Corporate Social Responsibility (CSR) in kleinen und mittleren Unternehmen


Diplomarbeit, 2011
82 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1 Einleitung
1.1 Unternehmen verlieren an Vertrauen
1.2 Gang der Untersuchung

2 Grundlegende Aspekte zur gesellschaftlichen Verantwortung von Unternehmen
2.1 Die sich verändernde Rolle von Unternehmen in der Gesellschaft
2.2 Begriffsdefinitionen und -abgrenzungen: Begriffsarbeit tut Not
2.2.1 Corporate Social Responsibility
2.2.2 Nachhaltige Entwicklung und Corporate Sustainability
2.2.3 Corporate Citizenship
2.2.4 Corporate Governance

3 Instrumente und Motive zur Umsetzung von Corporate Social Responsibility
3.1 Die Vielfalt von CSR-Instrumenten
3.1.1 Internationale Richtlinien
3.1.2 Standards
3.1.3 Verhaltenskodizes, Gütesiegel und Nachhaltigkeitsberichte
3.2 Existiert ein Business Case für CSR?

4 Kleine und mittlere Unternehmen
4.1 Begriffsbestimmung
4.1.1 Quantitative Abgrenzungsmerkmale
4.1.2 Qualitative Abgrenzungsmerkmale
4.2 Zur volkswirtschaftlichen Bedeutung der KMU

5 CSR in kleinen und mittleren Unternehmen
5.1 Besonderheiten des CSR-Engagements bei KMU
5.1.1 Der Eigentümer-Unternehmer
5.1.2 Motive und Hinderungsgründe der KMU
5.1.3 Regionale Verankerung der CSR-Aktivitäten
5.1.4 Organisation und Kommunikation des Engagements
5.2 CSR-Handlungsfelder
5.2.1 Arbeitsplatz
5.2.2 Umwelt
5.2.3 Gemeinwesen
5.2.4 Markt

6 Schlussbetrachtung
6.1 Zusammenfassung
6.2 Kritische Anmerkungen zur aktuellen CSR-Diskussion

Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: CSR-Modell nach Carroll

Abbildung 2: Begriffssystematik nach Schramm

Abbildung 3: KMU-Definition des IfM Bonn und der Europäischen Kommission

Abbildung 4: Problematik quantitativer Abgrenzungsmerkmalekonzerngeb undene Unternehmen

Abbildung 5: Die Handlungsfelder von Corporate Social ResponsibilityUnternehmens

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1 Einleitung

1.1 Unternehmen verlieren an Vertrauen

Unternehmensskandale, Korruptionsvorfälle, Umweltkatastrophen und vor allem die globale Finanz- und Wirtschaftskrise haben zu einem sinkenden Vertrauen der Bevölkerung in die Unternehmen geführt. Dieser Vertrauensverlust hat bewirkt, dass Unternehmensentscheidungen und die damit einhergehenden Auswirkungen auf Mensch und Natur verstärkt im Fokus einer kritischen Öffentlichkeit stehen. Es wird nicht mehr nur danach gefragt, wie viel Gewinn und Umsatz ein Unternehmen erwirtschaftet oder was es mit seinen Gewinnen macht, sondern auch danach wie eine Unternehmung ihre Gewinne erzielt.[1] Die Kritik am reinen Shareholder-Value-Gedanken, der die Interessen der Eigenkapitalgeber eines Unternehmens in den Mittelpunkt stellt, wird lauter und nicht-finanzielle Aspekte gewinnen für eine erfolgreiche Unternehmensführung zunehmend an Bedeutung. Die Erwartungen und Ansprüche der Gesellschaft an Unternehmen sind gestiegen: Unternehmen sollen sich auf eine verantwortungsvolle Art und Weise verhalten, sie sollen neben ihrer ökonomischen auch ihrer sozialen und ökologischen Verantwortung nachkommen.[2] Um die gesellschaftliche Akzeptanz zu stärken und Vertrauen aufzubauen, müssen sich Unternehmen für gesellschaftliche Themen öffnen und über die traditionellen Stakeholder hinaus weitere Interessengruppen wie die lokale Gemeinschaft oder Nichtregierungsorganisationen in ihre Entscheidungsfindung einbeziehen. Viele Unternehmen haben diese Entwicklungen bereits erkannt und die Wahrnehmung gesellschaftlicher Verantwortung (Corporate Social Responsibility = CSR) ist für sie kein neues Thema. Allerdings darf es den Unternehmen bei ihrem verantwortlichen Handeln nicht lediglich um „Green- oder Bluewashing“ gehen, das heißt oberflächliche CSR-Aktivitäten für reine PR-Zwecke sind der falsche Weg.[3] Zum Erhalt ihrer Reputation und Glaubwürdigkeit sollten Unternehmen die Werte, die sie mit ihren Maßnahmen nach außen kommunizieren, auch tatsächlich leben. Die allgemeine Auseinandersetzung mit dem Thema Ethik in der Wirtschaft hat deutlich zugenommen und es gibt gute Gründe dafür anzunehmen, dass die Bedeutung der Unternehmensethik weiter wachsen wird.[4]

1.2 Gang der Untersuchung

In der vorliegenden Arbeit wird die Wahrnehmung gesellschaftlicher Verantwortung, in der Fachdiskussion unter dem Begriff Corporate Social Responsibility bekannt, in kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) untersucht. Es geht um die Frage, wie sich die Besonderheiten des KMU-Sektors auf das ethische Verhalten der Unternehmen und die Umsetzung von CSR auswirken. Welche wesentlichen Unterschiede bestehen im Vergleich zu multinationalen Großunternehmen?

Im Grundlagenteil wird zunächst erklärt, dass das durch die Globalisierung ausgelöste Unvermögen der Nationalstaaten, einen funktionierenden internationalen Ordnungsrahmen bereitzustellen, zu der Notwendigkeit geführt hat, dass Unternehmen selbst zu einer stabilen Weltordnung beitragen. Unternehmen, die unter den heutigen Rahmenbedingungen zu den einflussreichsten und stärksten Institutionen zählen, sollen Verantwortung für die Gesellschaft wahrnehmen. Im Weiteren wird der Begriff Corporate Social Responsibility konkretisiert und von anderen begriffsverwandten Konzepten abgegrenzt.

Anschließend werden bestehende Richtlinien und Standards sowie sonstige ausgewählte Instrumente zur Umsetzung von Corporate Social Responsibility vorgestellt. Zudem wird in diesem Kapitel kurz auf mögliche Gründe für die Wahrnehmung gesellschaftlicher Verantwortung durch Unternehmen eingegangen, um dann ausführlich die Frage zu untersuchen, ob eine verantwortungsbewusste Unternehmensführung mit ökonomischen Vorteilen verbunden ist.

Im vierten Kapitel werden kleine und mittlere Unternehmen sowohl in quantitativer als auch in qualitativer Hinsicht definiert. Die charakteristischen Besonderheiten von mittelständischen Unternehmen werden dargestellt und die volkswirtschaftliche Bedeutung von KMU hervorgehoben.

Im folgenden Schwerpunktteil werden die generierten Erkenntnisse zusammengefügt und die konkrete Umsetzung der gesellschaftlichen Verantwortung in KMU betrachtet. Es geht um die Auswirkungen der spezifischen Charakteristika kleiner und mittlerer Unternehmen auf ihr CSR-Engagement. Dabei stehen zuerst der EigentümerUnternehmer und dessen persönlicher Einfluss auf die Unternehmensführung und - ethik im Mittelpunkt. Daran anschließend werden die Motive und Hinderungsgründe der KMU für ein Engagement aufgeführt, bevor die regionale Verankerung sowie die Organisation und Kommunikation der CSR-Aktivitäten erläutert wird. Unter dem Kapitel 5.2 werden die vier CSR-Handlungsfelder (Arbeitsplatz, Umwelt, Gemeinwesen und Markt) vorgestellt und im Hinblick auf den Mittelstand näher behandelt.

