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Die Tischsitten der Ritter - mehr als nur ein Normensystem des Essverhaltens?

Titel: Die Tischsitten der Ritter - mehr als nur ein Normensystem des Essverhaltens?

Hausarbeit , 2011 , 21 Seiten , Note: 1,3

Autor:in: Bakkalaureus Artium Steffen Radtke (Autor:in)

Geschichte Europas - Mittelalter, Frühe Neuzeit
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Zusammenfassung Leseprobe Details

Die Leifrage zielt darauf ab, neben der Darstellung entsprechender
Tischverhaltensnormen das strukturell prägende soziale Umfeld, vor allem die höfische Kultur mit ihrem spezifischen Normensystem zu untersuchen. Anhand dessen soll aufgezeigt werden, dass die Tischsitten der Ritter im Kontext dieses sozial verbindlichen Regelsystems zu verstehen sind.
In der Arbeit werden zunächst elementare ritterliche Tischsitten dargestellt. Zu diesem Zweck wird hauptsächlich auf die Quelle „Disciplina clericalis“ von Petrus Alfonsi
zurückgegriffen, weil sich in einem Unterabschnitt des 26. Kapitels viele Verhaltensregeln für gesittetes Essverhalten finden lassen. Andere Quellen wie die von Thomasin von Zerclaere im
„Wälschen Gast“ dargestellten Tischsitten oder die Regeln Tannhäusers in seiner „Tischzucht“ spielen demgegenüber nur eine sekundäre Rolle, so zum Beispiel im sich anschließenden Abschnitt zur Weiterentwicklung der Normen des Essverhaltens. Daraufhin
folgt der analytische Hauptpunkt der Arbeit, in welchem die Tischsitten der Ritter in den Kontext der höfischen Gesellschaft gestellt werden. Um dies auf profunde Weise zu tun,werden zunächst soziologische Vorbetrachtungen durchgeführt, damit die Korrelation von Tischsitten und dem Ausdruck gesellschaftlich relevanter Normen deutlich wird. Des Weiteren geht die Analyse der Frage nach, inwiefern die Praktizierung von Tischsitten ein Ausdruck höfischer Verhaltensmuster ist und in welchem Ausmaß damit eine Abgrenzung
des Adels von anderen sozialen Gruppen einhergeht. Zuletzt werden im Zuge dieser Analyse die Zusammenhänge von Tischsitten mit Tugend und Selbstdisziplin unter die Lupe genommen. Das letzte Kapitel der Arbeit wird schließlich in Bezug auf die Tischsitten die Relevanz des ritterlichen Mittelalters für die Moderne untersuchen, denn die Frage, ob die Tischsitten der Ritter mehr bedeuten als nur ein Normensystem des Essverhaltens, ermöglicht neben den sozialstrukturellen Analysen einen abschließenden Blick auf Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen ritterlichen und modernen Tischsitten.
In der Arbeit erfolgt keine Erwähnung des politisch-historischen Kontextes, weil ein derartiger Rahmen für die soziokulturell orientierte Fragestellung eine nur geringe Relevanz aufweist. Stattdessen erfolgt insgesamt eine kulturgeschichtlich orientierte Einordnung. Zudem wird auf eine gesonderte Darstellung des Ritterbegriffes verzichtet, weil derartige
Kenntnisse im Rahmen dieser Arbeit vorausgesetzt werden.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die ritterlichen Normen des Essverhaltens

