1 Einleitung
„Ich gönne jedem Menschen seinen schwer verdienten Urlaub. Tapetenwechsel macht den Kopf frei. Mit klarem Kopf wird aber jeder einsehen, dass wir alle mehr als bisher für die Zukunftsvorsorge unternehmen müssen.“ (www.focus.de). Solche Sätze wie der von CSU Fraktionschef Joachim Hermann am 18. August 2006 sind in den letzten Jahren öfter von Politikern zu hören. Sie verdeutlichen die Lage und die zukünftige Entwicklung Deutschlands in Bezug auf die Altersvorsorge und die damit verbundene Ohnmächtigkeit des Staates und der gesetzlichen Rentenversicherung. Demographie und Altersvorsorge sind untrennbar miteinander verbunden. Die Situation in Deutschland diesbezüglich ist dabei nicht selten Thema hitziger Debatten und betrifft jeden in Deutschland lebenden Menschen. Doch welche Problemlagen entstehen konkret im Laufe des demographischen Wandels in Deutschland in Bezug auf die gesetzliche Rentenversicherung und welche Handlungsoptionen besitzt der Staat zur Bewältigung dieser Probleme? In der vorliegenden Hausarbeit soll zuerst die Begrifflichkeit des demographischen Wandels geklärt werden. Anschließend soll kurz ein Modell des demographischen Übergangs dargestellt werden und die dabei wesentlichen Kernparameter, welche diesen Wandel beeinflussen. Es wird insbesondere die Entwicklung der Geburtenrate, der Sterberate und der Außenwanderungen in Deutschland seit dem Ende des 2. Weltkrieges beschrieben. Im nächsten Schritt werden die daraus resultierenden, für die Fragestellung eklatanten, Entwicklungen der Bevölkerungsanzahl und der Altersstruktur in Deutschland abgeleitet. Anschließend werden die dargelegten Entwicklungen in Bezug auf die gesetzliche Rentenversicherung in Deutschland untersucht, die Problemlage verdeutlicht und eine Auswahl politischer Handlungsoptionen aufgezeigt. Am Ende der Hausarbeit werden in einem Fazit die aus der Arbeit resultierenden Erkenntnisse nochmals erläutert und ein möglicher Lösungsansatz für die Zukunft aufgezeigt.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Demographischer Wandel in Deutschland
2.1 Das 5-Phasen-Modell
2.2 Geburtenrate
2.3 Sterberate
2.4 Außenwanderung
2.5 Bevölkerungsanzahl und Altersstruktur
3 Die gesetzliche Rentenversicherung
3.1 Das Umlageverfahren
3.2 Auswirkungen des dem. Wandels auf die gesetzliche Rentenversicherung
4 Staatliche Handlungsoptionen in Bezug auf den demographischen Wandel
4.1 Familienpolitik
4.2 Zuwanderungspolitik
5 Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Auswirkungen des demographischen Wandels in Deutschland auf die gesetzliche Rentenversicherung und analysiert staatliche Handlungsoptionen zur Bewältigung der daraus resultierenden Problemlagen.
- Analyse des demographischen Wandels anhand des 5-Phasen-Modells
- Untersuchung der Einflussfaktoren Fertilität, Mortalität und Außenwanderung
- Darstellung der Problematik für das umlagefinanzierte Rentensystem
- Bewertung familienpolitischer Maßnahmen zur Geburtenförderung
- Diskussion der Zuwanderungspolitik als Instrument der demographischen Steuerung
Auszug aus dem Buch
2.1 Das 5-Phasen-Modell
Zur Beschreibung der demographischen Übergänge existieren heute drei Modelle. Das 4-Phasen-Modell, das erweiterte 5-Phasen-Modell und das variable Modell. Die ursprüngliche Überlegung des demographischen Übergangs wurde 1934 von dem französischen Demographen A. Landry vorgestellt und nach dem 2. Weltkrieg vor allem von F. W. Notestein weiterentwickelt (vgl. Andorka 2001: 240; Immerfall 1994: 42; Mertins 1997: 9, zitiert nach Hradil 2006: 38). An dieser Stelle wird aus Gründen der Übersicht lediglich das 5-Phasen-Modell angesprochen.
Phase 1, die prätransformative Phase, hat ihren Ursprung in den vorindustriellen Agrargesellschaften bis ca. 1840. Geburten und Sterbefälle sind sehr häufig, wobei die Geburtenrate im Mittel höher als die Sterberate liegt und somit ein Wachstum der Bevölkerung resultiert.
In der 2. Phase, der frühtransformativen Phase (1840 - 1910) beginnt die Sterberate bei konstant bleibender Geburtenrate zu sinken. Grund ist die steigende Lebenserwartung der Menschen. Das Ergebnis ist eine rasche Zunahme der Bevölkerungszahl.
