Komik und Gelächter in der Märendichtung


Seminararbeit, 2000
15 Seiten, Note: 1,7

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

These 1

These 2

These 3

These 4

These 5

These 6

Zusammenfassung

Bibliographie

Einleitung

Es gilt in dieser Hausarbeit zu erörtern, welche Formen der Komik in der Märendichtung bestehen und warum die Leser lachen, welche Arten von Lachen es gibt und welchen Zweck sie haben. Es werden Thesen aufgestellt, die aus theoretischen, modernen Texten abgeleitet und dann auf die Mären bezogen und auf ihre Richtigkeit überprüft werden.

Als Beispiele werden folgende Mären dienen:

- Hans Rosenplüt: „Der fünfmal getötete Pfarrer“
- Niemand: „Die drei Mönche zu Kolmar“
- Heinrich Kaufringer: „Die Rache des Ehemanns“
- „Die Böse Adelheid“
- „Aristoteles und Phyllis“
- „Ritter Beringer“[1]

Die Untersuchung wird als Diskussionsgrundlage folgende Texte haben:

- Marquard, Odo: Exile der Heiterkeit[2]
- Jauss, Hans R.: „Über den Grund des Vergnügens am Komischen Helden“[3]
- Freud, Sigmund: „Der Witz und seine Beziehung zum Unbewußten“[4]

Die Thesen werden nacheinander behandelt, nehmen aber aufeinander bezug. Einige der Mären werden als Beispiel für mehrere Thesen dienen.

Das Märe stammt von dem mhd. Wort daz maere. Der Begriff repräsentiert die vom Beginn des 13. bis zum Beginn des16. Jahrhundert entstandene deutsche Verserzählung. Ihre mittlere Länge (ca.150-2000 Verse) hebt sie von Romanen ab. Außerdem haben sie einen „fiktiven, diesseitig-profanen und unter weltlichen Aspekt betrachteten Gegenstand sowie das (überwiegend) menschliche Personal, was sie von jeweils nichtfiktiven und geistlichen Erzählungen (...) und den Fabeln trennt.“[5]

Im Gegensatz zum Märchen verzichtet das Märe auf Wunder, es gibt jedoch wunderliche Verhaltensweisen. In den Mären findet man meistens ein bäuerliches, manchmal aber auch stadtbürgerliches und adeliges Personal. Es ist ein menschliches und bildet damit die Opposition zur Fabel. Es wird ein weltliches, alltägliches Leben geschildert, das keine Vorbildfiguren aufweist, wie es bei Legenden der Fall ist.

Die Prosatexte sind in der Versform des gepaarten Zweireiher gehalten und enthalten eine Lehre. Diese Lehre ist entweder als Promytheon der Geschichte vorausgeschickt, oder folgt ihr als Epimytheon.

Thematisch sind Parallelen zu antiker, orientalischer oder mittelalterlicher lateinischer Literatur nachzuweisen. Die Neuerzählungen der Stoffe haben verschiedenste Zwecke, die nicht exakt zu bestimmen sind. Meistens sind sie gebunden an Ehe, Sexualität und List.

Die in den Mären auftretenden Figuren unterliegen einer gesteigerten Typisierung und sind eindimensional. Die Charaktere haben keine Schattierungen, Differenzierungen, oder Zwiespältigkeiten und erfahren (bis auf einige Ausnahmen) keine Entwicklung. Die Handlung bleibt ebenfalls eindimensional: es gibt keine Parallelhandlungen.

These 1: Die komische Situation entsteht durch die Verbindung von Geltendem (Anerkanntes, Verständliches) mit Nichtigem (Unsinniges, Unverständliches).

Die Verbindung des eigentlich nicht Verbindbaren ist komisch.

Dazu sagt Odo Marquard: „Komisch ist und zum Lachen bringt, was im offiziell Geltenden das Nichtige und im offiziell Nichtigen das Geltende sichtbar werden läßt.“[6]

Wenn man Sinn und Unsinn verbindet entsteht eine schockierende Wirkung und ein Überraschungseffekt. Man lacht und sieht, daß das Geltende nicht unbedingt das Geltende und das Nichtige nicht das Nichtige ist. Die offiziellen Verhältnisse werden für diesen Moment über den Haufen geworfen. Der plötzlichen Erkenntnis, daß Verhältnisse veränderbar sind, begegnet man mit Lachen, man wird mit der Theorie der Veränderlichkeit nicht fertig. Das bedeutet laut Marquard, daß Lachen eine „Kapitulation der Ausgrenzung vor der Zugehörigkeit des offiziell Ausgegrenzten“[7] ist.

