0 Einleitung
Grundlegende Regeln sind beim Autofahren und bei Gesellschaftsspielen unumgänglich – genauso wie beim Film. Bei Letzterem beziehen sie sich auf die verschiedensten Aspekte. Beispielsweise muss das Licht gesetzt werden – jedoch nicht nur so, dass der Rezipient erkennt, was sich abspielt. Stattdessen sollte es eine ganz bestimmte Bedeutung haben, z.B. Hinweischarakter. Ähnlich verhält es sich mit den meisten Stilmitteln im Film. Nichts überlässt der Regisseur dem Zufall. Jedes noch so kleine Detail ist darauf ausgerichtet, beim Zuschauer eine ganz bestimmte Wirkung auslösen. Doch wie lautet das berühmte Sprichwort? „Regeln sind da, um sie zu brechen“. Sachkundige Filmemacher kennen diese Vorgaben und brechen sie bewusst.
Dies tat auch Marc Forster im Film Stay aus dem Jahre 2005. Diese Grundsätze, wie die 180-Grad-Regel, werden zum Beispiel durch Achsensprünge übergangen. Forster gibt somit viele Rätsel auf, die zum Ende des Filmes teilweise aufgelöst werden. Diese Arbeit soll unter der Fragestellung „Zeit, Raum und Perspektive im fiktionalen Film - Wie desorientiert der Film Stay seine Zuschauer?“ auf filmische Gestaltungsmittel eingehen, die dem Zuschauer die Orientierung nehmen und einen Ansatz liefern, wie man diese Elemente analysieren und interpretieren kann.
Zuerst wird diese Arbeit allgemein in den Film einführen und ihn kurz zusammenfassen. Danach soll theoretisch erläutert werden, wie Orientierung bzw. Desorientierung im Raum geschaffen und wie im Film mit Zeit und Perspektive gearbeitet wird. Im Anschluss werden filmische Gestaltungsmittel, die entweder auffällig oder übermäßig oft verwendet werden, analysiert und an Beispielen erläutert. Letztendlich sollen möglichst alle gewonnenen Ergebnisse zu einem Fazit zusammengefasst werden.
Inhaltsverzeichnis
0 Einleitung
1 Stay
1.1 Allgemeines
1.2 Inhalt
2 Orientierung und Desorientierung
2.1 Raum
2.2 Zeit
2.3 Perspektive
3 Filmische Gestaltungsmittel
3.1 Übergänge (Raum und Zeit)
3.2 Achsensprünge (Raum)
3.3 Zeitdehnung und Zeitraffung (Zeit)
3.4 Dutch Angle (Perspektive)
3.5 Weitere gestalterische Mittel
4 Zusammenfassung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht den Psychothriller Stay (2005) von Marc Forster unter der Forschungsfrage, wie durch den Einsatz spezifischer filmischer Gestaltungsmittel eine bewusste Desorientierung der Zuschauer in Bezug auf Raum, Zeit und Perspektive erzeugt wird.
- Analyse filmischer Kontinuitätsbrüche und deren narrative Funktion
- Untersuchung von Zeitmanipulationen wie Zeitdehnung und Zeitraffung
- Betrachtung von Perspektivwechseln und dem Einsatz des Dutch Angle
- Symbolische Bedeutung von Gestaltungselementen wie Treppen und Kleidung
- Verhältnis zwischen totaler Desorientierung und kohärenter Narration
Auszug aus dem Buch
3.1 Übergänge (Raum und Zeit)
Ein Übergang (auch Überblendung) dient dazu, zwei unterschiedliche Handlungsorte oder Zeitebenen miteinander zu verbinden (Vgl. Mikos 2008, S. 221). Dieser Effekt kann auf unterschiedliche Weise erreicht werden. In der einfachsten Form zeigt er sich in einer Szene von Stay: Henry steht an einem Fenster in Sams Büro und verlässt dieses nach seiner Ankündigung, es würde bald hageln (Vgl. Stay 2005, 00:06:22).25 Die Kamera bleibt jedoch beim Fenster in der Großeinstellung, macht in einer Kamerafahrt nach rechts einen leichten Links-Schwenk und eine Neig-Bewegung nach unten auf den Platz vor dem Gebäude. Dort unterhält sich Sam mit Lila auf einer Bank (Vgl. Stay 2005, 00:06:29). Beide Abbildungen markieren den (ausnahmsweise) sichtbaren Übergang von dem Büro in den Hof. Erst bei der dritten Einstellung, erkennt der Zuschauer genau, dass es sich um die beiden Akteure handelt, da Sam in einer Großeinstellung gezeigt wird.
