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Komik und Gelächter in der Märendichtung

Title: Komik und Gelächter in der Märendichtung

Seminar Paper , 2000 , 15 Pages , Grade: 1,7

Autor:in: Johanna Niemann (Author)

German Studies - Older German Literature, Medieval Studies
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Summary Excerpt Details

Es gilt in dieser Hausarbeit zu erörtern, welche Formen der Komik in der Märendichtung
bestehen und warum die Leser lachen, welche Arten von Lachen es gibt und welchen Zweck
sie haben. Es werden Thesen aufgestellt, die aus theoretischen, modernen Texten abgeleitet
und dann auf die Mären bezogen und auf ihre Richtigkeit überprüft werden.
Als Beispiele werden folgende Mären dienen:
- Hans Rosenplüt: „Der fünfmal getötete Pfarrer“
- Niemand: „Die drei Mönche zu Kolmar“
- Heinrich Kaufringer: „Die Rache des Ehemanns“
- „Die Böse Adelheid“
- „Aristoteles und Phyllis“
- „Ritter Beringer“1
Die Untersuchung wird als Diskussionsgrundlage folgende Texte haben:
- Marquard, Odo: Exile der Heiterkeit2
- Jauss, Hans R.: „Über den Grund des Vergnügens am Komischen Helden“3
- Freud, Sigmund: „Der Witz und seine Beziehung zum Unbewußten“4
Die Thesen werden nacheinander behandelt, nehmen aber aufeinander bezug. Einige der
Mären werden als Beispiel für mehrere Thesen dienen.
Das Märe stammt von dem mhd. Wort daz maere. Der Begriff repräsentiert die vom Beginn
des 13. bis zum Beginn des16. Jahrhundert entstandene deutsche Verserzählung. Ihre mittlere
Länge (ca.150-2000 Verse) hebt sie von Romanen ab. Außerdem haben sie einen „fiktiven,
diesseitig-profanen und unter weltlichen Aspekt betrachteten Gegenstand sowie das
(überwiegend) menschliche Personal, was sie von jeweils nichtfiktiven und geistlichen
Erzählungen (...) und den Fabeln trennt.“5
Im Gegensatz zum Märchen verzichtet das Märe auf Wunder, es gibt jedoch wunderliche
Verhaltensweisen. In den Mären findet man meistens ein bäuerliches, manchmal aber auch
stadtbürgerliches und adeliges Personal. [...]

1 Alle Mären :Grubmüller, Klaus: Novellistik des Mittelalters. Märendichtung. Bibliothek des Mittelalters, Bd.
23. Frankfurt a. M. 1996
2 Marquard, Odo: Exile der Heiterkeit. In: Poetik und Hermeneutik, Bd. 7 „Das Komische“. Hrsg. von
Wolfgang Preisendanz und Rainer Warning, München 1976
3 Jauss, Hans R.: Über den Grund des Vergnügens am komischen Helden. In: Poetik und Hermeneutik, Bd. 7
„Das Komische“. Hrsg. von Wolfgang Preisendanz und Rainer Warning, München 1976
4 Freud, Sigmund: Der Witz und seine Beziehung zum Unbewußten. Studienausgabe Bd. 4, Frankfurt a. M.
1970,
5 Lexikon des Mittelalters, Bd. VI. Hrsg. von Norbert Angermann. München 1993. S. 230

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

Einleitung

These 1

These 2

These 3

These 4

These 5

These 6

Zusammenfassung

Bibliographie

Zielsetzung und Themen

Diese Arbeit untersucht die verschiedenen Formen der Komik in der mittelalterlichen Märendichtung, um zu ergründen, warum und mit welchem Zweck Leser über bestimmte Situationen lachen. Dabei werden theoretische Ansätze der Komikforschung auf exemplarische Mären angewandt, um die Mechanismen hinter der komischen Wirkung und die beabsichtigte didaktische Vermittlung von Lehren zu analysieren.

  • Analyse theoretischer Grundlagen der Komik und des Lachens
  • Untersuchung von Machtumkehrungen und hierarchischen Verschiebungen
  • Bedeutung von Automatismus und Wiederholung in komischen Situationen
  • Funktion von Obzönität und Gewalt als Mittel zur Triebbefriedigung
  • Didaktische Intentionen und die Rolle der Lehre (Epimytheon) in Mären

Auszug aus dem Buch

These 1: Die komische Situation entsteht durch die Verbindung von Geltendem (Anerkanntes, Verständliches) mit Nichtigem (Unsinniges, Unverständliches).

Die Verbindung des eigentlich nicht Verbindbaren ist komisch.

Dazu sagt Odo Marquard: „Komisch ist und zum Lachen bringt, was im offiziell Geltenden das Nichtige und im offiziell Nichtigen das Geltende sichtbar werden läßt.“

Wenn man Sinn und Unsinn verbindet entsteht eine schockierende Wirkung und ein Überraschungseffekt. Man lacht und sieht, daß das Geltende nicht unbedingt das Geltende und das Nichtige nicht das Nichtige ist. Die offiziellen Verhältnisse werden für diesen Moment über den Haufen geworfen. Der plötzlichen Erkenntnis, daß Verhältnisse veränderbar sind, begegnet man mit Lachen, man wird mit der Theorie der Veränderlichkeit nicht fertig. Das bedeutet laut Marquard, daß Lachen eine „Kapitulation der Ausgrenzung vor der Zugehörigkeit des offiziell Ausgegrenzten“ ist.