2 Grundlegende Aspekte zur gesellschaftlichen Verantwortung von Unternehmen

2.1 Die sich verändernde Rolle von Unternehmen in der Gesellschaft

Unternehmen, als Teil der Gesellschaft, agieren stets innerhalb bestimmter wirtschaftlicher und gesellschaftspolitischer Rahmenbedingungen, die ihr Handeln stark beeinflussen. Diese Rahmenbedingungen haben sich in den vergangenen Jahren jedoch essentiell verändert.[5]

Das letzte Jahrhundert war, insbesondere bei Betrachtung der Bundesrepublik Deutschland, durch eine klare Arbeitsteilung zwischen dem Staat auf der einen und der Wirtschaft auf der anderen Seite gekennzeichnet. Während der starke Nationalstaat für die Gesetzgebung, das System der sozialen Sicherung und die Gewährleistung von Recht und Ordnung zuständig war (und auch heute noch ist), erbrachten Unternehmen ihren gesellschaftlichen Beitrag hauptsächlich in Form von Steuern, Beiträgen und Arbeitsplätzen.[6] Von weitergehenden gesellschaftlichen Anforderungen entlastet, konnten sich die Unternehmen zu dieser Zeit darauf konzentrieren im Rahmen der gesetzlich vorgegebenen Grenzen ihre Gewinne zu maximieren. Die Maxime von Milton Friedman „the business of business is business“ beschreibt die dominante Vorstellung der Industriegesellschaft des 20. Jahrhunderts ganz treffend.[7]

Im 21. Jahrhundert scheint die eingespielte Aufgabenverteilung zwischen Politik und Wirtschaft nicht mehr haltbar zu sein. Es kommt zu einer Verschiebung der Machtverhältnisse zwischen öffentlichen und privaten Akteuren. Im Zuge der zunehmenden Vernetzung der Welt können sich international agierende Unternehmen der staatlichen Regulierungsmacht entziehen. Der Grund dafür liegt darin, dass die von nationalen Regierungen festgelegten Regelungen in globaler Hinsicht zum Teil nicht mehr greifen.[8] Im Kontext der von Jürgen Habermas so genannten ]postnationalen Konstellation besteht demnach eine Regulierungslücke, die transnationale Unternehmen zu ihren eigenen Gunsten ausnutzen können.[9] Die nationalstaatlich gebundene Politik hat an Einfluss und Macht verloren. Traditionelle Steuerungsmechanismen der einzelnen Staaten reichen heute nicht mehr aus, der Komplexität von Wirtschaft und Gesellschaft gerecht zu werden.[10] Mit der Globalisierung wird das „Primat der Politik ausgehebelt“[11] und die Unternehmen sehen sich unvollständigen internationalen Rahmenordnungen gegenübergestellt. Im globalen Kontext muss nach anderen Möglichkeiten als der reaktiven, nacheilenden, staatlichen Regulierung gesucht werden, um über die Grenzen hinweg einen stabilen und effektiven Handlungsrahmen zu schaffen.[12] Diese Aufgabe und damit die Wahrnehmung gesellschaftspolitischer Verantwortung wird zunehmend den Unternehmen selbst zugeschrieben.[13]

Die gesellschaftliche Rolle von Unternehmen befindet sich nicht nur deshalb im Umbruch, weil Unternehmen die „Steuerungsdefizite nationalstaatlicher Rahmenordnungen“[14] durch verantwortungsvolles und integeres Handeln selbstständig ausgleichen sollen, sondern auch aufgrund des Umstandes, dass die Stakeholder steigende Erwartungen in Bezug auf gesellschaftliche Aufgaben an die Unternehmen herantragen.[15] Stakeholder oder Anspruchsgruppen werden definiert als „any individual or group that can affect or is affected by the achievement of a corporation's purpose”[16]. Die verschiedenen Stakeholder wie etwa Mitarbeiter, Kunden, Shareholder oder Nichtregierungsorganisationen (NGOs) richten ihre vielfältigen Ansprüche an Unternehmen und haben dabei jeweils eigene Vorstellungen davon, welche Verantwortlichkeiten diese wahrzunehmen haben. Der entscheidende Punkt ist, dass es heute nicht mehr genügt die Gewinninteressen der Anteilseigner zu befriedigen und die gesetzlichen Regelungen zu befolgen. Stattdessen geraten die Unternehmen unter verstärkten Legitimationsdruck und müssen sich ihre „licence to operate“[17] durch gelungene Beziehungen zu den Stakeholdern sichern. Verantwortliches unternehmerisches Handeln ist zu einem ausschlaggebenden Faktor von erfolgreichem Management geworden. Unternehmen, die ihre Verantwortung gegenüber Anspruchsgruppen und der Umwelt verkennen, riskieren neben einem Imageschaden und Vertrauensverlust sogar negative finanzielle Folgen.[18] „Verantwortliches Handeln entwickelt sich von der Option zur Notwendigkeit bis hin zum Zwang.“[19]

Die Tatsache, dass Unternehmen ihr Handeln moralisch legitimieren sollen, etwas zu verantworten haben und als Partner zur Lösung drängender gesellschaftlicher Probleme herangezogen werden, lässt sich normativ mit den zunehmenden Handlungsspielräumen und ihrem großen Einfluss auf Entwicklungen der Gesellschaft begründen.[20] Zusammenfassend kann man sagen, dass es zu einer grundlegenden Veränderung in der öffentlichen Vorstellung sowie im Selbstverständnis vieler Unternehmen gekommen ist, was die gesellschaftliche Rolle, die Bedeutung und die Verantwortung von Unternehmen angeht. Die privatwirtschaftlichen Unternehmen sollen dem marktwirtschaftlichen System ein „menschliches Gesicht“ geben, indem sie als Partner von Politik und Zivilgesellschaft aktiv zur Förderung gesellschaftlicher Anliegen beitragen.[21]

2.2 Begriffsdefinitionen und -abgrenzungen: Begriffsarbeit tut Not

In den letzten Jahren intensivierte sich die Debatte um die Verantwortung von Unternehmen gegenüber der Gesellschaft sowohl in der Praxis als auch in der Wissenschaft. Dennoch existiert bis heute kein einheitliches Begriffsverständnis darüber, was unter gesellschaftlicher Verantwortung von Unternehmen, wie die richtige Übersetzung des englischen Begriffs Corporate Social Responsibility lautet, zu verstehen ist.[22] Es besteht ein erheblicher Klärungsbedarf über den zweckmäßigen Inhalt der Modevokabel CSR[23], was eine Abgrenzung zu begriffsverwandten Konzepten wie Nachhaltigkeit, Corporate Citizenship und Corporate Governance erforderlich macht. Jedoch besteht in der wissenschaftlichen Literatur bisher ebenso keine Einigkeit darüber, inwieweit sich CSR und andere Begrifflichkeiten, die sich mit ähnlichen Phänomenen beschäftigen, von einander abgrenzen lassen bzw. sich gegenseitig ergänzen könnten.[24]

2.2.1 Corporate Social Responsibility

2.2.1.1 Die Entwicklung des Begriffs

Auch wenn der eingängige Begriff Corporate Social Responsibility erst in den vergangenen Jahren verstärkt Aufmerksamkeit in der deutschen wissenschaftlichen Diskussion erhalten hat, ist der Ansatz an sich keineswegs eine neue Erfindung[25]. Bereits im 19. Jahrhundert begannen Unternehmer sich zunehmend für die Verbesserung der Arbeitsbedingungen und Lebensverhältnisse ihrer Beschäftigten einzusetzen oder Bil- dungs-, Kultur- und Sporteinrichtungen zu unterstützen.[26] In der Wissenschaft markieren die Arbeiten von Bowen in seiner Publikation „Social Responsibilities of the Businessmen“ im Jahr 1953 den Ursprung des Themas. Er leitete aus der Tatsache, dass die Ökonomie viele Bereiche der Gesellschaft beeinflusst eine Verpflichtung der Unternehmen ab, gemäß den gesellschaftlichen Erwartungen und Werten zu handeln.[27] Daraufhin folgte eine kontroverse Debatte zu der Frage, wie weit die Wahrnehmung gesellschaftlicher Verantwortung durch Unternehmen geht. Gilt die Sichtweise „The social responsibility of business is to increase its profits”[28], wie der Ökonom Milton Friedman einst meinte oder sollten Unternehmungen ihren Beitrag für eine bessere Gesellschaft und eine saubere Umwelt leisten, indem sie sich ebenfalls um soziale, ökologische und ethische Belange kümmern - das war der Anknüpfungspunkt der damaligen Auseinandersetzung.[29]

