Warum Gesellschaften überleben oder untergehen

Faktoren, die über das Überleben oder den Untergang von Gesellschaften entscheiden


Hausarbeit, 2010

13 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhalt

Einleitung

1. Faktoren, die zum Zusammenbruch einer Gesellschaft führen können

2. Die Rapanuis

3. Die Inuit

4. Warum manche Gesellschaften katastrophale Entscheidungen treffen

Fazit

Literatur

Einleitung

In Bezug auf Jared Diamonds „Kollaps“ möchte ich der Frage nachgehen, welche Fak­toren über das Überleben oder den Untergang von Gesellschaften entscheiden.

Als Beispiel führe ich die Osterinsel an, deren Bewohnern die Fähigkeit fehlte, die Folgen ihres Handelns abzusehen und entsprechend zu reagieren. Durch die extreme Waldzerstörung, ergab sich für die Bewohner der Insel (Rapanuis) die Folge, dass Rohstoffe und Nahrungsmittel fehlten und die Erträge der Nutzpflanzen zurückgingen. Die Menschen verhungerten und ihre Kultur ging unter.

Anschließend möchte ich auch ein positives Beispiel nennen, was eventuell Aspekte aufweist, die es wert sind nachgeahmt zu werden: Die Inuit beispielsweise waren in der Lage, auf die Herausforderungen des Klimawechsels angemessen zu reagieren. Sie leben nach wie vor in ihren angestammten Jagdgebieten.

Die Frage, warum manche Gesellschaften katastrophale Entscheidungen treffen führe ich im weiteren Verlauf an, sowie die Faktoren, die fehlerhafte Entscheidungen in Gruppen begünstigen und zu deren Untergang beitragen. Zum Schluss gehe ich der Frage nach, welche Lehre wir daraus ziehen können.

1. Faktoren, die zum Zusammenbruch einer Gesellschaft führen können

Zum Zusammenbruch einer Gesellschaft tragen immer mehrere Faktoren bei. Jared Diamand beschreibt in seinem Buch „Kollaps“ ein Schema, bestehend aus fünf Teilen, für Faktoren, die an solchen Ereignissen beteiligt sind.

Der erste Faktor betrifft die Umweltschäden. Damit sind Schäden gemeint, die eine Be­völkerungsgruppe unabsichtlich ihrer Umwelt zufügt. Vom Verhalten der Menschen, z.B. wie viele Bäume sie pro Hektar in einem Jahr abholzen, und von den Eigenschaf­ten der Umwelt, z.B. wie viele Keimlinge pro Hektar und Jahr neu anwachsen, hängt es ab, wie groß solche Schäden sind und auch wie sehr sie sich rückgängig machen las­sen. So kann es sowohl an mangelnder Klugheit der Menschen, als auch an besonderen Empfindlichkeiten der Umwelt liegen, dass nur manche Gesellschaften einen Zusam­menbruch der Umwelt erleben.

Ein weiterer Faktor sind die Veränderungen des Klimas. Die Veränderung des Klimas betrifft sowohl die Kräfte der Natur, als auch die vom Menschen verursachte globa­le Erderwärmung. In Gesellschaften früherer Zeiten waren Klimaveränderungen ein großes Problem, da die Menschen kürzer lebten und nicht schreiben konnten. Somit konnten nicht auf frühere Erfahrungen zurückgegriffen und dementsprechend reagiert werden. Es gab keine „Katastrophenhilfemechanismen“. Je nachdem können natürli­che Klimaveränderungen bessere oder schlechtere Folgen für eine Gesellschaft haben. Z.B. war die kleine Eiszeit für die Norweger in Grönland schlecht, hingegen für die Inuit in Grönland gut.

Als dritten Faktor werden feindliche Nachbarn genannt. Gesellschaften in historischer Zeit siedelten meist so eng, dass in einem gewissem Maße Kontakt zwischen ihnen be­stand. Diese Beziehungen zwischen den benachbarten Gesellschaften können vorüber­gehend oder auch auf Dauer feindselig sein. Ist eine Gesellschaft stark, so kann sie ihre Feinde unter bestimmten Umständen auf Distanz halten. Sie kann aber unterliegen, wenn sie geschwächt wird (z.B. durch eine Schädigung der Umwelt). Die militärische Eroberung ist dann der unmittelbare Anlass des Zusammenbruchs, wobei der eigent­liche Grund derjenige ist, der die Schwächung der Gesellschaft herbeigeführt hat. Zu­sammenbrüche aus ökologischen oder anderen Gründen verstecken sich meist hinter militärischen Niederlagen. Als Beispiel für eine solche Verschleierung nennt Jared Diamond den Untergang des weströmischen Reiches.

Das Gegenstück zum dritten Faktor ist der vierte Faktor, der die abnehmende Unter­stützung durch freundliche Nachbarn beschreibt. Die geschichtlichen Gesellschaften hatten nicht nur Feinde als Nachbarn, sondern auch freundliche Handelspartner, wobei es sich um die gleichen Nachbarn handeln konnte, die sich zeitweise freundlich und dann wieder feindlich zeigten. Weil Gesellschaften z.B. lebenswichtige Handelsgü­ter importieren müssen oder kulturelle Bindungen die Gesellschaft zusammenhalten, sind sie zu einem gewissen Grad auf freundliche Nachbarn angewiesen. Wird nun ein freundlicher Handelspartner z.B. durch Umweltschäden geschwächt und kann die kul­turellen Bindungen und unentbehrlichen Importe nicht mehr bereitstellen, führt dies auch zu einer Schwächung der eigenen Gesellschaft.

