Der Nachholbedarf hinsichtlich der Unterstützung von Menschen mit Problemen beim Schriftspracherwerb ist an Schulen in Deutschland immer noch hoch. Die sprachlichen Fähigkeiten der Kinder an unseren Schulen nehmen stetig ab. Das Lesen und Schreiben zu lehren, gehört zu den Hauptaufgaben der Grundschule. Dieses Können ist in unserer Gesellschaft Grundlage schulischen Lernens.
Um im späteren Berufsleben mithalten zu können, sind die Kinder immer wiederkehrend weniger qualifiziert. Viele Unternehmen klagen über vor Fehlern strotzenden Bewerbungen und Auszubildende, die keinen vollständigen Satz fehlerfrei zu Papier bringen können. Begründet ist dies auch in unserm derzeitigen Schulsystem. Es bedarf einer umfassenden Reform, um die künftigen Chancen der Kinder zu verbessern, die Stresssituationen in der Schule zu entlasten und Kinder lebenstauglicher zu machen.
In dieser Arbeit wurde versucht den Begriff LRS näher zu beleuchten. Zunächst wird auf die Uneinheitlichkeit bezüglich des Begriffverständnisses und der vielfältigen Definitionen eingegangen. Differenziert wird die Lese-Rechtschreib-Schwäche als Teilleistungsschwäche definiert und die betroffenen Bereiche analysiert. Weiterhin wird darauf eingegangen wie LRS festgestellt wird. Im Anschluss daran wird der Prozess des Rechtschreiblernens beleuchtet und aufgezeigt, mit welchen Methoden an sächsischen Grundschulen lese-rechtschreib-schwache Schüler der Lese- und Schreiblernprozess erleichtert wird.
Die unterschiedlichen Auffassungen führen zu verschiedenen Konzepten der Förderung betroffener Kinder. Als ein Beispiel schulischer Förderung werden die LRS-Klassen näher erläutert und im außerschulischen Bereich das L.O.S..
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
1. Zum Begriff LRS
2. LRS als Teilleistungsschwäche
2.1 „Jedes Kind hat seine eigene LRS“
2.2 Vorschullalter
2.3 In den ersten Grundschulklassen
2.3.1 Optisch-graphomotorischer Bereich
2.3.2 Akustisch-phonematischer Bereich
2.3.3 Kinästhetischer Bereich
2.3.4 Rhythmischer Bereich
2.3.5 Melodischer Bereich
3. Feststellung der Lese-Rechtschreibschwäche
4. Der Prozess des Rechtschreibenlernens
4.1 Die erste Phase – Schreiben ist „Logos“ kennen
4.2 Die zweite Phase- Schreiben ist Zuordnen von Laut und Zeichen
4.3 Die dritte Phase – Schreiben ist Kennen von Bausteinen und Regeln
4.4 Die Wechselbeziehung der Rechtschreibstrategien
4.5 Worauf Eltern und Lehrer achten können hinsichtlich der Stufen der Rechtschreibentwicklung
5. Methoden des Schreib- und Leselernprozesses bei lese-rechtschreib-schwachen Schülern
5.1 LRS-Klassen an sächsischen Grundschulen
5.1.1 Aufnahme in LRS-Klassen
5.1.2 Arbeitsgrundsätze in den LRS-Klassen
5.1.3 Didaktisch-methodische Gestaltung des Unterrichts in Klasse 3/I
5.1.4 Besonderheiten der Förderung in Klasse 3/II
5.1.5 Förderprogramme und Fördergutachten
5.1.6 Der Übergang in Klasse 4
5.1.7 Leistungsermittlung und Leistungsbeurteilung
5.2 Das Konzept des Lehrinstitutes für Orthographie und Schreibtechnik (L.O.S.) als Therapie bei Lese-Rechtschreibschwachen Kindern
5.2.1 Überblick
5.2.2 Die Diagnostik
5.2.3 Die Therapie
5.2.4 Dauer
6. Zusammenfassung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit beleuchtet die Problematik der Lese-Rechtschreib-Schwäche (LRS) mit dem Ziel, ein tieferes Verständnis für die vielschichtigen Erscheinungsbilder und Ursachen zu entwickeln. Dabei wird insbesondere untersucht, wie betroffene Kinder durch spezifische schulische Förderkonzepte (wie LRS-Klassen) sowie außerschulische Therapieansätze unterstützt werden können, um ihre schulische Teilhabe und ihr Selbstwertgefühl langfristig zu sichern.
- Grundlagen des Begriffs LRS und historische Entwicklung
- Neurobiologische und pädagogische Perspektiven auf Teilleistungsschwächen
- Stufenmodell der Rechtschreibentwicklung und diagnostische Verfahren
- Methodische Gestaltung des Unterrichts in LRS-Klassen
- Praktische Therapieansätze zur Linderung von Wahrnehmungsdefiziten
Auszug aus dem Buch
Die erste Phase – Schreiben ist „Logos“ kennen
Kinder ahmen schon vor Schulbeginn die Schrift der Eltern nach. Dies ist aber noch keine Schrift, sondern eher ein „Kritzelwerk“.
