„Wo es an Beratung fehlt, da scheitern die Pläne.“
- Sprüche 15,22 -
Dass Pläne ohne Beratung scheitern, steht schon in der Bibel. Warum aber Pläne auch trotz Beratung scheitern, ist Thema dieser Arbeit. Inwiefern die Umsetzung einer bestmöglichen Problemlösung bei der Expertenberatung durch deren Veränderungsverständnis beeinträchtigt wird, soll im Folgenden näher untersucht werden. Dies ist insofern relevant, als die Expertenberatung Erfolgsraten unter 50% aufweist, aber trotzdem der am weitesten verbreitete Beratungsansatz ist.
Inhaltsverzeichnis
1. EINLEITUNG
2. GRUNDZÜGE DER EXPERTENBERATUNG
3. VERÄNDERUNGSVERSTÄNDNIS DER EXPERTENBERATUNG
4. PROBLEME UND KRITIK
5. AUSBLICK
Zielsetzung und Themen der Arbeit
Die vorliegende Seminararbeit untersucht kritisch, inwieweit das auf unrealistischen Annahmen basierende Veränderungsverständnis der Expertenberatung die erfolgreiche Umsetzung von Problemlösungen in Organisationen beeinträchtigt.
- Analyse des mechanistischen Weltbildes und der Expertenberatung
- Kritische Würdigung des linearen Ursache-Wirkungs-Prinzips
- Untersuchung der Zielerreichungsquoten von Beratungsansätzen
- Vergleich mit systemischen Beratungsansätzen als Alternative
Auszug aus dem Buch
3. Veränderungsverständnis der Expertenberatung
Kieser ist der Auffassung, dass Berater keine Theorie brauchen, um die soeben beschriebenen Funktionen zu erfüllen und den Beratungsprozess professionell zu gestalten. Sie benötigen vielmehr einfache Annahmen, auf denen aufbauend sie ihre Methoden entwickeln können. Dies entspricht auch der Selbstbeschreibung vieler Expertenberatungen insofern, als diese in ihren Veröffentlichungen keinen expliziten Theoriebezug aufweisen. Wie aber sieht das Welt-, Organisations- und Menschenbild des hier thematisierten Expertenansatzes aus?
Seit der Französischen Revolution herrscht das aufklärerische Ideal mit den Vorstellungen der Machbarkeit der Welt, der Gestaltbarkeit sozialer Verhältnisse und der Kontrollierbarkeit von Handlungsfolgen vor. Sowohl die traditionelle Management- als auch die Beratungsliteratur folgen dieser Vorstellung in Bezug auf Organisationen. Welt, Wirtschaftssystem und Klientenorganisation sowie ihre Probleme seien objektiv erfassbar und in dieser Reihenfolge zunehmend besser gestaltbar, kontrollierbar und steuerbar.
Laut Morgan ist das Veränderungsverständnis der Expertenberatung stark vom Taylorismus und von einem mechanistischen Weltbild geprägt. Es wird postuliert, dass für jede Organisation ein ideales Modell existiert, das die Berater aufgrund einer Analyse und ihrer Kompetenz definieren können. Werden die Handlungsanweisungen der Berater richtig umgesetzt, kann jede Organisation ihren Idealzustand erreichen. Die Klientenorganisation wird als Maschine und der Berater als Ingenieur angesehen. „Man muss in der Maschine Organisation einiges nachjustieren, Teile auswechseln, die noch aus einer veralteten Technologie stammen, und einiges schlanker und eleganter konzipieren." Die (triviale) Maschine ist durch einen linearen Ursache-Wirkungs-Zusammenhang gekennzeichnet. Ein bestimmter Input führt zu einem genau determinierbaren Output. Es wird ferner davon ausgegangen, dass jede nicht perfekte Organisation ein eindeutiges Problem hat und dass der Berater dieses identifizieren kann.
Zusammenfassung der Kapitel
1. EINLEITUNG: Die Einleitung stellt die Forschungsfrage vor, warum trotz beratender Unterstützung viele organisatorische Veränderungsprojekte scheitern.
2. GRUNDZÜGE DER EXPERTENBERATUNG: Dieses Kapitel erläutert das Arzt-Patienten-Verhältnis der Expertenberatung und beschreibt deren zentrale Funktionen wie Wissenstransfer, Wirtschaftlichkeit und Neutralität.
3. VERÄNDERUNGSVERSTÄNDNIS DER EXPERTENBERATUNG: Hier wird das zugrunde liegende mechanistische Weltbild analysiert, das Organisationen als steuerbare Maschinen betrachtet.
4. PROBLEME UND KRITIK: Dieses Kapitel hinterfragt kritisch die Annahmen der Expertenberatung, insbesondere hinsichtlich der Objektivität des Ist-Zustands und der Anwendbarkeit linearer Kausalität.
5. AUSBLICK: Der Ausblick diskutiert systemische Beratungsansätze als Alternative, die Komplexität und Selbstorganisation stärker berücksichtigen.
Schlüsselwörter
Expertenberatung, Veränderungsverständnis, Organisation, Mechanistisches Weltbild, Taylorismus, Systemtheorie, Beratungsprozess, Problemlösung, Unternehmensberatung, Ursache-Wirkungs-Zusammenhang, Best Practices, Konstruktivismus, Zielerreichungsgrad, Klientenorganisation.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht kritisch die theoretischen Grundlagen der klassischen Expertenberatung und deren praktische Auswirkungen auf den Erfolg von Veränderungsprozessen in Organisationen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind das mechanistische Organisationsverständnis, die Kritik an linearen Kausalitätsannahmen und der Vergleich zwischen Expertenberatung und systemischen Beratungsansätzen.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, herauszufinden, ob und wie das unrealistische Veränderungsverständnis der Expertenberatung die Umsetzung optimaler Lösungen behindert.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine theoretische Literaturanalyse, die Konzepte aus der Organisationssoziologie und Beratungstheorie gegenüberstellt.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil analysiert die Funktionen der Expertenberatung, das tayloristische Menschenbild und die kritischen Probleme bei der Umsetzung von "Best Practices" in komplexen Systemen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Expertenberatung, mechanistisches Weltbild, Organisation, lineare Kausalität, Systemtheorie und Beratungseffizienz.
Warum sind "Best Practices" laut der Arbeit kritisch zu sehen?
Weil sie oft unreflektiert von anderen Unternehmen übernommen werden, ohne der individuellen Komplexität der Klientenorganisation gerecht zu werden, und somit ihre nachhaltige Wirkung verlieren.
Welche Rolle spielt das "Arzt-Patienten-Verhältnis" in der Expertenberatung?
Es definiert den Berater als Experten, der Diagnosen stellt und Rezepte verschreibt, während der Klient auf die Rolle des Informationslieferanten reduziert wird.
- Arbeit zitieren
- Caesar Dreyer (Autor:in), 2011, Expertenberatung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/174637