Partizipation von Frauen in politischen Parteien

Innerparteiliche Gleichstellungspolitik am Beispiel der SPD


Bachelorarbeit, 2011

67 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

1. Einleitung
1.1 Problemstellung, erkenntnisleitende Fragestellung und Zielsetzung der Untersuchung
1.2 AufbauderArbeit
1.3 Begriffsbestimmungen
1.3.1 Partizipation
1.3.2 Gleichstellungspolitik
1.3.3 Parteien als Organisationen

2 Theoretische Grundlagen
2.1 Forschungsstand
2.2 Erklärungsansätze
2.2.1 Sozio-ökonomisches Ressourcenmodell
2.2.2 Rational-Choice-Ansatz
2.2.3 Sozialisationsthese
2.2.4 Strukturelle Zugangsbarrieren
2.2.5 Abkömmlichkeitsthese
2.3 Ausgewählte Forschungsansätze
2.3.1 Mikropolitik
2.3.2 Doing Gender
2.3.3 Organisationskultur

3 Untersuchungsmethodik
3.1 Wahl des methodischen Forschungsansatzes
3.2 DieUntersuchungsgruppe
3.3 Datenerhebung
3.4 Datenauswertung

4 Innerparteiliche Gleichstellungspolitik
4.1 SPD
4.2 CDU
4.3 CSU
4.4 FDP
4.5 BÜNDNIS90/DIE GRÜNEN
4.6 DIE LINKE

5 Empirische Analyse
5.1 Frauenrepräsentanz in Parteien
5.1.1 Frauenrepräsentanz im Ebenenvergleich
5.1.1.1 Frauen in den Spitzenpositionen der Parteien
5.1.1.2 Frauen inder SPD
5.2 Parlamentarische Frauenrepräsentanz im Ebenenvergleich
5.2.1.1 Parlamentarierinnen der SPD
5.3 Zwischenfazit
5.4 Qualitative Analyse
5.4.1 Gleichstellung und Quote
5.4.2 Zeitkultur
5.4.3 Kommunikationskultur
5.4.3.1 Debattenkultur
5.4.3.2 Thematisierung - Dethematisierung
5.4.4 Closed circle
5.4.4.1 Macht
5.4.4.2 Verhältnis von Frauen zur Macht
5.4.4.3 Old-Boys-Networks und ihr Einfluss
5.5 Kritik der qualitativen Analyse

6 Fazit

Literaturverzeichnis

Anhang

Index Zuordnung

Online-Fragebogen an die Landtagsfraktionen

Auswertung der Fragebögen an die Landtagsfraktionen

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 3.1: Liste der Befragten

Abbildung 5.1 Anteil der Frauen an den Parteimitglieder 1990-

(Angaben in Prozent)

Abbildung 5.2: Anteil der Frauen in Spitzenpositionen der Parteien

Abbildung 5.3: Anteil der Frauen in Führungspositionen der SPD Gliederungen

Abbildung 5.4: Bundestagsabgeordnete nach Wahlkreis, Liste, Geschlecht und Partei

Abbildung 5.5: Weibliche SPD-Bundestagsabgeordnete seit 1949

Abbildung 5.6: SPD Landtagsabgeordnete

Abbildung 5.7: Frauen in den Landtagsfraktionsspitzen

Abbildung 5.8: SPD-Ratsmitglieder in Gemeinden mit 10.000 Einwohner und mehr

Abbildung 5.9: Vorsitzende in SPD-Stadt- bzw. Kreistagsfraktionen

1 Einleitung

1.1 Problemstellung, erkenntnisleitende Fragestellung und Zielsetzung der Untersuchung

„Mädchen wollen nicht nur die Hälfte des Himmels, sondern auch die Hälfte der Macht!“

propagierten Alice Schwarzer und die zweite Deutsche Frauenbewegung zum Ende der 1970er Jahre. Heute, am Ende der ersten Dekade des 21. Jahrhunderts und gut 90 Jahre nach Einführung des Frauenwahlrechts, regiert zwar eine Bundeskanzlerin in Deutschland und Ministerpräsidentinnen in Nordrhein-Westfalen und Thüringen, aber, so die Hypothese dieser Arbeit, ist die Hälfte der Macht noch lange nicht erlangt. Im Gegenteil, die „Gläserne Decke“ ist immer noch auf allen Ebenen vorhanden.

Forderte Artikel 3 des Deutschen Grundgesetzes im Abs. 2 noch in seiner ursprüng­lichen Fassung „nur“ „Männer und Frauen sind gleichberechtigt“ (GG vom 23.5.1949)1,

so gingen die Forderungen nach der Verfassungsreform von 1994 erheblich weiter, und der Absatz wurde ergänzte durch:

"Der Staat fördert die tatsächliche Durchsetzung der Gleichberechtigung von Frauen und Männern und wirkt auf die Beseitigung bestehender Nachteile hin." (Dürig 1994)

Jetzt wurde allen staatlichen Institutionen und dem Gesetzgeber ein unmiss­verständlicher Auftrag erteilt, überall dort, wo Frauen de facto benachteiligt und dis­kriminiert werden, tätig zu werden.