Auch wenn die Laut-Zeichen-Zuordnung bei den Kindern noch nicht erfolgt ist, so wissen sie dennoch bereits im Kindergartenalter, dass mit bestimmten Zeichen etwas Bestimmtes gemeint ist, z.B. bei der Buchstabenkombination FANTA oder Post. Die Zeichen werden wie Logos gelesen. Die Kinder merken sich lediglich die Form der Buchstaben und ihre Anordnung als Muster von Schreibzeichen, den Graphemen. Sie wissen, wo FANTA auf der Flasche steht, ist gelbe Orangenlimonade drin. So gelingt es ihnen auch bereits am ersten Schultag ihren Namen zu schreiben. Diese Strategie reicht jedoch nicht aus, um längere Texte zu verfassen.
Zusammenfassung der Kapitel
Zum Begriff LRS: Erläutert die historische Entwicklung des Begriffs sowie den wissenschaftlichen Wandel von der stigmatisierenden Wahrnehmung zur heutigen Anerkennung neurobiologischer Ursachen.
LRS als Teilleistungsschwäche: Analysiert die komplexen Wahrnehmungsbereiche (optisch, akustisch, kinästhetisch, rhythmisch, melodisch), deren Störung das individuelle Erscheinungsbild einer LRS prägen.
Feststellung der Lese-Rechtschreibschwäche: Beschreibt die diagnostischen Erfordernisse und die Notwendigkeit einer frühzeitigen, interdisziplinären Zusammenarbeit zur Prävention von Sekundärschäden.
Der Prozess des Rechtschreibenlernens: Unterteilt den Erwerb der Schrift in drei wesentliche Phasen und beleuchtet die Bedeutung der Morphemkonstanz sowie die Wechselbeziehung der Rechtschreibstrategien.
Methoden des Schreib- und Leselernprozesses bei lese-rechtschreib-schwachen Schülern: Detaillierte Darstellung schulischer Förderkonzepte in sächsischen LRS-Klassen und des außerschulischen L.O.S.-Konzepts zur individuellen Therapie.
Zusammenfassung: Reflektiert die aktuelle Situation, kritisiert die Zusammenarbeit zwischen Eltern und Schule sowie die Lehrerbildung und fordert bildungspolitische Reformen zur besseren Förderung betroffener Kinder.
Schlüsselwörter
Lese-Rechtschreib-Schwäche, Legasthenie, Teilleistungsschwäche, Schriftspracherwerb, Rechtschreibentwicklung, LRS-Klassen, Wahrnehmungsdefizite, Förderplanung, Laut-Zeichen-Korrespondenz, L.O.S., Diagnostik, Inklusion, Schulförderung, Schreibtechnik, Lerntherapie.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit den Besonderheiten des Schriftspracherwerbs bei Kindern mit Lese-Rechtschreib-Schwäche (LRS) und analysiert sowohl Ursachen als auch effektive Förderansätze im schulischen und außerschulischen Bereich.
Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?
Im Zentrum stehen die neurobiologischen und pädagogischen Grundlagen der LRS, die Stufen der Rechtschreibentwicklung, diagnostische Verfahren sowie spezifische Methoden der Lernförderung in LRS-Klassen und privaten Therapieeinrichtungen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie durch eine gezielte, frühe Diagnose und individuell angepasste Fördermaßnahmen die schulische und persönliche Entwicklung von Kindern mit LRS trotz ihrer Teilleistungsschwäche positiv beeinflusst werden kann.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden angewendet?
Die Autoren nutzen eine Kombination aus Literaturanalyse, der Auswertung pädagogischer Richtlinien (z.B. des Sächsischen Staatsinstituts) sowie eines konkreten Fallbeispiels eines betroffenen Kindes.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Fundierung (Wahrnehmungsbereiche, Lernstufen) und die praktische Umsetzung der Förderung, inklusive konkreter Materialien und methodischer Ansätze für den Unterricht.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Schlagworte sind LRS, Teilleistungsschwäche, Schriftspracherwerb, LRS-Klassen, Förderplanung, Diagnostik und individuelle Rechtschreibstrategien.
Warum ist die Unterscheidung zwischen Laut- und Schriftbild so wichtig?
Für LRS-Kinder ist die Verbindung zwischen Gehörtem und Geschriebenem oft gestört; das Verständnis, dass Wörter nicht immer so geschrieben werden, wie sie klingen, ist zentral für den Aufbau einer korrekten Rechtschreibung.
Welche Rolle spielt die emotionale Verfassung der Kinder?
Die Arbeit betont, dass Misserfolge zu Frustration und Verhaltensauffälligkeiten führen können, weshalb die Förderung nicht nur technische Fertigkeiten trainieren, sondern auch den Abbau von Ängsten und den Aufbau von Selbstvertrauen priorisieren sollte.
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- Nadja Hinze (Author), Frauke Lau (Author), 2003, Besonderheiten des Schriftspracherwerbs bei Lese-Rechtschreibschwäche, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/17474