Wünsche beherrschen und bestimmen das gesamte Leben eines Menschen. Sie sind Erscheinungen des psychischen Lebens, die uns allen wohl bekannt sind. In der frühen Kindheit treten sie in ihrer ungezähmten Ausdrucksform auf, wenn der Säugling schreit, weil er den Wunsch nach Nahrung besitzt. Ältere Kinder sind bereits in der Lage, ihre gehegten Wünsche zu zügeln und können sie beispielsweise in Form eines Wunschzettels an den Weihnachtsmann übermitteln.
Das Nachdenken über das Wünschen wird von der Menschheit seit dem Bestehen ihrer Existenz vollzogen und zählt thematisch zu den Gegenständen der Auseinandersetzung in der praktischen Philosophie. Namhafte Autoren haben sich über das Wünschen Gedanken gemacht und in ihren Werken zum Ausdruck gebracht.
Die eigenen Wünsche zu realisieren scheint einen positiven Einfluss auf die Qualität des Lebens zu haben. Man wird das eigene Leben nicht als gut oder auch gelungen betrachten, wenn die zentralsten Wünsche unerfüllt bleiben. Daher besitzen unsere Wünsche eine motivationale Funktion, die Handlungen verursachen können. Die Menschen bewerten demnach eine Handlung als gut, wenn sie dazu beitragen kann, dass die eigenen Wünsche realisiert werden. Als Wünschende sind wir demnach von einer Sache in Anspruch genommen, die uns ergreift und bewegt. Doch was genau heißt es, einen Wunsch zu haben? Was bedeutet es, sich etwas zu wünschen und welche Formen kann es annehmen? Was wünschen sich Kinder und welche Vorstellungen besitzen sie zu ihren Wünschen?
Auf all diese Frage versucht die vorliegende Abhandlung mit dem Titel „Wünsche und Wunschvorstellungen im 21. Jahrhundert. Eine empirische Untersuchung mit Grundschulkindern der Klassenstufen 3 und 4“ Antworten zu finden und sie zu begründen. Aus dieser Überschrift für die gesamte Darstellung können bereits die Schwerpunkte für die Vorgehensweise der Bearbeitung abgeleitet werden. Das Ziel der Arbeit ist es, eine Untersuchung über die Wunschvorstellungen von Schülerinnen und Schülern der dritten und vierten Klassen der Grundschule durchzuführen. Wie genau diese Zielstellung beschaffen ist und welche konkreten Aspekte dabei betrachtet werden sollen, wird nun ausführlich erläutert, indem der Aufbau der Schrift vorgestellt wird. Den Anfang der Beschäftigung mit dem Thema bilden theoretische Überlegungen zum Wünschen und den Wunschvorstellungen. Dazu wird zu allererst der Begriff des Wunsches geklärt und vorgestellt. [...]
Gliederung
1 Einleitung
2 Wunsch und Wunschvorstellungen - Theoretische Überlegungen zum Gegenstand
2.1 Klärungsversuche des philosophischen Begriffes
2.2 Differenzierung und Abgrenzung des Begriffes von verwandten Sachverhalten des menschlichen Verhaltens
2.3 Arten und Formen von Wünschen
2.4 Geschichtlicher Abriss über die Wunschvorstellungen ausgewählter Autoren
3 Empirische Untersuchung über die Wunschvorstellungen von Grundschülern
3.1 Gegenstand und Zielsetzung der Untersuchung
3.2 Darstellung der eingesetzten empirischen Methode
3.3 Umsetzung des Verfahrens in der Grundschule
4 Auswertung der eingesetzten empirischen Untersuchung zu den Wunschvorstellungen
4.1 Beschreibung der Vorgehensweise zur Auswertung der Fragestellungen
4.2 Momentane Wunschvorstellungen
4.3 Zukünftige Wunschvorstellungen
4.4 Wissen über die Erfüllbarkeit und Unerfüllbarkeit der Wünsche
4.5 Selbstreflexion für notwendige Handlungen zur Wunschrealisierung
4.6 Moralische Wünsche
5 Schlussbetrachtung
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht empirisch die Wünsche und Wunschvorstellungen von Grundschulkindern der dritten und vierten Klassenstufe im 21. Jahrhundert und setzt diese in Beziehung zu theoretischen philosophischen Konzepten.
- Theoretische Fundierung des Wunschbegriffs durch verschiedene Autoren
- Empirische Erfassung momentaner und zukünftiger Wünsche bei Kindern
- Analyse des Wissens über Erfüllbarkeit und Unerfüllbarkeit von Wünschen
- Untersuchung der Fähigkeit zur Selbstreflexion hinsichtlich der Wunschrealisierung
- Erörterung geschlechtsspezifischer Unterschiede und Umwelteinflüsse
Auszug aus dem Buch
2.1 Klärungsversuche des philosophischen Begriffes
Um den Begriff des Wunsches theoretisch zu fassen, bietet es sich an, sich zunächst die Frage zu stellen: „Was heißt es eigentlich, sich etwas zu wünschen?“ Im Deutschen Wörterbuch wird wünschen verstanden als einen Wunsch haben, ihn in sich tragen, etwas verwirklicht zu sehen oder etwas zu bekommen. Das Wünschen wird darin gleichgesetzt mit dem Verlangen und Fordern.1 Insgesamt lassen sich der Literatur vielfältige Begriffumschreibungen vorfinden, die im Grunde genommen den Sachverhalt des Wünschens meinen, wie beispielsweise Begehren, Präferenzen, Nutzen, Neigungen, Vorlieben oder auch Erhoffen. Nach der Auffassung des Deutschen Wörterbuches können sich die Wünsche auf vielfältige Sachverhalte beziehen wie beispielsweise auf solche, auf die das Subjekt Einfluss nehmen kann oder auch auf Unbeeinflussbares sowie Unmögliches.
