Kognitive Komplexität und Problemlösen in Organisationen


Bachelorarbeit, 2008

99 Seiten, Note: 1,9


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Kognitive Komplexität
2.1 Geschichtliche Einführung
2.1.1 Ansatz der Kognitiven Komplexität
2.1.2 Problematik der Theorie der `Kognitiven Komplexität´
2.2 Kognitionstheoretische Ansätze
2.3 Ansätze der `Komplexität´

3 Problemlösen
3.1 Denken
3.2 Problem
3.2.1 Herangehensweisen an Probleme
3.2.2 Klassifikation von Problemen
3.3 Theorien des Problemlösens
3.3.1 Theorie des Problemlösens von Newell und Simon
3.3.2 Problemlösen nach Dörner
3.4 Intelligenz und Problemlösen
3.5 Kreativität und Problemlösen
3.6 Motivation und Problemlösen
3.6.1 Instrumentalistätstheorie (Vrooms-VIE-Theorie)
3.6.2 Theorie des Setzens von Zielen

4 Organisation
4.1 Organisationsstrukturen - Komplexitätsstrukturen
4.1.1 Organisationstheorien
4.1.2 Hierarchien als Kommunikationsstechnik
4.1.3 Einflüsse auf Organisationsformen
4.2 Problemlösen in Organisationen
4.2.1 Problemlösen in Gruppen
4.2.2 Lernende Organisation
4.2.3 Kreative Organisation
4.2.4 Intellektuelle Fähigkeiten
4.3 Komplexitätsreduzierung

5 Zusammenfassung

6 Ausblick

7 Literaturverzeichnis

Vorwort

Noch vor einem Jahrhundert hat man mitÜberzeugung kundgetan, dass die Natur die Einfachheit bevorzuge;seitdem hat es sich bei mehr als einer Gelegenheit erwiesen, dass das Gegenteil zutrifft.Henry Poincaré

Die Idee und der Schwerpunkt dieser theoretischen Bachelor Thesis wurde von Herrn Dipl.-Psych. Willi Neuthinger der SRH Hochschule Heidelberg, gelegt.

Das Thema erregte meine Aufmerksamkeit insofern, als ich auch in meiner beruflichen Laufbahn die Erkenntnis hatte, dass sich die Komplexität in Organisationen zunehmend mehrt. Ursprüngliche Bedenken, dass es zu diesem Thema zu wenig literarisches Material gibt, vor allem im organisationalen Kontext, kann ich nach Fertigstellung beruhigt als Irrtum anerkennen. Die Herausforderung, vor der ich stand, war letztendlich die Breite des Themas von kognitiv bis Komplexität, vom Problemlösen bis Organisation ausreichend zu beschreiben und sinnvolle Zusammenhänge herzustellen.

Einen großen Dank möchte ich an dieser Stelle Herrn Dipl.-Psych. Neuthinger aussprechen, der mich während der Diplomarbeit betreute und mir mit seinen wertvollen Kommentaren und Diskussionen zur Manuskript Erarbeitung Anregungen verschaffte und dabei für Änderungen der Ursprungsform immer wieder Verständnis entgegenbrachte.

Bedanken möchte ich mich weiterhin bei Herrn Dipl.-Psych. Liebich von Liebich Consulting, der im Rahmen meines dortigen Beschäftigungsverhältnisses nicht nur Verständnis für meine außerdienstliche Betätigung zeigte, sondern diese auch mit Zuspruch und fachlich-thematischer Diskussion unterstützte und mir damit einen praktischen Bezug zur Thematik meiner Arbeit bot.

Weiterhin möchte ich mich bei Servet Akgöbek bedanken, der mir als Freund mit anregenden Diskussionen beistand sowie mir psychisch immer wieder die Ruhe und Kraft zu geben vermochte, die für diese Arbeit notwendig gewesen ist.

Abstract

Ziel dieser Ausarbeitung ist es `Kognitive Komplexität´ und das `Problemlösen´ in Organisationen derart sinnvoll zu verbinden, dass Anhaltspunkte zur flexiblen Anpassung unternehmerischen Denken und Handelns in wirtschaftlichen-industriellen Organisationen zum Vorschein kommen.

`Komplexität´ wird hierbei im weitesten Sinn als `Komplexität des Systems´ angesehen, da es sich in dieser Arbeit um die `Komplexität in Organisationen´ handelt, die wiederum nur im Kontext mit der `Komplexität des Individuums´ (`Kognitive Komplexität´) betrachtet werden kann. Individuum, Organisation und die Interaktion mit der Umwelt (z.B. Lieferanten, Kunden) bilden wiederum ein Komplexitätsgebilde in einem System. Die Problemlösungsfähigkeit wird in der Informationsverarbeitung auf Individualebene erforscht, bildet aber in dieser Arbeit auch einen Bestandteil zu Problemlösungsprozessen in Organisationen.

So geht es um die Erfassung und Verarbeitung mehrdimensionaler Einflussfaktoren die bei der Zielfindung und -definition innerhalb organisationaler Strukturen alle Ebenen einbinden um Handlungsspielräume effizient zu gestalten, Problemräume zu erkennen und entlang der Kernkompetenzen Handlungssicherheit in unsicheren Umwelten zu ermöglichen.

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Heuristische Aufgabe

Abbildung 2: Klassifikation von Barrieretypen

Abbildung 3: Anfangszustand im Turm-von-Hanoi-Problem

Abbildung 4: Flussdiagramme Mittel-Ziel-Analyse

Abbildung 5: Die innere Struktur von Lohhausen

Abbildung 6: Berliner Intelligenzstrukturmodell (BIS)

Abbildung 7: Erfassung `Operative Intelligenz´ von Dörner

Abbildung 8: Realgesellschaft vs. Mikro-Gesellschaft

Abbildung 9: Systembeschreibung

Abbildung 10: Organisationssystem

Abbildung 11: Rationales Modell der Organisation

Abbildung 12: Flache und steile Hierarchien

Abbildung 13: Organisation eines Krankenhauses

Abbildung 14: Projekt- und Matrixdesign

Abbildung 15: Zukünftige Organisationsstruktur

Abbildung 16: Koordinationsform und Spezifität

Abbildung 17: Transformationsbedingungen für `Organisationales Lernen´

Abbildung 18: Komplexitätsmodell

Abbildung 19: Prozessablauf `Complex is Easy´

Tabellenverzeichnis

Tabelle 1: alte und neue Organisationskonzepte

1 Einleitung

In dieser Arbeit werden ausgewählte Klärungsversuche der Kognitionswissenschaft aufgezeigt, die versuchen das Thema `Kognitive Komplexität´ mit der Frage nach der Handlungsfähigkeit eines Individuums in Interaktion mit seiner Umwelt durch Aufgliederung in Einzelvariablen zu klären. Es ist allerdings eine Herausforderung `Kognitiven Komplexität´ vereinfacht als Einzelvariable definieren zu wollen. Eine isolierte Betrachtung von Variablen stellt das Verständnis für das Gesamtsystem und dessen wesentliche Eigenschaften (z.B. Vernetztheit) nicht im vollen Umfang her. Dies kann dazu führen, dass dadurch die eigentliche Funktionalität des Systems nicht erkannt wird. `Kognitive Komplexität´ wird hier daher auch als Informationsverarbeitung betrachtet, die es einem Individuum ermöglicht erfolgreich Probleme (z.B. in wirtschaftlichen-industriellen Organisationen) zu lösen. Eine weitere Forschungsindikation, ist das eine hohe Ausprägung intellektueller Fähigkeiten voraussichtlich den Erwerb eines notwendigen Mindestmaßes themenbereichsspezifischer Kenntnisse begünstigt (Möller, 1999). Die Betrachtung von `Komplexität´ auf der Individualebene kann daher nicht subjektiv sein (Dörner 1997), weil diese in der Sichtweise und den kognitiven Eigenschaften des Betrachters liegt. Heutige Forschungsansätze auf diesem Gebiet postulieren daher immer häufiger, dass der Umgang mit `Komplexität´ im Problemlösungsverhalten und den Problemlösungsansätzen des Individuums zu finden sind.