Diesen Staatsauftrag müssen auch die politischen Parteien erfüllen. Gerade sie, die im Rang einer verfassungsrechtlichen Institution stehen und als die dynamischen Faktoren des politischen Lebens im Staat zu sehen sind, in denen die politischen Ideen entstehen und weiter wirken, haben die Pflicht in der Erfüllung von Verfassungsaufgaben eine Vorreiterrolle zu spielen (vgl. BVerfGe 2,1/73).

Ausgangspunkt und Motor dieser Arbeit ist die persönliche Betroffenheit, bin ich doch seit fast dreißig Jahren selbst Mitglied der SPD. Dadurch ist sicherlich die Distanz, als Garant für Objektivität, zwischen Forscherin und Beforschten deutlich verkleinert und eine gewissen Subjektivität und Parteilichkeit ist nicht zu bestreiten. Diese Problematik nehme ich aber bewusst in Kauf. Ermöglicht doch gerade erst diese Parteilichkeit vielfach ein Verstehen und auch den Zugang zu den Expertinnen und Experten als Interview-Partner/innen. Außerdem muss angeführt werden, dass Frauen keine homogene Gruppe sind, vielmehr unterscheiden sie sich auf vielfältige Weise. Zudem muss beachtet werden, dass es im Rahmen der empirischen Analyse um einen ganz bestimmten Typ von Organisation geht, eine Partei. Die Partei als Organisation und der Beruf und das Ehrenamt des Politikers, der Politikerin, stellen ganz bestimmte Anforderungen an die Mitglieder. Die hier betrachteten Frauen, die Mitglied einer Partei sind, stellen in der großen inhomogenen Gruppe der Frauen nur einen keinen Teil dar.

Im Mittelpunkt dieser Arbeit stehen die Fragen, wie politische Organisationen, konkret politische Parteien, dem Staatsauftrag der Gleichstellung nachkommen, wie weit sie mit ihren Bemühungen vorangekommen sind und woran es liegt, dass noch erhebliche Partizipationsdefizite herrschen. Dies wird hier am Beispiel der SPD untersucht. Dabei geht es auch darum, die Frage nach der Gleichstellung aus einem verändertem Blickwinkel zu sehen. Frauen sollen als Subjekte der Forschung und als aktiv Handelnde im Mittelpunkt der Erkenntnisgewinnung stehen.

Um Antworten auf diese Fragen zu finden, wurden neben einer detaillierten quantitativen Analyse der Unterrepräsentanz von Frauen in den verschiedenen Ebenen zehn nicht-standardisierte Interviews mit weiblichen und zwei mit männlichen SPD Mitgliedern geführt. Dabei sollten die subjektiven Erfahrungen der Befragten im Vordergrund stehen. Es wurde daher bei den Interviews im besonderen Maße darauf Wert gelegt, dass den Einschätzungen und Schilderungen ein größtmöglicher Raum gewährt wurde.

1.2 Aufbau der Arbeit

Die Arbeit ist dabei wie folgt gegliedert: Nach einer begriffsbildenden Annäherung der in dieser Arbeit betrachteten Dimensionen von Partizipation, Gleichstellungs­politik und Parteien als Organisationen skizziere ich im zweiten Kapitel zunächst den Forschungsstand. Sodann wird das theoretisch-konzeptionelle Gerüst erläutert, das der weiteren Arbeit zu Grunde liegt. Im Anschluss daran stelle ich im dritten Kapitel den Aufbau des methodischen Untersuchungsrahmens dar. Zu Beginn des vierten Kapitels zeige ich die Gleichstellungspolitik der sechs im Bundestag vertretenen Parteien unter Analyse ihrer Parteiprogramme und Frauenorganisationen auf. Daran anschließend stelle ich im fünften Kapitel die Ergebnisse meiner Analyse vor. Dazu analysiere ich zunächst die Repräsentanz von Frauen in diesen Parteien im allgemeinen und insbesondere in der SPD. Sodann stelle ich die Repräsentanz von Frauen der parlamentarischen Ebenen unter besonderer Berücksichtigung der SPD- Fraktionen dar. Im zweiten Teil des fünften Kapitels erfolgt eine qualitative Analyse der möglichen Ursachen der Unterrepräsentanz anhand ausgewählter Experten- und Expertinnen-Interviews.

1.3 Begriffsbestimmungen

1.3.1 Partizipation

Partizipation ist eine demokratische Notwendigkeit (Nassmacher 2004 S. 25) und im Sinne der Beteiligung an politischen Willensbildungs- und Entscheidungsprozessen als demokratisches Grundrecht unbestritten (Gabriel 2004 S. 317).

Grundsätzlich ist politische Partizipation zu sehen als jene Aktivitäten von Bürgern und Bürgerinnen, die in der Absicht ausgeführt werden, entweder direkt oder indirekt die politischen Entscheidungen auf den verschiedenen Ebenen des politischen Systems zu beeinflussen (Kaase 1992 S. 146).

