Staatsziel in der Landesverfassung der Bundesländer verankert ist (vgl. Haring, 2010, S.57 & Dreher, 2005).[32] Exemplarisch, weil besonders vielfältig und präzise, sind die Aussagen im Verfassungstext des Landes Sachsen. Gemäß Art. 11 Abs. 1 fördert das Land die sportliche Betätigung und den Austausch auf diesem Gebiet. Abs. 2 regelt die Teilnahme am Sport und den rechtlichen Anspruch daran. So ist die Teilnahme dem gesamten Volk zu ermöglichen. Die Sportförderung wird damit zu einer zentralen gesellschaftspolitischen Aufgabe im Freistaat Sachsen. Wenn gleich diese als freiwillige Aufgabe verstanden wird, lässt sich aus dem zweiten Satz auch die Pflicht, öffentlich zugängliche Sportstätten im Rahmen verfügbarer Ressourcen zu erhalten, ableiten (vgl. Nolte, M., 2004, S.73). Neben den Ländern, betätigt sich der Bund seit Beginn der 50er Jahre in zunehmendem Umfang als Sportförderer (vgl. Gieseler, 1991, in: DSB, S.329ff).

2.4.1 Die Bundesebene

Auf Bundesebene ist das Bundesministerium des Innern (BMI) die führende Instanz in Sachen Sport. Sie koordiniert sämtliche den Sport betreffende Angelegenheiten und bestimmt über die Verteilung der Fördergelder. Das BMI steht in enger Zusammenarbeit mit der untergeordneten rechtsfähigen Anstalt, dem Bundesinstitut für Sportwissenschaft (BISp).

Das BISp koordiniert und fördert so sportwissenschaftliche Aktivitäten und betätigt sich in der wissenschaftlichen Zweckforschung. Neben diesen beiden beschäftigen sich weitere staatliche Einrichtungen bzw. Ministerien in Teilzuständigkeiten mit dem Sport (vgl. Abb.).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 2: Am Sport beteiligte Ministerien / Ressorts 2009 (eigene Darstellung)

Das BMI bildet die Schnittstelle der einzelnen Ressorts. Wenngleich ein überwiegender Teil der Zuständigkeiten der beteiligten Ressorts bundeszentral ist und überwiegend Maßnahmen im Leistungssport umfasst, gibt es auch die internationale Sportförderung z.B. „im Rahmen auswärtiger Kultur- und Bildungspolitik" und die Sportförderung „im Rahmen der Entwicklungshilfe".[33] Eine detaillierte Aufschlüsslung der an der Sportförderung beteiligten Ressorts und deren genaue Förderzuständigkeiten findet sich in Kapitel 3.2.1.

Ebenfalls auf Bundesebene an der öSV beteiligt sind der Deutsche Bundestag und der durch ihn geschaffene Sportausschuss. Dieser verfügt derzeit über 18 Mitglieder.[34] Der Bundespräsident hat eher repräsentative Funktionen im Sport und spielt in der öSV eine untergeordnete Rolle.

2.4.2 Landesebene

Strukturell gliedert sich die Landesebene in die Landtage und Landesregierungen mit ihren dazugehörigen Vertretern, den Sport- und Kultusministern der einzelnen Länder. Diese finden sich in Konferenzen landesintern (Landessportkonferenz) oder länderübergreifend und in Kommissionen („Kommission Sport") zusammen. Auf diese Art sind sie bis hin zur Vereinsebene für die öSV verantwortlich. Eine wichtige Schnittstelle zwischen Bund und Ländern bildet die seit 1977 bestehende Sportministerkonferenz (SMK). Sie ist hauptsächlich für die überregionalen Sportbelange sowie die Koordinierung der Sportförderung der einzelnen Länder zuständig. Die SMK arbeitet eng und in Absprache mit dem BMI, dem Bundesrat und der Kultusministerkonferenz der Länder (KMK) zusammen. Sie pflegt die Beziehungen mit dem DOSB und seinen Mitgliedern, wie z.B. den Landessportbünden. Nach Bedarf werden externe Sachverständige hinzugezogen. Die SMK vereint die für Sport verantwortlichen Minister(innen) der Länder und trägt zur gemeinsamen Meinungsbildung und Interessenwahrung in Sachen Sport bei. Welchem Ministerium der Sport obliegt, variiert von Bundesland zu Bundesland (vgl. Tab.2, Kapitel 3.2.2).