Um all diese möglichen Merkmale aufzugreifen, wird im speziellen die Einzelbetrachtung auf die Themengebiete von `Komplexität´, `Problemlösen´ und `Organisationen´ liegen. Im Rahmen dieser Ausarbeitung wird `Kognitive Komplexität´ also als eine adäquates Merkmal für `intelligentes Problemlösen´ betrachtet und stellt einen Schwerpunkt dieser Arbeit dar wobei immer wieder Zugang zu den Diskussionen und Fragestellungen der Forschung dargestellt werden, um ein umfassendes Bild der Thematik `Kognitive Komplexität´ und `Problemlösung´ in `Organisationen´ zu vermitteln. So ist auch die Bandbreite des Themas `Kognitive Komplexität´ und `Problemlösen´ enorm. Es erscheint vernünftig, sich vor Beginn des Weges ein Bild der Gegend zu verschaffen, in welcher die Wanderung stattfinden soll.

In Kapitel 2 gebe ich eine historische Einführung und Betrachtungen zum Gegenstandsbereich der `Kognitiven Komplexität´. Dabei werden die Begrifflichkeiten zur Erfassung des Themas im Einzelnen betrachtet und zu den Definitionen der Teilbereiche Stellung genommen.

In Kapitel 3 wird im Wesentlichen das Thema `Problemlösen´ und die dazugehörigen Inhalte geklärt. Hierzu erfolgt eine Einführung zu `Herangehensweisen an Probleme´, die als Problemraum, Unterschiedsreduktion und Heurismen bezeichnet werden können. In Abschnitt 3.2.2 erfolgt ein kurzer Überblick der Klassifikationen von Problemen angelehnt an Funke (2003) und Dörner (1979). Abschnitt 3.3 behandelt die `Theorien der Informationsverarbeitung´ in der im speziellen die Informationsverarbeitung nach Newell und Simon (1972), welche eine der ersten Computersimulationsprogramme vorstellt, die Problemlösen als eine Mittel-Ziel-Analyse definieren. Ebenfalls in diesem Abschnitt erfolgt die Informationsverarbeitung nach Dörner (1994), die Untersuchungen komplexer Szenarien (Lohhausen) in computersimulierten, denkpsychologischen Laboratorien darstellt und helfen soll, die Ursachen des häufigen unglücklichen Agierens von Mensch in komplexen Situationen besser zu verstehen. Das Wissen über den Sachbereich sowie das Wissen über menschliche Fehler in solchen Situationen, erleichtern den Umgang mit schwierigen Anforderungen. Abschnitt 3.4 stellt einen Zusammenhang von Intelligenz und Problemlösen dar. Die darauf folgenden Abschnitte 3.5 und 3.6. stellen einen theoretischen Bezug von Kreativität und Motivation zur Problemlösung her und nehmen gesondert Bezug auf das Lohhausen Szenario von Dörner.

Im Kapitel 4 wird die `Organisation´ als soziales und strukturiertes System vorgestellt und im engeren Sinne als wirtschaftlich-industrielle Organisation, die aus Individuen und Gruppen sowie Elementen besteht, die miteinander in Verbindung stehen. Nach kurzer Einführung und Definition von Komplexität in Organisationen werden in 4.1 die Komplexitätsstrukturen der Organisation näher betrachtet. Die wesentlichen Organisationstheorien (Weinert, 2004) also `geschlossene und offene Systeme´, `Hierarchien´ und deren Auswirkungen auf Organisationsmitglieder sowie Einflüsse auf `Organisationsformen´ sind hier beschrieben. Komplexe Systeme - also auch Organisationen - sind sensibel gegenüber Rückwirkungen aus der Umwelt. Diese werden mit Bezugnahme auf die Transaktionskostentheorie näher erläutert. Auf `Problemlösen´, `Kreativität´ und `Leistungsfähigkeit´ wird Bezug nehmend zum theoretischen Teil noch mal in 4.2 im Kontext der Organisation eingegangen. Viele der aktuellen und schleichenden Probleme in Organisationen entstehen, weil versäumt wird, sich an die komplexen Probleme anzupassen. Dieses Versäumnis wird besonders beim Einsatz von Gruppen zum Problemlösen deutlich. Auf das Problemlösen in Gruppen, die durch ihre Rollendifferenzierung (Wilke & Wit, 2003) und Gruppendenken (Funke, 2003) einen wesentlichen Einfluss auf die Organisation und deren Problemlösungsprozesse nehmen, wird in Abschnitt 4.2.1 eingegangen. Gegenstand der `Lernende Organisation´ (4.2.2) ist die Betrachtung und Darstellung der Transformation von Wissen in die Organisation, denn der Umgang mit Wissen von Organisationsmitglieder, kann Komplexitätsreduktion bedeuteten. Damit schließt 4.3 mit dem Thema `Komplexitätsreduktion´ und Methoden zur Reduzierung von Komplexität das Organisationskapitel.

Kapitel 5 bildet die Zusammenfassung der Arbeit. `Komplexität´ wird hierbei im weitesten Sinn als `Komplexität des Systems´ angesehen, da es sich in dieser Arbeit um die `Komplexität in Organisationen´ handelt, die wiederum nur im Kontext mit der `Komplexität des Individuums´ (`Kognitive Komplexität´) betrachtet werden kann. Individuum, Organisation und die Interaktion mit der Umwelt (z.B. Lieferanten, Kunden) bilden wiederum ein Komplexitätsgebilde in einem System. Die Problemlösungsfähigkeit wird in der Informationsverarbeitung auf Individualebene erforscht, bildet aber in dieser Arbeit auch ein Bestandteil zu Problemlösungsprozesse in Organisationen. In Kapitel 5 bildet dies daher den `Mittelpunkt´ zur Lösung komplexer Probleme (Organisation) und `Kognitiver Komplexität´ (Individuum).

Ein `Ausblick´ in Kapitel 6 bildet den Abschluss dieser Arbeit und nimmt Bezug auf das Handbuch `Complex is Easy´ welches ein `Leitfaden´ für eine Handlungsempfehlung beim Umgang in der Komplexität darstellt. Der Ausblick fokussiert damit ein Wandel, dass Komplexitätsreduktion nicht einfach durch eine klassische Vereinfachung einhergeht, sondern einen bewussten und sicheren Umgang in der Komplexität erfordert.