Die Dimensionen der politischen Partizipation sind vielfältig. So kann grob unterschieden werden zwischen der eher konventionellen (verfassten, gesetzlich garantierten und geregelten) Partizipation, also zum Beispiel der Mitarbeit in Parteien oder der Unterstützung von Kandidaten, und der unkonventionellen (nicht verfassten) Partizipation, die sich auf den nicht institutionalisierten Bereich erstreckt, wie etwa dem Engagement in Bürgerinitiativen und den diskursiven Bereich (Nohlen 2003 S. 371). Dabei finden politische Aktivitäten „nicht selbstinduziert im gesellschaftlich-politisch luftleeren Raum statt“, sondern werden vielmehr von bestimmten Einflussfaktoren bestimmt (Kasse 1992 S. 158). Zu nennen sind: situative Elemente, wie z.B. bestimmte mobilisierende Ereignisse und subjektive Einstellungen2, wie die Einstufung der persönlichen Kompetenz oder die Überzeugung, effektive Handlungsmöglichkeiten zu haben. Daneben spielen auch institutionelle Gegebenheiten, wie etwa das Wahlsystem, eine Rolle.

Innerparteiliche Partizipation, als eine spezielle Form der verfassten Partizipation, kann nach Joachim Raschke in zwei Arten unterschieden werden: In Organisations­und Entscheidungspartizipation. Organisationspartizipation beschreibt die bloße Teilnahme ohne Entscheidungsteilhabe am Organisationsleben (in Versammlungen, Ausschüssen, Gremien etc.). Entscheidungsteilhabe dagegen ist die Teilnahme an verbindlichen innerparteilichen Entscheidungen auf unterschiedlichen Ebenen (Raschke 1975 S.12).

Im Folgenden soll in dieser Arbeit das innerparteiliche Partizipationsniveau als Bestimmungsfaktor für den Grad der Gleichstellung, vornehmlich an der Repräsen­tanz von Frauen in Parlamenten und in den Entscheidungsgremien der politischen Parteien im Sinne der Entscheidungsteilhabe, aufgezeigt werden.

1.3.2 Gleichstellungspolitik

Im Rahmen dieser Arbeit möchte ich mich auf folgende Definition von Gleich­stellungspolitik beziehen, da sie alle Bereiche der Gesellschaft mit einbezieht, also auch den parteipolitischen Bereich.

„Ziel von Gleichstellungspolitik ist die gleiche Verteilung von Ressourcen und die gleichberechtigte Teilhabe von Frauen und Männern auf allen Ebenen und in allen Bereichen der Gesellschaft. Zu ihrem Handlungsrepertoire gehören insbesondere Unterstützungs- und Fördermaßnahmen wie beispielsweise Frauenförderung sowie Antidiskriminierungsmaßnahmen, um genderspezifische Diskriminierungen abzubauen und Chancengleichheit herzustellen“ (Genderkompetenz 2010).

1.3.3 Parteien als Organisationen

Organisationen weisen zu ihrer Errichtung zwingend Merkmale wie „Erreichung ausdrücklicher Ziele“, das „Vorhandensein formaler Strukturen“ oder „auf Dauer und Bestand ausgelegt zu sein“, sowie klare Verfahren zur Inklusion bzw. Exlusion auf (Endruweit 2004 S. 19-20).

Parteien sind nach Pazelt dauerhafte, öffentlich agierende, bei Wahlen Kandidaten präsentierende, organisatorische Zusammenschlüsse von sozial und/oder interes­sensmäßig und/oder durch gemeinsame politische Ziele verbundenen Personen, die in einem politischen System danach streben, die Ausübung öffentlicher Macht und Herrschaft in ihrem Sinne zu gestalten, zu diesem Zweck politische Führungspositionen besetzen wollen (vgl. Patzelt 2003).

Demnach sind Parteien als eine spezielle Form von Organisation zu sehen, wobei an dieser Stelle daraufhin gewiesen sei, dass Parteien einige Eigenheiten haben, die sie von anderen Organisationen im erheblichem Maße unterscheiden.

2 Theoretische Grundlagen

Eine Arbeit, die sich mit der Unterrepräsentanz von Frauen in politischen Organi­sationen beschäftigt, kommt nicht umhin, sich mit gängigen Theorien und Erklä­rungsmodellen für die Unterrepräsentanz auseinander zu setzen.

2.1 Forschungsstand

Bis weit in die 1980er Jahre war die Partizipation von Frauen in Parlamenten und Parteien kaum Thema der politikwissenschaftlichen Forschung (Hoecker 1995 S. 16). Selbst nach den immer lauter werdenden Forderungen der Frauenforschung, die in den 1980er und 1990er Jahren artikuliert wurden, trat keine Änderung ein, sodass Birgit Sauer auch zu Anfang des neuen Jahrhunderts immer noch festhalten musste:

„Politikwissenschaft beforscht also, ohne dass sie sich dessen bewusst wird, vornehmlich Männer und verfährt nach dem Prinzip: Wo keine [...] Frauen sind, gibt es kein Frauen- bzw. Geschlechterproblem, die Abwesenden, nämlich Frauen, werden nicht thematisiert, und Männer, die sichtbar Anwesenden, werden geschlechtslos wahrgenommen“ (Sauer 2001 S. 89).

