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Von Eugenik bis Euthanasie

Der Umgang mit "Geisteskranken" im Nationalsozialismus

Titel: Von Eugenik bis Euthanasie

Hausarbeit , 2020 , 20 Seiten , Note: 2,3

Autor:in: Gina Lurz (Autor:in)

Geschichte Deutschlands - Nationalsozialismus, Zweiter Weltkrieg
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Zusammenfassung Leseprobe Details

Die Hausarbeit untersucht den Umgang mit als „geisteskrank“ bezeichneten Menschen während des Nationalsozialismus. Im Mittelpunkt steht die Frage, wie eugenische und sogenannte „rassenhygienische“ Vorstellungen politisch umgesetzt wurden und schließlich zu Zwangssterilisationen und systematischen Krankenmorden führten. Anhand eines Fallbeispiels wird zudem verdeutlicht, wie ein Sterilisationsverfahren ablief und welche Rolle medizinische Gutachten, Behörden und Erbgesundheitsgerichte dabei spielten

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

1.1 Thema und Fragestellung

1.2 Forschungsstand

2.Eugenik

2.1 Definition und Etymologie

2.2 Die Umsetzung der „Rassenhygiene“ in der Politik und das „Gesetz zur Verhütung Erbkrankennachwuchses“

3.Euthanasie

3.1 Definition, Etymologie und die Zweckentfremdung der Nationalsozialisten

3.2 Aktion T-4

4. Der Fall der Hedwig Paffrath

5. Fazit

Zielsetzung und thematische Schwerpunkte

Die vorliegende Arbeit untersucht die theoretischen Ursprünge der rassenhygienischen Ideologie im nationalsozialistischen Deutschland und deren praktische Umsetzung gegenüber Personen, die als „geisteskrank“ kategorisiert wurden. Im Zentrum der Forschungsfrage steht die Analyse des Übergangs von erbbiologischen Selektionsgedanken über die gesetzlich legitimierte Zwangssterilisation bis hin zur systematischen Ermordung von Anstaltspatienten im Rahmen der nationalsozialistischen Euthanasieprogramme.

  • Theoretische Grundlagen und Entstehungsgeschichte von Eugenik, Sozialdarwinismus und Rassenhygiene
  • Legalisierung und bürokratische Praxis von Zwangssterilisationen auf Basis des „Gesetzes zur Verhütung erbkranken Nachwuchses“
  • Ideologische Zweckentfremdung des Euthanasiebegriffs zur Rechtfertigung der Vernichtung sogenannten „lebensunwerten Lebens“
  • Organisatorischer Aufbau, Tarnstrukturen und Durchführung der zentral gesteuerten „Aktion T-4“
  • Rekonstruktion des Verfahrensablaufs und der sozialen Stigmatisierung am Fallbeispiel der Familie Paffrath
  • Rezeptions- und Aufarbeitungsgeschichte der NS-Medizinverbrechen in der Nachkriegszeit

Auszug aus dem Buch

3.2 Aktion T-4

In der Zeit zwischen 1939 und 1945 hat es mehrere Phasen der „Euthanasie“ gegeben: Die Kinder- „Euthanasie“ (1939-1945) bei der Kinder, die in den Augen der Nationalsozialisten als „lebensunwert“ galten, ermordet wurden. Die Erwachsenen- „Euthanasie“ (1939-1945), die sich in zwei Phasen aufteilte. Die erste Phase wird auch als „Aktion T-4“ bezeichnet; in dieser wurden von 1939 bis 1941 Patienten von Heil- und Pflegeanstalten systematisch umgebracht. Die zweite Phase, die „dezentrale Euthanasie“ lief Vermutungen zu Folge bis Ende des Krieges 1945. „Aktion 14f13 (1941-1944), die Ermordung von KZ-Häftlingen und die „Aktion Brandt“ (1943-1945) auch bekannt als „Phase der wilden Euthanasie“, bei der Patienten von Psychiatrien sowie Behinderte in Krankenhäusern umgebracht worden sind. Im Zuge dieser Hausarbeit werde ich mich, wie in der Einleitung schon erwähnt, auf die Erwachsenen-„Euthanasie“ beziehungsweise konkreter auf die Aktion T-4 beziehen, die offiziell von Januar 1940 bis August 1941 stattgefunden hat. Im Rahmen dieser Aktion wurden Insassen von Heil- und Pflegeanstalten in sogenannte „Tötungsanstalten“ verlegt und dort ermordet.

