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Die Beziehungen zwischen Amal und Hizbullah während des libanesischen Bürgerkriegs

Von friedlicher Koexistenz zum schiitischen Bruderkrieg?

Titel: Die Beziehungen zwischen Amal und Hizbullah während des libanesischen Bürgerkriegs

Essay , 2011 , 28 Seiten , Note: 1,7

Autor:in: B.A. Carolin Deitmer (Autor:in)

Politik - Thema: Frieden und Konflikte, Sicherheit
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Zusammenfassung Leseprobe Details

Anlässlich der Kommunalwahlen Ende Mai 2010 im Südlibanon betonte Hassan Nasrallah, Generalsekretär der Hizbullah, die Wichtigkeit seines Bündnisses mit der Amal für den Südlibanon: „We believe that our alliance with Amal in the municipal elections is part of the strategic alliance that protects the resistance's popular base” (The Free Library 2010). Beschäftigt man sich näher mit der politischen Geschichte Libanons des 20. Jahrhunderts, so ist diese Aussage überaus bemerkenswert, denn so hatten Amal und Hizbullah, zwei Schiiten-Organisationen, während des libanesischen Bürgerkriegs einen blutigen Krieg gegeneinander geführt. Ebenfalls erstaunlich ist, dass die Kämpfe ausbrachen, obwohl beide Gruppierungen die schiitische Gemeinschaft im Südlibanon vertraten, sie einige Zeit relativ friedlich koexistierten und die Hizbullah sogar 1983 aus der Amal hervorgegangen war. Auf Grund dieser Komplexität und Widersprüchlichkeit in den Beziehungen zwischen zwei Gewaltgruppen, die beide schiitische Wurzeln haben, setzt sich diese Arbeit zum Ziel, ihr Verhältnis näher zu beleuchten. Besonderer Fokus liegt auf den Veränderungen in den Beziehungen während der 1980er Jahre. Was löste den innerschiitischen Krieg aus? Im Mittelpunkt der Analyse stehen das Selbstverständnis beider Gruppierungen und die Wirkung des israelischen Truppenrückzugs aus dem Südlibanon auf die Beziehungen Amal-Hizbullah. Israel hatte 1982 in der „Operation für Galiläa“ den Südlibanon besetzt, 1985 seine Truppen bis zur Sicherheitszone rund um den Fluss Litani zurückgezogen und so ein Machtvakuum eröffnet.
Der Arbeit liegt die Hypothese zu Grunde, dass die Beziehungen zwischen den schiitischen Gruppen schon vor 1985, das heißt vor dem israelischen Teilabzug aus dem Südlibanon, konfliktbeladen waren und dass der israelische Truppenrückzug 1985 nur den Auslöser – das entscheidende Moment – für eine Verschlechterung der Beziehungen und damit einen Machtkampf gab: Durch den Abzug änderten sich die Rahmenbedingungen und die Eskalation war vorprogrammiert.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1. EINLEITUNG