Und auch heute noch muss der Forschungsstand als defizitär deklariert werden:

„Mit ganz wenigen Ausnahmen gilt heute noch, dass die deutsche Politikwissenschaft die extreme Frauenunterrepräsentanz, insbesondere in den politischen Führungspositionen nicht als relevantes Forschungsthema behandelt“ (Holtkamp/Schnittke 2010 S. 16).

Und mehr noch, auch für die nähere Zukunft prognostizieren Holtkamp und Schnittke keine bemerkenswerte Veränderung:

„Unabhängig davon, wie die Erklärungen für diese großen Forschungslücken ausfallen, bleibt festzuhalten, dass [...] nicht erkennbar ist, dass sich die politikwissenschaftliche Forschung tatsächlich empirisch vertiefend mit den Ursachen der politischen Frauenrepräsentanz in Deutschland auseinandersetzen würde“ (Holtkamp/Schnittke 2010 S. 16).

Bei solch ausgeprägten Forschungslücken kann es nicht verwundern, dass bisher nur wenige Ansätze und Modelle zur Erklärung der innerparteilichen Unterreprä­sentanz überprüft wurden und so nur wenig Aufschluss darüber gegeben werden kann, welche Ursachen am wirkungsvollsten sind und wie diese politisch beeinflusst werden können. Nach dem gängigen Erklärungsmodell können unterschiedliche institutionelle und sozio-ökonomische Faktoren, sowie die politische Kultur relativ gleichrangig als Ursache für die niedrige Repräsentanz von Frauen angenommen werden (vgl. Hoecker 1998).

2.2 Erklärungsansätze

Zur Erklärung von politischer Partizipation finden sich in der Literatur unter­schiedliche und vielschichtige Ansätze (z.B. Hoecker 1995, Westle 2001, Geißel/Penrose 2003), von denen ich hier exemplarisch einige kurz diskutiere:

2.2.1 Sozio-ökonomisches Ressourcenmodell

Nach diesem unumstrittenen Modell bestimmt der sozio-ökonomische Status wie Schulbildung, Beruf oder Einkommen über die Bereitschaft und Kompetenz zur Parti­zipation (Katt 2000 S. 51). Zumindest bei der Schul- und Ausbildung weisen Frauen heute keine Defizite mehr auf. Im Gegenteil, heute sind Frauen in der Regel besser ausgebildet als Männer (BMFSFJ 2002 S. 20). Gleichzeitig ist die Lebenswirklichkeit der Frauen noch immer durch ein geringeres Einkommen und untergeordnete berufliche Positionen gekennzeichnet (BMFSFJ 2010a). Sozio-ökonomische Ressourcen beeinflussen auch das individuelle Zeitbudget, das für ein politisches Engagement notwendig ist. So ermöglichen die Ressourcen, sofern vorhanden, Frauen die Abkömmlichkeit von Familien- und Mutterpflichten.

2.2.2 Rational-Choice-Ansatz

Dieser Ansatz geht von dem Modell eines rational handelnden Akteurs aus, der Kosten und Nutzen politischer Beteiligung abwägt und sich dann entweder für oder gegen ein Partizipationsverhalten entscheidet. Demnach steht bei Mitgliedern von Parteien und Parteipolitiker/innen weniger die Verwirklichung politischer Konzepte als vielmehr eigennützige Überlegungen zur Verwirklichung persönlicher profitabler Ziele im Vordergrund (Downs, Anthony 1957 zitiert nach Katt 2000). Demnach würde objektiv betrachtet jeder Mensch, der sich engagiert, irrational handeln, obwohl er keinen monetären Nutzen oder Karriereaufstieg zu erwarten hat. Um dieses Paradoxon aufzulösen, bedarf es komplizierter Erklärungsmodelle (Katt 2000 S. 53).

2.2.3 Sozialisationsthese

Nach diesem Modell erfahren Mädchen eine politikferne Sozialisation, die sich primär auf den privaten Lebensraum fokusiert, Jungen dagegen erfahren eine politiknahe Sozialisation, die den öffentlichen Raum in den Mittelpunkt stellt. Die daraus resultierenden Geschlechtsrollenvorstellungen führen zu politischem Des­interesse und geringerem Engagement von Frauen. Eine Auflösung solcher traditioneller Sozialisationsmuster und alter Rollenvorstellungen sollte zu einer Annäherung im Partizipationsniveau führen (Westle 2001 S. 131).

2.2.4 Strukturelle Zugangsbarrieren

Dieses Modell begründet die geringe Partizipation von Frauen dadurch, dass Strukturen3, die in Organisationen auf Macht und Herrschaft verweisen, Frauen durch geschlechtsspezifische Zugangsbarrieren von Macht- und Führungspositionen in Organisationen ausschließen.

Eine Folge daraus, die oft genannte Fremdheit von Frauen in der Politik, ist auf ihre geschichtliche Nicht-Teilhabe am Aufbau der bis heute geltenden Strukturen und Prozesse innerhalb politischer Organisationen zurückzuführen. Frauen können sich nur schwer mit einem politischen System vertraut machen, an dessen Entwicklung sie nicht mitgewirkt haben, da sie „nur“ für die reproduktive Zuarbeit eingesetzt wurden. So wird der gesamte politische Apparat von Frauen als Ausdruck kulturspezifischer Männlichkeit, als „männerbündisch“ erlebt (Kreisky 1992).