2 Kognitive Komplexität

Bei der Theorie der `Kognitiven Komplexität´ geht es darum, die interaktiven Relationen von Umwelt und Individuum mit Hilfe von strukturellen Eigenschaften zu erklären (Mandl und Huber, 1978). Unter anderem wurde sie von ihren Begründern auch als Theorie menschlicher `Informationsverarbeitung´, als Begriffssystemtheorie und als Theorie begrifflicher Komplexität bezeichnet (Seiler, 1973). Gemeinsam ist allen Theorien, dass sie versuchen den Grad der Strukturiertheit der bei der Informationsgewinnung und - verarbeitung benutzten Wahrnehmungen, Denkoperationen, Motive etc. zu analysieren. Den Theorien geht es weniger um Inhalte als um generelle Struktureigenschaften, die die Art und Weise der Informationsverarbeitung kennzeichnen. Kognitive Systeme, die der Informationsgewinnung und - verarbeitung dienen, werden nach Schroder, Driver und Streufert (1975) sowie Mandl und Huber (1978) durch die Komponenten `Differenziertheit´, `Diskriminiertheit´ und `Integriertheit´ beschrieben, die ich im Abschnitt 1.2.1 genauer aufführen werde.

Um `Kognitive Komplexität´ aus der heutigen Sichtweise der Psychologie verständlicher zu machen, stelle ich in der geschichtlichen Einführung einen groben Umriss des Hintergrunds auf Basis der psychologischen Hauptströme dar.

2.1 Geschichtliche Einführung

Der Gründer (Wilhelm Wundt) des ersten psychologischen Labors 1879 in Leipzig, lehnte die Untersuchungen von Problemlösungsvorgängen (Denkprozessen) ab, da sich für ihn Themen von höheren kognitiven Prozessen der Selbstbeobachtung (Introspektion) unzugänglich machten, denn Ende des 19. Jahrhunderts war die Selbstbeobachtung die typische Untersuchungsmethode der Psychologie (Wallach, 1998, S. 127). Külpe in Würzburg dagegen vertrat diese Meinung nicht und erfand den Begriff der „ systematisch experimentelle Introspektion “ (Funke, 2003, S. 26) welches nach Boring (1929) einen wesentlichen Impuls der Denkpsychologie darstellt (Boring, 1929, zitiert nach Funke, 2003).

Die Abkehr von einer am Bewusstsein orientierten introspektiv vorgehenden Psychologie (Leipziger und Würzburger Schule) und somit der Verzicht auf Bewusstsein, die Konzentration auf Verhalten mit dem Ziel der Vorhersage und Kontrolle (und nicht des Verstehens) wurde von der Lernpsychologie abgelöst (Funke, 2003, S. 27). Aus heutiger Sicht war Edward Thorndike (1898) der erste, der aus der behavioristischen Sicht in seiner Dissertation das Problemlösen mit Katzen untersuchte (Thorndike, 1898, zitiert nach Funke, 2003). Er sperrte sie ohne Futter in einen mit einem Verschlussmechanismus versehenen Käfig und beobachtete wie die Katze das Problem löste, an das Futter zu kommen. Problemlösen aus behavioristischer Sicht stellte eine Veränderung der Reiz-Reaktionshierarchie dar und wurde durch das Versuchs- Irrtumsverhalten interpretiert (Hussy, 1993, S. 33). Der „ assoziationistischen Elementarpsychologie “ (Funke, 2003, S. 27) reichte die Betrachtung der Einzelelementen als Untersuchungsgegenstand und betrachtet Problemlösen daher als passiv-mechanistisches Abarbeiten von Reiz-Reaktionshierarchien. Im Unterschied zu dieser elementaristischen Betrachtungsweise als S-R-Schemata, die einen Rückgang auf die dazwischen stehenden Assoziationen bildete, rückte die Gestaltpsychologie den Prozess des Problemlösens in den Mittelpunkt des Interesses, in dem sie Elemente ganzheitlich betrachtete (Wallach, 1998, S. 127). Dies ging nach dem Grundsatz, dass das Ganze mehr als die Summe seiner Teile ist welches hier bedeutet, dass die Betrachtung von einer Gestalt zu einem anderen Denkprozess führt als die Betrachtung der Einzelteile (Funk, 2003). In der Gestaltpsychologie wird der Mensch daher als aktives Individuum aufgefasst, der produktiv nach Lösungen sucht (Wallach, 1998, S. 128).

In den 50er Jahren des 20. Jahrhunderts kam mit der `Kognitive Wende´ die Kognitionspsychologie zum Zug, die ein neues Verständnis menschlicher Kognition hervorbrachte (Funke, 2003). Herangehensweisen an Problemen z.B. mit Algorithmen, die festgelegt Vorgehensweise ohne Freiheitsgrade enthielten, traten in den Vordergrund, was bedeutet, dass kein fachspezifisches Wissen für die Lösung einer Aufgabe verlangt wurde, sondern das Wissen durch Instruktionen erfolgte (Wallach, 1998, S. 128). Damit wurde der Ansatz des Behaviorismus wieder aktuell mit dem Unterschied, dass Denken als stilles Sprechen und interne Prozesse postuliert wird und damit für die sog. black box (Gehirn) es ein neues Modell gab. So konnte man funktionalistisch an Lernprozesse herangehen und untersuchen, wie diese funktionieren ohne sich für die Inhalte des Lernens oder die Motive des Lernenden zu interessieren. Der Erlebensaspekt interessiert hierbei nicht, es ging nur um die Funktion eines bestimmten Zustands für den weiteren Verarbeitungsverlauf. Die Herangehensweise wurde daher als `Funktionalismus´ bzw. als `Informationsverarbeitungsmodell´ benannt (Wallach, 1998). Schönpflug (2000) schreibt hierzu: „ In der Moderne sind drei großen Traditionen Behaviorismus, Kognitivismus und Tiefenpsychologie richtungsweisend für die Forschung des Problemlösens gewesen […] Alle drei Ansätze sind aber insofern historisch, als dass sie von der heute vorherrschenden funktionalistischen Theorie der Informationsverarbeitung abgelöst wurden “ (Schönpflug, 2000, zitiert nach Funke, 2003, S. 40).

`Problemlösen als Informationsverarbeitungsmodell´ bedeutete vor allem, sich mit dem Wie des Denkens zu befassen, also mit den kognitiven Prozessen und somit den funktionalen Merkmalen. Damit wurde die „Informationstheorie zu einer messbarenGröße “ (Funke, 2003, S. 28). Wie bereits eingangs in diesem Kapitel erläutert, wurden die Theorien zur `Kognitiven Komplexität´ auch als `Informationsverarbeitungstheorie`, `Begriffssystemtheorie´ und Theorie `begrifflicher Komplexität´ bezeichnet (Mandl und Huber, 1978). Sie unterscheiden sich häufig in der Betrachtung der isolierten Variablen und in der Messung. Gemeinsam ist allen Theorien, dass sie versuchen den Grad der Strukturiertheit der bei der Informationsverarbeitung benutzten Interaktionen vorherrschten (Denkprozesse, Motive etc.) zu erfassen.