Das berühmte „Davoser Manifest“ aus dem Jahre 1973 stellt auf europäischer Ebene ein Bekenntnis zur unternehmerischen Verantwortung dar.[30] Auf dieser dritten Veranstaltung des Europäischen Management Symposiums (heutzutage „Weltwirtschaftsgipfel“ benannt) bekannten sich die damals anwesenden Manager dazu, die Bedürfnisse der Kunden, Mitarbeiter, Kapitalgeber und der Gesellschaft insgesamt zu berücksichtigen und nach fairen Gesichtspunkten auszugleichen. Ende der 1970er Jahre hat der US-amerikanische Management-Professor Archie B. Carroll dann auf die vierfache Verantwortung eines jeden Unternehmens hingewiesen.[31] Mit seiner Definition von CSR und der daraus abgeleiteten vierstufigen Verantwortungspyramide hat er die CSR-Diskussion nachhaltig geprägt. Die pyramidenförmige Darstellung von Corporate Social Responsibility nach Carroll umfasst eine ökonomische Verantwortung als Fundament sowie eine darauf aufsitzende rechtliche, ethische und philanthropische Verantwortungsebene (vgl. Abbildung 1).[32] Die ersten beiden Stufen der Verantwortung, Gewinne erzielen und die Gesetzestreue, sind die nicht verhandelbare Basis der unternehmerischen Verantwortung. Stufe drei spiegelt die Erwartungen der Gesellschaft wider, dass sich Unternehmen an die moralischen Vorstellungen halten. Die philanthropische Verantwortung von Unternehmen skizziert die Verwendung von Gewinnanteilen für gute Zwecke.[33] Die „Carroll‘sche Verantwortungspyramide“ erlaubt den Unternehmen selbst die Gewinnmaximierung oder die Einhaltung gültigen Rechts (Compliance) als Handlungen gesellschaftlicher Verantwortung darzustellen, was kritisch zu beurteilen ist.[34] Allerdings wurde mit dieser umfassenden CSR-Konzeption bereits verdeutlicht, dass die unternehmerische Verantwortung immer alle vier Verantwortungsbereiche beinhaltet.[35]

Abbildung 1: CSR-Modell nach Carroll

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Eigene Darstellung, in Anlehnung an Carroll/Buchholtz (2008), S. 45.

In den 1980er und 1990er Jahren konnte man eine Fokussierung auf die umweltbezogenen Aspekte der Unternehmensverantwortung feststellen.[36] Außerdem fallen CSR- Aktivitäten der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) sowie der Vereinten Nationen (UN) in diese Zeit.[37] Abgesehen von diesen Entwicklungen hat sich hinsichtlich des CSR-Begriffes in diesem Zeitraum relativ wenig getan, denn die Vokabel wurde international in die Debatte der Business Ethics Bewegung aufgenommen. Um den Jahrtausendwechsel nahm sich auch die Europäische Kommission dem Gegenstand CSR an und neben der Kampagne CSR Europe mit seiner deutschen Partnerorganisation ECONSENSE entstand vor allem das heute noch viel zitierte Grünbuch von 2001.[38]

2.2.1.2 Aktuelles Begriffsverständnis in Europa

Obwohl seit Beginn des neuen Jahrtausends ein erheblicher Bedeutungsgewinn von CSR zu verzeichnen ist und sich die Wissenschaft zunehmend mit dem Thema auseinandersetzt, ist die Diskussion immer noch von einer großen begrifflichen Unschärfe geprägt und es existiert keine allgemein anerkannte internationale CSR-Definition. Dies lässt sich auch darin begründen, dass Corporate Social Responsibility „is a dynamic and contestable concept that is embedded in each social, political, economic and institutional context”[39]. In Europa greift man größtenteils auf die 2001 im Grünbuch “Europäische Rahmenbedingungen für die soziale Verantwortung der Unternehmen” erschienene Definition der EU-Kommission zurück. Dort wird CSR definiert als „ein Konzept, das den Unternehmen als Grundlage dient, auf freiwilliger Basis soziale Belange und Umweltbelange in ihre Unternehmenstätigkeit und in die Wechselbeziehungen mit den Stakeholdern zu integrieren“[40]. In diesem Sinne wird Corporate Social Responsibility auch als Gegenmodell zu einem verkürzten Shareholder-Value-Denken verstanden und beschreibt die Integration der legitimen Interessen aller Stakeholder in die Zielformulierung von Unternehmen.[41] Ein Unternehmen ist demnach nicht mehr nur dem Streben nach Profitabilität verpflichtet, sondern trägt ebenfalls eine soziale und ökologische Verantwortung in allen Bereichen seiner Geschäftstätigkeit[42]: „von der eigentlichen Wertschöpfung bis hin zu den Austauschbeziehungen zu Mitarbeitern, Zulieferern, Kunden und dem Gemeinwesen“[43]. CSR kann damit als Beitrag der Unternehmen zur Erreichung einer nachhaltigen Entwicklung aufgefasst werden.[44]

Ein besonders zu betonender Aspekt des CSR-Konzeptes ist das weitgehend akzeptierte Prinzip der Freiwilligkeit. So argumentiert bereits die Europäische Kommission in ihrem 2001 veröffentlichten Grünbuch, dass gesellschaftlich verantwortliches Handeln mehr bedeutet, als nur die gesetzlichen Bestimmungen einzuhalten.[45] Verantwortliche Unternehmensführung geht somit über die reine Gesetzeskonformität hinaus und erwartet von Unternehmen selbst zwischen ökologischen, sozialen und wirtschaftlichen Zielen abzuwägen und dabei einen Ausgleich zwischen den unterschiedlichen Bedürfnissen der Anspruchsgruppen zu finden.[46] Eine wachsende Anzahl von Unternehmen investiert in freiwillige CSR-Praktiken, da sie vermehrt der Ansicht sind, dass ein dauerhafter ökonomischer Erfolg nicht allein über eine kurzfristige Maximierung des Sha- reholder-Value zu erreichen ist.[47] Verantwortliches Handeln einerseits und unternehmerische Wettbewerbsfähigkeit andererseits stehen in keinem grundsätzlichen Widerspruch zueinander.[48] Ganz im Gegensatz dazu können[49] sich Aktivitäten, die über die legalen Regelungen hinaus Umwelt- und Sozialbelange berücksichtigen, positiv auf das Unternehmen auswirken, indem sie zu einer Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit führen.[50]

Die gesellschaftliche Verantwortung von Unternehmen besteht aus einer internen und einer externen Dimension. Während sich die interne Dimension von CSR auf den Eigentümer bzw. das Management, die Gesellschafter bzw. Aktionäre und die Arbeitnehmer bezieht, beschäftigt sich die externe Dimension mit Stakeholdern wie Kunden, Lieferanten, Geschäftspartnern, dem lokalen Umfeld und der Umwelt.[51] Ferner wird Corporate Social Responsibility durch die Betrachtung und Gestaltung vier zentraler Handlungsfelder konkretisiert: Verantwortungsvolles Handeln am Arbeitsplatz, im Markt, im Gemeinwesen und gegenüber der Umwelt.[52]

In den nächsten Abschnitten soll das CSR-Konzept von anderen Begrifflichkeiten abgegrenzt werden, die im Zusammenhang mit dem Thema der unternehmerischen Verantwortung immer wieder verwendet werden. Die Gemeinsamkeit dieser Begriffe ist die Erwartung an Unternehmen, ihrer ökonomischen, sozialen und ökologischen Verantwortung gleichermaßen nachzukommen.[53] Die Differenzierung der Begriffe orientiert sich an der nachfolgend dargestellten Systematik von Prof. Dr. Michael Schramm. Die Abbildung soll als Überblick für die folgenden Begriffsdefinitionen und -abgrenzungen dienen.

Abbildung 2: Begriffssystematik nach Schramm

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Schramm (2010), S. 66.

2.2.2 Nachhaltige Entwicklung und Corporate Sustainability

Der erste inhaltlich mit dem CSR-Konzept verwandte Begriff ist der, der Nachhaltigkeit (auch Sustainability genannt), welcher im forstwirtschaftlichen Nachhaltigkeitsdenken wurzelt.[54] Populär wurde die Konzeption der nachhaltigen Entwicklung mit dem Bericht der Brundtland-Kommission von 1987, der folgende auch heute noch richtungsweisende Nachhaltigkeitsdefinition festlegte: „Sustainable devolopment is development that meets the needs of the present without compromising the ability of future generations to meet their own needs“[55]. Das normative Leitbild der Nachhaltigkeit beruht demnach auf der Forderung, die möglichen Interessen zukünftiger Generationen im heutigen Handeln zu berücksichtigen. Das grundlegende Verständnis von Nachhaltigkeit umfasst drei Säulen und besagt, dass ökonomische, ökologische und soziale Anforderungen gleichermaßen erfüllt werden sollen.[56]