2.2.5 Abkömmlichkeitsthese

Nach dieser These lässt sich politisches Engagement nur schwer mit Familienarbeit - insbesondere der Betreuung von Kindern - verbinden. Gerade mit dem inner­parteilichen Aufstieg erhöht sich die zeitliche Belastung und Arbeitsintensität stark, sodass Frauen aufgrund ihrer ihnen immer noch zugeschriebenen Zuständigkeit für Haushalt und Familie kaum Zeit für ein Partei-Engagement bleibt (Hoecker 1998 S. 81).

2.3 Ausgewählte Forschungsansätze

Um Ursachen für die Unterrepräsentation von Frauen in Parteien auszumachen, werde ich in dieser Arbeit zur Erklärung der Unterrepräsentanz in politischen Orga­nisationen auf folgende ausgewählte theoretische Ansätze rekurieren. Der analytische Rahmen, der dabei aufgespannt wird, ist gekennzeichnet durch das Verbinden unterschiedlicher Theorien. Durch die Integration verschiedener Theorie­elemente soll so eine bessere Aussage über die Realität gelingen (Blum 2009 S. 37).

2.3.1 Mikropolitik

Beim mikropolitischen Ansatz steht weniger - wie etwa beim akteurszentrierten Institutionalismus - das Gefüge aus Akteurskonstellationen, sie prägenden Insti­tutionen und Steuerungsinstrumenten, aus dem sich bestimmte politische Entscheidungen ergeben, im Mittelpunkt (Blum 2009 S.45). Ist doch festzuhalten, dass Organisationen weder für alle denkbaren Situationen festgelegte Strategien haben, noch dass sie als einheitliche Akteure zu betrachten sind, so dass die in den Organisationen agierenden Akteure erhebliche Handlungsspielräume besitzen (Mayntz/Scharf 1995 S. 50). Die Micro-Policy-Forschung widmet sich vielmehr der politischen Alltagspraxis, den kleinteiligen, detaillierten Elementen und Mechanismen des Policy-Bereiches (Nullmeier et al. 2003 S.9) Policy-Entscheidungen sollen dadurch besser verstanden werden (Blum 2009 S. 45). So kann die mikropolitische Perspektive einen tieferen Blick in die Parteien und auf mögliche Defizite und deren Ursachen bei der Umsetzung von Regeln, Normen oder Politikinstrumenten, wie etwa der Quotenregelung, eröffnen.

Durch die Micro-Policy-Analyse als Analyse der inneren Funktionsweise eines Politikfeldes - hier die Gleichstellungspolitik in politischen Organisationen - werfe ich einen Blick auf die handelnden Akteure, alltägliche Prozesse, die in diesem Politikfeld stattfinden und auf die politischen Strukturen, „die sich durch leicht variierende Wiederholungen, durch dauernde kleine Modifikationen, durch langsame Änderungen reproduzieren und manchmal in ereignisreichen oder sogar dramatischen Momenten grundlegend ändern.“ (Nullmeier S. 9) So erhoffe ich mir Verständnis für die Mechanismen, die in diesem Politikfeld vorherrschen. Stehen doch „Reformfähigkeit und Veränderungsoffenheit, Stillstand und Beharrung, mit den Besonderheiten der Policy-Mikrowelt in engem Zusammenhang“ (Nullmeier S. 10).

Durch die Micro-Policy-Analyse kann auch eine klare Verschränkung der Akteurs­ebene mit der Organisationsebene gezeigt werden. Bezieht man nämlich Erkenntnisse der Organisationsforschung mit ein, wie etwa, dass Reformen in Orga­nisationen „immer mit einer Neuverteilung der Gewinn- und Verlustchancen ein­hergehen“, so erklärt dies, „dass Reformen in besonderer Weise von den mikro­politischen Spielen der Akteure geprägt sind“ (Klenk/Nullmeier 2003 S. 95).

Daraus resultierende mögliche Widerstandsstrategien wirken auf mikropolitischer Ebene und dies meist verdeckt. So gilt als eine der ungeschriebenen Regeln in modernen Organisationen:

„Offener Widerspruch erscheint als politisch nicht korrekt [...] Gegen Gleichstellung wehrt man sich nur verdeckt“ (Jüngling/Rastetter 2008 S. 132).

Die Micro-Policy-Analyse geht von interessengeleiteten und strategisch handelnden Akteuren in den Arenen der Organisationen aus, die unter anderem Ressourcen mobilisieren und Machtchancen nutzen (Wilz 2002). Daher konzentriere ich mich in dieser Untersuchung in der Micro-Policy-Analyse auf theoretische Ansätze der Akteurs- und Organisationebenen. Auf der Akteursebene diskutiere ich den Ansatz des doing gender und auf der Organisationsebene den der Organisationskultur.

