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Routinen im schulischen Sozialisationsraum

Title: Routinen im schulischen Sozialisationsraum

Seminar Paper , 2003 , 21 Pages , Grade: 1

Autor:in: Jan Trützschler (Author)

Pedagogy - General
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Summary Excerpt Details

In allen Bereichen des Lehrerhandelns egal ob bei der Unterrichtseröffnung, der
Auswahl und Anwendung didaktischer Prinzipien, Methoden und Verfahren oder dem
zwischenmenschlichen Umgang mit Schülern lassen sich Beispiele für Routinen finden.
Sie prägen wesentliche Bereiche des Raums Schule und beeinflussen bzw. bestimmen
insofern sowohl konkrete Unterrichtssituationen als auch übergeordnete, abstraktere
Schulentwicklungsprozesse.
Ziel dieser Arbeit ist es, die Rolle von Routinen im schulischen Sozialisationsraum
näher zu beleuchten um so Rückschlüsse auf einen möglichst konstruktiven Umgang
mit Routinen durch den Lehrer zu ziehen.
Dazu wird in einem ersten Schritt der Routinenbegriff näher definiert, Vor- und
Nachteile von Routinen aufgezeigt, die Institutionalisierung neuer Routinen
beschrieben und eine Art Leitfaden für den Umgang mit Routinen aus Sicht des Lehrers
entwickelt. Hierfür wurde in erster Linie auf „Strukturen der Lebenswelt“ von Schütz
und Luckmann sowie auf „Theorie sozialen Handelns“ von Luckmann
zurückgegriffen.
Anschließend wird in einem zweiten Schritt der Bruch routinierten Handelns am
Beispiel einer konkreten Unterrichtssituation aufgezeigt und kritisch reflektiert um
danach Alternativen zum dem in dieser Situation beobachteten Lehrerhandeln zu
entwickeln. Des Weiteren werden sowohl diese Alternativen als auch die grundlegende
Problematik der Unterrichtssituation auf das in der Schule allgegenwärtige
„Individualisierungsparadox“1 also den Konflikt zwischen Freiheit des Schülers und der
Ausübung von Zwang durch den Lehrer zurückgeführt. Hierfür erwies sich „Freiheit
und Zwang in Erziehung und Unterricht“ von Zumkley-Münkels als äußerst
hilfreich.
In einem dritten und letzten Schritt sollen schließlich die drei Dimensionen einer
reflexiven Erziehungswissenschaft erläutert werden.

1 Helsper, Werner: Pädagogisches Handeln in den Antinomien der Moderne, S.31, in: Krüger, Heinz-Hermann/
Helsper, Werner (Hrsg.): Einführung in Grundbegriffe und Grundfragen der Erziehungswissenschaft,
Opladen 2002, S.15-34.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

Einleitung

I. Teil

1. Routinen bzw. Routinewissen aus wissenssoziologischer und institutionstheoretischer Perspektive

2. Vor- und Nachteile von Routinen bzw. Routinewissen

3. Institutionalisierung neuer Routinen

4. Umgang mit Routinen bzw. Routinewissen im schulischen Sozialisationsraum

II. Teil

Beschreibung der Unterrichtssituation

1. Kritische Reflektion

2. Handlungsalternativen

3. Bewertung möglicher Alternativen

4. Unterricht zwischen Zwang und Freiheit: Das „Individualisierungsparadox“

III. Teil

1. Dimensionen einer reflexiven Erziehungswissenschaft

Zielsetzung und thematische Schwerpunkte

Die vorliegende Arbeit untersucht die Rolle von Routinen im schulischen Sozialisationsraum, um daraus Rückschlüsse für einen konstruktiven und pädagogisch verantwortungsvollen Umgang des Lehrers mit diesen Mustern zu ziehen. Ziel ist es, durch die Analyse konkreter Unterrichtssituationen und den Einbezug erziehungswissenschaftlicher Theorien das Spannungsfeld zwischen Freiheit des Schülers und notwendiger Kontrolle zu beleuchten.

  • Wissenssoziologische und institutionstheoretische Einordnung von Routinen
  • Analyse der Vor- und Nachteile routinierten Lehrerhandelns
  • Untersuchung der Institutionalisierungsprozesse innerhalb der Schule
  • Reflexion des „Individualisierungsparadoxes“ im schulischen Kontext
  • Entwicklung und Bewertung pädagogischer Handlungsalternativen bei Routinebrüchen

Auszug aus dem Buch

1. Kritische Reflektion

Aus Gesprächen mit Schülern und der Lehrerin lies sich erfahren, dass bis zu diesem Ereignis Unpünktlichkeit kein Problem in der Klasse war. Die Schüler bemühten sich rechtzeitig zum Unterrichtsbeginn zu erscheinen und die Lehrerin tolerierte im Gegenzug die wenigen trotzdem auftretenden Verspätungen. Auf diese Weise wurden sowohl Schüler als auch die Lehrerin von dem Druck entlastet auf jede teilweise sowieso unvermeidliche Verspätung reagieren zu müssen. Die Schüler konnten unangenehmen Konflikten aus dem Weg gehen und die Lehrerin konnte durch die so getroffene Übereinkunft die Häufigkeit der Unpünktlichkeiten auf ein Minimum reduzieren.

Insofern lässt sich von einer von beiden Seiten akzeptierten routinierten Handlungsweise sprechen. Die Routine wurde erst irritiert als Torsten regelmäßig zu spät kam und kein Bemühen mehr erkennen lies pünktlich zum Unterricht zu erscheinen, er also seine Handlungsverpflichtung nicht mehr erfüllte. Dies wiederum führte dazu, dass die an einer Einhaltung der Routine ausgerichtete Handlungserwartung der Lehrerin nicht erfüllt wurde, somit die Zielsetzung Verspätungen durch diese Routine auf das unvermeidliche Minimum zu reduzieren unerreichbar wurde und sie sich deshalb ihrerseits nicht mehr an ihre Handlungsverpflichtung nämlich Toleranz zu üben gebunden sah.