Neben der gesamten Gesellschaft und der Politik sind insbesondere die Unternehmen aufgefordert, ihren Beitrag zur gesamtgesellschaftlichen Nachhaltigkeit zu leisten. Das Konzept einer nachhaltigen Unternehmensführung (Corporate Sustainability) meint analog zum allgemeinen Nachhaltigkeitsleitbild das dreidimensionale Ziel einer nachhaltigen Entwicklung der Unternehmung.[57] Einen bedeutenden theoretischen Beitrag zur Operationalisierung von Nachhaltigkeit lieferte der Triple Bottom Line-Ansatz von John Elkington. Die grundlegende Aussage dieses Ansatzes ist, dass ein Unternehmen nur dann „nachhaltig ist, wenn es finanziell abgesichert ist, seine negativen Umweltauswirkungen minimiert und schließlich in Übereinstimmung mit gesellschaftlichen Erwartungen handelt“[58]. Die Verantwortung des Managements für eine integrative Betrachtung der wirtschaftlichen, sozialen und ökologischen Dimension drückt der Begriff Corporate Responsibility aus.[59]

Vergleicht man CSR mit der unternehmerischen Nachhaltigkeit kann man feststellen, dass sich beide Konzepte zwar auf den Unternehmensbeitrag zur nachhaltigen Entwicklung beziehen, sich CSR-Definitionen allerdings auf ökologische und soziale Herausforderungen beschränken.[60] Da die ökonomische „Säule“ kein kritischer Bestandteil des CSR-Konzeptes darstellt[61], sondern nur als Rahmenbedingung gilt und damit nur zwei der drei Nachhaltigkeitsdimensionen betrachtet werden, kann CSR als Teilbereich von Corporate Sustainability angesehen werden.[62]

2.2.3 Corporate Citizenship

Der Begriff Corporate Citizenship (CC) beschreibt ein Konzept, das inhaltlich am schwierigsten vom Begriff CSR zu trennen ist und teilweise sogar synonym zu diesem verwendet wird.[63] Die Vorstellung, dass aus dem Status eines Staatsbürgers bestimmte Rechte und Pflichten resultieren und jeder Bürger seinen Teil zum Wohle des Gemeinwesens beitragen müsse, wurde auf Unternehmen übertragen und bildet die Grundlage des CC-Konzepts.[64] In der Literatur existiert kein gemeinsames Verständnis von Corporate Citizenship. Hierzulande wird es als bürgerschaftliches Engagement von Unternehmen übersetzt. Es können drei Gruppen von CC-Definitionen unterschieden werden. Neben Definitionen der ersten Gruppe, die CC als Teilaspekt von CSR ansehen, gibt es die gegensätzliche Auffassung, dass CC den Oberbegriff für Corporate Social Responsibility darstellt. Zudem bestehen Begriffsbestimmungen die Corporate Citizenship deckungsgleich mit dem aktuellen Verständnis von CSR verwenden.[65] So beschreibt zum Beispiel Carroll in seinem Beitrag „The Four Faces of Corporate Citizenship“ CC anhand des gleichen Vier-Stufen-Modells, das er zwei Jahrzehnte zuvor für die Charakterisierung von CSR verwendet hatte.[66]

Im Grünbuch der Europäischen Kommission wird gesellschaftliches Engagement von Unternehmen als Gestaltung ihrer gesamten Beziehungen zum lokalen, nationalen und globalen Umfeld definiert.[67] Eine ähnliche Definition von Habisch bezeichnet als unternehmerisches Bürgerengagement die Bündelung aller „Aktivitäten, mit deren Hilfe Unternehmen selbst in ihr gesellschaftliches Umfeld investieren und ordnungspolitische Mitverantwortung übernehmen“[68]. In diesem Sinne umfasst das CC-Konzept bereichsübergreifende Kooperationsprojekte mit unternehmensexternen Partnern zur Lösung gesellschaftlicher Probleme.[69] Unternehmen engagieren sich hierbei nicht nur mit Geld, sondern mit vielfältigen Ressourcen und Kompetenzen (fachliches Know-how, Zeit, Sachmittel, Dienstleistungen, Kontakte usw.).[70] Als Formen des Engagements von Unternehmen im Gemeinweisen, die am weitesten verbreitet sind, können das Spendenwesen (Corporate Giving) und Sozialsponsoring, die Einrichtung von Unternehmensstiftungen (Corporate Foundations) sowie die Förderung des gemeinnützigen, ehrenamtlichen Arbeitnehmerengagements (Corporate Volunteering) identifiziert werden.[71] Ein ganz wesentlicher Punkt, der sowohl für das CC- als auch für das CSR-Leitbild seine Gültigkeit besitzt, ist die Einbindung der Aktivitäten in die Unternehmensstrategie.[72]

In Deutschland dominieren CC-Definitionen der ersten Gruppe.[73] Dementsprechend werden Corporate Citizenship und CSR zwar als sich überschneidende, aber nicht deckungsgleiche Konzepte wahrgenommen. Stattdessen wird CC als Bestandteil von CSR gesehen.[74] So erkennen der Rat für Nachhaltige Entwicklung[75] sowie das Institut für ökologische Wirtschaftsforschung CSR als übergreifendes Konzept an, das ein breiteres Spektrum abdeckt. Dies liegt darin begründet, dass CSR im Gegensatz zum Corporate Citizenship-Begriff, der sich „nur“ auf das über die eigentliche Geschäftstätigkeit hinausgehende Unternehmensengagement im lokalen Umfeld bezieht, die Verantwortung des Unternehmens in der Gesellschaft ganz grundsätzlich betrachtet.[76] Corporate Citizenship kann hier mit dem CSR-Handlungsfeld Gemeinwesen gleichgesetzt werden.[77] Ein eindeutiger Unterschied zwischen CC und dem CSR-Leitbild besteht überdies in ihrer Semantik: Während CC auf dem Bürgergedanken beruht, rekurriert CSR auf den Begriff der Verantwortung. Auch empirisch kann dem Begriff der Corporate Social Responsibility eine größere Bedeutung zugewiesen werden.[78]

2.2.4 Corporate Governance

Abschließend wird das Verhältnis zwischen Corporate Social Responsibility und Corporate Governance (CG) betrachtet, denn “corporate governance is an increasingly important aspect of CSR”[79]. Das Konzept der Corporate Governance beinhaltet verschiedene Aspekte der Leitung eines Unternehmens, wie die Unternehmensorganisation, -führung und -kontrolle sowie die Beschäftigung mit der Unternehmenskultur und ethischen Fragen.[80] Im Rahmen der breiteren Auffassung der CG geht es um die Frage, wie ein Unternehmen seine Geschäfte grundsätzlich abwickelt und seine Beziehungen zu den relevanten Stakeholdern steuert.[81] Laut OECD-Kodex gibt Corporate Governance eine Struktur vor, mit deren Hilfe die „Gesamtheit der Beziehungen zwischen dem Management, dem Aufsichtsrat, den Anteilseignern und den anderen Stakeholdern eines Unternehmens“[82] möglichst effektiv gestaltet wird.

Im Zusammenhang mit unternehmerischer Verantwortung umfasst Corporate Governance die primär intraorganisationalen Instrumente für eine verantwortungsvolle Unternehmensführung[83] und beschäftigt sich vor allem mit der Unternehmensethik sowie der Gestaltung eines transparenten und glaubwürdigen Dialogs mit den verschiedenen Anspruchsgruppen[84]. Während bei der gesellschaftlichen Verantwortung der Unternehmen die individuelle Ausgestaltung und die Freiwilligkeit der CSR-Aktivitäten betont werden, bestehen große Bemühungen die Grundsätze der Corporate Governance zu vereinheitlichen und durch den Gesetzgeber zu regulieren. Die Gemeinsamkeit beider Konzepte besteht jedoch in der Forderung nach einer Verminderung von unternehmerischen Risiken und einem verantwortungsbewussten Unternehmensmanagement.[85]

3 Instrumente und Motive zur Umsetzung von Corporate Social Responsibility

3.1 Die Vielfalt von CSR-Instrumenten

Nachdem das Verständnis dessen, was gesellschaftliche Verantwortung bedeutet, aus verschiedenen Blickwinkeln betrachtet wurde, geht es jetzt um das „Wie“ und damit um die Frage der effektiven und effizienten Umsetzung des CSR-Leitbildes. Die konkrete Umsetzung durch Unternehmen kann sich auf der einen Seite an einer Reihe von gesellschaftlichen Richtlinien und Standards orientieren. Auf der anderen Seite gibt es viele individuell entwickelte CSR-Programme und Initiativen von Unternehmen.[86] Im Folgenden werden ausgewählte Instrumente zur Implementierung von CSR vorgestellt, die in ihrer Art und Verbreitung sehr unterschiedlich sind. Der entscheidende Punkt für eine erfolgreiche CSR-Umsetzung ist, dass jedes Unternehmen seinen eigenen, den spezifischen Herausforderungen entsprechenden Weg finden muss, gesellschaftliche Verantwortung zu managen.[87]