2.3.2 Doing Gender

Um dem Begriff doing gender näher treten zu können, bedarf es zunächst einer Erläuterung des Begriffes Gender. Gender ist ein englischsprachiger Fachbegriff für das heute in der Wissenschaft anerkannte Verständnis von Geschlecht. Im Gegensatz zum deutschen Begriff Geschlecht, der meist biologische Unterschiede assoziiert und im englischen als „sex“ bezeichnet wird, umfasst der Begriff Gender viel mehr. Gender beeinflusst dabei in vielschichtiger Weise unser Denken. Etwa die unterschiedlichen Erwartungen, die wir an Frauen und Männer stellen, die stereotypen Vorstellungen von dem, was weiblich oder männlich ist, die wir täglich in Bildern reproduzieren, zum Beispiel in der Werbung.

Gender soll in dieser Arbeit aber auch eine weitere Dimension ausfüllen. Nicht nur die der individuellen Geschlechtsidentität, sondern auch als fundamentales Strukturmuster sozialer Organisation, das sowohl die öffentliche als auch die private Sphäre erfasst und in alle Bereiche gesellschaftlichen und politischen Handelns hinein spielt ( Hartje 1998 S.13).

Ein Ansatz aus der Geschlechterforschung ist doing gender von Candace West und Don Zimmerman (West/Zimmerman 1987). Ihr Ansatz beruht auf der Annahme, dass soziale Wirklichkeit sozial konstruiert ist und in Folge auch Geschlecht sozial konstruiert wird. Dabei wird Geschlecht (Gender) nicht als Eigenschaft oder als Merkmal betrachtet, sondern als Produkt sozialer Mechanismen und Situationen, in denen Geschlecht als soziale folgenreiche Unterscheidung konstituiert und reproduziert wird (Gildemeister/Wetterer 1992 S. 212). Das heißt, wir haben nicht einfach ein Geschlecht, Mann oder Frau, sondern müssen in einer bestimmten Art und Weise handeln, um in unserem sozialen Umfeld als Frau oder Mann wahrgenommen und akzeptiert zu werden. Für diese Arbeit soll diese bestimmte Art und Weise, die durch strukturelle, kulturelle, soziale und normative Vorgaben des Geschlechts bestimmt ist, als Gender-Konvention bezeichnet werden.

So wird im täglichen Umgang der Menschen miteinander zur Identifikation des Anderen als „weiblich“ oder „männlich“ zurückgegriffen auf die Darstellungen und Interpretation dieser Darstellungen in den Interaktionen. Wobei Interaktionen immer dann entstehen, wenn Menschen sich wechselseitig wahrnehmen und aufeinander reagieren können. Geschlecht ordnen wir nach dem Ansatz des doing gender durch Verhaltensweisen, Gesten, Tätigkeiten oder auch in Berufsdefinitionen zu (Gildemeister/Wetterer 1992).

Geschlechtszugehörigkeit und Geschlechtsidentität sind so einem ständigen (und wiederkehrenden) Herstellungsprozess unterworfen, der zusammen mit faktisch jeder menschlichen Aktivität vollzogen wird (Frey Steffen 2006 S. 21). Wenn Geschlecht als soziales Konstrukt durch Interaktionen immer wieder neu bestimmt wird und dessen Bewertung zur Aufrechterhaltung sozialer Strukturen beiträgt, so werden politische Prozesse und Institutionen selbst Gegenstand des doing gender (Leitner 2005 S. 8).

Im Rahmen dieser Arbeit muss also auch untersucht werden, wie Organisationen und politische Akteurinnen und Akteure an der Konstruktion von Geschlecht mitwirken und welche Rolle Geschlechterbilder und Strukturen dabei spielen. Beeinflusst doch geschlechtsspezifische Differenzierung und Reproduktion geschlechtsspezifischer Ungleichheiten durch das Festlegen von Rahmen­bedingungen der sozialen Interaktionsprozesse die Entwicklung von Regeln und Regelstrukturen (Leitner 2005 S.18). Beschrieben wird also, welche Mechanismen und Prozesse die Geschlechterdifferenzierung bestimmen. Dabei werden mehrere Dimensionen angesprochen: die vielfältigen sozialen Interaktions-, Kommunikations­und Deutungsmuster, sowie die verschiedenen Kontexte und Medien, die Geschlechterdifferenzierungen hervorrufen bzw. unterstützen. Im Mittelpunkt stehen also nicht einzelne Personen, sondern soziale Praktiken, die in Konstruktions­prozessen in spezifischen Kontexten stattfinden.

Hinzu kommt, dass der Ansatz auch die Annahme verfolgt, „dass mit der symbolischen Herstellung von Geschlecht zugleich die Hierarchie zwischen den Ge- schlechtem (re-)produziert wird. Die Geschlechterrelation, die sich in der Interaktion symbolisch ausdrückt, ist in der Regel die Dominanz des Männlichen und die Unterordnung des Weiblichen“ (Bogner 2005 S. 197).