Die vordergründige Zuständigkeit der Länder ist die Organisation des Wettkampf-, Breiten, Schul- und Hochschulsports. Es wird eine Art Bindeglied zwischen Schule, Elternhaus und Verein geschaffen. Die Aufgaben der Länder liegen v.a. im Sportstättenbau, der Hilfe bei Vereinsgründungen und anderen subsidiären Förderungen abseits vom Spitzensportbereich. Die zentrale Aufgabe der Länder in der Sportpolitik ist aber nach wie vor die Bildung (siehe Förderung Schul- und Hochschulsport). In diesem Tätigkeitsfeld agieren sie weitgehend unabhängig vom Bund.

2.4.3 Kommunale Ebene

Die dritte Ebene der öSV bilden die Kommunen. Innerhalb dieser Ebene gibt es drei Spitzenverbände. Das sind der Deutsche Landkreistag, dem nach umfangreichen Reformen derzeit 301 Landkreise angehören, der Deutsche Städte- und Gemeindebund und der Deutsche Städtetag. Letzterer ist mit 4300 dazugehörigen Städten und Gemeinden zugleich der größte Verband.

Ein Großteil ihrer sportpolitischen Maßnahmen erhalten die Kommunen von den Ländern. Danckert (2009, S.94) sagt dazu „Die Kommunen in den Mittelpunkt der Sportförderung zu rücken, ist verwaltungstechnisch wie ökonomisch sinnvoll, denn das Hauptinstrument der Förderung der Sportinfrastruktur kann unmittelbar vor Ort besser und bedarfsgerechter beurteilt und umgesetzt werden als in der Landeshauptstadt". Innerhalb der Regierungsbezirke oder Landkreise gibt es Sportreferenten, welche als Vertreter des Sports und dessen Maßnahmen als kommunale Amtshilfe dienen. Die Aufgaben des kommunalen Sports wie der Bau und Unterhalt von Sportstätten, die den Vereinen zur Verfügung gestellt werden, die Durchführung von Sportveranstaltungen und z.B. die rechtliche Beratung der Sportvereine wären ohne diese nicht möglich. Als Orientierung dienen der kommunalen Sportverwaltung die jeweiligen Sportförderrichtlinien. Diese und die daraus resultierenden Maßnahmen werden von den Kommunen selbst festgelegt.

3 Sportförderung

Bereits im vorherigen Kapitel wurden die drei entscheidenden Grundprinzipien des deutschen Sports, Autonomie, Subsidiarität und Partnerschaftlichkeit beschrieben. Die Sportförderung erfolgt hauptsächlich nach dem Subsidiaritätsprinzip. Der Staat setzt seine Fördermittel erst dann ein, wenn die eigenen Finanzierungsmöglichkeiten des Sports aufgebraucht sind. Dadurch soll die autonome Rolle des Sports gewahrt und gestärkt werden.

Neben den Grundprinzipien unterliegt die Sportförderung der zuvor beschriebenen Zweiteilung in öSV und SSV. Die föderale Struktur Deutschlands hat einen entscheidenden Einfluss auf die genaue Zusammensetzung und den Umfang der Sportsubventionierung. So variieren nicht nur die Art und Höhe der Förderung je nach Bundesland, sondern es gibt auch erhebliche Verfahrensunterschiede innerhalb der einzelnen Verwaltungsebenen. Es sind analog dazu Abweichungen in den Förderpraktiken der einzelnen Sportverbände innerhalb der Länder erkennbar. Was genau Sportförderung ist, wie sie sich konkret zusammensetzt und wie sie im Einzelnen organisiert ist, wird im nachfolgenden Kapitel näher erklärt.

3.1 Formen der Sportförderung

Sportförderung kann auf verschiedene Arten erfolgen. Grundsätzlich ist zwischen der öffentlichen und der privaten Förderung zu unterscheiden. Alle weiteren sich im Speziellen daraus ergebenden Formen werden nachfolgend konkretisiert.

