Wenn es um generelle Lösungsansätze für die im Gesundheitssystem vermuteten Problemstellungen geht, wird vor allem der Terminus Case Management in aktuelle gesundheitspolitische Überlegungen immer wieder einbezogen.
Der Sachverständigenrat für die Begutachtung der Entwicklung im Gesundheitswesen beispielsweise hält Case Management für ein sehr wichtiges Zukunftsinstrument.
Dabei wird der Begriff Case Management inhaltlich keineswegs einheitlich ausgelegt.
Die unterschiedlichen praktischen Anforderungen an das Instrument Case Management im deutschen Gesundheitswesen scheinen mit den Vorgaben der Theorie kaum in Einklang gebracht werden zu können.
Um diesen Sachverhalt näher zu beleuchten, folgt die vorliegende Arbeit dem Case Management-Ansatz aus der Theorie in die Praxis.
Der Autor wählt dafür ein deduktives Vorgehen vom Allgemeinen zum Speziellen:
In einem theoretischen Teil wird zunächst generell auf das Konzept des Case Management-Modells eingegangen, bevor sich die Betrachtungsperspektive auf das Gesundheitswesen fokussiert.
Die in diesem Bereich an das Instrument Case Management gerichteten Zielvorstellungen und Erwartungen werden in der Folge ebenso vorgestellt wie wichtige Definitionsversuche und Systematisierungsschemata aus der Fachliteratur.
Im nächsten Schritt arbeitet der Autor die Besonderheiten und Rahmenbedingungen für den CM-Ansatz im Krankenhaussektor heraus.
Ein kurzer Überblick zum aktuellen Entwicklungsstand des klinischen Case Managements in Deutschland bildet dann die Brücke zur Beschreibung eines konkreten
Beispiels.
Die praktische Anwendbarkeit von Case Management wird an der Implementierung des Instrumentes am St. Anna Krankenhaus in Sulzbach-Rosenberg aufgezeigt.
Die Ausgangslage der Klinik, die Intention zur Einführung von Case Management, die Vorbereitungsphase und die konkrete Umsetzung werden dargestellt.
Eine erste Zwischenbilanz geht sowohl auf die positiven Wirkungen von CM als auch auf die Probleme bei der Anwendung ein. Außerdem werden Empfehlungen zur Weiterentwicklung des konkreten CM-Ansatzes gegeben.
Aus dem geschilderten Exempel heraus wird dann versucht, allgemeine Aussagen über Kongruenz bzw. Divergenz von Theorie und Praxis im Case Management zu treffen.
Die Arbeit schließt mit einer persönlichen Stellungnahme des Autors zum Potenzial und zur Zukunft des Case Managements in den deutschen Krankenhäusern.
Inhaltsverzeichnis
1 Zu Intention und Aufbau dieser Arbeit
2 Theoretische Grundlagen des Case Managements
2.1 Die historische Entwicklung
2.2 Grundlagen von CM im Gesundheitswesen
2.2.1 Übergeordnete Ziele
2.2.2 Definitionen
2.2.3 Case Management-Dimensionen
2.2.3.1 Gestaltungsebenen
2.2.3.2 Kernfunktionen
2.2.3.3 Phasen
2.2.3.4 Berufsmuster
2.2.4 Systematisierung vorhandener Modelle
2.2.5 Ziele des Case Management-Ansatzes
3 Case Management im Krankenhaus
3.1 Hemmende Faktoren
3.1.1 Das komplexe System
3.1.2 Die Expertenorganisation
3.1.3 Die ungeklärte Rolle von CM
3.2 Fördernde Faktoren
3.2.1 Die demografische Entwicklung
3.2.2 Gesundheitspolitische Intentionen
3.2.2.1 Gesetzliche Regelungen
3.2.2.2 Das G-DRG-System
3.3 Der aktuelle Stand an deutschen Kliniken
4 Case Management am St. Anna Krankenhaus
4.1 Die Ausgangslage
4.2 Beweggründe zur Einführung von CM