An einigen Beispielen möchte ich die - für diese Arbeit - wichtigsten Dimensionen des doing gender erläutern. So spielt in der politischen Arbeit Kommunikation eine hervorgehobene Rolle. Studien, die sich mit dem Kommunikationsverhalten von Frauen und Männern befassen, zeigen zum Beispiel, dass Männer Frauen in Gesprächen viel häufiger unterbrechen als umgekehrt (vgl. Trömel-Plötz 1984). Dieses Unterbrechen im Reden hat etwas mit Macht, Machtstrukturen und Machtverhältnissen zu tun. In unserer tradierten Geschlechterkultur sind es die Männer, die das Recht haben, Frauen zu unterbrechen (West/Zimmerman 1987 S.111). Andere Untersuchungen zeigen, dass Männer insgesamt einen domi­nanteren und hierarchischeren Gesprächsstil pflegen und ihre Themen durchsetzen. Frauen dagegen zeigen sich eher unterstützend, kooperativ und egalitär (vgl. Ayaß 2008 S. 65).

„Frauen scheitern oft an der Durchführung längerer Gesprächsbeiträge, weil Männer nur sehr minimal auf ihre Einführungen von Themen reagieren“ (Ayaß 2008 S. 65).

Weitere Dimensionen des doing gender betreffen Rituale, geschlechtstypische Berufswahl oder Körperstrategien. Rituale zeigen sich zum Beispiel im gemeinsamen Bier im Hinterzimmer nach der Sitzung.

Immer noch werden der Beruf des Ingenieurs oder des Politikers als typisch männlich und der im pflegenden (care) Bereich als typisch weiblich gesehen und auch die eigentliche Berufswahl ist doing gender. Damit einher geht die Arbeitsteilung in Reproduktions-, Sorge- und Erwerbsarbeit sowie die gesellschaftl­iche und ökonomische Auf- bzw. Abwertung dieser Arbeit.

Eine Körperstrategie - der raumgreifende Körperstil, in dem Männer eher den öffentlichen Raum okkupieren und Frauen sich eher selbst begrenzen (vgl. Henley 1988) - wird oft in Kombination mit dem Kommunikationsstil angetroffen. Man betrachte nur die Länge und Anzahl von Redebeiträgen auf Parteitagen und Konferenzen (siehe Kapitel 5.4.3.1).

2.3.3 Organisationskultur

Die Vorstellung von Gender-Konstruktion stellt unmittelbar Begriffe wie „Handlungen“, „Tun“, „Wahrnehmen“ oder „Machen“ vor dem Hintergrund des sozialen Umfeldes mit seinen Regeln in den Fokus. Eine weitere Perspektive auf Handlungen bietet die auf die Organisation, in der gehandelt wird. Organisations­strukturen unterstützen bzw. behindern Akteure in ihrem Handeln innerhalb der Organisation. Umgekehrt beeinflussen die Akteure den Aufbau der Strukturen und passen sie an ihre Lebensverläufe, Spielregeln und Erwartungen an (Ortmann et al. 2000 S. 317). Organisationen selbst sind geprägt durch Bedeutungen, Normen, Werte, Rituale, Meinungen, Einstellungen und Orientierungsmuster, die die Organi­sationsmitglieder aller Stufen gemeinsam teilen (vgl. Kobi 1986 S. 13).

Schein (1995) geht noch einen Schritt weiter und definiert Kultur nicht nur über die oben beschriebenen geteilten Gemeinsamkeiten, sondern schreibt ihr die Elemente strukturelle Stabilität und Integrität - ein Paradigma, das die Gemeinsamkeiten zu einem Ganzen zusammenfügt - zu. Folglich betrachtet er die Dinge „die dem menschlichen Bedürfnis nach Stabilität, Folgerichtigkeit und Sinn entspringen“ (Schein 1995 S. 23.) und definiert Organisationskultur als „ein Muster gemeinsamer Grundprämissen, das die Gruppe bei der Bewältigung ihrer Probleme [...] erlernt hat, das sich bewährt hat und somit als bindend gilt; und das daher an neue Mitglieder als rational und emotional korrekter Ansatz für den Umgang mit Problemen weitergegeben wird“ (Schein 1995 S. 25).

Schein sieht den größten Nutzen in dem Begriff Kultur darin, dass er „[...] zur Erklärung der eher unverständlichen und irrational erscheinenden Aspekte von Gruppen und Unternehmen4 beiträgt“ (Schein 1995 S. 28).

und so strukturelle dynamische Prozesse innerhalb einer Organisation erhellt. Parteienkultur, im Sinne von Organisationskultur der Parteien, spiegelt sich demnach auch in den Auffassungen der Mitglieder über die eigenen politischen Kompetenzen, Normen, Strukturen, Inhalte und das politischer Engagements wider.

3 Untersuchungsmethodik

Frauen dringen in politischen Organisationen kaum in die Top-Positionen vor, obwohl sie durchaus das Potential5 zu einem Aufstieg an die Spitze hätten. Zwar kommen Frauen mittlerweile durchaus soweit, dass sie durch die „gläserne Decke“ die obersten Hierarchieebenen sehen, durchdringen können Frauen diese „gläserne Decke“ aber nur selten, als ob eine unsichtbare Macht sie davon abhalten würde. Was liegt also näher, als auf folgende Fragen Antworten zu suchen:

- Wie stark sind Frauen in Parteien, im Besonderen in der SPD sowie in den politischen Entscheidungs- und Machtzentren der unterschiedlichen Ebenen (Bund-Land-Kommunen) unterrepräsentiert?
- Welche Ursachen sind für diese Unterrepräsentanz festzustellen?