3.1.1 Staatliche vs. private Förderung

Unter staatlicher Sportförderung werden in der Literatur meist sämtliche Formen der öffentlichen Zuwendungen bezeichnet. Staatlich steht dabei oftmals als Synonym für öffentlich, allerdings kann sich dies auf Fördermittel vom Bund, den 16 Ländern oder den zahlreichen Gemeinden beziehen.[35] Was genau ist nun aber öffentlich? Öffentliche Förderung ist nicht nur allgemein zugänglich und deutlich sichtbar als Resultat aus Investitionen, wie etwa einer neuen Sportstätte. Sie ist auch offiziell nachvollziehbar, z.B. im alle vier Jahre erscheinenden Sportbericht der Bundesregierung oder der Veröffentlichung der Haushaltsberichte im Amtsblatt von Städten und Gemeinden. Im Gegensatz dazu bleibt die Höhe privater Zuwendungen meist im Sinne der großzügigen, oftmals anonymen Mäzene geheim. Die Bereitstellung der monetären und nichtmonetären öffentlichen Mittel erfolgt durch eine Behörde, ein Amt oder eine andere öffentliche Instanz, meist einhergehend mit einem vorherigen Beschluss oder einer langen Debatte über die Art und Zuteilung der Mittel. Die Debatten und Beschlüsse werden durch öffentliche Berichterstattung in den Medien oder Bekanntmachungen an entsprechender Stelle, z.B. exemplarisch die Homepage der begünstigten Einrichtung bzw. des Zuwendungsempfängers, öffentlich gemacht.

Die private Sportförderung ist alle durch die gewerbliche Wirtschaft oder privates Mäzenatentum bereitgestellten Mittel bzw. Gelder. Die Förderung erfolgt auf zwei Wegen, durch Ausgaben oder durch sog. Einnahmeverzicht. Einnahmeverzicht heißt, im Falle einer öffentlichen Sportförderung hat der Staat die Möglichkeit aufgrund der Gemeinnützigkeit der Vereine auf die Einnahme der Steuern zu verzichten. Allerdings nur unter der Bedingung, dass die Vereine das Allgemeinwohl fördern, ansonsten entfällt der Anspruch auf Gemeinnützigkeit. Unter Förderung durch Ausgaben, egal ob auf privater oder öffentlicher Ebene wird das Ausgeben von öffentlichen oder privaten Geldern für einen bestimmten Zweck bezeichnet. Dabei werden zwei Arten unterschieden: die direkten und indirekten Ausgaben bzw. direkte und indirekte Sportförderung. Welche Formen der Sportförderung es gibt, zeigt die Abb.2.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 3: Formen der Sportförderung (eigene Darstellung)

3.1.2 Direkte vs. indirekte Förderung

Unter direkter Förderung wird die Bereitstellung von finanziellen Mitteln bzw. Geldern verstanden. Indirekt bezeichnet das zur Verfügung stellen von nichtmonetären Fördermitteln, Gütern oder Ressourcen zur Nutzung von Sport. Als Beispiel für indirekte Förderung kann z.B. der Kauf von Sportgeräten oder etwa die Bereitstellung und das Zugänglichmachen von Sportstätten gesehen werden. Der Einnahmeverzicht von Steuern ist ebenfalls eine Form der indirekten Förderung.

3.1.3 Konsumtiv vs. investiv

Die Sportförderung kann von konsumtiver Art, d.h. für den Verbrauch bestimmt und auf ein Projekt oder eine Einrichtung (z.B. Olympiastützpunkt) bezogen sein. Investiv heißt, dass die Fördergelder zur produktiven Verwendung für bzw. als Investition in ein bestimmtes Projekt oder Vorhaben genutzt werden.

3.1.4 Institutionelle Förderung vs. Projekt- oder Maßnahmenförderung

Bei der subsidiären Hilfe, kann laut Tettinger (1987) in institutionelle Förderung und Projekt- oder Maßnahmenförderung unterschieden werden. Dies kommt besonders zum Tragen auf der Landesebene und bei der Förderung von Sportverbänden. Projekt- und Maßnahmenförderung bezeichnet die spezielle Mittelverwendung für ein Projekt oder eine Maßnahme.