1.1 Das Thema der Arbeit

1.2 Der aktuelle Forschungsstand

1.3 Der Aufbau der Arbeit

2. DIE ENTSTEHUNG VON AMAL UND HIZBULLAH

2.1 Die allgemeine Situation und die Mobilisierung der Schiiten

2.2 Die Bewegung der Entrechteten/Amal

2.3 Konflikte in der Amal: Der Weg zur Hizbullah

3. DIE VERÄNDERUNGEN IN DEN BEZIEHUNGEN ZWISCHEN AMAL UND HIZBULLAH

3.1 Die Beziehungen bis 1985

3.1.1 Unvereinbare Gegensätze: Der Vergleich beider Gruppen

3.1.2 Konkurrenz im Kampf gegen die israelische Besatzung

3.1.3 Schiitische Herrschaft in Beirut: klare Trennung

3.1.4 Konkurrenz im Kampf um die schiitische Bevölkerung

3.1.5 Konkurrenzdenken als Hauptcharakteristikum der Beziehungen bis 1985

3.2 Die Beziehungen seit dem israelischen Truppenrückzug 1985

3.2.1 Der Truppenrückzug als Katalysatorfunktion für einen unvermeidlichen Machtkampf?

3.2.2 Der Kampf um die Vorherrschaft in der schiitischen Gemeinschaft: Der Weg zum „schiitischen Bruderkrieg“ 1988

3.2.3 Überblick: Die Einflussgebiete

4. FAZIT: BESTÄTIGUNG DER HYPOTHESE IN GRUNDZÜGEN

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht die komplexen und widersprüchlichen Beziehungen zwischen den schiitischen Gruppierungen Amal und Hizbullah während des libanesischen Bürgerkriegs. Ziel ist es, die Gründe für die Eskalation vom friedlichen Nebeneinander hin zum bewaffneten Konflikt zu beleuchten, insbesondere unter Berücksichtigung der Rolle des israelischen Truppenrückzugs 1985.

  • Politische und soziale Mobilisierung der Schiiten im Libanon
  • Ideologische Differenzen und Organisationsstrukturen von Amal und Hizbullah
  • Einfluss der israelischen Besatzung und des Truppenabzugs auf die inter-schiitische Dynamik
  • Konkurrenz um die Vorherrschaft innerhalb der schiitischen Gemeinschaft
  • Ursachen und Verlauf des sogenannten „schiitischen Bruderkriegs“

Auszug aus dem Buch

3.1.1 Unvereinbare Gegensätze: Der Vergleich beider Gruppen

Um das Verhältnis zwischen den beiden schiitischen Gruppierungen bis 1985 nachvollziehen zu können, müssen Amal und Hizbullah hinsichtlich ihrer Zielgruppe, ihrer Ziele, ihres ideologischen Rahmens, ihrer Einstellung zu Israel, ihrer Sponsoren, ihrer Anhängerschaft und ihrer Organisationsstruktur verglichen werden.

Man muss sich vergegenwärtigen, dass beide Gruppierungen den Anspruch hatten, die schiitische – vor allem südlibanesische – Bevölkerung zu vertreten. Die Zielgruppe war somit bei beiden Organisationen dieselbe. Zudem war die eine Gruppierung sogar eine Abspaltung aus der anderen, beide hatten somit dieselben Wurzeln. Dies suggeriert auf den ersten Blick eine gemeinsame Zielsetzung, nämlich die Naheliegendste: Die Verbesserung des sozialen Status‘ der Schiiten. Allerdings hatte die Hizbullah vom ersten Augenblick an sich selbst gegensätzlich zur Amal definiert (vgl. Norton 2007, 45). Norton merkte schon 1987 an, dass die Hizbullah von Anfang an ein „starker Rivale“ (Norton 1987, 101) der Amal war.

Faktisch unterschieden sich die beiden Akteure daher enorm in ihren Zielen. Die Hizbullah verteidigte drei Hauptziele. Erstens intendierte sie, alle ausländischen bzw. westlichen (Streit-) Kräfte aus dem Libanon zu vertreiben, zweitens Jerusalem zu befreien und drittens einen islamischen Gottesstaates nach iranischem Vorbild zu errichten (vgl. Azani 2009, 63). Damit lehnte die Hizbullah Israel vollständig ab und proklamierte den Kampf gegen Israel. Die Amal hingegen sah nicht vor, die libanesische Regierung und das dahinter stehende politische System zu stürzen (vgl. Hanf 1990, 406).

Zusammenfassung der Kapitel

1. EINLEITUNG: Einführung in die Thematik der Amal-Hizbullah-Beziehungen, Formulierung der Hypothese über den Truppenabzug als Katalysator und Darstellung des Forschungsstandes.

2. DIE ENTSTEHUNG VON AMAL UND HIZBULLAH: Analyse der politischen Marginalisierung der Schiiten im Libanon und der daraus resultierenden Gründung sowie Entwicklung der beiden Organisationen.