3.1 Wahl des methodischen Forschungsansatzes

In der Mainstream-Partizipationsforschung dominiert seit deren Anfängen die Um­frageforschung anhand repräsentativer Bevölkerungsstichproben (Hoecker 1995 S. 20). Die ersten repräsentativen, auf Individualdaten basierenden Untersuchungen konzentrierten sich auf die Analyse konventioneller Beteiligungsformen. Dabei lag der Fokus dieser empirischen Studien auf Formen, Bedingungen und Hindernissen von allgemeiner Wahlbeteiligung und parteiorientierter Partizipation auf nationaler Ebene. Später wurden sowohl institutionalisierte als auch nicht-institutionalisierte Formen der regionalen, nationalen und internationalen Ebene erforscht (Geißel/Penrose 2003 S. 5).

Das eigentliche Ziel der Umfrageforschung als quantitative Methode liegt darin, bei genügender theoretischer Absicherung, repräsentative und reproduzierbare, zahlen­mäßige Aussagen zu erhalten und so Theorien zu testen.

Anders die qualitative Forschung. Sie versucht, einen tieferen Informationsgehalt und Erkenntnisse über Problemzusammenhänge und auch eine Hypothesenbildung zu erreichen (Blum 2009 S. 47). Die qualitative Forschung wird als die „ange­messenste“ und „wirksamste“ Methode gesehen, notwendige Informationen zu erhalten und mit den Schwierigkeiten einer empirischen Forschungssituation zurecht zu kommen. Die qualitative Forschung ist dabei zu sehen „als eine Strategie, die auf die Entdeckung gegenstandsspezifischer Theorien gerichtet ist und ihre Aufgaben nicht darin sieht, Handlangerdienste für quantitative Sozialforschung zu leisten“ (Textmarkierung wie im Original Glasser/Strauss 1984 S. 92).

Gemäß der „Grounded Theory“, für die ich mich als Forschungsansatz entschieden habe, ist eine Gleichzeitigkeit der Datensammlung und -analyse notwendig, damit durch die Rückkopplung sichergestellt ist, dass die Theorie bestmöglich den Daten entspricht und nicht umgekehrt. (Glasser/Strauss 1984 S. 93) Die sich so entwickelnde Theorie wird dabei solange durch immer wiederkehrende Überprüfung, Veränderung und Weiterentwicklung erarbeitet, bis sie formuliert werden kann (Glasser/Strauss 1984 S. 95). Eine im Sinne der „Grounded Theory“ entwickelte Theorie geht also aus dem Forschungsprozess hervor, am Anfang der Forschung steht ein Untersuchungsbereich und keine Hypothese bzw. Theorie. Was relevant ist, wird sich erst im Forschungsprozess herausstellen und wird nicht schon am Anfang festgelegt, so nimmt die Hypothese erst nach und nach Gestalt an. Datengewinnung und Hypothesen- bzw. Theorieentwicklung wechseln sich dabei ab, wobei die integrierten Prozesse zum einen die aktive Suche nach Belegen steuern und zum anderen Wege zu verwandten Hypothesen erschließen ( Glasser/Strauss 1984 S. 93).

[...]


1 Der Satz ist im Übrigen der Sozialdemokratin Elisabeth Zellner zu verdanken. „Elisabeth Zellner war es, die den berühmten Satz in Artikel 3 GG gebracht hat, gegen den Widerstand der Männer und von den 5 Frauen im parlamentarischen Rat hat sie auch erst einige noch überzeugen müssen.“ (Hans-Jochen Vogel 2010 Zeit: 19:50)

2 Diese sind stark durch sozio-ökonomische Faktoren und durch Sozialisierung, die später näher erläutert werden, geprägt.

3 Organisationsstrukturen umfassen hier Autoritäts-, Rang-, Status,- Kommunikations- sowie Identifikationsdimensionen.

4 Schein betrachtet in seinem Buch „Unternehmenskultur“ eine spezielle Form von Organisationen, nämlich nach ökonomischen Gesetzen handelnde Unternehmen.

5 Insbesondere in der schulischen Bildung, die als Grundlage der weiteren Bildung gesehen werden muss, schneiden heute Mädchen sogar besser als Jungen ab (BMFSFJ Frauen in Deutschland 2002 S.20) .

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Details

Titel
Partizipation von Frauen in politischen Parteien
Untertitel
Innerparteiliche Gleichstellungspolitik am Beispiel der SPD
Hochschule
FernUniversität Hagen  (Politikfeldanalyse)
Note
1,0
Autor
Jahr
2011
Seiten
67
Katalognummer
V174582
ISBN (eBook)
9783640950928
ISBN (Buch)
9783640950164
Dateigröße
827 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
partizipation, frauen, parteien, innerparteiliche, gleichstellungspolitik, beispiel, Topic_Parteien
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Micky Wenngatz (Autor), 2011, Partizipation von Frauen in politischen Parteien, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/174582

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Titel: Partizipation von Frauen in politischen Parteien



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