Tettinger spricht von den Zuwendungen an die Sportorganisationen für allgemeine Zwecke des Breiten- und Wettkampfsports (inklusive Kosten der Verwaltung), die über den Landeshaushalt geleistet werden oder außerhalb der Haushalte unmittelbar und direkt als Zuwendungen aus den Sportwetten-Gesellschaften zufließen (vgl. Tettinger, 1987, S.24f). Die unmittelbaren Zuwendungen werden durch die Sportfördergesetze der Länder, genauer durch die für Staatslotterie- und Sportwetten gesteuert. Wenngleich Tettinger (1987) hauptsächlich von der Förderung von Sportorganisationen auf Landesebene spricht, sind die Formen doch auf die anderen Ebenen übertragbar.

3.2 Instanzen der öffentlichen Sportförderung und Förderinhalte

Den eigentlichen Hauptanteil der öffentlichen Sportförderung tragen entsprechend der Aufgabenverteilung und politischen Gliederung in Deutschland die Länder und Kommunen. 2001 wurden ca. 79 Prozent aller öffentlich getätigten Ausgaben von den Gemeinden erbracht.[36] Dieses Förderungsschema begründet sich in der verfassungsrechtlich für den Bund nicht vorgesehenen Kulturhoheit. Diese haben die Bundesländer. Daraus ergeben sich andere Förderinhalte bzw. Ziele in der Sportförderung für die einzelnen Ebenen als auf Bundesebene.

Die grundlegende Einteilung der fördernden Instanzen erfolgt der föderalen Struktur Deutschlands folgend in Bund, Länder und Gemeinden. Bei genauerem Hinsehen wird ersichtlich, dass die zuständigen Instanzen zumeist politische Einrichtungen sind und in Form von Ministerien, Ämtern und anderen politischen Institutionen auf den jeweiligen Ebenen agieren.

3.2.1 Instanzen auf Bundesebene

Zu den amtlichen Instanzen auf Bundesebene gehören verschiedene Ministerien, die im Nachfolgenden noch näher benannt werden. Die an der Sportförderung beteiligten Ministerien unterliegen, ebenso wie andere gesellschaftspolitische oder soziale Bereiche, hinreichenden Veränderungen. Aufgrund von Reformen oder Umstrukturierungen sind Ressorts aufgelöst worden, hinzugekommen, ineinander übergegangen oder umbenannt worden. Das Ministerium für innerdeutsche Beziehungen (BMfIB) etwa war bis 1989 für die Sportförderung im Rahmen der Sonderzuständigkeiten, d.h. der Pflege der innerdeutschen Beziehungen und dem Sportstättenbau im Zonenrandgebiet verantwortlich (vgl. Grübl, 1992, S.15). Weitere Beispiele, ausführliche Gründe für die Umstrukturierung und eine detaillierte Darstellung der Auswirkungen, die die Veränderungen der zuständigen Ressorts auf die Sportfördermittel haben, findet sich in Kapitel 7.3.1 Aktuell sind neun Regierungsbereiche mit unterschiedlichen Förderkompetenzen (s. Tabelle) an der Sportförderung ganz oder in Teilzuständigkeiten beteiligt.

Tab. 1: Für Sport zuständige Ministerien und ihre Förderkompetenzen

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

3.2.2 Instanzen auf Länderebene

Analog zum BMI finden sich auch auf Länderebene jeweils für den Sport zuständige Ministerien. Anders als auf Bundesebene variieren hier aber die Zuständigkeiten, d.h. es gibt keine „klassische Verbundenheit" zu einem bestimmten Ministerium. So ist der Sport in neun der 16 Bundesländer dem Innenministerium zugeordnet. Wiederum in fünf anderen gehört er zum Ministerium für Kultus- oder Bildung. In den verbleibenden zwei Bundesländern ist er dem Ministerium für Gesundheit und als absolute Ausnahme in Thüringen sogar dem Ministerium für Wirtschaft, Technologie und Arbeit zugehörig.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tab. 2: Ministerien mit sportbezogenen Aufgaben auf Länderebene

Generell bewegen sich die Zuständigkeiten der Länder v.a. im Bereich Breitensport und in der Bildungspolitik und da speziell in der Unterstützung des Schulsports. Exemplarisch ist hier der Wettbewerb „Jugend trainiert für Olympia" zu nennen. Des Weiteren unterstützen die Länder in Sachen Sportförderung durch Pauschalzuweisungen den jeweiligen Landessportbund, dazu zählen dann auch Personalkosten. Ein Großteil der Fördermittel entfällt auf den Sportstättenbau, darunter fallen auch laufende Kosten für die Bereitstellung neuer Sportgeräte. In Sachsen zum Beispiel wird die fördernde Instanz, das Staatsministerium für Kultus und Sport, von der Sächsischen Aufbaubank in ihrer Arbeit unterstützt.