4.3 Die Vorbereitungsphase
4.3.1 Organisatorische Eingliederung
4.3.2 Das Case Management-Team
4.3.3 Der Auftaktworkshop
4.3.3.1 Die Vision
4.3.3.2 Die langfristigen Ziele
4.3.3.3 Der Zeitplan
4.3.4 Die Schulungsphase
4.3.5 Die Informationsveranstaltungen
4.3.6 Sonstige Vorbereitungen
4.4 Die Umsetzung
4.4.1 Tagesablauf und Dienstplanung
4.4.2 Die Integration in die Leistungsprozesse
4.4.3 Die CM-Dokumentation
4.4.4 Die Kontaktaufnahme mit den Kunden
4.5 Eine erste Zwischenbilanz
4.5.1 Finanzielle Ergebnisse
4.5.1.1 DRG-Kennzahlen
4.5.1.2 Rechnungsstellungen
4.5.1.3 MDK-Fallprüfungen
4.5.2 Der Behandlungsprozess
4.5.2.1 Das Aufnahmemanagement
4.5.2.2 Das Behandlungsmanagement
4.5.2.3 Das Entlassungsmanagement
4.5.3 Sonstige Entwicklungen
4.5.4 Probleme in der Umsetzung
4.6 Empfehlungen zum weiteren Vorgehen
5 Über Anspruch und Wirklichkeit im Case Management
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die Implementierung des Case Managements als operatives Steuerungsinstrument am Beispiel des St. Anna Krankenhauses in Sulzbach-Rosenberg, um die Diskrepanz zwischen theoretischen Anforderungen und praktischer Umsetzung im deutschen Krankenhauswesen aufzuzeigen und Lösungswege für ein effektives Management zu evaluieren.
- Grundlagen des Case Managements im Gesundheitswesen
- Herausforderungen und Rahmenbedingungen im Kliniksektor
- Praktische Implementierungsschritte und organisatorische Eingliederung
- Erfolgsmessung anhand finanzieller Kennzahlen und Prozessoptimierung
Auszug aus dem Buch
4.3.3.1 Die Vision
Das Ergebnis des Workshops war eine Grundvorstellung zum weiteren Vorgehen sowie ein gemeinsames Verständnis über das zukünftige Case Management des Unternehmens, das wie folgt formuliert wurde:
Das Case Management im St. Anna Krankenhaus soll Ansprechpartner für alle Kunden sein, eine selektive Betreuung einer bestimmten Patientengruppe nach Auswahlkriterien entspricht nicht der Philosophie der Klinik.
Der Behandlungsverlauf aller Patienten wird zukünftig durch CM unter den Aspekten der Qualität, der Wirtschaftlichkeit und der Patientenorientierung begleitet und gesteuert. Das Management der medizinischen Behandlungsprozesse hat alle diese Aspekte in gleicher Weise zu berücksichtigen. Vor- und nachstationäre Prozesse werden dabei integriert.
Die Interaktionsprozesse zwischen allen Beteiligten sind durch Case Management zu optimieren.
CM erhält neben den Kompetenzen zur Fallsteuerung deshalb auch Befugnisse zur Systemsteuerung. Das Wirkungsspektrum des Instrumentes wird damit um die Möglichkeit, Re-Engineering-Prozesse im Hinblick auf die Organisationsentwicklung zu initiieren, erweitert.
Case Management hat die zentralen Werte des Unternehmens hinsichtlich Unternehmensphilosophie und Leitbild zu berücksichtigen und zu transportieren.
In der Vision des Case Management-Konzeptes am St. Anna Krankenhaus wird Case Management als doppeltes Bindeglied dargestellt: Sowohl die Schnittstellen innerhalb der Organisation als auch die zur Unternehmensumgebung sollen durch CM gemanagt werden (s. Abbildung 2).
Zusammenfassung der Kapitel
1 Zu Intention und Aufbau dieser Arbeit: Einführung in die Problematik der Desintegration im Gesundheitswesen und Darlegung des deduktiven Vorgehens der Arbeit von der Theorie zur Praxis.