Die 3. Phase, oder mitteltransformative Phase (1910 - 1980/90), ist geprägt durch weiteres Sinken der Sterberate aufgrund von besserer medizinischer Versorgung und auch einer sinkenden Geburtenrate. Die Menschen bekommen weniger Kinder und das Bevölkerungswachstum ist weiterhin positiv aber langsamer.
In der 4. Phase, der spättransformativen Phase (1980 - heute), stabilisiert sich die Sterberate bei weiterhin sinkender Geburtenrate. Dies lässt sich als industriegesellschaftliche Bevölkerungsweise bezeichnen. Die Geburtenrate sinkt unter die Sterberate, was ein Schrumpfen der Bevölkerungen postindustrieller Gesellschaften zur Folge hat.
Die 5. und letzte Phase, auch posttransformative Phase genannt, geht davon aus, dass Bevölkerungsverluste durch Wanderungsbewegungen ungefähr ausgeglichen werden. Es entsteht nach dem 5-Phasen-Modell eine relativ stabile postindustrielle Bevölkerungsweise (Vgl. Hradil 2006: 38 ff); (Vgl. www.wikipedia.org). Zur visuellen Verdeutlichung sind die fünf Phasen in Bezug auf Geburtenrate, Sterberate und Zuwachsrate in Abbildung 1 schematisch dargestellt.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung führt in die Problematik des demographischen Wandels in Deutschland ein und verknüpft diesen mit der Stabilität der gesetzlichen Rentenversicherung sowie den Zielen der Hausarbeit.
2 Demographischer Wandel in Deutschland: Dieses Kapitel erläutert theoretische Modelle sowie die zentralen Faktoren wie Geburten- und Sterberate und Außenwanderung, die die Bevölkerungsstruktur beeinflussen.
3 Die gesetzliche Rentenversicherung: Hier wird das Umlageverfahren als Finanzierungsgrundlage der gesetzlichen Rente erklärt und die Auswirkungen der demographischen Entwicklung auf dieses System aufgezeigt.
4 Staatliche Handlungsoptionen in Bezug auf den demographischen Wandel: Das Kapitel diskutiert, inwiefern familien- und zuwanderungspolitische Maßnahmen dazu geeignet sind, den Herausforderungen des demographischen Wandels entgegenzuwirken.
5 Fazit: Das Fazit fasst die Untersuchungsergebnisse zusammen und kommt zu dem Schluss, dass die aktuellen Instrumente zur Abfederung des demographischen Drucks auf das Rentensystem allein nicht ausreichen.
Schlüsselwörter
Demographischer Wandel, Rentenversicherung, Umlageverfahren, Geburtenrate, Lebenserwartung, Außenwanderung, Altenquotient, Familienpolitik, Zuwanderungspolitik, Bevölkerungsentwicklung, Generationenvertrag, Altersstruktur, Sozialpolitik, Demographie, Alterung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit den Auswirkungen der demographischen Entwicklung in Deutschland auf die gesetzliche Rentenversicherung und prüft politisches Handeln in diesem Kontext.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die zentralen Themen sind der demographische Übergang, die Finanzierungsmechanismen der Rente sowie die Wirksamkeit von Familien- und Zuwanderungspolitik.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Ziel ist es, die Problemlagen für das gesetzliche Rentensystem durch den demographischen Wandel zu identifizieren und die Möglichkeiten des Staates zu beleuchten, darauf zu reagieren.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse, in der aktuelle demographische Modelle und sozialpolitische Ansätze auf Basis einschlägiger Fachpublikationen untersucht werden.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Analyse der demographischen Kennzahlen, die Erläuterung des Renten-Umlageverfahrens sowie die Diskussion politischer Lösungsansätze.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie demographischer Wandel, Generationenvertrag, Altenquotient und gesetzliche Rentenversicherung charakterisiert.
Was genau beschreibt das 5-Phasen-Modell in dieser Arbeit?
Es dient als theoretisches Gerüst, um den demographischen Übergang eines Staates von vorindustriellen Verhältnissen bis hin zu einer stabilen, postindustriellen Bevölkerungsweise nachvollziehbar zu machen.
Warum wird das Umlageverfahren als problematisch eingestuft?
Aufgrund der steigenden Lebenserwartung und sinkender Geburtenraten verschiebt sich das Verhältnis zwischen Beitragszahlern und Rentenempfängern negativ, was das umlagefinanzierte System unter erheblichen finanziellen Druck setzt.
Warum ist Zuwanderung laut Autor keine dauerhafte Lösung für die Rentenproblematik?
Die Arbeit stellt fest, dass Zuwanderung kurzfristig entlastend wirken kann, aber langfristig die eingewanderten Personen selbst Teil des demographischen Alterungsprozesses werden, was den Verjüngungseffekt relativiert.
- Quote paper
- Tim Mehlig (Author), 2011, Der demographische Wandel in Deutschland, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/174888