Die `Struktur´ des `Problemlösens´wurde analog zum Computer als Eingabe-, Speicher- , Verarbeitungs- und Ausgabemodule konzipiert. Als die funktionale Konzeption zur Modellierung des menschlichen Informationsverarbeitenden Systems erstmals angewandt wurde, konnte man diese Computer-Struktur als `kognitive Programme´ des Menschen ansehen. Entscheiden waren hier, die spezifizierten Einzelheiten (Heurismen) d.h. es musste eine korrekte Sequenz von Schritten gefunden werden, die vom Ausgangszustand (Realitätsbereich) zur Problemlösung (Endzustand) führten, da man bei den Versuchspersonen von einer vorwissensarmen Transformation (kein Vorwissen) ausging (Wallach, 1998). Für die funktionale Perspektive war es allerdings gleichgültig, ob ein Informationsverarbeitungsprozess in einem Gehirn oder auf einer Maschine

realisiert wird. Bis heute gilt für den funktionalistischen Ansatz eine Theorie des Problemlösens von Newell und Simon (1972) als Grundlage (Mittel-Ziel-Analyse), die bereits Ende der 50er mit Computermodellen begonnen hatten, kognitive Prozesse darzustellen (Ueckert und Rhenius, 1979, S. 224). Sie wenden sich damit von einem einfachen Reiz-Reaktions-Zusammenhang hin zu einer Untersuchung von nicht-beobachtbaren (kognitiven) mentalen Prozessen (Funke, 2003 ; Wallach, 1998). Die Computer-Technologie hat damit eine neue Perspektive entwickelt und die Möglichkeit geschaffen eine objektive Untersuchung von `Kognitiver Komplexität´ und des `komplexen Problemlösens´ durch zu führen.

In den späten 70er Jahren verlagerte sich das Forschungsinteresse weg von der Beschreibung der Operatoren (Schritte, mit deren Hilfe man sich vom Anfangszustand zum Zielzustand bewegt), die zur Lösung vorwissensarme r Probleme (kein spezifisches Hintergrundwissen voraussetzte) dienten, hin zu Fragen des Wissenserwerb, der Wissensorganisation und der Wissensanwendung also zu vorwissensintensiven Problemstellungen (Wallach, 1998, S. 129). Vor allem im europäischen Raum entwickelte sich ein Forschungsgebiet, das als Gegenstand die Beschreibung von Phänomen hatte, wie sie bei der Interaktion von Individuen mit komplexen Systemen auftreten (Funke, 1992). Diese komplexen Systeme wurden 1975 auch als `Komplexes Problemlösen´ (Dörner, 1974) bekannt und wurden typischerweise als computersimulierte Miniwelten konzipiert, in die eine Versuchsperson (Vpn) mehr oder weniger zielgerichtet eingreifen kann, wie im Rollenspiel Lohhausen (siehe Abschnitt

3.3.2) beschrieben wird. Hintergrund für Dörners (1974) Arbeit und die damit angestoßene neue Denkrichtung und Diskussion zu einer handlungstheoretischen Analyse des Verhaltens in komplexen Umwelten - war die Enttäuschung über die „ niedrige prädiktive Potenz traditioneller Intelligenztests hinsichtlich des Problemlösens in alltäglichen Situationen “ (Funke, 2003, S. 136). Anstatt Komplexität mit einfachen dynamischen Aufgabenstellungen der experimentellen Forschung zu darzustellen, wurde seinerseits eher ein exploratives vorgehen vorgeschlagen (über 2000 Variablen). Die Verwendung computersimulierter Szenarien ermöglichte es dadurch nicht nur eine realitätsnahe Vernetztheit und Dynamik darzustellen sondern ergaben aufgrund gegebener Regulatoren (Programm) ein methodisches Instrumentarium (Funke, 2003, S. 126). „ Diese Regelungstätigkeiten und deren Wirkungen auf das zu

regelnde System werden registriert und als Indikatoren für die Problemlösekompetenzvon Vpn herangezogen “ (Funke, 1992, S.6 in Wallach, 1998, S. 129). Vpn die sich dieser simulierten Herausforderung stellten, waren tatsächlich mit anderen Anforderungen konfrontiert als jene, die in Intelligenztests vorherrschen, weil sie die verschiedenartigen Tätigkeiten (z.B. Informationen sammeln, Hypothesen bilden, Planungen anstellen, Entscheidungen treffen) in verdichteter Form erhalten und somit der Blick auf das Zusammenwirken der Prozesse gerichtet bleibt.

Dies führte allerdings nicht nur zu einer neuen Methode der Forschung, sondern auch zu einer intensiven Diskussion über die richtige Vorgehensweise bei der Untersuchung komplexer Probleme (Funke, 2003). Die Beschäftigung mit dem Menschen als aktiv handlungsfähiges Individuum in Interaktion mit seiner Umwelt führt letztendlich zum Konzept der `Kognitiven Komplexität´. Der Begriff entstand 1977 bei einem von Volkswagen initiierten Workshop mit Namenhaften Forscher, die verschiedenen Ansätze und Problematiken bei der Erfassung von Komplexität besprachen (Mandl und Huber, 1978). Im Rahmen dieses Workshops vom 28.04 - 01.05.77 an der Universität Augsburg haben sich die 20 Wissenschaftler aus dem In- und Ausland mit einer differenzierten Auseinandersetzung der Komplexitätstheorie beschäftigt. Mandl und Huber (1978) fassten diese Kontroverse im Buch mit dem Titel `Kognitive Komplexität´ zusammen.

Ich werde in den nächsten Abschnitten daher oftmals auf die Inhalte der im Workshop genannten Beiträge oder direkt auf die Literatur der jeweiligen Autoren Bezug nehmen.

2.1.1 Ansatz der Kognitiven Komplexität

Kognitive Systeme, die der Informationsgewinnung und - verarbeitung dienen und hier als `Kognitive Komplexität´ definiert werden, sind durch die Komponenten `Differenziertheit´, `Diskriminiertheit´ und `Integriertheit´ beschrieben (Mandl und Huber, 1978).

Differenzierung: Bezeichnung für die Fähigkeit des Menschen, mehrere Umweltreize zu unterscheiden und/oder unterschiedlich auf diese zu reagieren (Seiler, 1973).

Diskriminierung: Der Grad der Diskriminierung, ist umso größer, je mehr eine Hauptkategorie (Stimuli) selber wieder verästelt ist und Abstufungen in sie eingeführt werden (Mandl und Huber, 1978). Die Diskriminierungsfähigkeit beschreibt die Fähigkeit in einer komplexen Struktur, Stimuli zu unterscheiden, denn je höher die Komplexität einer Struktur ist, umso mehr Möglichkeiten bieten sich zur unterschiedlichen Wahrnehmung eines Stimulus an (d.h. je komplexer die Struktur umso mehr Stimuli, je höher die Anzahl der einnehmbaren Perspektiven desto offener ist die Struktur für Veränderungen) (Schroder, Driver, Streufert, 1975).

Integration: Stellt die Anzahl der möglichen Verbindungen bzw. alternativen Verknüpfungen der Dimensionen dar, die ein Individuum in einer Urteilssituation vollziehen kann (Schroder, Driver, Streufert, 1975).

Beispielsweise können Menschen relativ einfach eine `Differenzierung´ von zwei Reizen vornehmen, d.h. zwei Reize unterscheiden wie Handy und Nadel. Eine `Diskriminierung´ ist dann gegeben, wenn die Reize wiederum differenziert werden können z.B. die Diskriminierung des Handys in seine Einzelbestandteile wie Tastatur, Platine, Gehäuse etc. Eine Integration ist dann die Kombination der Dimensionen `Differenzierung´ und `Diskriminierung´ d.h. in diesem Beispiel, wenn weitere zusammenhängende Kategorien mit den vorab genannten Reizen (Handy und Nadel) gebildet werden können, z.B. Platine und Drähte im Handy sind aus Metall - die Nadel besteht ebenfalls aus Metall. Die Integration der zwei Reizen wäre in diesem Fall mit der Bildung der Kategorie `Metall´ erfolgt.

