Die Arbeit rekonstruiert die Jugendzeit Domitians, die er im Schatten seines älteren Bruders Titus verbrachte und hinterfragt kritisch Thesen der aktuellen Forschung, die einen Kausalzusammenhang zwischen der Zurücksetzung Domitians in seiner Jugend und seiner Selbstverherrlichung und der Verfolgung Oppositioneller während seiner Regierungszeit (81-96 n. Chr.) herzustellen versuchen. Während die psychologische Deutung der Herrschaft Domitians insgesamt abgelehnt wird, wird allerdings in dieser Arbeit die in der modernen Forschung stark betriebene Rehabilitierung und das "Geraderücken" des allzu schlechten Domitianbildes untermauert.
Inhaltsverzeichnis
I. Einleitung
II. Hauptteil
1. Domitian und Titus vor und unter der Herrschaft Vespasians: Die Zurücksetzung
2. Domitians Umgang mit Titus nach dessen Tod
3. Der Chattenkrieg im Jahr 83 als Auswirkung der Zurücksetzung
4. Mögliche Auswirkungen der Zurücksetzung auf Herrschaftsstil und Charakter Domitians
III. Schlussbemerkungen
IV. Bibliographie
1. Quellenverzeichnis
2. Literaturverzeichnis
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht, inwiefern die Zurücksetzung Domitians durch seinen Vater Vespasian zugunsten seines Bruders Titus seine spätere Herrschaftsführung und seine Charakterdarstellung in der historischen Überlieferung beeinflusst hat. Die Arbeit hinterfragt, ob die negative Charakterisierung Domitians als Resultat psychologischer Folgen dieser Jugendzeit oder als Produkt einer späteren, politisch motivierten Diskreditierung zu werten ist.
- Analyse der frühen Machtstrukturen innerhalb der flavischen Dynastie
- Untersuchung der herrschaftslegitimierenden Funktion von Bauwerken wie dem Titusbogen
- Beurteilung des Chattenkrieges als innenpolitische Reaktion auf ein militärisches Erfahrungsdefizit
- Kritische Quellenbewertung des Bildes von Domitian in der senatorischen Geschichtsschreibung
Auszug aus dem Buch
1. Domitian und Titus vor und unter der Herrschaft Vespasians: Die Zurücksetzung
Neben dem beträchtlichen Altersunterschied von fast 12 Jahren fallen bei der Betrachtung des ungleichen Bruderpaares die unterschiedlichen Voraussetzungen auf, unter denen sie erzogen und ausgebildet wurden. Titus genoss eine Erziehung am Hofe des Kaisers Claudius, zusammen mit dessen Sohn Britannicus. Claudius gewährte Titus dieses Privileg als Anerkennung für Vespasians Verdienste im Britannienfeldzug 43/44. An diese hervorragende Erziehung kam die des Domitian nicht heran. Sueton mutmaßt, Domitians Kindheit und frühe Jugend habe in „entehrender Armut“ stattgefunden, was Malitz und Witschel mit finanziellen Problemen Vespasians und einem daraus resultierendem „Karriereknick“ unter Caligula und Nero erklärten. Allerdings zweifelte Jones Suetons Darstellung stark an: Domitian wurde demnach zwar nicht am Hof erzogen, allerdings vernachlässigte Vespasian keinesfalls die Erziehung Domitians. Für Jones gibt es klare Anzeichen dafür, dass Domitian ebenfalls eine gute Ausbildung erhielt, weil sogar die domitiankritisch eingestellten Geschichtsschreiber Tacitus und Sueton seine rhetorischen Fähigkeiten und seine Literaturkenntnisse konstatierten. Trotzdem zeigt sich schon in der Erziehung eine unterschiedliche Behandlung der Brüder zuungunsten Domitians.
Titus wurde auch in den folgenden Jahren von Vespasian gegenüber Domitian bevorzugt. So übertrug Vespasian ihm schon früh militärische Verantwortung: Nachdem Nero Vespasian 67 mit dem Kommando über den Krieg in Judäa betraute, überließ dieser Titus den Befehl über eine Legion, obwohl er bisher nur das Amt des Quästors innehatte, und ihm somit ein solcher Befehl noch gar nicht zugestanden hätte. Schon hier zeigt sich also die enge Bindung zwischen Titus und Vespasian, sodass Stahlmann folgerichtig konstatiert: „Die für den ältesten Sohn durchaus gebräuchliche Namensgleichheit mit dem Vater sollte sich in diesem Fall als Programm erweisen.“
Zusammenfassung der Kapitel
I. Einleitung: Einführung in die Problematik des negativen Domitian-Bildes und Darstellung der zentralen Forschungsfrage bezüglich der Zurücksetzung Domitians.
II. Hauptteil: Detaillierte Untersuchung der biografischen Ungleichbehandlung, der Münzpropaganda, der militärischen Motivation hinter dem Chattenkrieg sowie der psychologischen Debatte um Domitians Charakter.
III. Schlussbemerkungen: Zusammenfassende Bewertung, dass die Zurücksetzung zwar Domitians Herrschaftslegitimation prägte, die Zuschreibung spezifischer Charakterdefekte jedoch spekulativ bleibt.
IV. Bibliographie: Auflistung der verwendeten antiken Quellen sowie der modernen fachwissenschaftlichen Sekundärliteratur.
Schlüsselwörter
Domitian, Titus, Vespasian, Flavier, Zurücksetzung, Herrschaftslegitimation, Chattenkrieg, Sueton, Tacitus, virtus imperatoria, damnatio memoriae, Münzpropaganda, Titusbogen, Kaiserkult, Geschichtsschreibung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die Auswirkungen der frühen Zurücksetzung Domitians durch seinen Vater Vespasian auf seinen späteren Herrschaftsstil und seine historische Wahrnehmung.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Zentrale Themen sind die Ausbildung der Brüder, die Rolle militärischer Erfolge für die Legitimierung, Propaganda durch Münzen und Bauwerke sowie die Zuverlässigkeit der antiken Quellen.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Es wird untersucht, ob Domitians späteres Handeln als bewusste Kompensation für seine untergeordnete Rolle während der Regierungszeit seines Vaters und Bruders zu deuten ist.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine quellenkritische Analyse, die antike Texte (insbesondere Sueton und Tacitus) mit modernen Forschungserkenntnissen und archäologischen Evidenzen (Münzen, Bauten) abgleicht.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil deckt die chronologische Entwicklung vom Beginn unter Vespasian bis zum Umgang mit dem Erbe von Titus sowie die Analyse des Chattenkrieges und die psychologische Deutung von Domitians Charakter ab.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Domitian, Zurücksetzung, Herrschaftslegitimation, Chattenkrieg, Quellenkritik und flavische Dynastie.
Warum spielt der Chattenkrieg eine so große Rolle für die Argumentation?
Der Autor argumentiert, dass Domitian den Krieg nutzte, um sein durch die Zurücksetzung entstandenes militärisches Defizit auszugleichen und seine Herrschaft zu legitimieren.
Wie bewertet der Autor die "Grausamkeit" Domitians?
Der Autor hinterfragt die Darstellungen der antiken Historiker kritisch und sieht in den Hinrichtungen gegen Ende der Regierungszeit eher politisch motivierte Einzelfälle als Beweis für eine allgemeine Paranoia.
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- Philipp Schaefer (Author), 2011, Die Zurücksetzung Domitians gegenüber Titus und deren Auswirkungen auf Domitians Herrschaft, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/174371