Richtlinien geben Grundsätze vor, an denen sich das unternehmerische Verhalten idealerweise orientieren sollte. Diese Handlungsanweisungen[88] haben dennoch den Charakter der freiwilligen Selbstverpflichtung, denn Unternehmen können selbst entscheiden, ob sie sich an bestimmte Grundsätze binden wollen. Richtlinien für den verantwortungsvollen Umgang mit der Umwelt und gesellschaftlichen Belangen sind zum Beispiel das Guidance document on Social Responsibility (ISO 26000) oder der Global Compact der Vereinten Nationen.[89] Standards hingegen konkretisieren Grundsätze, indem sie spezifische Ziel- und Handlungsvorgaben enthalten und mit Hilfe von Bewertungskriterien sowohl intern als auch extern überprüft werden können. Standards ermöglichen im Gegensatz zu Richtlinien eine externe Zertifizierung. Beispiele sind der Leitfaden zur Nachhaltigkeitsberichterstattung der Global Reporting Initiative und der AccountAbility 1000.[90]

3.1.1 Internationale Richtlinien

Die International Labour Organization (ILO) umfasst Repräsentanten von Regierungen, Arbeitgebern und Arbeitnehmern aus mittlerweile 183 verschiedenen Ländern.[91] Ihre grundlegende Zielsetzung besteht in der Verbesserung der weltweiten Arbeits- und Lebensbedingungen aller Menschen, der Bekämpfung der Arbeitslosigkeit und der Förderung der sozialen Gerechtigkeit.[92] Im Jahre 1977 verabschiedete die Internationale Arbeitsorganisation (IAO) die Dreigliedrige Grundsatzerklärung über multinationale Unternehmen und Sozialpolitik. Die aktuell geltende Fassung wurde im März 2006 auf der 295. Tagung des Internationalen Arbeitsamtes (IAA) angenommen. In diesem Abkommen der ILO wird eine Vielzahl an Übereinkommen wie beispielsweise die Abschaffung der Zwangsarbeit oder das Verbot von Kinderarbeit sowie Empfehlungen zusammengefasst, welche die international geltenden Arbeits- und Sozialnormen festlegen sollen. Die in der Erklärung niedergelegten Grundsätze verstehen sich als Richtlinien für multinationale Unternehmen, Regierungen wie auch Arbeitgeber- und Arbeitnehmerverbände in Bereichen wie Beschäftigung, Ausbildung, Arbeits- und Lebensbedingungen sowie Arbeitsbeziehungen.[93]

Der UN Global Compact ist eine strategische Initiative, welche die teilnehmenden Unternehmen zur Einhaltung der Menschenrechte und zur Integration umfangreicher Arbeits-, Sozial- und Umweltprinzipien in die Unternehmenspolitik und -praxis auffordert. Die Idee zu einem globalen Pakt stammt vom ehemaligen Generalsekretär der Vereinten Nationen Kofi Annan, der diesen Gedanken erstmals 1999 in seiner Rede auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos äußerte. Der im Jahre 2000 letztendlich ins Leben gerufene Global Compact ist kein strenger Verhaltenskodex, sondern ist eher als eine auf gemeinsamen Werten beruhende Austauschplattform für „best practices“ im Hinblick auf das soziale und ökologische Handeln von Unternehmen zu verstehen. Es handelt sich um ein Netzwerk, in das alle wichtigen sozialen Akteure eingebunden sind: Privatwirtschaft, Zivilgesellschaft, Arbeitnehmerorganisationen und Einrichtungen der Vereinten Nationen selbst. Jede Unternehmung und jede anderweitige Organisation, die den Vertragsentwurf des Global Compact unterzeichnet, verpflichtet sich zur Befolgung von zehn allgemein anerkannten Grundsätzen aus den Bereichen Menschenrechte, Arbeitsnormen, Umweltschutz und Bekämpfung der Korruption. Diese Prinzipien sind abgeleitet aus der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte, der Deklaration von 1998 über grundsätzliche Prinzipien und Arbeitsrechte der ILO, der UNKonvention gegen Korruption (UNCAC) sowie der Erklärung der Rio-Konferenz zu Umweltschutz und Entwicklung. Mit über 8.700 beigetretenen Organisationen, darunter ca. 5.300 Unternehmen aus 130 verschiedenen Ländern, ist der Global Compact der Vereinten Nationen die größte freiwillige CSR-Initiative der Welt.[94]

Die aktualisierten OECD-Leitsätze für multinationale Unternehmen wurden im Juni 2000 von den OECD-Ländern sowie einigen Nicht-Mitgliedsstaaten verabschiedet. Bei diesen Richtlinien handelt es sich um nichtbindende Empfehlungen der Regierungen, an die sich Unternehmen in Bezug auf ihre ökonomischen, ökologischen und sozialen Tätigkeiten halten sollten, die aber auf dem Prinzip der Freiwilligkeit basieren. Die OECD-Leitlinien beziehen sich auf Themengebiete wie Menschenrechte, Umweltschutz, Korruptionsbekämpfung, Verbraucherschutz, Informationspflicht, Arbeitnehmerbeziehungen und andere Beziehungen zwischen Sozialpartnern sowie Wettbewerb und Besteuerung.[95] Die Leitsätze der OECD sind besonders und einmalig, da sich die teilnehmenden Staaten dazu verpflichten müssen, die Einhaltung des multilateralen Abkommens zu überwachen und zu stärken. Sie sind Bestandteil der OECD-Erklärung über internationale Investitionen und multinationale Unternehmen.[96] Die Leitsätze der Organisation for Economic Cooperation and Development stellen den einzigen auf multilateraler Ebene angenommenen, umfassenden Kodex für verantwortungsvolles Wirtschaften dar.[97]

Die internationale Norm ISO 26000:2010 ist der gegenwärtig aktuellste Leitfaden zur gesellschaftlichen Verantwortung, der für private und öffentliche Organisationen aller Art sowohl in Industrie- als auch in Entwicklungs- und Schwellenländern entwickelt wurde.[98] Mit der ISO 26000 folgte die International Organization for Standardization (ISO) dem Ruf vieler Stakeholder nach einer global anerkannten Richtlinie für verantwortungsvolles Handeln.[99] Dazu gründete die ISO eine internationale Arbeitsgruppe, die ISO Working Group on Social Responsibility, der mehr als 600 Experten und Beobachter aus nahezu 90 Ländern und sechs verschiedenen Stakeholdergruppen[100] angehörten.[101] Das Ziel der ISO-Standards 2010 ist die Unterstützung von Organisationen bei der Entwicklung, Umsetzung und Verbesserung bestehender Social Responsibility Instrumente. Die internationale Richtlinie ISO 26000 soll weder ein Managementsystem beschreiben noch zur Zertifizierung geeignet sein, sondern ist per Intuition eine auf Freiwilligkeit basierende Richtlinie. Bei der Entwicklung der ISO 26000 wurden bereits etablierte Grundsätze und Standards der Vereinten Nationen, der OECD, des Rio-Weltgipfels und der Internationalen Arbeitsorganisation als Grundlage herangezogen.[102]

3.1.2 Standards

Der Social Accountability 8000 (SA 8000) ist ein prüffähiges Zertifizierungsverfahren der Nichtregierungsorganisation Social Accountability International (SAI), deren Mission es ist, die Arbeitsbedingungen und Menschenrechte der Arbeitnehmer auf der ganzen Welt zu fördern. Der SA 8000 wurde 1997 in einem von der SAI initiierten Multi- Stakeholder-Prozess entwickelt. Im Jahre 2008 erschien dann nach einer zweijährigen Überarbeitungszeit die dritte Version dieses internationalen Standards. SA 8000 ist ein System, das die Verbesserung der Arbeitnehmerrechte innerhalb der gesamten Wertschöpfungskette gewährleisten soll. Zur Überprüfung der Einhaltung der Anforderungen ist eine Zertifizierung durch unabhängige Dritte vorgesehen. Die normativen Bestimmungen des SA 8000-Standards basieren auf den Konventionen der ILO, der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte und der UN-Konvention über die Rechte der Kinder von 1989.[103]

Die Global Reporting Initiative (GRI) wurde 1997 mit dem Ziel in Leben gerufen, einen gemeinsamen weltweit anwendbaren Rahmen für die Nachhaltigkeitsberichterstattung zu schaffen. Durch einen andauernden Multi-Stakeholder-Dialog und die Bemühungen um einen Konsens der Fachleute konnte der Berichtsrahmen kontinuierlich verbessert werden. Die dritte und aktuelle Version der Sustainability Reporting Guidelines, bekannt als der G3-Leitfaden, wurde im Oktober 2006 veröffentlicht. Der GRI-Leitfaden soll insbesondere multinationale Unternehmen, aber auch KMU, Regierungen und NGOs bei der Erstellung von Nachhaltigkeitsberichten unterstützen. Zudem soll er eine Vergleichbarkeit der Informationen für die Stakeholder erreichen, indem eine standardisierte Darstellung der ökonomischen, ökologischen und sozialen Leistung von Organisationen angestrebt wird.[104]