Zusammenfassung der Kapitel
0 Einleitung: Die Einleitung legt das theoretische Fundament der Filmanalyse und formuliert die zentrale Fragestellung bezüglich der filmischen Desorientierung im Film Stay.
1 Stay: Dieses Kapitel liefert allgemeine Produktionsinformationen und eine detaillierte Inhaltsangabe des Films als Basis für die weitere Untersuchung.
2 Orientierung und Desorientierung: Hier werden die theoretischen Konzepte von Raum-, Zeit- und Perspektivwahrnehmung im Film erläutert, um die Grundlagen der filmischen Orientierung zu definieren.
3 Filmische Gestaltungsmittel: Der Hauptteil analysiert konkret die im Film eingesetzten Stilmittel wie Achsensprünge, Zeitmanipulationen und Kameraperspektiven auf ihre desorientierende Wirkung hin.
4 Zusammenfassung: Das abschließende Kapitel fasst die Ergebnisse der Analyse zusammen und bewertet den bewussten Einsatz der Mittel als Kompromiss zwischen Desorientierung und narrativer Struktur.
Schlüsselwörter
Stay, Marc Forster, Filmanalyse, Desorientierung, Raumwahrnehmung, Zeitwahrnehmung, Perspektive, 180-Grad-Regel, Achsensprung, Zeitdehnung, Zeitraffung, Dutch Angle, Psychothriller, Narration, Filmästhetik
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert, wie der Film Stay durch gezielte filmische Stilmittel bewusst die Orientierung des Zuschauers in Bezug auf Raum, Zeit und Perspektive stört.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind die filmische Raum- und Zeitgestaltung, die Nutzung der Kameraperspektive sowie die Manipulation des Zuschauers durch bewusste Brüche in den Sehgewohnheiten.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, filmische Mittel zu identifizieren, die den Zuschauer desorientieren, und einen Ansatz zu liefern, wie diese Elemente systematisch analysiert und interpretiert werden können.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Analyse folgt dem methodischen Vorgehen nach Lothar Mikos, welches die Schritte Beobachtung, Analyse, Interpretation und Bewertung umfasst.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil befasst sich detailliert mit Übergängen, Achsensprüngen, Zeitmanipulationen (Dehnung/Raffung) und dem Einsatz von Dutch Angles und Symbolen im Film.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wesentliche Begriffe sind unter anderem Desorientierung, filmische Gestaltungsmittel, 180-Grad-Regel, Psychothriller und Narration.
Wie trägt der "Dutch Angle" zur Filmaussage bei?
Er dient als visuelles Zeichen für Bedrohlichkeit, einen Realitätsverlust der Protagonisten oder eine Welt, die aus dem Gleichgewicht geraten ist.
Welche Rolle spielen Symbole wie die "Hochwasserhose"?
Diese Symbole fungieren als geplante visuelle Elemente, die auf einer tieferen Ebene Bedeutung tragen und rückblickend Hinweise auf das Filmende oder eine veränderte Wahrnehmung geben.
- Citar trabajo
- Christian Bach (Autor), 2010, Raum, Zeit und Perspektive im fiktionalen Film - Wie desorientiert der Film "Stay" seine Zuschauer?, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/174778