Es kann also gesagt werden, dass je mehr eine Person in der Lage ist Reize und deren Dimensionen zu erkennen, umso mehr Kategorien können gebildet werden. Der Unterschied zwischen Menschen und Tieren höherer Ordnung liegt also nicht so sehr in der Fähigkeit, die Bedeutung einer großen Anzahl von Reizen zu erlernen oder anzuwenden, sondern eher in der Fähigkeit, alternative Bedeutungen derselben Reize zu erlernen und anzuwenden und somit innerhalb der gleichen Bedeutungsbereiche unterschiedliche Systeme wechselseitiger Beziehungen aufzubauen und zu benutzen (Schroder, Driver, Streufert, 1975). Eine hohe Integration kann als die Kombination von Dimensionen der Information zu einem Begriff definiert werden und somit als Attribut für eine hohe Leistungsfähigkeit von `Kognitiver Komplexität´ gesehen werden (Schroder, Driver, Streufert, 1975, S. 298).

2.1.2 Problematik der Theorie der `Kognitiven Komplexität´

Um die Problematik der `Kognitiven Komplexität´ darzustellen, werde ich - ohne Anspruch auf Vollständigkeit - an dieser Stelle kurz Bezug auf die Vorgehensweise der psychologischen Messung nehmen.

Bei Messverfahren wird beispielsweise die Frage beantwortet wie viele Dimensionen innerhalb einer Struktur zusammen wirken? Im Allgemeinen bestehen die Messverfahren, jeweils aus einer Aufgabe, bei der eine Versuchsperson eine bestimmte Menge von Reizen vorgelegt wird (Beispielsweise Bauklötze in verschieden Farben, Formen und Größen). Die Versuchsperson muss dann diese Reize in irgendeine Ordnung bringen oder beurteilen. Aus der Art solcher Anordnungen oder Beurteilungen kann dann auf die Art der strukturellen Organisation des Konzeptes geschlossen werden, die die Versuchsperson benutzt hat, um einen vorgegebenen Bereich von Reizen zu organisieren (Schroder, Driver, Streufert, 1975).

Diese und weitere Fragen werden als Kritik von den Workshop Teilnehmern bekundet und bilden eine der Operationalisierungsproblematiken der Theorie der `Kognitiven Komplexität´ und ziehen sich als `roter Faden´ durch alle Messverfahren, die sich mit der Erfassung von Komplexität und komplexen Problemlösen befassen. Zum einen stellen die Theorien der kognitiven Komplexität einen Fortschritt gegenüber Informationsverarbeitungsmodellen dar, da diese nicht den Menschen als ein System betrachten, das in eine beliebige Umwelt gestellt werden kann und dort beliebige Aufgaben mit immer den gleichen Prozeduren bewältigt. Der interaktive Ansatz, der die Wechselbeziehung zwischen dem Grad kognitiver Komplexität des Individuums und dem Grad der Umweltkomplexität besonders betont, ist auf dem Hintergrund der traditionellen kognitiven Psychologie als ein sehr weitreichendes Rahmenkonzept anzusehen (Mandl und Huber, 1978). Jedoch wurden gegen die Komplexitätsmodelle (Theorien) eine Reihe von Kritikpunkten vorgebracht. Die generelle Kritik richtet sich gegen die unzureichende Definition der Konstrukte und Begriffe (z.B. der Dimensionen) sowie gegen das zwischen den Konstrukten zu wenig scharf gefasste Beziehungsnetz (Seiler, 1973). Ein weiterer Mangel der Theorien der kognitiven Komplexität ist in der unbefriedigend Analyse des motivationalen Aspekts zu sehen (Mandl und Huber, 1978). Personen mit gleicher Struktur (Differenziertheit, Integriertheit) können in derselben Situation unterschiedlich reagieren, „ weil die kognitiven Strukturen der beiden Individuen nicht mit derselben Stärke zur Aktualisierung tendieren und ihnen nicht die gleiche motivationale Stoßkraft und affektive Tönung innewohnt “ (Seiler, 1973, S. 61). Es wird also häufig nicht erklärt, wie die Strukturen entstehen, wie sie sich differenzieren und integrieren, von welchen Faktoren die Differenzierung und Integration vorangetrieben werden. Am Ende des Workshops fasste Streufert kritisch den Stand der Diskussion zur Theorien der kognitiven Komplexität zusammen: „ es gibt keine Theorie der kognitiven Komplexität (Strukturiertheit), die allesüber kognitive Struktur erklären könnte. Es gibt eine Anzahl von Theorien. Es gibt nicht nur die unterschiedlichen interkulturellen Verständnisprobleme, sondern auch Schwierigkeiten in unterschiedlichen Wissenschaftsphilosophien mit jeweils verschiedenen Grundannahmen. Dies erschwert die Kommunikation. […] Wir sollten versuchen, die Theorie anzuwenden. Während sich viele Theorien nur auf spezielle Bereiche beziehen, z.B. Einstellungen, befasst sich die Theorie der `Kognitiven Komplexität´ mit Strukturen und Komplexität, z.B. den Dimensionen des `Informationsverarbeitungsprozesses´; und diese Dimensionen lassen sich auf alle Bereiche anwenden. “ (Mandl und Huber, 1978, S. 18).

Zur empirischen Arbeit und zur Theoriebildung über kognitive Prozesse werde ich zum Schluss eine Anmerkungen von Ueckert und Rhenius (1979) wiedergeben, in der ich die ursächliche Problematik der in o.g. Abschnitten genannten Kontroversen erkenne und die gleichzeitig Aufschlüsse über die Diskussion von geeigneten Theorien gibt.

Laut Ueckert und Rhenius (1979) sind Kognitive Prozesse (Interaktionen von Denk-, Entscheidungs-, Urteils- Reaktionsprozesse usw.), so eng mit dem Handeln verbunden und beeinflussen sich wechselseitig so in ihrem Ablauf, dass man: „ den Phänomenen Gewalt antut und sie denaturiert, wenn man sie allzu vorschnell isoliert studiert. Ohne auf die analytische Schärfe bei der Separierung von Einzelprozessen zu verzichten,

sollte man ihre Interaktionen nicht aus dem Auge verlieren, Dies ist aber nur möglich, wenn man zunächst einmal relativ komplexe kognitive Phänomene untersucht “ (S. 112).

In den Erläuterung von Ueckert und Rhenius (1979) wird klar, dass eine isolierte Betrachtung von Variablen zu keinem Konsens führen kann. Ähnlich wie beim Mikroskop welches nur diejenigen Teile des Gegenstandes enthüllt, auf die es gerichtet ist, den Rest des Gegenstandes aber im Dunkeln lässt muss man bei einer Analyse mit großer Umsicht verfahren und vorher untersuchen, welches überhaupt die wesentlichen Komponente des Gegensandes sind. Diese enthüllen sich aber nicht bei einer Betrachtung des Gegenstandes alleine - man muss den Gegenstand in seinem `funktionale´ Kontext betrachten um die richtige Komponentenaufteilung des Gegenstandes zu finden (Anderson, 2007).