Der fünfte Faktor beschäftigt sich damit, wie eine Gesellschaft auf ihre Probleme reagiert. Auf ähnliche Herausforderungen können verschiedene Gesellschaften sehr unterschiedlich reagieren. Die Frage ist, wie solche unterschiedlichen Reaktionen zu verstehen sind und wie sie entstehen. Aus politischen, sozialen und wirtschaftlichen Institutionen und auch aus kulturellen Werten erwachsen die Reaktionen einer Ge- Seilschaft. Diese Institutionen und Werte haben Einfluss darauf, ob eine Gesellschaft versucht ihre Probleme zu lösen und ob sie die Probleme lösen kann.

Zu erwähnen ist, dass die Aufzählung der Faktoren keiner bestimmten Reihen- oder Rangfolge unterliegt. Des Weiteren merkt Diamond an, dass in manchen Fällen auch Umweltschäden zum Zusammenbruch einer Gesellschaft führen können, genau, wie Klimawandel, freundliche Handelspartner und feindliche Nachbarn, in anderen Fällen jedoch nicht. Manchmal reichen militärische oder wirtschaftliche Faktoren alleine aus. (vgl. Diamond 2005, S. 25 ff.)

Die Bewohner der Osterinsel nannten sich, nach ihrer Insel und Sprache „Rapa Nui“ und betrieben überwiegend landwirtschaftliche Tätigkeiten, um ihren Lebensunterhalt zu sichern. Sie bauten beispielsweise Süßkartoffeln, Yamswurzeln, Zuckerrohr und Bananen an und hielten Hühner als Haustiere. Durch das kühle, trockene und windige Klima der Insel, nutzten die Inselbewohner aufgeschichtete Felsblöcke und Steine, um die Pflanzen auf den Feldern vor Austrocknung und Wind zu schützen, (vgl. Koch 2009 und Diamond 2005, S. 116 ff.)

Bekannt für die Osterinsel, sind die großen Steinstatuen (moai) und die steinernen Plattformen (ahu) auf welchen die moai stehen. Diese Statuen und Platten haben ein Gewicht von mehreren Tonnen, so dass es fast unmöglich scheint, dass die Rapanui sie transportieren und aufbauen konnten. Die Statuen wurden später immer größer errichtet, was auf die Konkurrenz zwischen den Häuptlingen der Insel schließen lässt. Die Bewohner der Osterinsel waren die einzigen in Polynesien, die ziemlich über die Stränge schlugen und sehr große gesellschaftliche Ressourcen in den Bau ihrer Statuen investierten.

Faktoren, die dazu beigetragen haben sind beispielsweise das beste Gestein für bild­hauerische Arbeiten im Pazifikraum, der Tuff von Rano Raraku. Die isolierte Lage der Bewohner der Osterinsel ist ein weiteres Beispiel. Im Gegensatz zu anderen Gesell­schaften im Pazifikraum konnten sie z.B. nicht in nur wenigen Tagen ihre Nachbarin­seln erreichen und ihre Ressourcen, Arbeitskräfte und Energien auf den Handel zwi­schen den Inseln, Entdeckungsreisen, Besiedlungen und Auswanderungen verwenden. Der Transport und das Aufrichten der Statuen wurde mit abgewandelten Kanuleitern durchgeführt, die sonst dem Transport schwerer Holzbalken dienten. Für diese Kons- Auktionen benötigten die Rapanui sehr viele Hölzer, um Schienen und Balken herzu­stellen. Der Aufbau der Statuen und Plattformen erforderte einen ungeheuren Aufwand an Lebensmitteln. Die Häuptlinge, die Statuen in Auftrag gegeben hatten, mussten die Vorratshaltung, den Transport und die Verteilung sicher stellen. Dafür müssten etwa zwanzig Steinmetze einen Monat lang ernährt werden und erhielten wahrscheinlich auch ihren Lohn in Form von Lebensmitteln. Nahrung musste auch vor die Trans­portmannschaft von etwa 500 Menschen und auch für eine ähnlich große Gruppe von Menschen für das Aufrichten der Statue bereitstehen. Da diese Menschen harte körper­liche Arbeit leisteten, benötigten sie auch besonders viel Nahrung. Aber der Bau der ahu und moai erforderte nicht nur jede Menge Lebensmittel, sondern auch dicke Seile, die aus Baumrinden hergestellt wurden, Baumstämme für Schlitten, Kanuleitern und Hebel. Der Baumbestand war auf keiner anderen Insel Polynesiens so gering, wie auf der Osterinsel. (vgl. Diamond 2005, S. 116 ff.)

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Ende der Leseprobe aus 13 Seiten

Details

Titel
Warum Gesellschaften überleben oder untergehen
Untertitel
Faktoren, die über das Überleben oder den Untergang von Gesellschaften entscheiden
Hochschule
ecosign/Akademie für Gestaltung
Veranstaltung
Die kulturelle Dimension der Nachhaltigkeit
Note
2,0
Autor
Jahr
2010
Seiten
13
Katalognummer
V174601
ISBN (eBook)
9783640951277
ISBN (Buch)
9783640951499
Dateigröße
393 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Rapanui, Osterinsel, Gesellschaft, Inuit, Eskimo, Kultur, Umwelt, Nachhaltigkeit, Natur, Klimawandel, Philosophie
Arbeit zitieren
Carina Groth (Autor), 2010, Warum Gesellschaften überleben oder untergehen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/174601

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