Zusammenfassung der Kapitel

Einleitung: Die Einleitung legt den Fokus auf die Bedeutung von Routinen im Lehrerhandeln und stellt die Zielsetzung der Arbeit sowie die theoretische Herleitung dar.

1. Routinen bzw. Routinewissen aus wissenssoziologischer und institutionstheoretischer Perspektive: Dieses Kapitel definiert Routinen als handlungsentlastende Wissensvorräte und beschreibt deren Rolle in sozialen Interaktionen.

2. Vor- und Nachteile von Routinen bzw. Routinewissen: Hier werden die handlungsleitenden Vorteile gegenüber den Gefahren einer fehlenden Flexibilität bei sich ändernden Bedingungen abgewogen.

3. Institutionalisierung neuer Routinen: Es wird erläutert, wie individuelle Handlungsweisen durch Wiederholung und Weitergabe an nachfolgende Generationen einen verbindlichen, institutionellen Charakter erhalten.

4. Umgang mit Routinen bzw. Routinewissen im schulischen Sozialisationsraum: Der Autor diskutiert die Notwendigkeit, Routinen regelmäßig kritisch zu hinterfragen, um die Qualität des Unterrichts zu sichern.

Beschreibung der Unterrichtssituation: Das Kapitel schildert ein konkretes Fallbeispiel aus dem Sozialkundeunterricht, in dem die Routine des pünktlichen Erscheinens durch einen Schüler gebrochen wird.

1. Kritische Reflektion: Die Situation wird analysiert, wobei das Spannungsfeld zwischen Vertrauen und Kontrolle im Lehrer-Schüler-Verhältnis herausgearbeitet wird.

2. Handlungsalternativen: Es werden verschiedene Möglichkeiten für den Lehrer aufgezeigt, auf den Routinebruch des Schülers zu reagieren, von Sanktionen bis zum klärenden Gespräch.

3. Bewertung möglicher Alternativen: Die vorgeschlagenen Handlungsoptionen werden hinsichtlich ihrer Effektivität und pädagogischen Vertretbarkeit kritisch bewertet.

4. Unterricht zwischen Zwang und Freiheit: Das „Individualisierungsparadox“: Das Kapitel reflektiert das grundlegende pädagogische Dilemma zwischen der Erziehung zum autonomen Individuum und der Bindung an soziale Normen.

1. Dimensionen einer reflexiven Erziehungswissenschaft: Abschließend werden drei Dimensionen einer reflexiven Erziehungswissenschaft definiert, die zur Analyse pädagogischer Prozesse beitragen sollen.

Schlüsselwörter

Routinen, Routinewissen, Lehrerhandeln, schulischer Sozialisationsraum, Institutionalisierung, Individualisierungsparadox, pädagogische Reflexion, Unterrichtssituation, Sanktionen, soziale Normen, Erziehungswissenschaft, Handlungsentlastung, Schulpflicht, Freiheit, Zwang.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht, wie Routinen den Schulalltag prägen und welche Auswirkungen sie auf das professionelle Lehrerhandeln sowie auf soziale Beziehungen in der Schule haben.

Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?

Zentrale Themen sind die wissenssoziologische Definition von Routinen, die Institutionalisierung von Verhaltensmustern in der Schule sowie das Spannungsfeld zwischen Freiheit und Kontrolle.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Das Ziel ist es, die Rolle von Routinen im schulischen Sozialisationsraum zu beleuchten, um Rückschlüsse auf einen möglichst konstruktiven und reflektierten Umgang des Lehrers mit diesen Handlungsweisen zu ziehen.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit basiert auf einer theoretischen Aufarbeitung soziologischer Konzepte sowie auf der Analyse und kritischen Reflexion einer konkreten Fallstudie aus dem schulischen Alltag.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Im Hauptteil werden theoretische Grundlagen zu Routinen gelegt, eine konkrete Unterrichtssituation analysiert, verschiedene Handlungsalternativen diskutiert und das "Individualisierungsparadox" thematisiert.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?

Die zentralen Begriffe sind Routinen, Lehrerhandeln, Sozialisationsraum, Individualisierungsparadox, Reflexion und Erziehungswissenschaft.

Wie bewertet der Autor den Einsatz von Sanktionen bei Routinebrüchen?

Der Autor warnt vor einer pauschalen Anwendung und plädiert dafür, Sanktionen als letztes Mittel zu betrachten, nachdem der Dialog auf Augenhöhe und die Einbeziehung der Schülerperspektive ausgeschöpft wurden.

Warum ist das "Individualisierungsparadox" für die Arbeit so wichtig?

Es verdeutlicht das grundlegende Problem pädagogischen Handelns: Das Ziel der Erziehung zum autonomen Individuum steht oft im Widerspruch zu den notwendigen Zwängen und Normen, die ein geordnetes Zusammenleben in der Schule erst ermöglichen.

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Details

Title
Routinen im schulischen Sozialisationsraum
College
Martin Luther University  (Institut für Pädagogik)
Course
Routinen und Rituale im schulischen Sozialisationsraum
Grade
1
Author
Jan Trützschler (Author)
Publication Year
2003
Pages
21
Catalog Number
V17449
ISBN (eBook)
9783638220286
Language
German
Tags
Routinen Sozialisationsraum Routinen Rituale Sozialisationsraum
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Jan Trützschler (Author), 2003, Routinen im schulischen Sozialisationsraum, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/17449
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