[...]


[1] vgl. Video-Podcast entnommen von http://www.bundesregierung.de/Content/DE/Artikel/2010/07/2010- 07-17-podcast.html

[2] Motto der Feier zum 50-jährigen Jubiläum des DSB (2000)

[3] mit Gründung des DSB 1950 Schirmherr bis 1959

[4] In einer Sondersendung des Deutschlandfunk vom 02.12.2000 zum 50-jährigen Bestehen des DSB www.dradio.de/dlf/sendungen/langenacht_alt/001202.html

[5] Aus Gründen der Übersichtlichkeit muss auf eine umfangreiche Begriffsdefinition verzichtet werden. Diese Arbeit erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit und bezieht sich lediglich auf einige ausgewählte Definitionen.

[6] „Sport ist eine willentliche Selbstbewegung des menschlichen Körpers, die bedürfnisorientiert, freudebetont, körperzentriert, die Leistungsgrenzen verschiebend, von sportspezifischen Werten, Zielen, Normen und Sanktionen geleitet, mehr oder weniger am Leistungs- und Lustprinzip ausgerichtet, bewusst Schwierigkeiten schafft und deren Überwindung anstrebt“ (Voigt, 1992, S.144)

[7] Der DOSB legt damit die Bedingungen und Voraussetzungen fest, um als Mitglied aufgenommen zu werden.

[8] Weiß spricht in diesem Zusammenhang sogar von einer „sozialen Institution in der Kommunikation [...] stattfindet“ und mit Hilfe derer Grenzen überwunden werden. (vgl. Weiß,1999)

[9] knapp 10% der Vereinsmitglieder haben einen Migrationshintergrund, ausführliche Zahlen, (vgl. SEB 09/10, DSHS Köln)

[10] Dabei gehören „Aktive und Zuschauer [in ihrer passiven Rolle] gleichermaßen zum System des Sports“. (vgl. Bausinger, 2006)

[11] Sport trägt durch seine regelmäßige Ausübung zur Stressreduktion oder dem Aggressionsabbau und somit einer psychischen Gesundheit bei. Außerdem lassen sich durch sportliche Betätigung körperlichen Beschwerden wie Fettleibigkeit oder Osteoporose vorbeugen und einer Vielzahl von Krankheiten entgegenwirken.

[12] Zahlen entnommen aus www.dosb.de

[13] Sport wird von 38 Prozent der Europäer mind. einmal wöchentlich, von 15 Prozent sogar dreimal wöchentlich oder mehr ausgeübt. vgl. Eurobarometer Sonderumfrage 2003 (www.ec.europa.eu)

[14] Eurobarometer-Umfrage, im Auftrag der Europäischen Kommission in regelmäßigem Turnus stattfindende öffentliche Meinungsumfrage in den Ländern der EU.

[15] Langzeitziele: Wertevermittlung, Gesundheits- & Gewaltprävention, multikultureller Austausch, etc.

[16] www.fuehrungs-akademie.de/die-akademie/organigramm.html

[17] siehe auch www.dosb.de/de/organisation

[18] Mit 8,8 Mio.18 freiwillig und unentgeltlich tätigen Mitarbeitern sind sie die größte Quelle ehrenamtlichen Engagements in Deutschland. 1,85 Mio. davon arbeiten fest in Vereinen. weitere Zahlen (siehe www.dosb.de & SEB 09/10)

[19] in ca. 13.000 Vereinen trainieren Kaderathleten und bilden die Basis für den deutschen Hochleistungssport.

[20] d.h. dass eine Organisation sowohl seitens der Landessportbünde als auch der Fachverbände erfolgt.