Die AccountAbility Prinzipien für nachhaltige Entwicklung erschienen erstmals im AA 1000 AccountAbility Framework Standard, der 1999 veröffentlicht wurde. In den letzten Jahren wurde der AA 1000 in einem umfassenden Multi-Stakeholder-Prozess ausführlich überarbeitet, so dass der Standard heute in drei verschiedenen Dokumenten vorliegt: dem AA 1000 AccountAbility Principles Standard von 2008, dem AA 1000 Assurance Standard ebenfalls aus dem Jahr 2008 sowie dem 2011 erschienenen AA 1000 Stakeholder Engagement Standard. Die Standards der AA 1000-Serie basieren auf Prinzipien und verfolgen zum einen das Ziel, die Qualität und Glaubwürdigkeit der Nachhaltigkeitsberichte zu erhöhen. Zum anderen liegt der Fokus auf der Einbeziehung aller relevanten Stakeholder in den Nachhaltigkeitsprozess der Organisation.[105]

Ein weiterer Standard ist das vom Zentrum für Wirtschaftsethik (ZfW) entwickelte WerteManagementSystemZfW (WMSZfW). Ziel des WMSZfWist die Sicherung eines nachhaltigen Unternehmenserfolgs durch die Integration von Werten wie Integrität, Ehrlichkeit und Achtung in den Unternehmensalltag. Die Implementierung dieses Managementstandards soll eine werteorientierte Unternehmenskultur schaffen, die auf dem Konzept der Selbststeuerung der Unternehmen basiert.[106]

3.1.3 Verhaltenskodizes, Gütesiegel und Nachhaltigkeitsberichte

Ein wichtiges unternehmerisches Instrument zur Verwirklichung von Corporate Social Responsibility sind Verhaltensregeln. Mit der Ausarbeitung freiwilliger Verhaltenskodizes verpflichten sich Unternehmen selbst zur Einhaltung bestimmter Grundwerte und Leitlinien der Unternehmenstätigkeit hinsichtlich Arbeitsbedingungen, Menschenrechte und Umweltaspekte. Ein Verhaltenskodex (Code of Conduct) ist eine formelle Erklärung, welche die ethischen und ökologischen Unternehmensstandards beschreibt und sich vielfach auch an die Zulieferer des Unternehmens richtet.[107] Die Wirksamkeit von festgelegten Geschäftsprinzipien hängt davon ab, inwieweit die Selbstverpflichtungen der Unternehmen ordnungsgemäß umgesetzt und überwacht werden.[108]

Neben der Qualität von Produkten und Dienstleistungen spielt die umweltschonende und sozial verträgliche Herstellung, Anwendung und Verwertung von Unternehmensleistungen für viele Konsumenten heute eine wesentliche Rolle. Um die Verbraucher über soziale oder ökologische Aspekte der Produktionsbedingungen wie z.B. den Umgang mit Zulieferbetrieben zu informieren, kommen verschiedene Sozial- und Umweltgütesiegel, ein weiteres Instrument im CSR-Bereich, zum Einsatz.[109] Gütesiegel können sich auf ein einziges Thema, wie beispielsweise Kinderarbeit oder aber auf mehrere Themenbereiche, wie Arbeitsbedingungen oder fairen Handel beziehen. So bezeugen Produkte, die mit dem Fairtrade-Siegel gekennzeichnet sind, dass ihre gesamte Wertschöpfungskette die Prinzipien des fairen Handels der Fairtrade Labelling Organizations International (FLO) respektiert.[110]

Stakeholder erwarten nicht nur, dass Unternehmen ihrer gesellschaftlichen Verantwortung gerecht werden, sondern sie wollen auch über die sozialen und ökologischen Unternehmensaktivitäten informiert werden. Es gibt heutzutage einen Wunsch nach mehr Transparenz und einer Stärkung der Rechenschaftspflicht (Accountability) von Unternehmen. Aus diesem Grund werden immer mehr Sozial- und Umweltberichte veröffentlicht, die den Verbrauchern und der gesamten Öffentlichkeit Informationen über die durchgeführten CSR-Maßnahmen zur Verfügung stellen. Die Nachhaltigkeitsberichterstattung, die Auskünfte über die so genannte „triple bottom line“ mit den Eckpunkten Soziales, Ökologisches und Ökonomisches beinhaltet, ist als Weiterentwicklung von Umweltschutzberichten, die bereits in den späten 1970er Jahren erstellt wurden, entstanden. Um eine Vereinheitlichung im CSR-Berichtswesen zu erreichen, entwickeln verschiedene Organisationen Standards und Leitlinien (z. B. Empfehlungen der Global Reporting Initiative).[111] Die Sozial- und Umweltberichterstattung kann als wichtiger Bestandteil der Unternehmensstrategie zur Umsetzung von CSR verstanden werden.[112]

3.2 Existiert ein Business Case für CSR?

In der Literatur lassen sich vielfältige Gründe und Motivationen finden, warum sich Unternehmen dazu entscheiden über die gesetzlichen Anforderungen hinaus verantwortungsbewusst und tugendhaft zu handeln. Einigen Führungskräften liegt eine verantwortungsvolle Unternehmensführung wirklich am Herzen und sie entscheiden sich aus genuin ethischen Überlegungen dazu, „der Gesellschaft etwas zurückzugeben“[113]. Bei Beweggründen dieser Art geht es nicht darum, dass ein Bekenntnis zu sozialen und umweltbezogenen Zielen den Shareholder-Value erhöhen soll, sondern es geht um die Verwirklichung von moralischen Werten.[114] Abgesehen von diesen „altruistic or public- spirited“[115] Motiven, ist der gesellschaftliche Druck auf die Unternehmen, sich die so- zio-ökologische Nachhaltigkeit zum Ziel zu setzen, immens gewachsen. Manche Autoren meinen sogar, dass es überhaupt keinen anderen Grund für CSR gibt, als dass Unternehmen auf die gestiegenen Erwartungen der Stakeholder reagieren müssen.[116] Außerdem wird insbesondere in Europa der wirtschaftliche Nutzen, der mit dem CSR- Engagement einhergehen kann, immer wieder betont.[117] Es wird vielfach erklärt, dass diejenigen Unternehmen, die ihre gesellschaftliche Verantwortung gezielt wahrnehmen, nicht nur eine positive gesellschaftliche Entwicklung fördern, sondern auch ökonomisch klug handeln, weil sie auf diese Weise ihre Wettbewerbsfähigkeit stärken können.[118] Ein so genannter „Business Case“ wäre ein enormer Anreiz für Unternehmen sich verantwortungsvoller zu verhalten. Die Frage aber ist, ob es einen solch einflussreichen positiven Zusammenhang zwischen Corporate Responsibility und der Wirtschaftlichkeit von Unternehmen wirklich gibt.

Vorteilsbekundungen im Hinblick auf die betriebswirtschaftlichen Erfolgswirkungen von gesellschaftlichem Engagement, die in fast allen CSR-Broschüren entdeckt werden können und auch von der Europäischen Union öfters geäußert wurden , sind vielfach durch die Arbeiten von Michael Porter beeinflusst.[119] Porter ist der Auffassung, dass wohltätige Initiativen von Unternehmen ihr Wettbewerbsumfeld verbessern und sich positiv auf ihr langfristiges Wettbewerbspotenzial auswirken, indem soziale und wirtschaftliche Ziele in Einklang gebracht werden.[120] Bei richtiger Planung und Umsetzung der unternehmerischen Wohltätigkeit, d.h. bei strategischer Ausrichtung, ist diese auch für die Unternehmung von großem wirtschaftlichem Nutzen.[121] Porter sieht die Voraussetzung zur Wirtschaftlichkeit demnach in der Einbindung der sozialen Investitionen in die Unternehmensstrategie und argumentiert: „Je enger eine soziale Verbesserung mit dem Geschäft einer Firma verbunden ist, desto förderlicher ist sie auch für ihren wirtschaftlichen Erfolg“[122]. Der Umweltschutz ist nach Porter sowohl für die Gesellschaft als auch für die Unternehmung selbst vorteilhaft, denn durch die Reduktion der Umweltverschmutzung können Ressourcen effizienter eingesetzt werden und umweltfreundlich produzierte Güter werden von den Konsumenten mehr geschätzt.[123] Die Aussagen von Porter können folgendermaßen zusammengefasst werden: Wenn ein Unternehmen zielgerichtet und strategisch vorgeht, dann führt die soziale Wohltätigkeit zu einem Wettbewerbsvorteil und dient somit insbesondere den Interessen der Unternehmung. Es ist zu beachten, dass in diesem Kontext von Philanthropie gesprochen wird, die nicht mit CSR verwechselt werden sollte und allenfalls einen Teilbereich von CSR darstellt.

