Über Tradition - Bedeutung der Tradition heute


Hausarbeit, 2008

12 Seiten, Note: 2,4


Leseprobe

Inhalt

Einleitung

Begriffsklärung: Tradition

Argumentation Adornos über Tradition

Vergleiche mit anderen Sichtweisen

Begriff der Tradition heute

Fazit

Personenverzeichnis

Literaturverzeichnis

Einleitung

Ist es möglich, sich als Gestalter bei der eigenen Ideenfindung zu einem bestimmten Thema nicht von dem schon vorher unzähligen veröffentlichten Material dazu beeinflussen zu lassen, ohne etwas zu kopieren?

Es soll nicht einfach etwas, durch übernehmen von bekanntem Material entstehen, das in derselben oder ähnlichen Art und Weise existiert. Schon Dagewesenes kann aber auch nicht einfach ignoriert oder ausgeblendet werden, sondern ist im Bewusstsein. Durch Erinnerungen alleine schon, die wir nicht löschen können, sind wir mit dem verbunden, was wir erlebt, gesehen, gefühlt haben. Durch Sprache und Schrift bei- spielsweise überträgt sich dies auf andere Menschen; von Generation zu Generation. Das Übertragen, Weiterleiten und Übergeben von Dingen spiegelt sich im Begriff der Tradition wider.

Auf genau diesen Begriff und dessen Verständnis wird auf den folgenden Seiten, unter Einbeziehung des Textes Über Tradition von Adorno, näher eingegangen. Geklärt wird unter anderem, worin der Ursprung der Tradition liegt und die Bedeutung der Traditi- on in der Gesellschaft, aus Adornos Sicht. Um den Umgang mit der Tradition für den Gestalter zu klären, wird auf den Traditionsbegriff in der heutigen Zeit eingegangen.

Begriffsklärung: Tradition

Der Begriff Tradition wird in solchen lebensweltlichen Bereichen gebraucht, in denen ein Weiterleiten, Übergeben und Übertragen stattfindet. Die Verbform tradere (von transdare) im Lateinischen bezeichnet die Übergabehandlungen des Alltags, vor allem im rechtlichen Bereich. Auch beim Lateinischen Nomen traditio schwingen noch Be- deutungsgehalte des römischen Depositenrechts mit. (vgl. Ritter und Gründer 1998, S. 1315)

„Das Depositum ist kein Eigentum, mit dem man beliebig verfahren kann, sondern es muß gut verwahrt und unversehrt bzw. unverfälscht zurückgegeben werden.“ (Ritter und Gründer 1998, S. 1315)

Der Gebrauch des Begriffs im juristischen Bereich geht, durch die Weitergabe von „abstrakten Kulturgütern durch die Zeiten“, ins allgemein Kulturelle über. So ist Tradition „was die Folge der Geschlechter verbindet und die Kontinuität zwischen Vergangenheit und Gegenwart aufrechterhält. Damit ist T. ein kulturelles Grundphänomen, das, mit Sprache und Schrift gegeben, alle Lebensbereiche, von Sitte, Brauch und Ritual über Lebenserfahrung und Gewohnheitsrecht bis hin zu Lehrüberlieferungen, bestimmt.“ (Ritter und Gründer 1998, S. 1315)

Tradition kann mündlich sowie auch schriftlich von Generation zu Generation überliefert werden. Als Ergebnis einer schriftlichen Überlieferung kann in der Religion das AT und NT gesehen werden, als „‚das verbindende Element mit dem Ursprung’“. (Ritter und Gründer 1998, S. 1316)

Unter Traditionalismus wird allgemein die geistige Haltung verstanden, welche sich aus dem Bemühen um die Wiederverlebendigung vergangener Formen und Werte ergibt. „Allgemein meint T. eine konservative Haltung, die auf Bewahrung des Hergebrachten im Anschluss an eine in der Gegenwart gelebte Vergangenheit zielt.“ (Regenbogen und Meyer 2005, S. 669)