[21] In Deutschland gibt es vier Vereinstypen, die nach der Größe unterschieden werden. kleine bis 100 MG (35 %), mittel bis 300 MG (34 %), mittelgroße zw. 300 - 1000 MG (25 %) und große Vereine über 1000 MG (6 %)

[22] genau: 162187 Mitglieder. (vgl. brandeins, Ausgabe 02/11, S.66ff)

[23] In den Nachbarländern, wie den Niederlanden oder Frankreich liegt diese bspw. bei 150 bzw. 75 Mitgliedern. In England sind es sogar nur 40 Mitglieder.

[24] Olympisch werden die Bundesfachverbände erst durch die Anerkennung einer ihrer Sportarten durch das IOC. Bsp. für OV: dsv (Deutscher Schwimm-Verband), DFB (Deutscher Fußball-Bund), DHB (Deutscher Handball-Bund). Zu den NOV gehören u.a. DLRG (Deutsche Lebens-Rettungs­Gesellschaft), DTV (Deutscher Tanzsportverband), DKV (Deutscher Karate-Verband).

[25] Bsp. für VmbA: DGSP (Deutsche Gesellschaft für Sportmedizin und Prävention), dvs (Deutsche Vereinigung für Sportwissenschaft), DOG (Deutsche Olympische Gesellschaft). Allgemein bekanntester VmbA ist der adh (Allgemeine Deutsche Hochschulsportverband).

[26] Imageprospekt des DOSB (Hrsg). Verbände mit besonderen Aufgaben

[27] Die aktiven Athleten werden auf Vorschlag der Vollversammlung bzw. des Beirats der Aktiven bestimmt. Alle 15 persönlichen MG werden jeweils für vier Jahre in ihr Amt von der Mitgliederversammlung des DOSB gewählt.

[28] Das IOC zählt insg. 143 MG, zu den 114 regulären gehören aus Deutschland: Thomas Bach (Präsident des DOSB & Vizepräsident des IOC) & Claudia Bokel (ehemalige Fechterin)

[29] Nachfolgeorganisation des Deutschen Olympischen Institut Berlin dem Kuratorium Olympische Akademie und Olympische Erziehung

[30] 75% der Einnahmen gehen an die Sportler, der Rest ist für Personal, Vermarktung, Steuern und andere Ausgaben. Dazu siehe auch 12. Sportbericht der Bundesregierung, 2010. S.48 ff

[31] 2011 unterstützt das BMI das IAT und FES mit 12,1 Mio. Euro. vgl. Pressemitteilung vom 29.10.2011

[32] Das erste Gesetz zur Sportförderung auf Landesebene gab es 1975 in Rheinland-Pfalz. (Haring, 2010, S.57)

[33] vgl. Sportberichte der Bundesregierung oder Einzelpläne des Bundeshaushaltsplanes des BMF

[34] vgl. http://www.bundestag.de/bundestag/ausschuesse17/a05/mitglieder.html

[35] Wenn im nachfolgenden von öffentlicher Sportförderung gesprochen wird, dann ist, falls nicht zusätzlich abgegrenzt, damit die Förderung des Sports seitens des Bundes gemeint.

[36] entnommen aus GWS Discussion Paper 2004/2, S.8

Ende der Leseprobe aus 105 Seiten

Details

Titel
Die chronologische Entwicklung der öffentlichen Sportförderung in der BRD
Untertitel
Ein qualitativer Vergleich der Sportfördermittel der letzten 30 Jahre
Hochschule
Universität Leipzig  (Institut für Sportpsychologie und Sportpädagogik)
Note
2,0
Autor
Jahr
2011
Seiten
105
Katalognummer
V174353
ISBN (eBook)
9783640947676
ISBN (Buch)
9783640947850
Dateigröße
2797 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Diplomarbeit im Studiengang: Sportwissenschaft mit Schwerpunkt / Fachrichtung: Sportmanagement
Schlagworte
Sport, Sportförderung, Sportmanagement, Sportmarketing, Sportfinanzierung, Vermarktung, öffentliche Sportförderung, Finanzierung im Sport, Vergleich, andere Sportnationen, Sportorganisation, BRD, Deutschland, Entwicklung, Sportfördermittel
Arbeit zitieren
Susanne Winkler (Autor), 2011, Die chronologische Entwicklung der öffentlichen Sportförderung in der BRD , München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/174353

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