Am besten ist dies am Beispiel von Hans Rosenplüts „Der fünfmal getötete Pfarrer“ zu erläutern. In diesem Märe ist es verständlich und sinnvoll, daß die betreffenden Personen versuchen, den toten Pfarrer loszuwerden und den Mord einer anderen Person unterzuschieben. Es ist jedoch völlig unverständlich, daß die handelnden Personen nicht merken, daß der Pfarrer schon längst tot ist. Der Pfarrer wird zu einem Gegenstand semantisiert und es wird dem Toten Gewalt angetan. Das offiziell Geltende, nicht zu wollen, für einen Mord an dem Pfarrer, einer hoch angesehenen Persönlichkeit, verantwortlich gemacht zu werden, wird mit dem Unsinn verbunden, dieser Respektsperson im Tod Gewalt anzutun und es nicht zu bemerken. Dies allein ist schon unverständlich genug, doch außerdem repräsentiert der Pfarrer die Hoffnung, daß durch Christi Leiden für Menschen der Tod überwunden werden kann. Er ist ein Garant für die ewige Seligkeit. Jedoch gerade ihm wird in diesem Märe der Tod und die Seligkeit verweigert. Dies ist ein schockierendes Element in dem Märe: gerade die Person, der die Leser ihr Seelenheil anvertrauen, wird auf so unwürdige Art und Weise im Tod behandelt.

Der Leser ist überrascht und schockiert über die Handlungsweisen und muß über die Kollision der Verhältnisse lachen. Die Ordnung ist matt gesetzt, die Komik ist entstanden.

These 2: Das Fortsetzen einer Reaktionsart, die dann aber unpassend und gegenteilig wird, führt zu einer komischen Situation. Der Automatismus siegt über die zweckmäßige Änderung des Denkens und Äußerns.

Das geeignete Beispiel zu dieser These ist das Märe „Die böse Adelheid“. Die Frau Adelheid ist so darauf versessen ihrem Mann Schaden zuzufügen, daß sie immer nur das Gegenteil von dem tut, was er ihr sagt. Sie führt dieses Verhalten immer weiter fort und merkt nicht, daß der Mann ihre Reaktion ausnutzt und sich zu gute kommen läßt, indem er ihr immer das Gegenteil von dem sagt, was er wirklich möchte. Das Märe endet damit, daß Adelheid aus Widerspenstigkeit in einen Fluß fällt und ertrinkt:

[...]


[1] Alle Mären :Grubmüller, Klaus: Novellistik des Mittelalters. Märendichtung. Bibliothek des Mittelalters, Bd. 23. Frankfurt a. M. 1996

[2] Marquard, Odo: Exile der Heiterkeit. In: Poetik und Hermeneutik, Bd. 7 „Das Komische“. Hrsg. von Wolfgang Preisendanz und Rainer Warning, München 1976

[3] Jauss, Hans R.: Über den Grund des Vergnügens am komischen Helden. In: Poetik und Hermeneutik, Bd. 7 „Das Komische“. Hrsg. von Wolfgang Preisendanz und Rainer Warning, München 1976

[4] Freud, Sigmund: Der Witz und seine Beziehung zum Unbewußten. Studienausgabe Bd. 4, Frankfurt a. M. 1970,

[5] Lexikon des Mittelalters, Bd. VI. Hrsg. von Norbert Angermann. München 1993. S. 230

[6] Marquard, Odo: Exile der Heiterkeit. In: Poetik und Hermeneutik, Bd. 7 „Das Komische“. Hrsg. von Wolfgang Preisendanz und Rainer Warning, München 1976, S. 141

[7] Ebd. S. 143

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Komik und Gelächter in der Märendichtung
Hochschule
Humboldt-Universität zu Berlin  (Ältere Deutsche Literatur)
Veranstaltung
Märendichtung
Note
1,7
Autor
Jahr
2000
Seiten
15
Katalognummer
V17491
ISBN (eBook)
9783638220569
Dateigröße
449 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Die differenzierte Darstellung wurde als sehr gut bewertet, lediglich stilistisch wird bemängelt, dass nicht der mittelhochdeutsche Text zitiert wurde.
Schlagworte
Komik, Gelächter, Märendichtung
Arbeit zitieren
Johanna Niemann (Autor), 2000, Komik und Gelächter in der Märendichtung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/17491

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