Jede Kultur und Religion zeichnet sich durch ganz spezifische Rituale und Traditionen aus, die das Leben eines einzelnen Individuums oder gar einer gesamten Bevölkerung beeinflussen. Insbesondere das Judentum ist geprägt durch eine Vielzahl von Fest- und Feiertagen. Als ein ganz besonderer Anlass im Leben einer jüdisch gläubigen Person, kann die Eheschließung angeführt werden. Sie ist unmittelbar nach der Bar Mitzwa und Bat Mitzwa, dem Erreichen der Volljährigkeit, die nächst größere Station. Hierbei sollte jedoch nicht die Beschneidung als theologisch wichtigste Station in Vergessenheit geraten. Der Ehe kommt eine ganz besondere Wirkung zu: Die Schöpfungsgeschichte Gottes lehrt, dass Mann und Frau ursprünglich als eine gemeinsame Einheit erschaffen wurden, weshalb ein Leben in wiederhergestellter Einheit angestrebt wird. Schon mit Blick auf die Bedeutung des Ehebegriffs wird deutlich, welch großen Stellenwert die Ehe im Judentum einnimmt. Doch was würde die Auflösung des Ehebündnisses für den Stellenwert der Ehe im Judentum bedeuten? Ausgehend von der Bedeutsamkeit des Terminus ‚Ehe‘ gibt die vorliegende Arbeit einen Überblick über die orthodox jüdische Ehescheidung und legt zusätzlich die Thematik der Wiederheirat nahe. Daraus ergibt sich folgende These, zu welcher am Ende der Arbeit Stellung bezogen werden soll: Die jüdische Ehescheidung – Ein notwendiges Übel!
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Die Eheschließung
2.1 Bedeutung
2.2 Voraussetzungen und Hindernisse
2.3 Zeitpunkt der Verehelichung
3 Die Scheidung
3.1 Ursprung und Fundamente des jüdischen Rechts
3.3 Voraussetzungen
3.3.1 Scheidungsgründe vonseiten des Mannes
3.3.2 Scheidungsgründe vonseiten der Frau
4 Fazit
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit untersucht den tiefgreifenden Symbolgehalt der Ehe im Judentum und analysiert die enge Verflechtung von Eheschließung und Ehescheidung. Dabei steht die Forschungsfrage im Mittelpunkt, wie die Auflösung eines Ehebündnisses im jüdischen Kontext zu bewerten ist und ob die Scheidung im Judentum als „notwendiges Übel“ betrachtet werden kann.
- Bedeutung und religiöse Symbolik der Ehe im Judentum
- Religiöse Voraussetzungen und Hindernisse für die Eheschließung
- Rechtliche und prozedurale Aspekte der jüdischen Scheidung
- Untersuchung der Wiederheirat nach einer Scheidung
- Die Rolle der verschiedenen jüdischen Denominationen in Ehefragen
Auszug aus dem Buch
3.2 Allgemeines zur jüdischen Ehescheidung
Zwischen den Scheidungsregelungen andere Rechtssysteme und denen des jüdischen Rechts lassen sich deutliche Unterschiede erkennen. Bekannterweise übernimmt das Gericht die Hauptfunktion im Scheidungsprozess. Zudem besteht die Möglichkeit einer einseitigen Beendigung der Ehe. Im Judentum hingegen wird die Auflösung der Ehe nicht vom Gericht geregelt, sondern vielmehr von den beiden betroffenen Parteien. Zwar liegen einige Fälle vor, in denen das Gericht die Entscheidung übernimmt, diese sind jedoch mit strikten Bedingungen verbunden.
Dazu muss der Ehemann einen Scheidebrief (get) einreichen, der von der Frau genehmigt werden muss. Sollte einer der beiden Handlungen nicht durchgeführt werden, besteht die Ehe weiterhin. Laut des jüdischen Rechts müssen beide Parteien anwesend sein, um das Ehebündnis auflösen zu können. „(…) [Die] Anwesenheit des anderen Ehegatten und die gemeinsame Scheidungshandlungen sind also rechtlich unverzichtbar“ (ebd., S. 113). Daneben besteht die Option den get unter Zuhilfenahme eines Boten zu überreichen. Dieser dient als Stellvertreter für eine der beiden Parteien. In Anlehnung an das rabbinische Recht kann eine Scheidung sogar durch zwei Stellvertreter genehmigt werden (ebd.). Im traditionellen Sinne lag die Ehescheidung ausschließlich in den Händen des Mannes. Nur ihm war es gestattet seine Gemahlin zu verlassen, indem er den Scheidebrief (get) anfertigte. Diese Regelung blieb zwar lange Zeit bestehen, wurde jedoch „durch die wohl wichtigste Veränderung des rabbinischen Scheidungsrechts im Mittelalter“, abgeändert (ebd., S. 115).
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung beleuchtet den Stellenwert der Ehe im Judentum und führt in die These ein, dass die Scheidung ein notwendiges Übel darstellt.
2 Die Eheschließung: Dieses Kapitel behandelt die religiöse Bedeutung des Ehebundes, notwendige Voraussetzungen für die Heirat und den Einfluss religiöser Kalenderfeste auf den Zeitpunkt der Hochzeit.
3 Die Scheidung: Hier werden die Ursprünge des jüdischen Rechts sowie die komplexen rechtlichen Prozeduren und Gründe für eine Scheidung aus männlicher und weiblicher Perspektive detailliert erläutert.
4 Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und kommt zu dem Schluss, dass die Scheidung im Judentum primär als Ausweg aus unglücklichen Verbindungen betrachtet wird und die Heiligkeit des Ehebegriffs nicht zwingend torpediert.
Schlüsselwörter
Judentum, Eheschließung, Scheidung, Get, Halacha, Tora, Rabbinische Tradition, Ehehindernisse, Wiederheirat, Mischehe, Eherecht, Religion des Gesetzes, Aguna, Kidduschin, Ehebund.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit dem religiösen und rechtlichen Rahmen der Ehe und ihrer Auflösung innerhalb des orthodoxen Judentums.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zu den zentralen Themen zählen die Definition der Ehe als heiliges Gebot, die rechtlichen Bedingungen für den Scheidungsprozess und die Thematik der Wiederheirat.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, den tiefen Symbolgehalt der Ehe im Judentum aufzuzeigen und zu klären, inwieweit Scheidung im jüdischen Kontext als legitimer Ausweg aus einer unglücklichen Ehe fungiert.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse, die religiöse Quellen, rabbinische Traditionen und zeitgenössische fachwissenschaftliche Interpretationen miteinander verknüpft.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die Voraussetzungen einer Eheschließung, den Prozess der Scheidungsurkunde (Get) sowie die spezifischen Bedingungen für Scheidungsgründe beider Geschlechter.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Besonders prägend sind Begriffe wie Get, Halacha, Kidduschin und das Verständnis des Judentums als Religion des Gesetzes.
Was bedeutet der Begriff „Aguna“ im Kontext der Scheidung?
Eine Aguna ist eine „Gebundene“ – eine verheiratete Frau, die keine Scheidung durch ihren Ehemann erhält und somit rechtlich in einer nicht mehr gelebten Ehe verharrt.
Welche Rolle spielt Rabbi Gerschom ben Juda bei der Scheidung?
Er führte im Mittelalter die maßgebliche Veränderung ein, dass ein Mann seine Frau nicht mehr gegen ihren Willen scheiden lassen kann, wodurch das Prinzip der gegenseitigen Zustimmung etabliert wurde.
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- Anonym (Author), 2021, Die jüdische Ehescheidung als Auflösung einer geheiligten Verbindung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1744182