Argumentation Adornos über Tradition

Bei Adorno liegt der Ursprung der Tradition in dem, was von Generation zu Generation weitergegeben wird. So liegt der erste Kontakt im Generationszusammenhang, also in der Familie. Indem etwas von Hand zu Hand weitergegeben wird, lässt sich die Verbindung zur „handwerklichen Überlieferung“ herstellen. Tradition beschreibt Adorno als wesentlich feudal, die somit im Gegensatz zur bürgerlichen Gesellschaft steht, welche von Zweckrationalität dominiert wird.

Tradition steht im Widerspruch zur Rationalität, obwohl diese in jener sich bildete. Nicht Bewusstsein ist ihr Medium, sondern vorgegebene, unreflektierte Verbind- lichkeit sozialer Formen, die Gegenwart des Vergangenen; das hat unwillkürlich sich auf Geistiges übertragen. (Adorno 1977, S.310)

Tradition wird also nicht bewusst weitergegeben, sondern nach dem Motto „das war schon immer so“, „hat man schon immer so gemacht“.

Die Technik hat das Handwerk abgelöst, und somit auch die Tradition, die sich durch das Handwerk, das von Hand zu Hand weitergeben bildete. Aufgrund der mittlerweile technischen Produktionsweisen ist Handwerk nicht mehr substantiell, also nicht mehr das, was es mal war. In der bürgerlichen Gesellschaft kann alles in Geldwert übersetzt werden (das Risiko krank zu werden, Unwetter, Tod usw.). Alles hat einen Marktwert - es herrscht „der Warencharakter der Dinge“. (Adorno 1977, S. )

Für Adorno wird dies in Amerika deutlich, wo Tradition unwichtig ist und nur dem Bedeutung geschenkt wird, was aktuell Marktwert hat. Die Tradition passt für Adorno nicht mehr in die heutige bürgerliche Gesellschaft. Sie ist fehl am Platz, aber es gibt sie noch. Auf den Verlust der Tradition reagiert die gegenwärtige Kunst, so schreibt Adorno.

Jedoch kann man einen verlorenen Traditionsbezug nicht dadurch ausgleichen, indem man an seine Stelle Ästhetik setzt. „Real verlorene Tradition ist nicht ästhetisch zu surrogieren. Eben das tut die bürgerliche Gesellschaft.“ (Adorno 1977, S. 311) Denn wenn bürgerliche Tradition fehlt, so tut man aber so, als hätte man sie. Das Bestehen- de (alles in einen finanziellen Gegenwert umrechnen zu können) ist den Menschen nämlich unheimlich und man möchte sich dem entziehen. Gleich nach dem Motto „früher war Alles besser“, wird die Hilfe aus der Tradition genommen. Aus dem reinen Tauschwert lässt sich eben kein echtes Ziel verfolgen und so fehlt der übergeordnete Zweck. Alles wird zu irrationalem Getue und kreist um sich selbst. Es wird versucht, den übergeordneten Zweck zu ersetzen, da man unter der Irrationalität leidet. Dies soll mit Hilfe ästhetischer Werte in Form der Kunst vergangener Epochen kompensiert werden. Diese Berufung verfehlt sich aber dadurch selbst.

[...]

Ende der Leseprobe aus 12 Seiten

Details

Titel
Über Tradition - Bedeutung der Tradition heute
Hochschule
ecosign/Akademie für Gestaltung
Note
2,4
Autor
Jahr
2008
Seiten
12
Katalognummer
V174666
ISBN (eBook)
9783640953622
ISBN (Buch)
9783640953547
Dateigröße
482 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Tradition, Adorno, Traditionalismus, Kultur, Gesellschaft, Philosophie
Arbeit zitieren
Carina Groth (Autor:in), 2008, Über Tradition - Bedeutung der Tradition heute, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/174666

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