3. DIE VERÄNDERUNGEN IN DEN BEZIEHUNGEN ZWISCHEN AMAL UND HIZBULLAH: Detaillierte Untersuchung des Konkurrenzkampfes, der unterschiedlichen Ideologien und des Einflusses des israelischen Rückzugs auf die Eskalation der Gewalt.

4. FAZIT: BESTÄTIGUNG DER HYPOTHESE IN GRUNDZÜGEN: Kritische Reflexion der Ausgangshypothese und Zusammenfassung der notwendigen Bedingungen für den Ausbruch des Bruderkrieges.

Schlüsselwörter

Amal, Hizbullah, Libanon, Schiiten, Bürgerkrieg, israelische Besatzung, Truppenrückzug, Machtvakuum, Ideologie, Konfessionalismus, Südlibanon, politischer Widerstand, Machtkampf, Bruderkrieg, Moussa al-Sadr

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit primär?

Die Arbeit befasst sich mit der ambivalenten Beziehung zwischen den zwei bedeutenden schiitischen Organisationen Libanons, Amal und Hizbullah, während des Bürgerkriegs.

Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?

Im Zentrum stehen die Mobilisierung der schiitischen Gemeinschaft, die ideologischen Gegensätze der Organisationen sowie deren Machtkonkurrenz in einem durch externe Faktoren destabilisierten Umfeld.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist es, zu analysieren, wie sich das Verhältnis der beiden Gruppen wandelte und warum der israelische Truppenabzug 1985 eine entscheidende Rolle für die anschließende Eskalation spielte.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Autorin verwendet eine politikwissenschaftliche Analyse, basierend auf Literatur und Quellen zum libanesischen Bürgerkrieg, um die historische Entwicklung und Konfliktstrukturen aufzuarbeiten.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Entstehungsgeschichte der Gruppen, einen detaillierten Vergleich ihrer Ziele und ideologischen Ausrichtungen sowie die Analyse der Dynamik vor und nach dem israelischen Abzug.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Publikation?

Die wichtigsten Schlagworte sind Amal, Hizbullah, Machtkampf, libanesischer Bürgerkrieg, israelische Besatzung und schiitische Gemeinschaft.

Inwiefern unterschieden sich die Zielsetzungen von Amal und Hizbullah?

Während Amal eher eine säkulare, national-libanesische Ausrichtung verfolgte und auf politische Reformen im bestehenden System setzte, strebte die Hizbullah nach einem islamischen Gottesstaat nach iranischem Vorbild.

Warum wird der israelische Truppenrückzug von 1985 als Katalysator bezeichnet?

Der Abzug hinterließ ein Machtvakuum in schiitisch dominierten Gebieten, was den ohnehin schwelenden Konkurrenzkampf zwischen Amal und Hizbullah um die Vorherrschaft und den Status als "Befreier" massiv verschärfte.

Ende der Leseprobe aus 28 Seiten  - nach oben

Details

Titel
Die Beziehungen zwischen Amal und Hizbullah während des libanesischen Bürgerkriegs
Untertitel
Von friedlicher Koexistenz zum schiitischen Bruderkrieg?
Hochschule
Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg  (Institut für Politikwissenschaft)
Veranstaltung
Politische Gewalt im Nahen Osten
Note
1,7
Autor
B.A. Carolin Deitmer (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2011
Seiten
28
Katalognummer
V174453
ISBN (eBook)
9783640948833
ISBN (Buch)
9783640948796
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Hisbollah; Amal; Libanon; libanesischer Bürgerkrieg; schiitischer Bruderkrieg; Hizbullah; Hizballah; Amal-Miliz;
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
B.A. Carolin Deitmer (Autor:in), 2011, Die Beziehungen zwischen Amal und Hizbullah während des libanesischen Bürgerkriegs , München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/174453
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Leseprobe aus  28  Seiten
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