Des Weiteren glauben nunmehr viele Manager selbst, dass „being a better corporate citizen“[124] die Wettbewerbsfähigkeit des Unternehmens verbessern kann. Einer Erhebung der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft PricewaterhouseCoopers im Jahre 2002 zufolge, meinen 70 Prozent der weltweiten CEOs, dass CSR eine entscheidende Rolle bei der Wirtschaftlichkeit ihres Unternehmens spielt.[125] Die Entscheidungsträger in den Unternehmen sind vom Erfolg von CSR durchaus überzeugt[126] und sind sich sicher, dass eine verantwortungsvoll geführte Unternehmung mit geringeren Risiken konfrontiert wird[127]. Die These, dass es einen Business Case für CSR gibt, wird neben den Führungskräften auch von den Nichtregierungsorganisationen weitgehend angenommen. Dies bestätigt zum Beispiel die folgende Ansicht von Judy Henderson von der Global Reporting Initiative: „Corporations with a stakeholder focus have been shown to enjoy greater sales and value growth than companies with narrow shareholder focus“. Vorteile, die mit Corporate Social Responsibility in Verbindung gebracht werden, sind unter anderem die Sicherung oder Verbesserung der Unternehmensreputation und ein Imagegewinn, eine Erhöhung der Kundenloyalität, verbesserte Beziehungen zur Gemeinschaft und daher eine Reduzierung der Gefahr von Boykotten, die Erhöhung von Mitarbeitermotivation und eine vorteilhafte Position, um engagierte Mitarbeiter zu gewinnen und zu halten.[128]

Obwohl CSR für einige Firmen unter bestimmten Umständen Vorteile mit sich bringen kann, ist dieser Nutzen oftmals schwer zu erfassen und wirkt sich selten auf den wirtschaftlichen Erfolg aus. Vielmehr ist es so, dass die Erträge und Kosten, die mit den CSR-Programmen von Unternehmen entstehen, durch die üblichen Geschäftsrisiken und -chancen gekennzeichnet sind.[129] In diesem Sinne sind win-win-Situationen, in denen CSR sowohl der Gesellschaft als auch der Unternehmung zugute kommt, durchaus möglich und es kann in manchen Fällen von einem wirtschaftlichen Grund für die Wahrnehmung gesellschaftlicher Verantwortung ausgegangen werden. Allerdings ist die Annahme, dass aus gesellschaftlichem Engagement auch ein wirtschaftlicher Nutzen resultiert, weder die Regel noch kann von einer Art Automatismus gesprochen werden.[130] Der Business Case für CSR ist weit weniger wichtig und einflussreich als viele Befürworter glauben.[131] Karl Homann bringt es auf den Punkt: „Die undifferenzierte Behauptung, Verantwortungsübernahme zahle sich immer aus, reicht nicht und ist in dieser Allgemeinheit überdies falsch.“[132]

Die unterschiedlichen Ergebnisse der beachtlichen Menge an wissenschaftlichen Forschungsarbeiten, die das Verhältnis zwischen CSR und Profitabilität untersuchen, sind ein weiterer Beleg dafür, dem Business Case eher mit Skepsis gegenüber zu stehen. Während einige Studien eine positive Korrelation zwischen Ethik und Gewinn feststellen, finden manche Untersuchungen einen negativen Zusammenhang und wieder andere berichten über eine neutrale Beziehung. Die wesentliche Schlussfolgerung, die aus den uneinheitlichen Forschungsergebnissen gezogen werden kann, ist, dass keine eindeutige Verbindung zwischen der sozialen und der finanziellen Performance von Unternehmen besteht.[133] Es existiert keine langfristige Harmonie zwischen CSR und wirtschaftlichem Erfolg. Warum sonst sind Firmen wie Walmart oder Lidl äußerst profitabel, obgleich ihre Namen sinnbildlich für das stehen, was moralisch nicht akzeptabel ist.[134] In der Marktwirtschaft gibt es nicht nur für moralisch integere, verantwortungsbewusste Unternehmen einen Platz, sondern auch für deren weniger tugendhafte Wettbewerber.[135]

Schlussendlich gibt es keinen Beweis für die Vermutung, dass sich die Wahrnehmung von gesellschaftlicher Verantwortung für die Unternehmen auch wirtschaftlich auszahlt.[136] Der Grund dafür, dass die „Harmoniefiktion“[137] einer zwangsläufigen Korrelation von Ethik und Profit so bekannt geworden ist und zunehmend im Mittelpunkt der Diskussion über CSR steht, liegt bei den Vertretern dieser These. Sie wollen darlegen, dass ein sozial-ökologisches Verhalten im Eigeninteresse aller Unternehmen liegt und CSR immer wirtschaftlich sinnvoll ist.[138] Diese Überzeugungsarbeit soll so viele Unternehmen wie möglich in Richtung gesellschaftlicher Verantwortungsübernahme bewegen.[139] Aber in Wirklichkeit ist „the market for virtue“ nicht hinreichend bedeutsam, um alle Firmen zu einem verantwortungsvolleren Handeln zu motivieren[140] und CSR sollte eher als Nische statt als generische Unternehmensstrategie verstanden werden[141]. In diesem Zusammenhang ist die folgende Anmerkung von David Vogel zu beachten: “Why should we expect investments in CSR to create shareholder value when virtually no other business investments or strategies do so?“.

4 Kleine und mittlere Unternehmen

4.1 Begriffsbestimmung

Bislang hat sich in der wissenschaftlichen Fachliteratur weder international noch national eine einheitliche Definition kleiner und mittlerer Unternehmen (KMU) durchgesetzt. Ganz im Gegenteil muss man feststellen, dass es eine unzählige Vielzahl an unterschiedlichen Begriffsbestimmungen gibt.[142] Erschwerend kommt hinzu, dass sowohl im wirtschaftspolitischen Sprachgebrauch als auch in der wissenschaftlichen Diskussion keine durchgängige Trennung der Termini erfolgt.[143] Man wird deshalb mit vielen gebräuchlichen Bezeichnungen wie KMU, small- and medium-sized enterprises (SME), Mittelstand, mittelständische Unternehmen oder Familienunternehmen konfrontiert, will man sich mit diesem Themenbereich auseinandersetzen.[144] Eine Begrenzung des KMU-Begriffs auf rein quantitative Kategorien und von Mittelstand bzw. Familienunternehmen auf qualitative Aspekte, wie es z.B. vom Institut für Mittelstandsforschung Bonn vorgeschlagen wird[145], erscheint im Zusammenhang mit der vorliegenden Arbeit weder sinnvoll noch notwendig. Eine exakte Zuordnung zu den Begrifflichkeiten ist aufgrund der großen.

[...]


[1] Vgl. Franz (2010), S. 160.

[2] Vgl. Englisch et al. (2008), S. 10.

[3] Vgl. Franz (2010), S. 160.

[4] Vgl. Beckmann (2007), S. 8.

[5] Vgl. Beschorner/Vorbohle (2008), S. 105.

[6] Vgl. Braun/Backhaus-Maul (2010), S. 11.

[7] Vgl. Palazzo/Rasche (2010), S. 747.

[8] Vgl. Palazzo/Rasche (2010), S. 747.

[9] Vgl. Palazzo (2010), S. 73, 77.

[10] Vgl. Beschorner/Vorbohle (2008), S. 106.

[11] Palazzo/Rasche (2010), S. 747.

[12] Vgl. Beschorner/Vorbohle (2008), S. 106.

[13] Vgl. Wieland (1999), S. 18.

[14] Ders. (1999), S. 18.

[15] Vgl. Beckmann (2007), S. 40.

[16] Freeman (2004), S. 229.

[17] Das Konzept „Licence to operate“ besagt, dass die Stakeholder in der Lage sind den Unternehmen eine

gesellschaftliche Betriebslizenz zu erteilen, aber auch wieder zu entziehen. Vgl. hierzu Schunk (2009), S.69 f.

[18] Vgl. Mast/Stehle (2009), S. 171.

[19] Dies. (2009), S. 171.