Hitler soll bereits seit Mitte der 30er Jahre die Tötung „Minderwertiger“ geplant haben. Denn nur das sei die Lösung wie sich, im Fall des Krieges, die „negative Auslese“, die durch einen solchen entstehe, ausgleichen lassen. Zudem würde dadurch auch Lazarettraum entstehen und das Personal, welches sich nicht mehr um die „Ballastexistenz“ kümmern müsste, würde zur Versorgung von Verwundeten bereitstehen. Allerdings habe er erst 1935 das erste Mal von der Durchführung der „Euthanasie“, im Hinblick auf den Krieg, gesprochen.

Im Sommer 1939 begannen die Vorbereitungen der ersten „Euthanasie“-Phase, fast zur gleichen Zeit soll aber auch schon die systematische Erfassung und Tötung von Anstaltspatienten beschlossen worden sein. Zur Durchführung der Erwachsenen-„Euthanasie“ mussten Organisationen geschaffen werden, die alle Aufgaben, von der eigentlichen Tötung bis hin zur Kommunikation mit den Angehörigen und den Anstalten übernahmen. Diese Organisationen hatten ihren Sitz in einer Zentrale in der Tiergartenstraße 4 in Berlin. Aus diesem Grund ist diese Aktion heutzutage als „Aktion T-4“ bekannt. Die Zentrale selber war noch einmal in vier Abteilungen unterteilt, die alle eigenes Personal besaßen und als eigenständige Gesellschaften in der Öffentlichkeit, unter Tarnnamen, fungierten: Die „Reichsarbeitsgemeinschaft Heil- und Pflegeanstalten“, die Meldebögen versendeten und Begutachtungen von Patienten veranlasste. Die „Gemeinnützige Stiftung für Anstaltspflege“ war Arbeitgeber für das Personal der T-4 Zentrale. Die „Gemeinnützige Krankentransport GmbH“ (Gerat) übernahm den Transport der Patienten, aus den Heil- und Pflegeanstalten, in die jeweiligen Tötungsanstalten. Zuletzt die „Zentralverrechnungsstelle Heil- und Pflegeanstalten“, die für die Abrechnungen zuständig waren.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Führt in die Problemstellung und Zielsetzung der Arbeit ein und erörtert den bisherigen Forschungsstand zur Ausgrenzung, Zwangssterilisation und Ermordung von Psychiatriepatienten im Nationalsozialismus.

2.Eugenik: Erläutert die naturwissenschaftlichen und ideologischen Wurzeln der Eugenik und Rassenhygiene sowie deren normative Verankerung im Gesetz zur Verhütung erbkranken Nachwuchses.

3.Euthanasie: Behandelt den Bedeutungswandel des Euthanasiebegriffs hin zur staatlich organisierten Vernichtung von Kranken sowie die organisatorische Struktur und Durchführung der zentral gesteuerten „Aktion T-4“.

4. Der Fall der Hedwig Paffrath: Dokumentiert anhand von Archivakten aus Duisburg das konkrete Verfahren einer Zwangssterilisation und illustriert das Zusammenspiel von Denunziation, Amtsärzten und Erbgesundheitsgerichten.

5. Fazit: Bündelt die Ergebnisse über die Mechanismen der Verfolgung sogenannter „Geisteskranker“ und thematisiert die lebenslangen physischen sowie psychischen Spätfolgen für die nicht entschädigten Opfer.

Schlüsselwörter

Eugenik, Rassenhygiene, Euthanasie, Nationalsozialismus, Zwangssterilisation, Aktion T-4, Erbgesundheitsgericht, Ballastexistenz, Heil- und Pflegeanstalten, Tötungsanstalten, Meldebögen, Hedwig Paffrath

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?

