1. PROBLEMSTELLUNG
In der Wirtschaft entstehen immer mehr Interaktionsplattformen, die zwei oder mehr Marktseiten verbinden. Dieser Plattformwettbewerb ist in vielen Märkten vorzufinden, z.B. werbetreibende Industrien wie Internet-, Telekommunikations- und Finanzdienstleistungsunternehmen.
Diese Märkte werden in der Literatur als zweiseitige Märkte (engl. twosided markets) genannt und sind im Vergleich zu traditionellen Märkten durch Entstehung der indirekten Netzwerkeffekte gekennzeichnet.
Seit einiger Zeit wird das Konzept der zweiseitigen Märkte auf Medienmärkte angewendet. Im Vergleich zu traditioneller Betrachtung, wonach die Marktseiten eindeutig definiert und getrennt betrachtet werden, wird nach der Theorie der zweiseitigen Märkte der Anzeigen- und Lesermarkt als ein Markt mit einem Anbieter und zwei Nachfragern verstanden. Da die Medienmärkte, wie z.B. Zeitungen und Zeitschriften, zwei verschiedene, aber interdependente Teilmärkte - Rezipienten- und Anzeigenmarkt - bedienen, müssen die Interdependenzen zwischen Leser- und Werbemarkt in einem Marktzusammenhang betrachtet werden. Dabei stellt sich die besondere Herausforderung an den Plattformbetreiber, die Interaktionen zwischen
beiden Nachfragegruppen besser und effizienter zu analysieren, um die optimale Preispolitik auf den beiden Marktseiten zu betreiben. Deswegen können beide Marktseiten nicht isoliert voneinander betrachtet werden. Werden die Preisoptimierungsmaßnahmen der einseitigen Märkte auf die zweiseitigen Märkte übertragen, kann dies zu gegenläufigen Wirkungen führen. Dies erklärt die wachsende Aufmerksamkeit zur Analyse der Funktionsweise der zweiseitigen
Märkte in der wissenschaftlichen Literatur. Besonders in den letzten Jahren beschäftigen sich Forschung und Literatur verstärkt mit der Theorie der zweiseitigen Märkte und ihrer Anwendbarkeit in den Printmedien. Eine Vielzahl an Studien setzt sich mit der Funktionsweise von Interaktionsplattformen und Netzwerkeffekten auseinander und diskutiert die wichtigen Erfolgskriterien zu den optimalen Preisstrategien in Printmedienmärkten.
Inhaltsverzeichnis
1. PROBLEMSTELLUNG
2. GRUNDLAGEN ZU ZWEISEITIGEN MÄRKTEN
2.1 DEFINITION DER ZWEISEITIGEN MÄRKTE
2.2 FUNKTIONSWEISE DER ZWEISEITIGEN MÄRKTE
2.3 DIE EXTERNALITÄTEN DER PREISGESTALTUNG AUF ZWEISEITIGEN MÄRKTEN
3. DETERMINANTEN DER PREISBILDUNG AUF DEM ZWEISEITIGEN PRINTMEDIENMARKT
3.1 DIE MARKTRELEVANTEN DETERMINANTEN
3.2 ANZAHL DER PLATTFORMMITGLIEDSCHAFTEN AUF BEIDEN MARKTSEITEN
3.3 INDIREKTE NETZWERKEFFEKTE DER BEIDEN MARKTSEITEN
4. IMPLIKATIONEN
4.1 IMPLIKATIONEN FÜR DIE FORSCHUNG
4.2 IMPLIKATIONEN FÜR DIE UNTERNEHMENSPRAXIS
5. ZUSAMMENFASSUNG
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit analysiert die theoretischen Grundlagen zweiseitiger Märkte im Kontext von Printmedien, um die Einflussfaktoren für eine optimale Preisgestaltung auf den interdependenten Leser- und Werbemärkten systematisch aufzuarbeiten.
- Theorie zweiseitiger Märkte
- Indirekte Netzwerkeffekte
- Preisgestaltung in Printmedien
- Anzeigen-Auflagen-Spirale
- Marktstruktur und Plattformwettbewerb
Auszug aus dem Buch
2.2 Funktionsweise der zweiseitigen Märkte
Um das Konzept der zweiseitigen Märkte besser zu verstehen, ist es sinnvoll die Plattformen anzuschauen, auf denen die Transaktionen zwischen zwei Kundengruppen durchgeführt werden, und die die zweiseitigen Netzwerkeffekte aufweisen. Als klassisches Beispiel eines Intermediären sind Medienmärkte, Kreditkarten- und Zahlungssysteme zu nennen. In den Studien von David S. Evans (2003) und Martin Peitz (2006) werden viele weitere Märkte als Intermediäre dargestellt: Softwareanbieter, Internetprovider, Börsen, Messen, Einkaufszentren, Immobilienhändler, Partnervermittlungen, Diskotheken etc. Auf diesen Märkten spielen die Intermediäre eine herausragende Rolle. Für alle diese Märkte ist charakteristisch, dass auf beiden Seiten eines Marktes indirekte Netzeffekte entstehen. Die Aufgabe des Plattformbetreibers besteht darin, die Preise auf beiden Marktseiten so zu bestimmen, dass der Nutzen der beiden Kundengruppen erhöht wird und eigene Gewinne maximiert werden.