Um sich dem Begriff des Wunsches tiefer anzunähern, wird im Weiteren auf die Erläuterungen aus dem Historischen Wörterbuch der Philosophie zurückgegriffen. Darin wird der Gegenstand mit den englischen Begriffen desire, want sowie wish übersetzt und wie folgt definiert.
„Unter dem Wunsch nach einem Objekt wird eine positive Einstellung gegenüber diesem Objekt verstanden, wobei nähere Bestimmungen teils wechseln, teils ausbleiben. Oft ist ein Unterschied zu Begehren […] und Streben weder sprachlich noch sachlich auszumachen. Ohne dass es zu einem Bruch mit der Tradition der Begehrens- und Strebensbegriffe käme, erfährt der Wunschbegriff durch Tendenzen, das Wünschen als die zur Begründung oder Erklärung menschlichen Handelns maßgebliche subjektive Einstellung zu etablieren, eine eigene Färbung.“
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung führt in die Thematik ein, begründet die Relevanz des Wünschens für das menschliche Leben und definiert das Ziel der Arbeit, eine empirische Untersuchung mit Grundschulkindern durchzuführen.
2 Wunsch und Wunschvorstellungen - Theoretische Überlegungen zum Gegenstand: Dieses Kapitel liefert eine philosophische Fundierung des Wunschbegriffs und grenzt diesen von verwandten Begriffen wie Willen oder Meinung ab.
3 Empirische Untersuchung über die Wunschvorstellungen von Grundschülern: Hier werden Gegenstand, Methode (Fragebogen) und die Durchführung der Untersuchung an zwei Grundschulen detailliert beschrieben.
4 Auswertung der eingesetzten empirischen Untersuchung zu den Wunschvorstellungen: Dieses Kapitel präsentiert und interpretiert die erhobenen Daten hinsichtlich momentaner und zukünftiger Wünsche, ihrer Erfüllbarkeit sowie der Selbstreflexion der Kinder.
5 Schlussbetrachtung: Die Arbeit fasst die wesentlichen theoretischen und empirischen Ergebnisse zusammen und leitet daraus Anregungen für die pädagogische Praxis im Ethikunterricht ab.
Schlüsselwörter
Wünsche, Wunschvorstellungen, Grundschulkinder, praktische Philosophie, Empirische Untersuchung, Fragebogenmethode, Wunschrealisierung, Erfüllbarkeit, Selbstreflexion, Ethikunterricht, materielle Wünsche, ideelle Wünsche, moralische Wünsche, Harry Frankfurt, Arthur Schopenhauer.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Magisterarbeit befasst sich mit dem Thema Wünschen und Wunschvorstellungen von Kindern im Grundschulalter unter Einbeziehung philosophischer und empirischer Perspektiven.
Welches sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Die zentralen Themenfelder sind die theoretische Bestimmung des Wunschbegriffs, die empirische Erhebung der Wünsche bei Dritt- und Viertklässlern sowie die pädagogische Bedeutung dieser Erkenntnisse für den Ethikunterricht.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das primäre Ziel ist es, herauszufinden, welche konkreten Wünsche und Vorstellungen Grundschulkinder heute besitzen und inwiefern sie diese reflektieren und kategorisieren können.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Die Autorin hat eine empirische Fragebogenuntersuchung mit 80 Probanden an zwei verschiedenen Grundschulstandorten durchgeführt und die Ergebnisse qualitativ und quantitativ ausgewertet.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine philosophische Begriffsklärung, einen historischen Abriss, die methodische Darstellung der empirischen Studie sowie die detaillierte Auswertung der verschiedenen Wunscharten und Hypothesen.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird vor allem durch Begriffe wie Wunscharten, Erfüllbarkeit, Handlungskausalität, Selbstreflexion und die philosophischen Positionen von Autoren wie Frankfurt und Schopenhauer geprägt.
Wie unterscheidet die Autorin zwischen materiellen und ideellen Wünschen?
Materielle Wünsche beziehen sich auf Sach- oder Geldwerte und Konsumgegenstände, während ideelle Wünsche subjektive Wertvorstellungen und Interessen ohne direkten Geldbezug darstellen.
Welche Rolle spielt die Schule bei der Entwicklung von Wünschen?
Die Autorin hebt hervor, dass der Ethikunterricht dazu beitragen kann, den Kindern zu helfen, eigene Wünsche zu reflektieren, zwischen erfüllbaren und unerfüllbaren Wünschen zu unterscheiden und eine Distanz zu den eigenen Wünschen aufzubauen.
- Arbeit zitieren
- Carolin Ziehm (Autor:in), 2010, Wünsche und Wunschvorstellungen im 21. Jahrhundert. Eine empirische Untersuchung mit Grundschulkindern der Klassenstufen 3 und 4, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/174846