Für mich stellt sich das Problem aus der Sichtweise dar, dass Kognition ein individueller Prozess ist, Komplexität dagegen eher ein Zustand einer Umweltsituation. Beide Eigenschaften isoliert zu betrachten wird immer die Schwierigkeit in sich bergen, dass interaktive Vernetzungen und dynamische Grundsätze häufig verloren gehen. Aber gerade die differenzierte Darstellung einiger wesentlicher theoretischer Ansätze der Forschung auf diesem Gebiet, stellt die Herausforderung an den Titel dieser Arbeit dar.

Um die Komplexität oder Problematik der vorliegenden Arbeit auch an dieser Stelle besser verständlicher zu machen, erscheint mir sinnvoll eine Isolierung der einzelnen Begrifflichkeiten vorzunehmen, da diese für sich wiederum ein großen Beitrag zum verstehen des Gesamtkontextes `Kognitiven Komplexität´ sowie die Interaktion von Individuum und seiner Umwelt darstellen.

2.2 Kognitionstheoretische Ansätze

Um `kognitiv´ und `Kognition´ in dieser Arbeit als Synonym verwenden zu können, muss erkannt werden, dass `kognitiv´ nur als „ erkenntnismäßig, auf die Erkenntnis bezogen “ (Häcker und Stapf, 2004) definiert wird. Der Begriff der `Kognitiven Komplexität´ erfasst allerdings mehr und bezieht sich daher eher auf den Begriff `Kognition´ der ein „ Sammelname für alle Vorgänge oder Strukturen, die mit dem Gewahrwerden und Erkennen zusammenhängen, wie Wahrnehmung, Erinnerung, […]

Gedanken, aber auch Vermutungen, Erwartungen […] und Problemlösen “ (Häcker und Stapf, 2004) darstellt.

`Kognition´ ist also ein wesentlicher Bestandteil der `Kognitiven Komplexität´, denn dem behavioristischen Modell - nach dem das Individuum „ sich zur Modellvorstellung eines leeren Organismus reduziert, der auf Reize reagiert und dessen Reaktionen durch raffinierte Belohnungsprogramme manipuliert werden können “ (Heckhausen, 1976, zitiert nach Mandl & Huber, 1978, S. 11) - steht der `kognitiven Ansatz´ gegenüber, dass ein Individuum in der Lage ist sich zu organisieren, sich Orientierung verschaffen kann und somit über sein Verhalten in seiner Umwelt selbst bestimmt. „ Die aktive Verarbeitung der Information ist möglich, weil das Individuum seine Erfahrungen kognitiv repräsentiert, weil esüber Wissen, Erwartungen, Bewertungen, Pläne usw. verfügt “ (Mandl und Huber, 1978, S. 11).

Trotzdem greifen der behavioristische und der kognitive Ansatz für sich zu kurz bei der Erklärung und erst recht bei der Beeinflussung menschlichen Verhaltens. Sie verfehlen die `Komplexität´ des Verhaltens von Menschen in komplexen Aufgaben-Situations- Umwelten. Wie aber können der Einfluss der Umwelt auf die Informationsverarbeitenden Prozesse des Individuums und der Einfluss des Individuums auf die Komplexität seiner Umwelt berücksichtigt werden? Gesucht wird daher ein Ansatz, der die Person-Umwelt-Interaktion zu erfassen in der Lage ist. Ich werde in nachfolgenden Abschnitten daher auch auf die isolierte Betrachtung von `Komplexität´ eingehen.

2.3 Ansätze der `Komplexität´

Komplexität ist ein schwer fassbarer Begriff und in der Systemtheorie der am schlechtesten definierten Begriffe wie bereits Casti (1979) wie folgt beschrieb: „Of all the adjectives in common use in the systems analysis literature, there can be little doubt that the most overworked and least precise is the descriptor `complex´. In a vague intuitive sense, a complex system refers to one whose static structure or dynamic behavior is unpredictable`, `counterintuitive`, `complicate`, or the like. In short, a complex system is something quite complex - one of the principal tautologies oftsystems analysis!” (Casti, 1979, zitiert nach Funke, 2003, S. 128) .

Am Beispiel einer wirtschaftlichen-industriellen Organisation lässt sich die Problematik der `Komplexität´ darstellen: Führungskräfte, die bei ihren Entscheidungen eine Vielzahl von Merkmalen gleichzeitig beachten müssen (Ertrag des Unternehmens, Investitionszeitpunkte, Ressourcenverteilung der Führungskräfte und Mitarbeiter…) werden häufig von einer Reizüberflutung überfordert. Sie müssen viele Merkmale gleichzeitig beachten, wenn sie erfolgreich wirtschaften wollen. Dabei sind nicht nur die Einzelmerkmale zu beachten und in geeigneter Weise zu behandeln, sondern es muss auch berücksichtigt werden, dass die Merkmale nicht unabhängig von einander existieren. Sie beeinflussen sich wechselseitig. Die Existenz von vielen, von einander abhängigen Merkmalen (Elementen) in einem Ausschnitt der Organisation (System) kann als Komplexität bezeichnen werden. Eine Organisation ist kein Synonym für `System´ - allerdings kann eine Organisation mit ihren internen Interaktionen (Strukturen, Hierarchien, Kommunikationswege etc) und externen Umwelt-

Interaktionen (Kunden, Lieferanten etc) als ein eigenständiges `System´ betrachtet werden. Es kann also gesagt werden, „ die Komplexität ist umso höher, je mehr Elemente eines Systems aufeinander abgestimmt werden müssen. Komplexität kann dann durch die Anzahl der Elemente eines Systems sowie die Anzahl der sich daraus ergebenden Koppelungen beschrieben werden “ (Adam, Backhaus, Thonemann & Voeth, 1998, S. 22)

Wird von Wechselwirkung und Koppelungen, die auf einander abgestimmt sind, gesprochen, dann sind kennzeichnend für die Komplexität - ohne jeglichen Anspruch auf Vollständigkeit - die Eigenschaften Vernetztheit, Eigendynamik und Intransparenz zu beschreiben (Dörner, 1997).

Vernetztheit

Die Komplexität ist umso höher, je mehr Merkmale vorhanden sind und je mehr diese voneinander abhängig sind. Ein Eingriff in einem betreffenden Teil des Systems wirkt somit auch immer auf viele andere Teile des Systems. Dies wird dann `Vernetztheit´ genannt (Dörner, 1997). Die Eigenschaft der Vernetztheit komplexer Situationen

bezieht sich also darauf, dass die einzelnen Variablen dabei in Informationsketten, Wirkungsnetzen oder Regelkreisen unterschiedlicher Dimensionen miteinander verbunden sind. Die Vielzahl der Merkmale bringt es mit sich, dass man die Existenz möglicher Nebenwirkungen leicht übersieht (Weth, 2001). Beispielsweise kann der Abbau von älterem Personal in einem Unternehmen zu Kostensenkung beitragen, mittelfristig fehlt dem Unternehmen allerdings Know-how z.B. für die Ausbildung von Mitarbeiter. In solchen Wirkungsnetzen muss stets damit gerechnet werden, dass Handlungen jenseits der beabsichtigten Wirkungen noch weitere Konsequenzen haben, die der ursprünglichen Absicht teilweise durchaus zuwiderlaufen können. Diese Nebenwirkungen können sowohl unmittelbar wie auch als Spätfolgen auftreten.