Die Publikation befasst sich mit der Entstehung, Institutionalisierung und praktischen Umsetzung der rassenhygienischen Ideologie im nationalsozialistischen Deutschland und analysiert den Umgang mit als „geisteskrank“ deklarierten Menschen.

Welche zentralen Themenfelder werden untersucht?

Zu den thematischen Hauptfeldern zählen die Geschichte der Eugenik, die Gesetzgebung und Praxis der Zwangssterilisation, die Organisation der Euthanasiemorde in Heil- und Pflegeanstalten sowie die Rekonstruktion eines individuellen Falls.

Was ist das primäre Ziel beziehungsweise die leitende Forschungsfrage?

Ziel der Untersuchung ist es herauszuarbeiten, wie rassenhygienische Vorstellungen im NS-Staat in konkrete politische Maßnahmen übersetzt wurden und wie sich die Radikalisierung von der Zwangssterilisation bis zum organisierten Massenmord vollzog.

Welche wissenschaftliche Methode wird angewendet?

Die Arbeit basiert auf einer historisch-kritischen Literatur- und Quellenanalyse, die theoretische Abhandlungen mit juristischen Dokumenten, behördlichen Akten und einer konkreten mikrohistorischen Fallstudie verknüpft.

Was wird im Hauptteil der Untersuchung im Detail behandelt?

Im Hauptteil werden die Genese der Rassenhygiene seit Alfred Ploetz, das Erbgesundheitsgesetz von 1933, die bürokratische Organisation der Mordzentrale in der Berliner Tiergartenstraße 4 sowie die Abläufe der Vergasungen in den Tötungsanstalten dargelegt.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die behandelte Thematik?

Zentrale Begriffe sind Eugenik, Rassenhygiene, Zwangssterilisation, Euthanasie, Aktion T-4, Erbgesundheitsgerichte, Tötungsanstalten und Ballastexistenz.

Auf welche Weise wurde der Begriff der Euthanasie durch das NS-Regime zweckentfremdet?

Ursprünglich die schmerzlose Erleichterung des Sterbens unheilbar Kranker bezeichnend, wandelten die Nationalsozialisten den Begriff in eine Tarnbezeichnung für die gezielte, ökonomisch und rassenbiologisch begründete Ermordung unerwünschter Anstaltsinsassen um.

Wie funktionierte der bürokratische Ablauf der „Aktion T-4“?

Über Meldebögen erfassten Ärzte Patientenmerkmale, woraufhin T-4-Gutachter anhand von Akten über Leben oder Tod entschieden; die ausgewählten Patienten wurden über Tarnorganisationen in sechs Tötungsanstalten deportiert und ermordet.

Welche Bedeutung kommt dem Fallbeispiel der Hedwig Paffrath in der Arbeit zu?

Der Fall veranschaulicht exemplarisch, dass Zwangssterilisationsverfahren häufig auf Denunziationen und nicht-medizinischen Vorwänden beruhten und Gutachter selbst bei uneindeutigen Befunden im Sinne der rassenhygienischen Normen entschieden.

Ende der Leseprobe aus 20 Seiten  - nach oben

Details

Titel
Von Eugenik bis Euthanasie
Untertitel
Der Umgang mit "Geisteskranken" im Nationalsozialismus
Hochschule
Universität Duisburg-Essen  (Historisches Institut)
Veranstaltung
Seminar Neuere und Neuste Zeit
Note
2,3
Autor
Gina Lurz (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2020
Seiten
20
Katalognummer
V1745114
ISBN (PDF)
9783389200735
ISBN (Buch)
9783389200742
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Neuere und Neuste Zeit NS-Zeit Nationalsozialismus psychische Erkrankungen Euthanasie Eugenik Aktion T-14 Duisburg Sterilisation Zwangssterilisation systematische Krankenmorde
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Gina Lurz (Autor:in), 2020, Von Eugenik bis Euthanasie, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1745114
Blick ins Buch
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Leseprobe aus  20  Seiten
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