[20] Vgl. Schmidt/Beschorner (2008), S. 9.

[21] Vgl. Beckmann (2007), S. 40 ff.

[22] Vgl. Hardtke (2010), S. 16.

[23] Vgl. Aßländer/Löhr (2010), S. 11.

[24] Vgl. Welzel (2008), S. 53.

[25] Vgl. Schaltegger/Müller (2008), S. 19.

[26] Vgl. Kaiser/Schuster (2004), S. 669.

[27] Vgl. Loew et al. (2004), S. 2.

[28] Friedman (1970), S.126.

[29] Vgl. Weber (2008), S. 40.

[30] Vgl. Dyllick (2004), S.46-47.

[31] Vgl. Aßländer/Löhr (2010), S. 13.

[32] Vgl. Carroll/Buchholtz (2008), S. 40 ff.

[33] Vgl. Palazzo (2010), S. 74.

[34] Vgl. Raupp/Jarolimek/Schultz (2011), S. 11.

[35] Vgl. Aßländer/Löhr (2010), S. 14.

[36] Vgl. Hansen/Schrader (2005), S. 375.

[37] Vgl. Schaltegger/Müller (2008), S. 19.

[38] Vgl. Aßländer/Löhr (2010), S. 14-15.

[39] Matten/Moon (2005), S. 335.

[40] Europäische Kommission (2001), S. 7.

[41] Vgl. Beckmann (2007), S. 40.

[42] Vgl. Hardtke (2010), S. 18.

[43] Dresewski (2007), S. 10.

[44] Vgl. Hardtke (2010), S. 36.

[45] Vgl. Europäische Kommission (2001), S. 7.

[46] Vgl. Hardtke (2010), S. 18.

[47] Vgl. Europäische Kommission (2002a), S. 5 f.

[48] Vgl. Habisch (2003), S. 165.

[49] Die Frage, ob Unternehmen in ökonomischer Hinsicht von CSR-Maßnahmen profitieren können, wird in Kapitel 3.2 näher behandelt.

[50] Vgl. Europäische Kommission (2001), S. 7.

[51] Vgl. Europäische Kommisssion (2002a), S. 15.

[52] Vgl. Dresewski (2007), S. 6.

[53] Vgl. Englisch et al. (2008), S. 10.

[54] Vgl. Gruber (2009), S. 76.

[55] WCED (1987), S. 54.

[56] Vgl. Loew et al. (2004), S. 10.

[57] Vgl. Dies. (2004), S. 11.

[58] Europäische Kommission (2002a), S. 12, zitiert nach: Elkington (1997): Cannibals with Forks: The Triple Bottom Line of the 21st Century Business, London.

[59] Vgl. Schramm (2010), S.68.

[60] Vgl. Weber (2008), S. 43-44.

[61] Vgl. Hansen/Schrader (2005), S. 376.

[62] Vgl. Weber (2008), S. 44.

[63] Vgl. Gruber (2009), S. 80.

[64] Vgl. Raupp/Jarolimek/Schultz (2011), S. 520.

[65] Vgl. Weber (2008), S. 44.

[66] Vgl. Welzel (2008), S. 67.

[67] Vgl. Europäische Kommission (2001), S. 28.

[68] Habisch (2003), S. 58 [im Original kursiv].

[69] Vgl. Ders. (2003), S. 53.

[70] Vgl. Dresewski/Kromminga/von Mutius (2004), S. 490.

[71] Vgl. Hardtke (2010), S. 19.

[72] Vgl. Ders. (2010), S. 20.

[73] Vgl. Weber (2008), S. 47.

[74] Vgl. Blanke/Lang (2010), S. 247.

[75] Vgl. Rat für Nachhaltige Entwicklung (2006), S.19.

[76] Vgl. Loew et al. (2004), S. 10.

[77] Vgl. Blanke/Lang (2010), S. 248.

[78] Vgl. Beckmann (2007), S. 76.

[79] Lowry/Walsh (2005), S. 39.

[80] Vgl. Gruber (2009), S. 78.

[81] Vgl. Grüninger/John (2004), S. 152.

[82] Europäische Kommission (2001), S.28.

[83] Vgl. Schramm (2010), S. 69.

[84] Vgl. Hardtke (2010), S. 21.

[85] Vgl. Gruber (2009), 79.

[86] Vgl. ISO 26000 (2010).

[87] Vgl. Econsense (2011).

[88] Vgl. Hardtke (2010), S. 48.

[89] Vgl. Wieland/Schmiedeknecht (2010b), S. 82.

[90] Vgl. Hardtke (2010), S. 49.

[91] Vgl. ILO (2011).

[92] Vgl. Wieland/Schmiedeknecht (2010b), S. 83.

[93] Vgl. Internationales Arbeitsamt (2001), S. V.

[94] Vgl. United Nations Global Compact (2011).

[95] Vgl. OECD (2000), S. 5 ff.

[96] Vgl. Wieland/Schmiedeknecht (2010b), S. 83.

[97] Vgl. Franz (2010), S. 170.

[98] Vgl. ISO 26000 (2010).

[99] Vgl. Hardtke (2010), S. 36.

[100] Zu den sechs Stakeholder-Gruppen gehören: Wirtschaft (industry), Regierungen (government), Gewerkschaften (labour), Verbraucherverbände (consumers), Nichtregierungsorganisationen (nongovernmental organizations), und Dienstleister, Berater, Wissenschaft und andere (service, support, research and others).

[101] Vgl. Wieland (2010).

[102] Vgl. Wieland/Schmiedeknecht (2010b), S. 84.

[103]Vgl. Social Accountability International (2011).

[104] Vgl. Global Reporting Initiative (2011).

[105] Vgl. AccountAbility (2011).

[106] Vgl. Zentrum für Wirtschaftsethik (2007).

[107]Vgl. Europäische Kommission (2001), S. 28.

[108] Vgl. Dies. (2001), S. 16.

[109] Vgl. Dies. (2001), S. 22.

[110]Vgl. Europäische Kommission (2004b), S. 41.

[111] Vgl. Europäische Kommission (2004b), S. 28.

[112] Vgl. Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit (2009), S. 5.

[113] Europäische Kommission (2002a), S. 31.

[114] Vgl. Vogel (2006), S. 2.

[115] Vogel (2006), S. 2.

[116] Vgl. Palazzo (2010), S. 75.

[117] Vgl. Vogel (2006), S. 23.

[118] Vgl. Dresewski (2007), S. 6.

[119] Vgl. Vogel (2006), S. 23.

[120] Vgl. Porter/Kramer (2003), S. 43.

[121] Vgl. Dies. (2003), S.40.

[122] Dies. (2003), S. 43.

[123] Vgl. Dies. (2003), S. 43.

[124] Vogel (2006), S. 16.

[125] Vgl. Ders. (2006), S. 20.

[126] Vgl. Institut für Mittelstandsforschung Bonn (2011).

[127] Vgl. Vogel (2006), S. 16.

[128] Vgl. Europäische Kommission (2002b), S. 12; vgl. Vogel (2006), S. 16.

[129] Vgl. Vogel (2006), S. xv-xvi.

[130] Vgl. Palazzo (2010), S. 79.

[131] Vgl. Vogel (2006), S. 3.

[132] Homann (2009), S. 5.

[133] Vgl. Vogel (2006), S. 29 ff.

[134] Vgl. Palazzo (2010), S. 79 f.

[135] Vgl. Vogel (2006), S. 3.

[136] Vgl. Ders. (2006), S. 45.

[137] Palazzo (2010), S. 79.

[138] Vgl. Vogel (2006), S. 34.

[139] Vgl. Hansen/Schrader (2005), S. 384.

[140] Vgl. Vogel (2006), S. 17.

[141] Vgl. Vogel (2006), S. 3.

[142] Vgl. Goeke (2008), S.9.

[143] Vgl. Hauser (2006), S. 7.

[144] Vgl. Becker/Ulrich (2009), S. 2.

[145]Vgl. Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie (2007), S. 9 ff.

Ende der Leseprobe aus 82 Seiten

Details

Titel
Corporate Social Responsibility (CSR) in kleinen und mittleren Unternehmen
Hochschule
Universität Hohenheim  (Wirtschafts- und Unternehmensethik)
Note
1,3
Autor
Jahr
2011
Seiten
82
Katalognummer
V174875
ISBN (eBook)
9783640955398
ISBN (Buch)
9783640955534
Dateigröße
958 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
corporate, social, responsibility, unternehmen
Arbeit zitieren
Lisa Neidhöfer (Autor), 2011, Corporate Social Responsibility (CSR) in kleinen und mittleren Unternehmen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/174875

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