Am besten ist dies am Beispiel von Hans Rosenplüts „Der fünfmal getötete Pfarrer“ zu erläutern. In diesem Märe ist es verständlich und sinnvoll, daß die betreffenden Personen versuchen, den toten Pfarrer loszuwerden und den Mord einer anderen Person unterzuschieben. Es ist jedoch völlig unverständlich, daß die handelnden Personen nicht merken, daß der Pfarrer schon längst tot ist. Der Pfarrer wird zu einem Gegenstand semantisiert und es wird dem Toten Gewalt angetan. Das offiziell Geltende, nicht zu wollen, für einen Mord an dem Pfarrer, einer hoch angesehenen Persönlichkeit, verantwortlich gemacht zu werden, wird mit dem Unsinn verbunden, dieser Respektsperson im Tod Gewalt anzutun und es nicht zu bemerken. Dies allein ist schon unverständlich genug, doch außerdem repräsentiert der Pfarrer die Hoffnung, daß durch Christi Leiden für Menschen der Tod überwunden werden kann. Er ist ein Garant für die ewige Seligkeit. Jedoch gerade ihm wird in diesem Märe der Tod und die Seligkeit verweigert. Dies ist ein schockierendes Element in dem Märe: gerade die Person, der die Leser ihr Seelenheil anvertrauen, wird auf so unwürdige Art und Weise im Tod behandelt.

Der Leser ist überrascht und schockiert über die Handlungsweisen und muß über die Kollision der Verhältnisse lachen. Die Ordnung ist matt gesetzt, die Komik ist entstanden.

Zusammenfassung der Kapitel

Einleitung: Vorstellung der Thesen zur Komik in der Märendichtung und der untersuchten Quellentexte sowie Definition des Märe-Begriffs.

These 1: Analyse der komischen Wirkung durch die Verbindung von gesellschaftlich Geltendem und Nichtigem am Beispiel des fünfmal getöteten Pfarrers.

These 2: Untersuchung, wie der Sieg eines irrationalen Automatismus über die Vernunft in verschiedenen Mären zu komischen Situationen führt.

These 3: Betrachtung der Wehrlosigkeit gegenüber komischen Situationen und der damit einhergehenden Umkehrung hierarchischer Machtpositionen.

These 4: Erörterung der Identifikation des Lesers mit den überlegenen Figuren als Mittel zur psychischen Entlastung.

These 5: Analyse der Funktion obszöner und gewalttätiger Episoden als Ersatzbefriedigung für den Leser.

These 6: Darstellung der Mären als didaktische Erzählungen, die durch Komik und moralisierende Anhänge konkrete Lehren transportieren.

Zusammenfassung: Synthese der Ergebnisse über den Zweck des Lachens und die Funktion von Komik in der mittelalterlichen Verserzählung.

Bibliographie: Auflistung der verwendeten Primär- und Sekundärliteratur.

Schlüsselwörter

Märendichtung, Mittelalter, Komik, Lachen, Verserzählung, Hans Rosenplüt, Heinrich Kaufringer, Aristoteles, Odo Marquard, Sigmund Freud, Literaturwissenschaft, Didaktik, Epimytheon, Machtverhältnisse, Moralisation.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?

Die Arbeit untersucht die verschiedenen Formen und Funktionen der Komik innerhalb der mittelalterlichen Märendichtung und analysiert, warum Leser über bestimmte Erzählstrukturen lachen.

Welche zentralen Themenfelder stehen im Fokus der Untersuchung?

Zentral sind die Dynamiken von Komik, wie etwa der Zusammenprall von Sinn und Unsinn, der Automatismus menschlichen Handelns sowie die Umkehrung von Machtverhältnissen.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Das Ziel ist es zu klären, welche Formen der Komik in den Mären bestehen, warum diese Lachen auslösen und welcher didaktische Zweck mit diesem Lachen verfolgt wird.

Welche wissenschaftlichen Methoden werden angewandt?

Die Untersuchung nutzt theoretische Texte, unter anderem von Odo Marquard, Hans R. Jauss und Sigmund Freud, um diese auf ausgewählte Mären anzuwenden und deren inhaltliche Richtigkeit zu prüfen.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Im Hauptteil werden sechs Thesen nacheinander behandelt, die unter anderem Themen wie die Verbindung von Geltendem und Nichtigem, den Sieg des Automatismus, Identifikationsprozesse und die didaktische Funktion der Komik beleuchten.

Durch welche Schlüsselwörter lässt sich die Arbeit charakterisieren?

Zu den wichtigsten Begriffen gehören Märendichtung, Komik, Lachen, Didaktik, Machtumkehrung, Aristoteles, Epimytheon und psychologische Entlastung.

Warum ist das Beispiel von „Aristoteles und Phyllis“ für die These zur Machtumkehrung so wichtig?

Das Märe illustriert besonders deutlich, wie eine hochstehende Autoritätsfigur (der Philosoph Aristoteles) in eine tierähnliche Position gedrängt wird, wodurch beim Leser ein Gefühl der Überlegenheit entsteht.

Welche Rolle spielt die Gewalt in den untersuchten Mären?

Gewalt und Obszönität fungieren in den Mären laut der Analyse als Mittel zur Triebbefriedigung und bieten dem Leser einen Weg, durch das Lachen eine psychische Entlastung von Alltagszwängen zu erfahren.

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Details

Title
Komik und Gelächter in der Märendichtung
College
Humboldt-University of Berlin  (Ältere Deutsche Literatur)
Course
Märendichtung
Grade
1,7
Author
Johanna Niemann (Author)
Publication Year
2000
Pages
15
Catalog Number
V17491
ISBN (eBook)
9783638220569
Language
German
Tags
Komik Gelächter Märendichtung
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Johanna Niemann (Author), 2000, Komik und Gelächter in der Märendichtung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/17491
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