In dieser Arbeit soll die Parzival-Handschrift im Cgm 19 unter paläographischen und germanistischen Blickpunkten betrachtet werden. Die Arbeit gliedert sich in a) allgemeine Informationen zum Cgm 19, b) eine Beschreibung der Merkmale der frühgotischen Minuskelschrift, in welcher die Handschrift geschrieben ist, die zeitliche Einordnung, c) eine Analyse der Schreiber, d) einer räumliche Einordnung, sowie e) in die Bedeutung der Handschrift für die germanistische Forschung.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
a) Allgemeine Informationen zum Cgm 19
b) Die frühgotische Minuskelschrift
1) Die kalligraphische frühgotische Minuskelschrift
2) Die urkundennahe frühgotische Minuskelschrift
c) Zeitliche Einordnung
d) Handanalyse
Schreiber I
Schreiber II
Schreiber III
Schreiber IV und V
e) Räumliche Einordnung
f) Die Bedeutung des Codex Cgm 19 für die Germanistik
Zielsetzung und Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit widmet sich der eingehenden paläographischen und germanistischen Erforschung des Codex germanicus monacensis 19 (Cgm 19), einer der wenigen vollständigen und frühesten Textzeugen von Wolfram von Eschenbachs Versroman „Parzival“. Das primäre Erkenntnisziel besteht darin, die materielle Beschaffenheit, die Schriftmerkmale der urkundennahen frühgotischen Minuskel, das arbeitsteilige Zusammenwirken der beteiligten Schreiber sowie die räumliche und zeitliche Verortung des Manuskripts systematisch zu bestimmen und seinen Stellenwert in der Editionsgeschichte zu beleuchten.
- Kodikologische Beschreibung der Prachthandschrift Cgm 19 und ihrer Überlieferungsgeschichte
- Differenzierung kalligraphischer und urkundennaher Schriftmerkmale der frühgotischen Minuskel
- Paläographische Handanalyse zur Identifizierung und Unterscheidung der Schreiberhände
- Kriterien der Datierung auf die Mitte des 13. Jahrhunderts anhand von Layout und Schreiberidentitäten
- Dialektale Verortung im oberdeutschen Raum und methodische Grenzen sprachgeographischer Zuweisungen
- Bedeutung des Cgm 19 als Leithandschrift (Klasse G) in der Lachmannschen Textkritik
Auszug aus dem Buch
d) Handanalyse
Am gesamten Cgm 19 haben sieben Schreiber gearbeitet. In der Parzivalhandschrift gibt es 5 verschiedene Hände, welche sich wie folgt aufteilen: 1,1-434,20 – Schreiber I, 434,21-653,8 – Schreiber II, 653,9-802,9 – Schreiber III, 802,10-809,16 – Schreiber IV, 809,17 – Schreiber III, 809,18-816,6 – Schreiber V.
Es ist auffällig, dass die Handwechsel bei Lagenwechseln auftreten und am Lagenende unbeschriebene Leerräume bleiben. So übernimmt der Schreiber II von Schreiber I nach dem Ende der fünften Lage. Schreiber II lässt auf den zwei letzten Blättern, die er schreibt, bevor Schreiber III einsetzt, grosse Leerräume (vgl. Stolz, 2018). Diese Leerräume erklären sich dadurch, dass der Schreiber II nicht den vorhergesehenen Platz ausgefüllt hat, weil er gelegentlich Verse ausliess und nicht immer eine konstante Zeilenzahl pro Spalte einhielt (vgl. Bonath, 1971, 272). Dies weist darauf hin, dass Schreiber II und III (vgl. Bonath 1971, 272) oder sogar Schreiber I, II und III gleichzeitig arbeiteten und nach einer lagenweise verteilten Vorlage schrieben (vgl. Stolz, 2018). Ausserdem wird angenommen, dass der Titurel, der in der Handschrift auf den Parzival Text folgt, auch geschrieben wurde, bevor die Arbeit am Parzival abgeschlossen worden war, dies weil die zwei letzten Seiten in der letzten Lage des Parzivals herausgeschnitten wurden, vermutlich weil sie leer blieben, da der Parzival doch nicht so viel Platz eingenommen hatte, wie vorgesehen (vgl. stolz, 2018). Es wird vermutet, dass gleichzeitig geschrieben wurde, um den Codex so schnell wie möglich fertig zu stellen (vgl. Bonath, 1971, 272).
Schreiber I ist klar der führende Schreiber; von ihm stammt über die Hälfte der Handschrift. Schreiber IV und V sind hingegen nur für wenige Zeilen verantwortlich, unklar ist, ob es sich bei Schreiber IV und V möglicherweise um eine identische Hand handelt (vgl. Stolz, 2018).