Dynamik

Die `Dynamik´ als Bestandteil von Komplexität „ bezeichnet eine Situation als dynamisch, wenn sie sich verändert, auch ohne dass der Problemlöser eingreift “ (Dörner, 1979, S. 20) d.h. wenn sich Dinge auch ohne steuernde Eingriffe von außen selbständig fortentwickeln und nicht auf einen Problemlöser und dessen Entscheidung warten. Dynamik erfordert daher zwei Fähigkeiten des Problemlösers: zum einen Entscheidungen und Eingriffe stets unter einem gewissen Zeitdruck abzuhandeln, zum anderen die Fähigkeit Planungen und Entscheidungen nicht nur auf den aktuellen Zeitpunkt zu beziehen, sondern zugleich auch auf künftige Entwicklungen abstimmen zu können (Dörner, 1979). Beispielsweise sind die einzelnen Schachpositionen statisch zu sehen. Würde nun jede Minute eine unsichtbare Hand eine Figur bewegen, könnte sich dies für den Schachspieler zu einer dynamischen Situation entwickeln, die sicherlich nicht sehr angenehm wäre (Funke, 2003, S. 73). Die Entscheidungen der Schachzüge müssten unter Zeitdruck erfolgen und außerdem gewährleisten können, dass deren Entwicklung zum Erfolg des Spiels führt.

Intransparenz

Im Hinblick auf die beteiligten Merkmale und der Zielstellung von komplexen Situationen ist oftmals eine `Undurchsichtigkeit´ vorhanden. Diese `Intransparenz´ erzeugt im Gegensatz zur Unüberschaubarkeit einen Mangel an Informationen. Beispielsweise bedarf es bei der medizinische Notfallversorgung eines Patienten wichtige Informationen über den Zustand des Verletzten. Häufig stehen für eine Entscheidung nur unvollständige Informationen zur Verfügung (z.B. fehlende Röntgenbilder) oder teilweise auch gar keine Informationen (z.B. Belastbarkeitsgrenze der Organe) (Funke, 2003, S. 127). Man ist darauf angewiesen, weite Bereiche einer komplexen Situation nur nach Stellvertreterinformationen und Symptome zu beurteilen, von denen erwartet wird, dass ihr Zustand Rückschlüsse auf die Wirklichkeit zulässt. Intransparenz erzeugt daher meist Unsicherheit und birgt die Gefahr von Fehlentscheidungen.

Gerade das Zusammenwirken der genannten Eigenschaften stellt - wie in vorhergehenden Abschnitten schon erwähnt - für die Forschung eine Herausforderung bei der Erfassung von `Komplexität´ dar. Die Schwierigkeit macht die Komplexität zu keiner objektiven Größe sondern offenbart eher ihren subjektiven Charakter (Dörner, 1997). Wird beispielsweise die alltägliche Handlungssituation eines Autofahrers betrachtet, dann ist die Vielzahl von Merkmalen die in einer Großstadt in der Hauptverkehrszeit beachtet werden müssen für einen Anfänger sehr komplex, für einen routinierten Autofahrer dagegen nicht. „Das kann aber individuell sehr verschieden sein und daher gibt es keine objektive Komplexität“ (Dörner, 1997, S. 61). Nach Ueckert und Rhenius (1979) entsteht Komplexität auf der `Kognitions-Ebene´ welche durch Differenzierungs- und Diskriminierungsleistungen steigt d.h. je mehr Zusammenhänge desto mehr Wechselwirkungen müssen erkannt werden. Daraus kommt es zu einer Erkenntnisenthüllung was den Anspruch an die Informationsverarbeitung immens erhöht wobei sich die Qualität der Informationsverarbeitung in der Integrationsfähigkeit ausdrückt.

`Informationsverarbeitungsprozesse´ stellen die ursprüngliche Benennung der `Kognitiven Komplexität´ dar. So kann abschließend gesagt werden, dass der Umgang mit `Kognitiver Komplexität´, eines hohen Informationsverarbeitungsprozesses bedarf. Dieser wiederum erfordert ein `Denken in Problemen´. So kann das `Denken´ daher nicht unbenannt bleiben, wenn man das System der `Kognitiven Komplexität und Problemlösen in Organisationen´ vollständig erfassen möchte.

Folgendes Kapitel geht daher im Einzelnen auf die `Problemlösungsfähigkeit´ und die damit verbundenen Merkmale wie `Theorien des Problemlösens´, `Intelligenz´, `Kreativität´ und `Motivation´ ein.

3 Problemlösen

Das Thema `Denken´ und `Problemlösen´ hat die Menschen von je her beschäftigt. Veränderungen oder Erneuerungen in der Technik oder Wissenschaft wurden oft dadurch angestoßen, dass Menschen logische Systeme nutzten, um Ordnung in die Welt zu bringen womit ihnen kreative Lösungen schwieriger Probleme gelangen. Popper (2006) sagt sogar: „ Alles Leben ist Problemlösen “ (S. 257) und bringt damit zum Ausdruck, dass alle Organismen Erfinder und Techniker sind, gute oder weniger gute, erfolgreich oder weniger erfolgreich im Lösen von Problemen.

In diesem Kapitel wird Problemlösen aus Sicht des Individuums beschrieben um ein Verständnis für `Problemlösen´ im Allgemeinen herzustellen. Nehmen wir eine Situation aus dem alltäglichen Leben: Auf dem Weg zum Einkaufen fällt einem plötzlich ein, dass man den Schlüssel vergessen hat. Es ist Winter, die Fenster sind alle zu und die Wohnung wird von niemand anderem bewohnt. Was ist zu tun? Dieses innehalten und nachdenken über die Arten geistiger Schritte mit deren Hilfe diese Schwierigkeit überwunden werden könnte, sind die kognitiven Prozesse, die das Problemlösen und das kreative Denken bilden. Dieses Kapitel widmet sich also hauptsächlich den Fragen des `Problemlösens´. `Denken´, `Kreativität´ und `Motivation´ sind zusätzliche Verbindungen zu höheren kognitiven Prozessen und werden in dieser Arbeit als Merkmale des Problemlösens mit einbezogen.

3.1 Denken

Unter `Denken´ werden im Allgemeinen alle Vorgänge zusammengefasst, die „ interpretierende oder ordungsstiftende Verarbeitungen von Informationen haben. Auch als Bezeichnung für den Einsatz der intellektuellen Funktionen oder für kognitives Verhalten wie Begriffsbildung […], Entdecken, Erfinden von Beziehungen, die zwischen ihnen gelten […] (Häcker und Stapf, 2004). Denken ist die „ Bezeichnung für Problemlösen “ (Häcker und Stapf, 2004). `Denken´ wird hier als Prozessverarbeitung für Problemlösungen gesehen und soll nur als Einführung zum besseren Verständnis der Informationsverarbeitungsprozesse erwähnt werden.

`Denken´ wird häufig als einen selbstverständlichen Vorgang betrachtet, weil Gedächtnisleistungen während der Wachzeit praktisch kontinuierlich ausgeübt werden. Aber auch wenn eine sorgfältig vorbereitete Rede Zustimmung hervorruft oder wenn ein Projektleiter eine brillante Lösung für die Prozessoptimierung einer Rohbauanlage hervorbringt, muss der intellektuelle Triumph kognitiver Prozesse anerkannt werden. „ Denken ist immer eingebettet in den Gesamtprozess des psychischen Geschehens “ (Dörner, 1997, S. 14). So sieht man einer Person die auf einer Bank sitzt zum Beispiel nicht an, ob sie gerade über die Zubereitung des Abendessens, ein schwieriges mathematisches Problem oder über die Planung ihres nächsten Urlaubes nachdenkt. Die Phänomenologie des Denkens versucht, die wesentlichen Merkmale dieser psychischen Funktion in allgemeiner Weise festzuhalten (Funke, 2003).