Die Besonderheit des Printmedienmarktes besteht darin, dass sich die Leserkunden bei ihrer Kaufentscheidung auf den Inhalt des Medienträgers (Zeitung) und nicht auf die Anzahl der darin platzierten Werbung richten. Desweiteren kann man aufgrund der starken Heterogenität des Publikums keine eindeutige Antwort geben, ob die zusätzliche Werbung in einem Medium eine positive, negative oder neutrale Wirkung auf die Zahlungsbereitschaft der Leser hat. Findet der Kunde die Werbung eher aufdringlich, sinkt sein Nutzen mit der steigenden Werbung und dabei entstehen negative indirekte Netzwerkeffekte. Wirkt die Werbung dagegen eher positiv, entstehen positive indirekte Netzwerkeffekte, da der Kundennutzen bei der zunehmenden Anzeigenzahl steigt (z.B. Leser einer Zeitung mit Immobilienanzeigen oder Stellenangeboten).
Demgegenüber hängt der Preis eines Anzeigenplatzes direkt von der Anzahl der Leser einer Zeitung. Je größer ist das Publikum, desto höher ist die Zahlungsbereitschaft einer Werbeagentur, da die werbetreibenden Unternehmen ihre potenzielle Kunden dadurch erreichen können.
Zusammenfassung der Kapitel
1. PROBLEMSTELLUNG: Einführung in die ökonomische Relevanz zweiseitiger Märkte bei Printmedien und Darlegung der Zielsetzung der Arbeit.
2. GRUNDLAGEN ZU ZWEISEITIGEN MÄRKTEN: Definition und Erläuterung der Funktionsweise sowie der Externalitäten zweiseitiger Interaktionsplattformen.
3. DETERMINANTEN DER PREISBILDUNG AUF DEM ZWEISEITIGEN PRINTMEDIENMARKT: Detaillierte Analyse markt- und nachfragerelevanter Determinanten wie Marktstruktur, Plattformmitgliedschaft und Netzwerkeffekte.
4. IMPLIKATIONEN: Ableitung von Konsequenzen aus der Theorie für zukünftige Forschungsvorhaben und die strategische Unternehmenspraxis.
5. ZUSAMMENFASSUNG: Abschlussbetrachtung der zentralen Ergebnisse hinsichtlich der Preisgestaltung auf zweiseitigen Medienmärkten.
Schlüsselwörter
Zweiseitige Märkte, Medienmanagement, Printmedien, Netzwerkeffekte, Plattformbetreiber, Preisgestaltung, Anzeigenmarkt, Lesermarkt, Wettbewerb, Marktstruktur, Multihoming, Singlehoming, Anzeigen-Auflagen-Spirale, Intermediär, Preiselastizität
Häufig gestellte Fragen
Was ist das grundlegende Thema dieser Arbeit?
Die Arbeit untersucht theoretische Erkenntnisse zu zweiseitigen Märkten, mit einem speziellen Fokus auf deren Anwendung und Preisgestaltung im Printmediensektor.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Zentrale Themen sind die Funktionsweise von Plattformen, die Rolle indirekter Netzwerkeffekte, Marktstrukturen sowie die Bedeutung von Multihoming und Singlehoming.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist es, einen Überblick über die theoretische Literatur zu zweiseitigen Printmedienmärkten zu geben und entscheidende Kriterien für eine optimale Preissetzung zusammenzufassen.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Die Autorin führt eine systematische Analyse und einen Vergleich von elf relevanten theoretischen wissenschaftlichen Studien der letzten zehn Jahre durch.
Welche Aspekte stehen im Hauptteil im Fokus?
Im Hauptteil werden Determinanten wie Marktstruktur, Marktgröße, Plattformdifferenzierung, Plattformmitgliedschaften und indirekte Netzwerkeffekte im Detail analysiert.
Durch welche Schlüsselwörter lässt sich die Arbeit beschreiben?
Die Arbeit ist geprägt durch Begriffe wie zweiseitige Märkte, indirekte Netzwerkeffekte, Anzeigen-Auflagen-Spirale, Plattformökonomie und Preismanagement.
Wie beeinflussen indirekte Netzwerkeffekte die Preisgestaltung?
Die Seite des Marktes, die positive Netzwerkeffekte generiert, wird oft subventioniert und zahlt einen niedrigeren Preis, während die andere Seite höhere Preise trägt.
Was unterscheidet das Competitive-Bottleneck-Modell?
Dieses Modell beschreibt Märkte, in denen eine Seite (meist Leser) Singlehoming betreibt, während die andere Seite (meist Werbekunden) Multihoming nutzt, was spezifische Preissetzungen erfordert.
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- Olga Puzankova (Autor), 2010, Theoretische Erkenntnisse zu zweiseitigen Märkten, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/174638