2.1 Die Quelle „Disciplina clericalis“ von Petrus Alfonsi

2.1.1 Charakterisierung der Quelle

2.1.2 Die Kernaussagen der Quelle

2.2 Weitere Tischsitten

2.3 Die Entwicklung des Normensystems

3. Der Ritter im Kontext der höfischen Gesellschaft

3.1 Soziologische Vorbetrachtungen

3.2 Tischsitten als Ausdruck höfischer Lebensweise

3.3 Tischsitten als Form von Tugend und Selbstdisziplin

3.3.1 Tugenden als soziales Distinktionskriterium des Adels

3.3.2 Tischsitten als Ausdruck von Selbstdisziplin

4. Die Tischsitten der Ritter im Vergleich mit den modernen

5. Fazit

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht, ob ritterliche Tischsitten im Mittelalter lediglich ein Regelsystem für das Essverhalten darstellten oder als Ausdruck eines umfassenden höfischen Habitus sowie als Mittel der sozialen Abgrenzung fungierten. Dabei wird die Forschungsfrage beantwortet, inwiefern diese Normen zur Distinktion des Adels gegenüber anderen Schichten beitrugen und welche Kontinuitäten bis in die moderne Tischkultur bestehen.

  • Analyse mittelalterlicher Verhaltensnormen anhand der „Disciplina clericalis“
  • Die soziale Funktion des gemeinsamen Mahls im ritterlichen Kontext
  • Tischsitten als Ausdruck von Selbstdisziplin und Tugend
  • Die Abgrenzung des Adels von bäuerlichen Verhaltensweisen
  • Vergleichende Betrachtung ritterlicher Sitten und moderner Standards

Auszug aus dem Buch

2.1.2 Die Kernaussagen der Quelle

In diesem Abschnitt, der wie auch andere Exempel in Dialogform gehalten ist, erklärt der Vater dem Sohn die Verhaltensregeln beim Essen.

Zunächst betont der Vater, es gebe keinen Unterschied zwischen dem Essverhalten beim König und anderswo, was in der Konsequenz bedeutet, dass den Tischsitten eine generelle Gültigkeit zukommt. Eine wichtige Regel sei es, sich vor dem Essen die Hände zu waschen sowie während des Essens nichts außer der Mahlzeit zu berühren. Des Weiteren nennt der Vater die Regel „iß kein Brot, bevor der zweite Gang auf den Tisch kommt“. Von ebenso großer Bedeutung ist zudem der Grundsatz, das Essen geduldig und ruhig zu sich zu nehmen. In diesem Sinne sagt der Vater, man solle den Mund nicht vollstopfen und das Essen nicht hinunterschlingen, bevor es gut gekaut ist. Eine weitere Verhaltensregel besagt „ [...] greife nicht zum Becher, bevor dein Mund leer ist [...]“. Zudem solle man nicht mit vollem Mund sprechen. Des Weiteren ermahnt der Vater den Sohn dazu, den anderen nicht die besonders guten Stücke aus einer Schüssel wegzunehmen, „damit dir nicht schlechtes bäurisches Benehmen nachgesagt wird.“ Der Erwähnung des schlechten bäurischen Benehmens kommt in der Regelaufzählung eine Schlüsselrolle zu, die dementsprechend im Zuge der kontextualen Analyse des Ritters in der höfischen Gesellschaft noch detaillierter unter die Lupe genommen werden wird. Mit dem Verweis auf hygienische Gründe erklärt der Vater zudem den Grundsatz, sich nach dem Essen die Hände zu waschen.

Im weiteren Verlauf der Regelunterweisung geht es nun um Verhaltensnormen in Bezug auf direkte soziale Interaktion. So wird das Vorbild der Juden erwähnt, welches besagt, dass Erwiderungen auf eine Einladung zum Essen sich nach der Person des Gastgebers richten sollen: bei hochgestellten Personen müsse man sofort auf die Einladung eingehen, bei Personen niederer Stellung hingegen erst nach dem zweiten oder dritten Mal. Zum Schluss des Gespräches gibt der Vater seinem Sohn den Hinweis, im Falle einer Einladung zum Essen sehr viel zu verspeisen.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Arbeit führt in die Thematik der ritterlichen Tischsitten ein, definiert den methodischen Rahmen und stellt die Leitfrage nach der tieferen Bedeutung dieser Verhaltensregeln.