Kapitelübersichten
Einleitung: Führt in das Werk „Parzival“ von Wolfram von Eschenbach sowie dessen Überlieferungslage ein und umreißt Fragestellung und Gliederung der paläographisch-germanistischen Untersuchung.
a) Allgemeine Informationen zum Cgm 19: Dokumentiert die Provenienz des Codex seit dem 16. Jahrhundert, dessen kodikologischen Aufbau mit 75 Pergamentblättern und zwölf Illustrationen sowie den Textbestand als frühe Autorhandschrift.
b) Die frühgotische Minuskelschrift: Stellt die typischen Schriftmerkmale der frühgotischen Minuskel dar und ordnet den Duktus der Handschrift der urkundennahen Variante zu.
c) Zeitliche Einordnung: Begründet die Datierung des Manuskripts in die Mitte des 13. Jahrhunderts über Layoutmerkmale wie die Dreispaltigkeit sowie Schreiberkonkordanzen zur Tristan-Fortsetzung im Cgm 51.
d) Handanalyse: Untersucht die fünf am Parzival beteiligten Schreiberhände anhand individueller Graphemausprägungen und rekonstruiert deren arbeitsteiligen Schreibprozess.
e) Räumliche Einordnung: Diskutiert mögliche Entstehungsorte im oberdeutschen Sprachraum und reflektiert die Problematik dialektaler Lokalisierungen bei handschriftlichen Kanzleikopien.
f) Die Bedeutung des Codex Cgm 19 für die Germanistik: Würdigt den Rang der Handschrift als fast vollständigen Textzeugen sowie ihren prägenden Einfluss als Leithandschrift der Gruppe G in der Edition von Karl Lachmann.
Schlüsselwörter
Parzival, Cgm 19, Wolfram von Eschenbach, Paläographie, Frühgotische Minuskelschrift, Urkundenstil, Kodikologie, Schreiberhände, Handanalyse, Kanzlei, Oberdeutsch, Karl Lachmann, Editionsgeschichte
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der vorliegenden Arbeit grundsätzlich?
Die Untersuchung befasst sich mit der mittelalterlichen Handschrift Codex germanicus monacensis 19 (Cgm 19), die eine der ältesten und vollständigsten Fassungen von Wolfram von Eschenbachs „Parzival“ überliefert, und analysiert diese unter kodikologischen, schriftgeschichtlichen sowie literaturwissenschaftlichen Gesichtspunkten.
Welche zentralen Themenfelder stehen im Fokus?
Zu den thematischen Hauptfeldern zählen der materielle Aufbau des Codex, die paläographische Bestimmung des Schrifttyps, die differenzierte Analyse der beteiligten Schreiberhände sowie die historische Einordnung nach Raum, Entstehungszeit und Rezeptionsgeschichte.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Hauptziel ist es, die spezifischen Merkmale der Handschrift präzise zu erfassen, das Zustandekommen des Textes durch mehrere gleichzeitig arbeitende Kanzleischreiber zu belegen und die herausragende wissenschaftliche Bedeutung des Manuskripts für die germanistische Editionsphilologie herauszustellen.
Welche wissenschaftliche Methode wird angewendet?
Die Arbeit nutzt Methoden der historischen Paläographie und Handschriftenkunde, insbesondere die vergleichende Formenanalyse von Buchstaben (Duktus, Schaftlängen, Abkürzungsgewohnheiten), kodikologische Lagenanalysen sowie sprachhistorisch-dialektologische Kriterien.
Was wird im Hauptteil detailliert behandelt?
Der Hauptteil widmet sich der Identifikation von Merkmalen der urkundennahen frühgotischen Minuskel, der zeitlichen Fixierung um 1250, dem detaillierten Schriftvergleich von fünf Schreiberhänden sowie den Kriterien zur dialektalen Lokalisierung im alemannisch-bairischen Sprachraum.
Welche Schlüsselbegriffe kennzeichnen den Text?
Zentrale Begriffe sind Cgm 19, Wolfram von Eschenbach, Parzival, frühgotische Minuskel, Handanalyse, Lagenwechsel, Kanzleischrift, Urkundenstil und Lachmann-Edition.
Wie viele Schreiber waren an der Niederschrift beteiligt und wie arbeiteten sie?
Am gesamten Codex wirkten sieben Schreiber mit, von denen fünf den Parzival-Text kopierten. Das Auftreten von Handwechseln an Lagenenden und verbliebene Leerräume deuten darauf hin, dass die Schreiber arbeitsteilig und simultan mit einer lagenweise aufgeteilten Vorlage operierten, um das Werk rasch fertigzustellen.
Warum lässt sich der Entstehungsort der Handschrift nicht exakt bestimmen?
Zwar verweisen Sprachmerkmale auf den alemannisch-bairischen Raum, jedoch ist bei Kanzleiabschriften unklar, wie stark Schreiber mundartliche Eigenheiten aus Vorlagen übernahmen oder eigene Dialekte einbrachten. Da zudem die Kanzleischreiber nicht zwingend an ihrem Herkunftsort tätig waren, bleibt eine punktgenaue Lokalisierung spekulativ.
Welche Bedeutung besitzt der Cgm 19 für die Lachmannsche Edition?
Karl Lachmann maß dem Cgm 19 eine herausragende Stellung bei und stellte ihn an die Spitze der Handschriftenklasse G, gleichrangig neben den Codex 857 von St. Gallen. Damit bildete das Manuskript ein fundamentales Fundament für die klassische textkritische Ausgabe des Epos.
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- Natascha Frey (Author), 2018, Die Parzival-Handschrift im Cgm 19, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1744876