2 Theoretische Grundlagen des Case Managements: Erläuterung der historischen Entwicklung, Definitionen und zentraler Dimensionen des Case Managements im internationalen und deutschen Kontext.
3 Case Management im Krankenhaus: Analyse der spezifischen Hemmnisse und Förderfaktoren bei der Implementierung von Case Management in der komplexen Struktur von Expertenorganisationen wie Krankenhäusern.
4 Case Management am St. Anna Krankenhaus: Detaillierte Darstellung der praktischen Einführung, der Vorbereitung, der operativen Umsetzung sowie der erzielten Zwischenergebnisse und aufgetretenen Probleme an der Fallklinik.
5 Über Anspruch und Wirklichkeit im Case Management: Kritische Reflexion der Diskrepanz zwischen theoretischem Modellanspruch und den realen Anforderungen der klinischen Praxis.
Schlüsselwörter
Case Management, Krankenhausmanagement, G-DRG-System, Prozesssteuerung, Patientenorientierung, Fallmanagement, Systemmanagement, Klinikorganisation, Medizincontrolling, Behandlungsmanagement, Entlassungsmanagement, Qualitätssicherung, Wirtschaftlichkeit, Implementierung, Expertenorganisation.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Diplomarbeit befasst sich mit der theoretischen Konzeption und der praktischen Implementierung von klinischem Case Management als Steuerungsinstrument im Krankenhauswesen am Beispiel des St. Anna Krankenhauses in Sulzbach-Rosenberg.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Die Arbeit behandelt die systemtheoretischen Grundlagen, die Herausforderungen in Expertenorganisationen, die prozessorientierte Umgestaltung von Kliniken sowie die Auswirkungen des DRG-Systems auf die Patientenversorgung.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das primäre Ziel ist es, die Kongruenz bzw. Divergenz zwischen theoretischen Anforderungen an das Case Management und den tatsächlichen, komplexen praktischen Erfordernissen in einem deutschen Krankenhaus zu analysieren.
Welche wissenschaftliche Methode verwendet der Autor?
Der Autor wählt ein deduktives Vorgehen: Zuerst werden allgemeine theoretische Konzepte erarbeitet, um anschließend die praktische Implementierung und Anwendbarkeit an einem konkreten Fallbeispiel (St. Anna Krankenhaus) zu prüfen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden neben den theoretischen Dimensionen des Case Managements vor allem die konkrete Vorbereitungsphase, die organisatorische Eingliederung, die operative Umsetzung sowie die Evaluierung der Ergebnisse (finanziell und prozessual) beleuchtet.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich primär durch Begriffe wie Case Management, G-DRG-System, Prozesssteuerung, Patientenorientierung und Krankenhausmanagement charakterisieren.
Wie unterscheidet sich die Rolle des Case Managers im St. Anna Krankenhaus von traditionellen Pflegeaufgaben?
Im St. Anna Krankenhaus agiert der Case Manager nicht als rein pflegerische Unterstützung, sondern als abteilungsübergreifende Schnittstelle zwischen Medizin, Verwaltung und Kostenträgern mit Fokus auf Kodierqualität und Prozessoptimierung.
Warum ist das St. Anna Krankenhaus für diese Studie ein repräsentatives Beispiel?
Als Kommunalunternehmen in einer finanziell angespannten Lage dient das Haus als Musterbeispiel für die Notwendigkeit, durch Case Management ökonomische Effizienz und Prozessqualität in einer klassischen Expertenorganisation zu steigern.
Welche Rolle spielt die EDV bei der Implementierung im St. Anna Krankenhaus?
Die EDV ist zentral für die Dokumentation und das Monitoring; die Case Manager erhielten Sonderberechtigungen im Krankenhausinformationssystem (KIS), um den gesamten stationären Behandlungsprozess zu überblicken.
- Quote paper
- Roland Ganzmann (Author), 2009, Klinisches Case Management: , Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/174361