2. Die ritterlichen Normen des Essverhaltens: Dieses Kapitel analysiert zentrale Quellen wie die „Disciplina clericalis“ und beschreibt die Entstehung sowie Etablierung des ritterlichen Normensystems.

3. Der Ritter im Kontext der höfischen Gesellschaft: Der Autor untersucht hier die soziologischen Aspekte der Tischsitten, insbesondere deren Funktion zur Statusdemonstration, Tugendausübung und sozialen Abgrenzung vom Bauernstand.

4. Die Tischsitten der Ritter im Vergleich mit den modernen: Hier wird die Brücke zur Gegenwart geschlagen, indem Kontinuitäten sowie signifikante Unterschiede in der Tischkultur aufgezeigt werden.

5. Fazit: Das Fazit beantwortet die Leitfrage abschließend und fasst die zentralen Erkenntnisse über die Bedeutung der ritterlichen Tischsitten zusammen.

Schlüsselwörter

Mittelalter, Rittertum, Tischsitten, Höfische Gesellschaft, Essverhalten, Disciplina clericalis, Soziale Distinktion, Habitus, Tugend, Selbstdisziplin, Hövescheit, Normensystem, Mittelalterliche Geschichte, Alltagsgeschichte, Etikette.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit befasst sich mit der Bedeutung ritterlicher Tischsitten im Mittelalter und untersucht, ob diese weit über bloße Benimmregeln hinaus als Instrument sozialer Distinktion und Ausdruck eines höfischen Habitus fungierten.

Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?

Zu den Schwerpunkten zählen die Analyse mittelalterlicher Verhaltensnormen, die Rolle des gemeinsamen Essens in der höfischen Kultur sowie der Vergleich ritterlicher Tugendkonzepte mit der sozialen Realität.

Was ist die primäre Forschungsfrage?

Die zentrale Frage lautet, ob die Tischsitten der Ritter mehr waren als nur ein Normensystem für das korrekte Essverhalten, und wie sie zur Abgrenzung gegenüber nicht-adligen Schichten beitrugen.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Der Autor wählt einen kulturgeschichtlichen Ansatz und stützt sich dabei primär auf eine strukturalistische Analyse, die den Fokus auf soziale Prägungen und Gruppenidentitäten legt.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung konkreter Quellenregeln, die soziologische Einordnung des Rittertums im höfischen Kontext sowie die Untersuchung der Tischsitten als Ausdruck von Selbstdisziplin und Tugend.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Wichtige Begriffe sind unter anderem Rittertum, Tischsitten, soziale Distinktion, höfische Gesellschaft, Tugend, Selbstdisziplin und Disciplina clericalis.

Welche Bedeutung kommt der „Disciplina clericalis“ von Petrus Alfonsi zu?

Die Schrift dient als zentrale Primärquelle, da sie detaillierte Verhaltensregeln für das Essen im frühen 12. Jahrhundert überliefert und somit einen wesentlichen Fundus für die Analyse ritterlicher Tischkultur bietet.

Warum wird im Rahmen der Analyse ein Vergleich mit dem Bauernstand gezogen?

Der Vergleich dient dazu, die ritterliche „Hövescheit“ hervorzuheben, die als Gegensatz zur als „ungezügelt“ und „triebhaft“ dargestellten bäuerlichen Lebensweise zur Identitätsbildung und Abgrenzung des Adels diente.

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Details

Titel
Die Tischsitten der Ritter - mehr als nur ein Normensystem des Essverhaltens?
Hochschule
Universität Rostock
Note
1,3
Autor
Bakkalaureus Artium Steffen Radtke (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2011
Seiten
21
Katalognummer
V174719
ISBN (eBook)
9783640953752
ISBN (Buch)
9783640953974
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Tischsitten Ritter Essen Essverhalten Normen Normensystem
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Bakkalaureus Artium Steffen Radtke (Autor:in), 2011, Die Tischsitten der Ritter - mehr als nur ein Normensystem des Essverhaltens?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/174719
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Leseprobe aus  21  Seiten
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