Denken ist also ein kognitiver Prozess, der uns meistens erst dann richtig bewusst wird, wenn wir ihn einsetzen, um z.B. Probleme zu lösen. Da Denken in der Regel ein äußerst schneller Prozess ist, haben Psychologen unterschiedlichste Aufgaben entwickelt, um unsere Denkfähigkeiten zu fordern. Denken lässt sich daher in der Regel nur mit `Problemlösungsaufgaben´ erfassen. „ Vor diesem Hintergrund könnte man sagen, dass Problemlösen diejenige Art des Denkens beschreibt, durch dass Menschen Hindernisse auf dem Weg zu einem Ziel beseitigen “ (Funke, 2003, S. 22). Die folgenden Abschnitte behandeln die vielfältigen Prozesse die am Problemlösen beteiligt sind.

3.2 Problem

Vorab werde ich allerdings eine kurze Definition von `Problem´ einführen. Der Begriff Problem gehört glücklicherweise nicht zu den vielen Begriffen der Psychologie, die umstritten sind. Verschieden Schulen haben sich auf eine heterogene Weise auf eine Definition festgelegt, die Süllwold (1959) wie folgt erfasst hat: „ Ein Problem ist dann gegeben, wenn ein Individuum ein bestimmtes Ziel erreichen will, jedoch nicht weiß, wie es zu diesem Ziel gelangen kann, also nicht auf wohlbekannte spezifische Verfahren, spezifische Techniken oder Operationen zurückgreifen kann.“ (Süllwold, 1959, zitiert nach Dörner, 1974, S. 20,)

Die Klassifizierung von McCarthy (1956), bietet hierfür drei Bestimmungsmerkmale an (McCarthy, 1956, zitiert nach Dörner, 1979):

- Anfangszustand, d.h. der Ausgangszustand einer Situation, der als nicht wünschenswert charakterisiert wird
- Endzustand oder Zielzustand der erreicht werden soll, da er eine Lösung des Problems birgt
- und eine Barriere, die eine unmittelbare Transformation des Anfangszustandes in den Zielzustand im Wege steht, d.h. ein Problem liegt dann vor, wenn der Problemlöser den Anfangszustand nicht unmittelbar in den Zielzustand überführen kann.

Es ist hierbei noch anzumerken, dass die Barriere nicht notwendigerweise aus einer Bestimmungszahl bestehen muss - es kann sich hierbei um viele „Barrieretypen“ (Dörner, 1979, S. 11) handeln. Dörner (1979) geht im einzeln auf diese Barrieretypen (Problemtypen) ein, zu denen ich in Abschnitt 3.2.2 im Detail Bezug nehmen werde.

Hiermit grenzt Dörner (1979) aber auch eine Aufgabe von einem Problem ab. Was für den einen allerdings eine Aufgabe darstellt, kann für den anderen ein Problem sein. Nehmen wir erneut das Beispiel des Autofahrers (Abschnitt 2.1.2). Was sich für einen geübten Autofahrer von A nach B zu kommen als Aufgabe darstellt, ist für einen Anfänger eher ein Problem d.h. eine Aufgabe erfordert nur ein reproduktives Denken, während für ein Problem ein neuer Lösungsweg geschaffen werden muss.

Die bereits genannten Bestimmungsmerkmale eines Problems lassen sich also erneut - in der wohl bekanntesten Zitation - wie folgt zusammen fassen: „Ein Individuum steht einem Problem gegenüber, wenn es sich in einem inneren oder äußeren Zustand befindet, denn es aus irgendwelchen Gründen nicht für wünschenswert hält, aber im Moment nicht über die Mittel verfügt, um den unerwünschten Zustand in den wünschenswerten Zielzustand zu überführen (Wallach, 1998, S. 125; Funk, 2003, S. 20 und Dörner, 1979, S. 10).

3.2.1 Herangehensweisen an Probleme

Am Beispiel einer wirtschaftlichen Organisation werde ich die Problematik der `Herangehensweise an Probleme´ darstellen. Ein Projekt unterscheidet sich von Aufgaben häufig dadurch, dass dieses nicht als routiniert Handlung angesehen werden kann. Das betrifft keinesfalls nur die Leitung eines Projektes, sondern auch die Anforderungen an die einzelnen Mitarbeiter. Wegen der Neuartigkeit der auftauchenden Probleme aber auch aufgrund des Erwartungs- und Zeitdrucks sind Projekte mit einer besonderen Herausforderung gekennzeichnet. Bei Projekten werden plötzlich neue Herangehensweisen verlangt, die besondere Vorgehensweisen des Handelnden voraussetzen. Projekte sind daher im Gegensatz zu einfachen Aufgaben dadurch gekennzeichnet, dass sie eine `Schrittweise´ Vorgehensweise beinhalten und häufig in `Teilziele´ untergliedert sind. Ähnlich wie bei Projekten versucht die Forschung Konzepte und Merkmale zu bestimmen um dem Problemlöser Lösungsschritte für die `Herangehensweise an Problemen´ zu bieten. Vier Herangehensweisen sollen in den nächsten Abschnitten kurz dargestellt werden.

Die Suche im Problemraum

Die Konzeption des Problemlösens als Absuchen eines Problemraums wurde von Newell und Simon entwickelt, zwei hervorstechenden Personen in der Kognitionswissenschaft “ (Anderson, 2007, S. 292). Ein Problemraum wird nach Zimbardo und Gerrig (2004) als Elemente aus denen ein Problem besteht bezeichnet, d.h. aus dem Anfangszustand, die unvollständige Information als Ausgangspunkt, einem Zielzustand, dem Informationsstand oder der Zustand der erzielt werden soll sowie die Menge der `Operatoren´, also der Schritte, mit deren Hilfe man sich vom Anfangszustand zum Zielzustand bewegt. Die Suche im Problemraum stellen sich die Autoren wie in einem Labyrinth vor. Das Labyrinth hat ein Eingang (Anfangszustand) und am Ausgang (Zielzustand) befindet sich beispielsweise ein Koffer mit Geld. Doch bevor dieses Geld erreicht werden kann, müssen durch bestimmte Handlungen oder Schritte (z.B. in 1. Gang links, dann 3. Gang rechts dann zurück laufen) der Ausgangszustand in einen neuen Zustand transformiert werden (z.B. Erreichen einer neuen Kreuzung) und diesen wiederum in einen neuen (z.B. Erreichen einer weiteren Kreuzung) usw. Je nach Problem gibt es eine Vielzahl von möglichen Zuständen.

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Ende der Leseprobe aus 99 Seiten

Details

Titel
Kognitive Komplexität und Problemlösen in Organisationen
Hochschule
Fachhochschule Heidelberg  (Fakultät für Sozial- und Verhaltenswissenschaften)
Note
1,9
Autor
Jahr
2008
Seiten
99
Katalognummer
V174556
ISBN (eBook)
9783668382367
ISBN (Buch)
9783668382374
Dateigröße
2592 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
kognitive, komplexität, problemlösen, organisationen
Arbeit zitieren
Paula Azevedo (Autor), 2008, Kognitive Komplexität und Problemlösen in Organisationen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/174556

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